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Schloss Schieder, Schieder-Schwalenberg
 

Zwischen 1700 und 1706 ließ Rudolf Graf zur Lippe-Brake, der einer Seitenlinie des lippischen Adelsgeschlecht entstammt, den schlichten Schlossbau errichten. Kurze Zeit nach Vollendung der gärtnerischen Anlagen und des Schlossbaues starb die Adelslinie Lippe-Brake aus. Nach langen Streitereien um das Erbe wurde die Anlage von den Grafen zu Schaumburg-Lippe in Besitz genommen. 1789 gingen das Schloss und der Park in das Eigentum des lippischen Fürstenhauses in Detmold über. Das Schloss mit dem einst prächtig ausgestatteten 20 Hektar großen Park war bis 1918 Sommersitz der lippischen Regenten. Nach mehr als zweihundert Jahren wurde der Park 1914 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1918 gingen der Park mit Schloss und Domäne in den Besitz des Landes Lippe über. Die Verwaltung des lippischen Landesvermögens verpachtete das Schloss ab 1922 an das Sozialwerk der Deutsche Reichsbahn. Bis 1968 unterhielt die Bundesbahn im Gebäude ein Kinderheim. Die Stadt Schieder-Schwalenberg übernahm den Park 1963. 1980 erhielt Schieder die staatliche Anerkennung als Kneippkurort. Das Schloss wird heute von der Stadt Schieder-Schwalenberg als Kurgastzentrum genutzt.

Externe ID: T-P363N403-20080213-0006
Erfassungsdatum: 13.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2009: Schlosspark Schieder

Zugehöriges Objekt

Schloss- und Kurpark Schieder, Schieder-Schwalenberg (Kulturlandschaft)

 

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Eigentümer und Zugänglichkeit:

Stadt Schieder-Schwalenberg, Im Kurpark 2, 32807 Schieder-Schwalenberg. Die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:

Weserbergland/Lipper Bergland; im nördlichen Ortsbereich von Schieder; Größe etwa 20 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:

Das Schloss mit dem einst prächtig ausgestatteten 20 Hektar großen Park war bis 1918 Sommersitz der lippischen Regenten und wird heute von der Stadt Schieder-Schwalenberg als Kurgastzentrum genutzt.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ Rudolf Graf zur Lippe-Brake den schlichten Schlossbau errichten. Der Bauherr entstammt einer Seitenlinie des lippischen Adelsgeschlechts. Kurze Zeit nach Vollendung der gärtnerischen Anlagen und des Schlossbaues starb die Adelslinie Lippe-Brake aus. Nach langen Streitereien um das Erbe wurde die Anlage von den Grafen zu Schaumburg-Lippe in Besitz genommen. An den Grafen Albrecht-Wolfgang erinnert die Inschrift auf den beiden Pfeilern des Gartentores, das heute den Park zur Emmer hin abschließt.1789 gingen das Schloss und der Park in das Eigentum des lippischen Fürstenhauses in Detmold über. Nach mehr als zweihundert Jahren wurde der Park 1914 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1918 gingen der Park mit Schloss und Domäne in den Besitz des Landes Lippe über. Die Verwaltung des lippischen Landesvermögens verpachtete das Schloss ab 1922 an das Sozialwerk der Deutsche Reichsbahn. Bis 1968 unterhielt die Bundesbahn im Gebäude ein Kinderheim. Die Stadt Schieder-Schwalenberg übernahm den Park 1963. 1980 erhielt Schieder die staatliche Anerkennung als Kneippkurort.


Gebäude und Ausstattung:

Der schlichte barocke Schlossbau wurde von 1700 bis 1706 errichtet, er dient heute als Kurverwaltung und wird für Veranstaltungen genutzt.

