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Schloss Rheda, Rheda-Wiedenbrück
 

Die Wasserburg entstand im 12. Jahrhundert als wehrhafter Sitz der Edelherren zu Rheda und zum Schutz des Emsüberganges an der Fernstraße von Paderborn nach Münster. 1221 wurde sie als Residenz der Edelherren zur Lippe bis zum heutigen Umfang erweitert. Hervorgegangen ist die Burg aus einer sogenannten Motte, einem künstlich aufgeworfenen Hügel. Die Grafen von Tecklenburg nahmen die Burg 1364 in ihren Besitz. 1557 erbten die Grafen von Bentheim Rheda.

Externe ID: T-P363N403-20080211-0001
Erfassungsdatum: 11.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2008: Schloss Rheda

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Rheda, Rheda-Wiedenbrück (Kulturlandschaft)

 

­Eigentümer und Zugänglichkeit:

Fürst Moritz Kasimir zu Bentheim-Tecklenburg, Fürstliche Kanzlei, Steinweg, 33378 Rheda-Wiedenbrück; ­z. T.­ öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:

Gütersloher Sandebene/Ostmünsterland, inmitten der Emsaue, südlich der Altstadt Rheda. Größe etwa 1 Hektar Teile der Schlossgärten sind in das Gelände der "Flora Westfalica" integriert, Gesamtgröße etwa 5 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:

Die Wasserburg entstand im 12. Jahrhundert als wehrhafter Sitz der Edelherren zu Rheda und zum Schutz des Emsüberganges an der Fernstraße von Paderborn nach Münster. 1221 wurde sie als Residenz der Edelherren zur Lippe bis zum heutigen Umfang erweitert. Die Grafen von Tecklenburg nahmen die Burg 1364 in ihren Besitz. 1557 erbten die Grafen von Bentheim Rheda. Nach jahrelangem Streit kam es 1556 zur Ausbildung des Territoriums "Herrschaft Rheda", deren Residenz sich auf Burg ­bzw.­ später Schloss Rheda befand. Die Herrschaft Rheda ging 1815/16 in den preußischen Kreis Wiedenbrück auf. Im Gegenzug wurden die Grafen 1817 in den Fürstenstand erhoben.

Gebäude und Ausstattung:

Hervorgegangen ist die Burg aus einer sogenannten Motte, einem künstlich aufgeworfenen Hügel. Von dem einst 10 m­­ hohen, mächtigen Erdhügel erheben sich heute noch rund fünf Meter über der Gräfte. Der ringförmige Schlossgraben wird von einem Nebenarm der Ems gespeist.

Der älteste und bedeutendste Bauteil der Anlage ist ein viergeschossiger Torturm aus dem frühen 13. Jahrhundert. Er vereint hinter seinen mächtigen Mauern zugleich ein Torhaus, eine doppelgeschossige Kapelle und im oberen Geschoss einen beheizbaren Wohnraum mit Abort.

Nach einem verheerenden Brand entstanden im 17. Jahrhundert ein südlich an den Turm anschließender Renaissanceflügel und im 18. Jahrhundert der barocke Hauptflügel. Den Abschluss der vielgestaltigen Gebäudegruppe aus verschiedenen Jahrhunderten bildet ein spätgotischer Wohnturm im Nordwesten.

Wie bei vielen Wasserburgen im Münsterland wurde der Zugang zur Hauptinsel durch eine Vorburg auf einer zweiten Insel geschützt. Die Vorinsel liegt mit ihren Wirtschaftsgebäuden in einer Schleife der Ems. Alte Eichen, Buchen, Kastanien und Linden betonen die malerische Wirkung des gesamten Ensembles.

Bereits um 1700 diente ein Fachwerkhaus als Orangerie für eine exotische Pflanzensammlung. 1873 wurde nach Plänen des Architekten Emil von Manger aus Oelde auf dem gleichen Fundament ein Backsteingebäude mit spätklassizistischen Bauformen errichtet. Obwohl die Orangerie hauptsächlich als Winterquartier für die exotischen Pflanzen genutzt wurde, fanden dort in den Sommermonaten auch Konzerte für die fürstliche Familie statt. Diese Tradition wird heute mit öffentlichen Veranstaltungen weiter fortgeführt.

