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Schlossanlage Hüffe, Preußisch Oldendorf
 

Das Rittergut Hüffe wird erstmalig sicher 1439 erwähnt. Nach Abbruch eines Vorgängerbaus wurde von 1774 bis 1782 das Herrenhaus auf einer Gräfteninsel errichtet. Nicht wie sonst üblich mit der Gartenseite, sondern mit der Hauptseite öffnet sich das Schloss in südlicher Richtung zum Park hin. Der Ausgriff in die weite Landschaft und die lange Sichtachse, die den Blick zu den Höhen des Wiehengebirges führt, verdeutlichen die programmatische Verknüpfung von zeitgenössischer Baukunst mit den Mitteln der Gartenkunst und Landschaftsgestaltung.

Externe ID: T-P363N403-20080214-0001
Erfassungsdatum: 14.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2007: Schloss Hüffe

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Hüffe, Preußisch Oldendorf - Lashorst (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Privateigentum. Der Schlosspark südlich der Schloßstraße ist öffentlich zugänglich, das Schloss und der umgebende Garten sind nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:

Alsweder Niederung, südlich des Mittellandkanals; etwa 3 km­­ nördlich von Preußisch Oldendorf; Größe etwa 7,5 Hektar.
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Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Das Rittergut Hüffe wird erstmalig sicher 1439 erwähnt. Genau wie das benachbarte Gut Hollwinkel bildete es einen westlichen Randposten des Bistums Minden. Die ursprünglichen Eigentümer von Schloen, genannt Gehle, waren Besitzer dieser beiden Anlagen. Da gleichzeitig die ursprünglich nicht genau definierte Grenze zwischen der Grafschaft Ravensberg und dem Fürstbistum Minden durch die Gutsflächen lief, ist die Geschichte des Guts bis ins 18. Jahrhundert von Territorial- und Erbschaftsstreitereien gekennzeichnet, die 1609 sogar vor dem Reichskammergericht ausgetragen wurden. Nicht unbeteiligt an diesem Streit war Oberst Cristoph von Wrisberg, der von 1554 bis 1580 Gutsherr war. Er war einer der bedeutendsten Söldnerführer seiner Zeit, und so wurde der Streit mit den Eigentümern von Schloss Hollwinkel um Erbschaftsfragen auch gewaltsam ausgetragen.

1773 erwarb Friedrich Christian Arnold von Jungkenn das Gut. Er war ein führender Beamter des Landgrafen von Hessen und zog sich gerne in die Ruhe von Hüffe zurück. Er ließ zwischen 1775 und 1784 das Schloss und den Park in seiner heutigen Form errichten. Von Jungkenn ist auf der Begräbnisinsel im Schlosspark beigesetzt. Bis 1947 verblieb das Schloss im Eigentum der Familie bzw.­­deren Erben. 1947 erwarb der Landesverband Westfalen-Lippe als DRK das Gebäude und betrieb hierin bis 1977 ein Altenheim. 1977 erwarb der Eigentümer mehrerer Privatkliniken das Gut und ließ umfangreiche Renovierungsarbeiten zur Herrichtung des bis heute genutzten Wohnsitzes ausführen.

Gebäude und Ausstattung:
Nach Abbruch eines Vorgängerbaus wurde von 1774 bis 1782 das Herrenhaus auf einer Gräfteninsel vermutlich nach Entwürfen des Kasseler Oberbaudirektors Simon Louis de Ry errichtet. Am Übergang vom späten Barock zum frühen Klassizismus diente der schlichte Dreiflügelbau als Altersruhesitz für den kunstsinnigen hessischen Generalleutnant Friedrich Christian Arnold von Jungkenn.

Das Äußere der Bauten zeigt in seiner zurückhaltenden Gestaltung schon klassizistische Tendenzen. Im Gegensatz dazu zeichnet sich das Innere einiger Räume durch reichhaltige Stuckaturen aus, die in den Rocailleformen noch die Verbindung zum Rokoko aufzeigen. Bemerkenswert ist der Spiegelsaal im Obergeschoss des Mittelbaus.