1832 errichtete man zwischen dem Schloss und den Kavalierhäusern einen Marstall und eine Wagenremise. Das Prinzenhaus bzw. Teehaus stammt ebenfalls aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Art der Grünanlage:

Barocker Terrassengarten und Landschaftspark des 19. Jahrhunderts mit modernen Elementen.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:

Im Süden des Schlossgebäudes entstand zum Beginn des 18. Jahrhunderts eine terrassierte Gartenanlage, die mit ihrer Disposition und einigen Details auf italienische Vorbilder schließen lässt. Leider hat sich von diesem Terrassengarten kein Plan erhalten. Alte Rechnungen führen aber die Kosten für drei Kaskaden und eine Fontäne auf. Importierte Blumenzwiebeln aus Holland, eine Lieferung mit Orangenbäumen und anderen Raritäten aus Hamburg und der Bau eines Gewächshauses zum frostfreien Überwintern der Exoten belegen den beträchtlichen Aufwand zur Gestaltung des Gartens. Die Terrassen mit den doppelläufigen Treppen, die beiden Kaskadenbecken mit ihren wasserspeienden Masken und der Kanal sind noch heute sichtbare Zeugnisse aus der Entstehungszeit der Anlage.

Eine erstmals 1704 und 1705 angepflanzte Allee mit insgesamt 260 Linden setzte damals in nördlicher Richtung deutliche Zeichen. Vom Schloss aus führte sie über die Emmerbrücke weit in die Landschaft hinaus.

Aus der Zeit des Grafen Wilhelm­­ stammt ein 1775 datierter Gartenplan, der den Grundriss des Hauses mit einem barocken Lustgarten zeigt. Obwohl es an den aufgeklärten europäischen Adelshäusern dieser Zeit schon rege Diskussionen um das englische Gartenideal mit seinen landschaftlichen Gärten und Parks gab, wurde in Schieder noch ein regelmäßiger Garten dargestellt. Für die intensive Pflege des barocken Lustgartens war die Beschäftigung eines Gärtners und mehrerer Hilfskräfte selbstverständlich. Hofgärtner sind in Schieder seit dem frühen 18. Jahrhundert überliefert und zählten zu den Bediensteten, die am höchsten bezahlt wurden.

Während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ Leopold II. große Teile des Barockgartens landschaftlich umgestalten und die Anlage in nördlicher Richtung bis zu den beiden Kavalierhäusern erweitern.

Im Barockgarten mussten, bis auf die Esskastanien der mittleren Terrasse, die beschnittenen Bosketts und das aufwendig gestaltete Parterre an der Gartenseite des Hauses weichen. Stattdessen legte man Rasenflächen mit einzelnen Bäumen, Gehölzgruppen und Blumenbeete an. Östlich vom Terrassengarten wurde ein kleines Wäldchen angepflanzt und am Rande das sogenannte "Prinzenhaus" errichtet. In die landschaftliche Parkgestaltung bezog man auch den Schweibach mit ein. Er wurde von mehreren Brücken überspannt und zu einem kleinen Teich aufgestaut.

Ein 1848 vom Hofgärtner Kahl gezeichneter Situationsplan zeigt mit zahlreichen Details anschaulich die Gestaltung des Schlossparks. Einige bemerkenswerte Altbäume, von denen heute noch besonders eine seltene Strauchkastanie, eine hohe Schwarzkiefer und eine mächtige Rotbuche auffallen, stammen ebenso wie die Platanen und Tulpenbäume im Bereich des Parterres aus dieser Zeit. Von der westlichen Umgrenzung hat sich noch der Rest einer Mauer mit aufgesetztem Staketenzaun erhalten. Vier Tore schlossen die Anlage nach außen ab. Ein Tor war zwischen den Kavaliershäusern im Norden und ein weiteres Tor im Westen an der Zufahrt über den Wirtschaftshof. Auch die heutigen Parkeingänge im Süden waren ursprünglich mit Toren gesichert.

