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Schloss Neuhaus, Paderborn
 

Die Lage auf einer natürlichen Halbinsel, die durch den Zusammenfluss von Alme, Lippe und Pader gebildet wird, begünstigte den Bau einer wehrhaften Wasserburg als Sitz der Paderborner Bischöfe vor den Toren der Stadt. Das bischöfliche Residenzschloss wurde in mehreren Bauabschnitten zwischen 1370 und 1597 erbaut. Das kastellartige Schloss ist mit seinen vier Flügeln und den mächtigen Ecktürmen eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser in Deutschland. Der zum Ort gewandte Flügel, das sogenannte "Haus Braunschweig", entstand um 1525 und war der erste Schlossbau der Region in den Formen der Weserrenaissance. Mit dem zum Garten gewandten "Haus Fürstenberg" wird 1597 der beeindruckende Schlossbau vollendet. Im 18. Jahrhundert wurde die gesamte Schlossanlage unter dem einflussreichen und machtvollen Kölner Kurfürsten und Paderborner Fürstbischof Clemens August von Bayern nach Plänen des Paderborner Baumeisters Franz Christoph Nagel zu einer repräsentativen Barockresidenz ausgebaut.
Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) nahm Schloß Neuhaus schweren Schaden und erfuhr in den folgenden Jahrzehnten einen ständigen Niedergang. Infolge der Säkularisierung und Auflösung des Fürstbistums Paderborn am Anfang des 19. Jahrhunderts verlor die gesamte Anlage ihre Funktion als bischöfliche Residenz. Nach verschiedenen Nutzungen als Fabrik und Zuchthaus wurde die Anlage schließlich Standort einer preußischen Garnison. In der Folge bebaute man den Gartenbereich mit Kasernen und Stallungen und nutzte die verbliebenen Flächen als Exerzier- und Reitplatz. Die militärische Nutzung des ehemaligen Gartenbereiches hielt bis in die jüngste Zeit an, wogegen das Schlossgebäude bereits in den 1960er Jahren in kommunale Trägerschaft überging und heute unter anderem die örtliche Realschule beherbergt.
Im Zuge der Landesgartenschau 1994 entstand im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus der Schloss- und Auenpark. Die gesamte Anlage setzt sich aus dem rekonstruierten Schlosspark der einstigen bischöflichen Residenz und dem Erholungsgebiet der landschaftsgärtnerisch gestalteten Auenbereiche von Alme, Lippe und Pader zusammen.

Externe ID: T-P363N403-20080213-005
Erfassungsdatum: 13.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2008: Schloss Neuhaus

Zugehöriges Objekt

Schloss- und Auenpark Neuhaus, Paderborn (Kulturlandschaft)

 

­Eigentümer und Zugänglichkeit:
Schloss- und Auenpark Gesellschaft, Marstallstr. 10, 33104 Paderborn. Die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Randgebiet der Senne, nordwestlich der Innenstadt von Paderborn; Größe etwa 42 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Im Zuge der Landesgartenschau 1994 entstand im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus der Schloss- und Auenpark. Die gesamte Anlage setzt sich aus dem rekonstruierten Schlosspark der einstigen bischöflichen Residenz und dem Erholungsgebiet der landschaftsgärtnerisch gestalteten Auenbereiche von Alme, Lippe und Pader zusammen.

Die Ortschaft "Schloß Neuhaus" liegt auf einer natürlichen Halbinsel, die durch den Zusammenfluss der drei genannten Wasserläufe gebildet wird. Diese Lage begünstigte den Bau einer wehrhaften Wasserburg als Sitz der Paderborner Bischöfe vor den Toren der Stadt.

Im 18. Jahrhundert wurde die gesamte Schlossanlage unter dem einflussreichen und machtvollen Kölner Kurfürsten und Paderborner ­Fürstbischof Clemens August von Bayern nach Plänen des Paderborner Baumeisters Franz Christoph Nagel zu einer repräsentativen Barockresidenz ausgebaut.