Art der Grünanlage:

Historischer Schlossgarten.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:

Bereits im Mittelalter diente ein einfacher Baumgarten mit einem Teich der höfischen Gesellschaft als Aufenthaltsort im Freien. Nachweislich seit 1623 existierte nordwestlich der Hauptinsel ein Garten mit geometrischer Aufteilung. Er wurde nach holländischem Vorbild an drei Seiten von einer Gräfte umgrenzt.

In der nachfolgenden Zeit hat man den Garten in seiner Grundstruktur vermutlich nicht wesentlich verändert. Leider sind aber aus dem 17. und 18. Jahrhundert keine Pläne oder Abbildungen bekannt. Schriftliche Quellen weisen aber auf einen barocken Lustgarten mit geschnittenen Alleen und Hecken hin. Den größten Teil des Gartens nutzte man zur Anzucht von Obst und Gemüse. Um 1730 standen an beiden Seiten des Hauptweges über 300 Spalierobstbäume und sogar Melonen wurden hier kultiviert.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich im Schlossgarten eine Handelsgärtnerei mit Treibhäusern und einer Baumschule. Vor allem Topfpflanzen erfreuten sich zur Zeit des Biedermeier großer Beliebtheit. Die Geschäfte liefen so gut, dass man sogar Kataloge versandte. Da das Interesse der Bevölkerung am Gartenbau und an den gärtnerischen Anlagen sehr groß war, war der Besuch des Schlossgarten ab 1842 für die Allgemeinheit gestattet.

Den vorläufigen Höhepunkt in der Entwicklungsgeschichte des Gartens setzte die Umgestaltung am Ende des 19. Jahrhunderts. Der damalige Hofgärtner Josef Poppe schuf einen geometrischen Gartenbereich, der durch seine geschickte Raumgestaltung und durch aufwendig bepflanzte Schmuckbeete, vom Haupteingang den Eindruck einer großzügigen Zieranlage erweckte. Ohne die vorhandene Grundstruktur zu zerstören, ließ er unterschiedlich große und leicht erhöhte Rondelle anlegen, geringfügig die Wege verändern und mit Rosenspalieren einfassen sowie Ruhebänke aufstellen. Zudem integrierte er den Orangeriegarten in die Gesamtanlage. Der übrige Teil des Schlossgartens blieb aber weiterhin Nutzgarten, vom Haupteingang nicht sichtbar, hinter geschnittenen Hainbuchenhecken und Spalierobst versteckt.

In den nachfolgenden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erlebte die Gartenkultur am Schloss Rheda allmählich ihren Niedergang. Die Pläne des Gartenarchitekten Walter Roehse aus Gütersloh zur Umgestaltung des Gartens in eine "pseudobarocke" Anlage und die Neuorganisation des Gärtnereibetriebes gelangten 1946 wegen des Wohnsitzwechsels der Fürstenfamilie nicht mehr zur Ausführung.

In den 1960er und 70er Jahren wurden große Teile des Schlossgartens an den örtlichen Tennisclub verpachtet. 1970 kam es zur Auflösung der Schlossgärtnerei. Mit Ausnahme des Orangeriegartens, den immer schon das Fürstenhaus unterhielt, wurde der vom Hofgärtner Poppe gestaltete Gartenbereich 1973 der Stadt Rheda zur Nutzung als öffentliche Grünfläche überlassen. Anlässlich der Landesgartenschau "Flora Westfalica" sind die gärtnerischen Anlagen am Schloss in den Jahren 1985 bis 1988 umfassend überarbeitet worden. Während im Orangeriegarten nur geringfügige Pflegemaßnahmen notwendig waren, hat man auf der Grundlage von Originalplänen den einstigen Poppeschen Ziergarten im Zustand um 1900 rekonstruiert. Besonderer Wert ist dabei auf die Verwendung zeitgenössischer Pflanzen, insbesondere alter Rosensorten, gelegt worden. Eine Koniferensammlung aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und gusseiserne Gartenbänke unterstreichen die historische Eigenart der Anlage.