Leopold III. veranlasste schon 1862 die Erweiterung des Parks bis auf die heutige Größe. Zur selben Zeit wurde auch das barocke Gartentor von 1738 zum heutigen Standort an der Emmerbrücke versetzt. Im Gegensatz zu den anderen Bereichen des Parks, die noch immer aufwendig bepflanzt und ausgestattet waren, hat man die neuen Bereiche als großzügig weite Landschaftsszenerien mit großen Wiesenflächen, verschiedenartigen Laub- und Nadelgehölzgruppen und mehreren Teichen gestaltet. Der somit fast um das Doppelte erweiterte Schlosspark verursachte dem lippischen Hause bald zu hohe Kosten. Nachdem der Fürst 1875 starb, schränkte sein Nachfolger die Pflege erheblich ein. Die Blumenbeete wurden aufgegeben, die Wege nur noch unmittelbar am Schloss vom Unkraut freigehalten und die bis dahin im Park umherlaufenden Pfauen und Perlhühner abgeschafft. Zudem verkaufte man das von den Rasenflächen abgemähte Gras als Viehfutter. Selbst einige standfeste Parkbäume fielen zur Holzgewinnung der Axt zum Opfer.

Erst gut zwanzig Jahre später kam für die Anlage mit dem Grafregenten Ernst zur Lippe-Biesterfeld die Wende. Seine Familie und auch noch die Familie des Nachfolgers Leopold IV. hielten sich immer wieder gerne mit zahlreichen Gästen während der Sommermonate in Schieder auf.

Die Entwicklung der Ortschaft Schieder als Luftkurort nahm im Verlauf des 20. Jahrhunderts einen deutlichen Aufschwung. Der für die Allgemeinheit zugängliche Schlosspark und die Eröffnung eines Freibades östlich vom Park erhöhten zunehmend die Attraktivität des Ortes. Mehrere Unwetter und umfangreiche Straßenbaumaßnahmen beschädigten in den letzten Jahrzehnten die alten Bäume der Lindenallee. Sie wurde nur noch im Bereich des Parks erneuert. 1963 erwarb die Gemeinde Schieder den Schlosspark und errichtet eine Brunnenhalle mit Café und einer großen Außenterrasse. Eine Minigolfanlage und Wassertretbecken erweiterten das Angebot für die Kurgäste. An die ehemals fürstliche Wagenremise wurde 1977 das Bewegungsbad angebaut.

Zum Auftakt des Projekts „Garten-Landschaft OstWestfalenLippe“ im Jahre 1999 wird auch der Schlosspark Schieder durch eine Gruppe von Gartenexperten besucht. Schnell ist man sich einig, dass es sich hierbei um ein besonderes Juwel handelt und äußert den dringenden Wunsch, Maßnahmen zur Zukunftssicherung zu unternehmen, vorrangig für den ehemaligen Barockgarten. Schließlich stellt die Stadt Schieder-Schwalenberg 2004 im Rahmen des Projekts „Neuer »Alter« Garten“ einen Antrag auf Stadterneuerung für die „Instandsetzung und Wiederherstellung des barocken Bereichs der historischen Parkanlage Schloss- und Kurpark zu Schieder“. Sie wird dabei vom „Fördervereins Schloss und Schlosspark Schieder“ unterstützt sowie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziell gefördert.
Die Maßnahmen basierten auf der Diplomarbeit von Frau Kathrin Schulz (Hochschule Ostwestfalen-Lippe) über den Schlosspark Schieder aus dem Jahre 2002 und dem darin entwickelten Planungskonzept für die zukünftige Gestaltung des Schlossparks.
Da der gesamte Bereich des Schlossparks Schieder unter Denkmalschutz steht, waren insbesondere auch denkmalpflegerische Belange zu beachten.
Von Anfang an bildete die Kommune mit den beteiligten Institutionen einen Arbeitskreis, in dem alle wichtigen Fragen und Maßnahmen erörtert und abgestimmt wurden.
Ziel der Maßnahmen war die Instandsetzung und Umgestaltung des südlichen barocken Parkteils auf der Grundlage des Gartenplans von 1775. Dies war jedoch nur möglich, weil die alten Solitärbäume aus der Phase der landschaftlichen Umgestaltung im 19. Jahrhundert nicht mehr verkehrssicher waren und  beseitigt werden mussten. Auf diese Weise  konnten das ursprüngliche Niveau des Parterres und die Wegeachsen wieder hergestellt sowie der Brunnen saniert und optisch wieder hervorgehoben werden.