Zur 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm Schloss Neuhaus im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) schweren Schaden und erfuhr in den folgenden Jahrzehnten einen ständigen Niedergang. Infolge der Säkularisierung und Auflösung des Fürstbistums Paderborn am Anfang des 19. Jahrhunderts verlor die gesamte Anlage ihre Funktion als bischöfliche Residenz. Nach verschiedenen Nutzungen als Fabrik und Zuchthaus wurde die Anlage schließlich Standort einer preußischen Garnison. In der Folge bebaute man den Gartenbereich mit Kasernen und Stallungen und nutzte die verbliebenen Flächen als Exerzier- und Reitplatz. Die militärische Nutzung des ehemaligen Gartenbereiches hielt bis in die jüngste Zeit an, wogegen das Schlossgebäude bereits in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts in kommunale Trägerschaft überging und heute unter anderem die örtliche Realschule beherbergt.

Gebäude und Ausstattung:
Das bischöfliche Residenzschloss wurde in mehreren Bauabschnitten zwischen 1370 und 1597 erbaut. Das kastellartige Schloss ist mit seinen vier Flügeln und den mächtigen Ecktürmen eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser in Deutschland. Der zum Ort gewandte Flügel, das sogenannte "Haus Braunschweig", entstand um 1525 und war der erste Schlossbau der Region in den Formen der Weserrenaissance. Mit dem zum Garten gewandten "Haus Fürstenberg" wird 1597 der beeindruckende Schlossbau vollendet.

Nach Plänen Nagels wurden von 1730 bis 1734 an der Gartenseite des Schlosses ein Balkon und eine Durchfahrt zum Garten angelegt. Zudem entstanden neue Brücken und im Westen der Anlage ein großzügiger, hufeisenförmiger Marstall.

Art der Grünanlage:
Rekonstruierter Schlosspark und moderne Freizeit- und Erholungsanlage.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Bereits zur Zeit der Renaissance existierte ein größerer Garten am Schloss. Ohne direkten Zugang vom Schloss lag nördlich der Gräfte eine schachbrettartig aufgeteilte Gartenanlage, deren buchsbaumgefasste Beete mit einfachen geometrischen Ornamenten geschmückt waren.

Für die Ausführung des 1736 nach den Plänen Nagels vollendeten prachtvollen Barockgartens, für den die Flussläufe von Alme und Lippe verlegt werden mussten, holte man den Schönbrunner Hofgärtner Hatzel aus Wien nach Neuhaus.