Außen verbinden niedrige, geschwungene Galerien drei eigenständige, als Pavillons angelegte Gebäude so miteinander, dass ein hufeisenförmiger Ehrenhof entsteht. Nicht wie sonst üblich mit der Gartenseite, sondern mit der Hauptseite öffnet sich dadurch das Schloss in südlicher Richtung zum Park hin. Der Ausgriff in die weite Landschaft und die lange Sichtachse, die den Blick zu den Höhen des Wiehengebirges führt, verdeutlichen die programmatische Verknüpfung von zeitgenössischer Baukunst mit den Mitteln der Gartenkunst und Landschaftsgestaltung.

Art der Grünanlage:
Historischer Landschaftspark.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Ab 1775 wurde der Park durch den ebenfalls in Kassel tätigen Hofgärtner Pierre Bourgignon angelegt. Ebenso wie beim Schloss ist auch die Gestaltung des Parks durch einen Stilwandel gekennzeichnet. Ein um 1790 gezeichneter und mit Müller signierter Situationsplan zeigt auf einer ungewöhnlich spitz zulaufenden Fläche ein Nebeneinander von Elementen des geometrischen Barockgartens und des unregelmäßigen Landschaftsparks. Die streng axiale Ausrichtung der von Alleepflanzungen begleiteten Hauptwege stand im merkwürdigen Kontrast zu kleineren Baum- und Strauchkabinetten mit Ruhe- und Aussichtsplätzen, die untereinander mit Schlängelwegen verbunden waren. Eine lange, gerade Allee mit Eschen bildete den westlichen Abschluss des langgestreckten Parkdreiecks, an dessen Spitze sich wiederum eine kleinere landschaftlich gestaltete Fläche anschloss.

Zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Anlage vollständig in einen Landschaftspark umgestaltet. Durch Überschwemmungen hervorgerufene Nässeschäden an den Pflanzen und das Ideal eines neuen Naturverständnisses veranlassten von Jungkenn zu diesen Maßnahmen. An den 1806 verstorbenen Bauherren erinnert ein Grabdenkmal auf der Begräbnisinsel am westlichen Rand des Parks.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Im Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte sind immer wieder kleinere Eingriffe im Park vorgenommen worden. Die Veränderung und Vereinfachung des Wegenetzes, das Verschwinden der gestaltprägenden Alleen und eine schrittweise Verwilderung kennzeichnen die Erscheinung des heutigen Schlossparks. Von der kunstvollen Gestaltung der Entstehungszeit haben sich die typisch langgestreckte Form, der Teich mit der Begräbnisinsel und die große Schneise mit Fernblick auf das Wiehengebirge erhalten. Der alte Baumbestand besteht überwiegend aus einheimischen Gehölzen. Ein großer Teil der hochaufgewachsenen alten Bäume flankiert die Sichtschneise mitten durch den langgestreckten Park.

Quellenangaben

  • Landesvermessungsamt NRW (Hrsg.) (1837): Urmeßtischblatt Blatt 3617. Bonn-Bad Godesberg.
  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 3617, Lübbecke. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Maoro, Ernst (1986): Schloss Hüffe in Lübbecke. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 164 - 166.
  • Brepohl, Wilhelm (1980): Landschloss Hüffe. In: Westfälische Kunststätten, Heft 11, Münster.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Krukemeyer, Hartmut / Wessels, Lothar (1994): Schloss Hüffe - Ein Ostwestfälischer Herrensitz. Lübbecke.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 18 - 20.
  • Bätjer, Friedrich Wilhelm (1941): Das Landschloss Hüffe und Simon Louis du Ry. In: Westfalen, 8. Sonderheft, Münster.
  • Meisel, Sofie (1959): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 85, Bonn-Bad Godesberg.
  • Besserer, Dieter (1991): Christoph von Wrisber, Landsknechtführer und Besitzer des Rittergutes Hüffe. In: Der Minden Ravensberger, Bielefeld, Seite 77 - 79.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
Externe ID: LWL-GUP00154
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Auswertung historischer Fotos
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Archivauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1775
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032465


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2008: Schlosspark Hüffe
2008: Schlosspark Hüffe
2008: Schloss Hüffe, Orangerie
2007: Schlosspark Hüffe
1999: Schlosspark Hüffe
1896: Preußisch Oldendorf
Schloss Hüffe
Schloss Hüffe
1837: Preußisch Oldendorf