Nach entsprechenden Vorarbeiten konnte schließlich im Jahr 2006 der 1. Spatenstich erfolgen. Den Anfang bildete die Instandsetzung und Wiederherstellung der Terrassenebenen durch das Hervorheben der Böschungen sowie ihre Bepflanzung mit säulenartigen Formbäumchen.

Dann folgte die Sanierung der Treppen- und Kaskadenanlagen mit der Herstellung und Erneuerung der Mittelachse. Hierzu wurden die Sandsteintreppen komplett ern­euert, d. h. die noch verwertbaren alten Sandsteinstufen im oberen Bereich wieder eingebaut und im unteren durch gleichartige neue Stufen ersetzt. Außerdem wurden die Kaskadenbecken und wasserspeienden Masken (Anfang 18. Jahrhundert) restauriert. Als Letztes wurden die unschönen Treppengeländer aus dem 20. Jahrhundert durch passendere Geländer ersetzt.

Weitere Maßnahmen waren die Instandsetzung der Gräfte. Hierzu gehörte die Beseitigung der Sedimente sowie die punktuelle Erneuerung der einfassenden Mauern. Außerdem wurden die flankierenden Hainbuchenhecken saniert.
Schließlich folgte die Rekonstruktion des Parterrebereiches mit geometrischem Wegekreuz und Brunnen. Wesentliche Maßnahmen waren die Fällung der Großbäume, der Abtrag des aufgefüllten Parterrebereiches, die Wiederherstellung der Mittelachse und geometrischen Wegekreuzes mit frei stehendem Brunnen, dessen Instandsetzung und Sanierung sowie die Pflege und Instandsetzung der historischen Hainbuchenhecken.

Heutiger Zustand / Nutzung:

Im Frühjahr 2009 schließlich wurde der Barockgarten feierlich wieder eröffnet.

Die gesamte Anlage wird heute als städtischer Kurpark genutzt.

Sonstiges:

Unmittelbar an dem Schlosspark schließt das Erholungsgebiet um den Emmerstausee an. Der Stausee wurde von 1980 bis 1985 sowohl für Zwecke des Hochwasserschutzes als auch der Erholungsnutzung angelegt. Etwa 100 Hektar Wasserfläche stehen heute für Wassersport und Erholung zur Verfügung. Drei Zentren für Gastronomie, Spiel und sonstige Infrastruktur zeigen Beispiele für moderne Architektur und Landschaftsarchitektur für Freizeitanlagen.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 4020, Willebadessen. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Maoro, Ernst (1986): Schloss Schieder in Schieder. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 211 - 213.
  • Harms, Harry (1974): Wertvolle Gehölze im Kurpark zu Schieder. In: Heimatland Lippe 3/1974, o.O., Seite 117.
  • Lippe, Traute Prinzessin zur (1989): Der Park zu Schieder - Entwicklung eines Gartens im Laufe der Jahrhunderte. In: Heimatland Lippe 7/1989, Detmold, Seite 203 - 217.
  • Schmidt, Walter (1964): Schieder - Die Geschichte eines lippischen Dorfes. Schieder.
  • Harms, Harry (1980): Gehölze in der Parkanlagen von Lippe - Kurpark Schieder. In: Lippische Mitteilungen für Geschichte und Landeskunde, 49/1980, o.O., Seite 248 - 254.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 146 - 150.
Externe ID: LWL-GUP00175
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Kurpark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Archivauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1700
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032367


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