Den historischen Bestand des barocken Schlossgartens zeigt ein 1753 von Landesvermesser Philipp Sauer gezeichneter Gesamtplan. Der Plan stellt einen aufwendig gestalteten Barockgarten dar, der durch eine große Längsachse und eine Querachse gegliedert war. Den Höhepunkt des Gartens bildete im Zentrum der Achsen ein großes Wasserbecken mit einer hohen Fontäne. Unmittelbar am Schloss legte man ein kunstvolles Rasenparterre an, ein sogenanntes "Parterre à l'angloise", dessen Ornamentik von Rasenmustern, Schmuckbeeten und bunten Kiesflächen gebildet wurde. Die gartenkünstlerische Gestaltung wurde jenseits der großen Fontäne mit einem Boskett aus Eiben fortgesetzt. Im Westen und Osten wurden das Schloss und der zentrale Gartenbereich jeweils von einer doppelreihigen Lindenallee mit langen Rasenbändern umrahmt. Beide Alleen liefen schließlich in einem großen Halbkreis am Lippeufer zusammen. Außerhalb der zentralen Anlage lagen weitere Gartenbereiche. Jenseits der Lippe im Osten ein Küchengarten und westlich zur Alme hin weitere Ziergärten, deren mittlere Achse ein breiter Kanal einnahm. Nach der Säkularisation verschwand der ursprüngliche Barockgarten fast vollständig.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Die "Wiedergeburt" des barocken Gartens konnten die Besucher der 1994 veranstalteten Landesgartenschau erleben. Nach Beendigung der militärischen Nutzung durch die britischen Alliierten hat man die nicht erhaltenswerten Gebäude abgebrochen und Teilbereiche des Barockgartens detailgetreu rekonstruiert. So wurden das am Schloss gelegene "Parterre à l'angloise", die Schlossgräfte und eine Lindenallee wiederhergestellt. Auch fanden die in zwischen zurückgeführten und restaurierten barocken Gartenskulpturen, sie stellen symbolisch die Zwölf Monate des Jahres dar, eine neue Aufstellung. Das Neuhäuser Bürgerhaus in Höhe der Querachse des früheren Barockgartens und die inzwischen entstandenen Gebäude des Gymnasiums setzten der Rekonstruktion deutliche Grenzen. Infolge der räumlichen Nähe zum Bürgerhaus wurde auf die Wiederherstellung der großen Fontäne verzichtet und statt dessen ein Brunnentheater errichtet. Auch das schlossnahe Gartenparterre konnte in diesem Bereich nicht vollständig nachgebildet werden. Der ursprüngliche Verlauf der barocken Beetbegrenzungen ist jedoch mit der Pflasterung des Platzes sichtbar gemacht worden. Sorgfältig und behutsam hat man auch die Schlossgräfte in ihren historischen Ausmaßen wiederhergestellt. Die Bereiche mit altem Baumbestand wurden ausgespart und statt dessen der Verlauf der alten Gräfte mit einer Eibenhecke markiert. Ebenso hat man von einer vollständigen Rekonstruktion der barocken Lindenalleen zugunsten des alten Baumbestandes abgesehen. So finden sich heute im Bereich der Rasenbänder alte Bäume neben neugepflanzten Linden. Im Norden des Parks endet die Allee am "Geophytenwäldchen". Auf dem Waldboden entfaltet sich im Frühling ein prachtvolles Blütenmeer von Anemonen und anderen Frühblühern.

Der Park von Schloss Neuhaus gilt heute als ein gelungenes Beispiel für die teilweise Wiederherstellung des einstmals bedeutenden und prachtvoll gestalteten Barockgartens der fürstbischöflichen Residenz.

Neben dem Schlosspark haben die Auen von Pader, Alme und Lippe den Rahmen der Landesgartenschau 1994 gesetzt. War im Schlosspark das zentrale Thema die Rekonstruktion des historischen Gartens, so galt es in den Flussauen, die landwirtschaftlich intensiv genutzten und von Straßen zerschnittenen Flächen für die Erholung nutzbar zu machen. Mit dem Schloss- und Auenpark wurde somit ein zusammenhängendes Band von Erholungsgebieten entlang der Flusslandschaften von der Paderborner Innenstadt bis zum Lippesee geschaffen.

In der Paderaue, die sich zwischen dem Padersee und dem Ort Schloss Neuhaus erstreckt, wurden neue Wegeverbindungen und Spielplätze geschaffen. Somit führt heute ein durchgängiger Weg von den Paderquellen bis zum Schlosspark. Dazu wurde selbst ein Straßenabschnitt, der den Bereich der Paderaue zerteilte, stillgelegt und zurückgebaut. Ein weiterer Schwerpunkt der Gartenschau waren Maßnahmen zur Renaturierung des Flusses und seiner Aue. Daher wurden die begradigten Flussabschnitte und die intensiv genutzten Auenbereiche naturnah umgestaltet und so die Vielfalt des Lebensraums "Flussaue" für Flora und Fauna wesentlich verbessert. Entlang des Weges informieren die Stationen des Paderlehrpfades über die Geschichte der Bischofsstadt und über die vielfältige Ökologie der Flussauen. Auch in den Alme- und Lippeauen war das zentrale Leitmotiv der Landesgartenschau das Thema "Wasser und Erholung". Mit zahlreichen neuen Wegen und Erholungseinrichtungen sind diese Bereiche erschlossen worden. Am auffälligsten sind der große Auenspielplatz und mehrere beispielhafte Musteranlagen, mit denen die kreativen Möglichkeiten der landschaftsgärtnerischen Gestaltung zum Thema "Wasser" aufgezeigt werden. Ebenso sind bisher unzugängliche, ortsnahe Grünflächen wie beispielsweise Obstgärten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Eine große Bedeutung hatte auch die ökologische Aufwertung der Flusslandschaft, in der die Feuchtwiesen des Krebsbaches am Kruggelfeld wieder entstanden und die Uferbereiche von Alme und Lippe naturnah hergerichtet wurden.