Heutiger Zustand / Nutzung:

Im westlichen Bereich - in dem früher Gemüsebeete angelegt waren - fanden die Besucher unter einer mächtigen Buche einen neu geschaffenen Apothekergarten.

Eine besondere Stellung nimmt innerhalb des Schlossgartens der Orangeriegarten ein. Er wurde als Schaugarten für die exotischen Gewächse angelegt. Der Garten wird heute von zwei Hainbuchenhecken gerahmt. Als auffällige Gestaltungselemente hat man eine rechteckige Rasenfläche mit diagonalen Wegen und einzelnen kugelförmig geschnittenen Buchsbäumen angelegt. Innerhalb eines Rondells steht ein rundes Wasserbecken mit Springstrahl.

Südlich vom Haupteingang zum Schloss führt ein Fußweg in das Gelände der "Flora Westfalica". Nördlich der Vorburg gelangen die Besucher zur "Hirschwiese" und zum "Fasanenwäldchen". Der ausgedehnte Laubmischwald wurde einstmals als fürstliches Wildgehege genutzt und diente zur Versorgung der Schlossbewohner mit frischem Wild.

Erste Überlegungen zur Umgestaltung des Schlossparks fanden bereits Anfang 2004 statt. Danach stellte das Büro Bimberg, Landschaftsarchitektin BDLA, Iserlohn im Jahre 2005 ein Entwicklungskonzept auf der Grundlage historischer Befunde und gartendenlmalpflegerischer Grundsätze. Wichtige Aspekte waren die Umlegung und Instandsetzung von wegen, die Freilegung von Sichtachsen, die punktuelle Ergänzung der Parkvegetation (Unterpflanzung des Waldbestandes in Boskettform) und - als ganz wesentliche Maßnahme - die Wiedererrichtung einer bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts existierenden Fußgängerbrücke über die Ems zwischen Schlosspark und Schlossgarten. Im Frühjahr 2008 konnte der Schlosspark Rheda schließlich wieder der Öffentlichkeit übergeben werden.

Aufgrund ihrer Bedeutung für die "Geschichte der Gartenkunst" wurden die Gartenanlagen von Schloss Rheda zusammen mit der angrenzenden "Flora Westfalica" dem ehemaligen Landesgartenschaugelände, in das Europäische Gartennetzwerk (EGHN) aufgenommen.

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Quellenangaben

  • Heinz Stoob (Hrsg.) (1975): Westfälischer Städteatlas Blatt Rheda. Münster.
  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1895): Blatt 4115, Rheda-Wiedenbrück (Wiedenbrück). Herausgegeben 1895, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.
  • Stiftung Schloss Dyck, Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur (Hrsg.) (2012): http://www.eghn.org/ethg-rheda-prolog. Zuletzt aufgerufen 02.03.2012, Jüchen.

Literaturangaben

  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 78 - 81.
  • Eyink, Hagen P. (1988): Schlossgarten Rheda. In: Westfälische Kunststätten, Heft 51, Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Museumsamt (Hrsg.) / Püttmann, Kristin (Bearb.) (1988): "... zur noht und zur lust." Orangerien und Gewächshäuser in den Gärten westfälischer Schlösser. Katalog zu einer Ausstellung in Rheda-Wiedenbrück, Münster.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. In: Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe Heft 3, Band 3.3 Kreis Gütersloh, Kreis Minden-Lübbecke. Zugl. CD-ROM, Münster.
  • Maoro, Ernst (1986): Schloss Rheda in Rheda. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 205 - 207.
  • Meisel, Sofie (1960): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 97 Münster. Naturräumliche Gliederung Deutschlands 97, Bonn-Bad Godesberg.
Externe ID: LWL-GUP00144
Erfassungsdatum: 26.08.1999
Kategorie: Schlossgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Archivauswertung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1623
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032269


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2008: Schlosspark Rheda
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Schloss Rheda
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