­Aufgrund ihrer Bedeutung für die "Geschichte der Gartenkunst" wurden die Gartenanlage vom Schloss- und Auenpark Neuhaus in das Europäische Gartennetzwerk (EGHN) aufgenommen.

Weitere Abbildungen:
Westfalia Picta Band 5, Seite 470 bis 483.

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Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1894): Blatt 4218, Paderborn. Herausgegeben 1894, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.
  • Ehrig, Christhard (ca. 1993): Bewahren historischer Gartenkunst - Gartendenkmalpflegerische Rekonstruktion des Barockgartens von Schloss Neuhaus. unveröffentl. Manuskript mit Fotos und Detailplänen, Bielefeld.

Literaturangaben

  • Börste, Norbert / Wollmann, Klaus (1994): Paderborn erhielt in Schloss Neuhaus eine neue Museumslandschaft. In: Die Warte 82/1994, Paderborn, Seite 6 - 9.
  • o.A. (1994): Zwischen Stadtentwicklung und Blumenschau. In: Landschaftsarchitektur 4/1994, o.O., Seite 11.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • o.A. (1993): Der rekonstruierte Barockgarten am Neuhäuser Schloss. In: Das Gartenamt 12/1993, o.O., Seite 779 - 780.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalen-Lippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Band 3.4: Stadt Bielefeld, Kreis Herford, Kreis Paderborn. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Niesel, Alfred (1994): Barockgarten und Paderaue. In: Neue Landschaft 3/1994, Berlin, Seite 167 - 170.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 162 - 167.
  • Maoro, Ernst (1986): Schloss Neuhaus in Neuhaus. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 190 - 192.
  • Wawra, Andrea (1994): Zwischen Schloss und Flüssen. In: Gartenpraxis 7/1994, Stuttgart, Seite 44 - 45.
  • o.A. (1995): Gartenfiguren kehrten nach Schloss Neuhaus zurück. In: Denkmalpflege in Westfalen 1/1995, o.O., Seite 42.
  • Bußmann, Klaus (Hrsg.) (1973): Johann Conrad Schlaun 1695 - 1773. Schlaunstudie 1, Textteil, Münster.
  • Ehrig, Christhard (1994): Flusslandschaft als grüne Lebensader. In: Garten + Landschaft 5/1994, München, Seite 5 - 6.
  • Hofrichter, Hartmut (1993): "Abschied vom Barock" oder alles nur Brunnentheather?. In: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege 1/1993, Braubach, Seite 40.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Buck, Peter (1994): Landesgartenschau Paderborn - Erlebnisgarten für alle. In: Die Warte 82/1994, Paderborn, Seite 3 - 5.
  • Hachmann, Eckhard (1994): Mit Zollstock und Zirkel.... In: Die Warte 81/1994, Paderborn, Seite 14 - 15.
Externe ID: LWL-GUP00174
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Archivauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Touristische Bedeutung: sehr hoch - ist eine Reise wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1501
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032451


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2006: Schlosspark
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1592: Schloss Neuhaus
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