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Schloss Corvey, Höxter
 

Das ehemalige Benediktinerkloster Corvey war im Mittelalter eines der einflussreichsten und bedeutendsten Klöster Europas. Im Zuge der Christianisierung der Sachsen durch die fränkischen Kaiser Karl dem Großen und seinem Sohn Ludwig dem Frommen wurde das Kloster im 9. Jahrhundert gegründet. Im 13. Jahrhundert wurde Corvey fürstliche Reichsabtei. Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg begann für die Abtei in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts eine neue wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 kam Corvey in weltlichen Besitz und wurde ab 1820 zum Schloss des Landgrafen von Hessen-Rotenburg umgestaltet. 1834 gelangte Corvey durch Erbfolge an den Prinzen zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der vom preußischen König die Titel "Herzog von Ratibor, Fürst von Corvey" verliehen bekam. Die Nachfahren bewohnen noch heute zeitweise das Schloss. Von 1860 bis zu seinem Tode im Jahre 1874 war Heinrich Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar im Schloss beschäftigt. Der Dichter des Deutschlandliedes wurde auf dem kleinen Friedhof direkt neben der Kirche bestattet. 

Externe ID: T-P363N403-20080208-0004
Erfassungsdatum: 08.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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1998: Schloss Corvey

Zugehöriges Objekt

Schlossgarten Corvey, Höxter (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:

Herzog von Ratibor'sche Generalverwaltung Corvey. Der Vorplatz, der Innenhof und der Friedhof sind öffentlich zugänglich (Eintritt).

Der Schlosspark auf der Nordseite der Gebäude ist nicht öffentlich zugänglich, kann aber aus dem Museumsbereich eingesehen werden.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:

Weserbergland, im Talraum der Weser, 2 km östlich von Höxter; Gesamtanlage 16 Hektar, Schlossgarten 6,5 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:

Das ehemalige Benediktinerkloster Corvey war im Mittelalter eines der einflussreichsten und bedeutendsten Klöster Europas. Im Zuge der Christianisierung der Sachsen durch die fränkischen Kaiser Karl dem Großen und seinem Sohn Ludwig dem Frommen wurde das Kloster im 9. Jahrhundert gegründet. Von der Empore des Johannischores konnten die Kaiser an den Gottesdiensten in der karolingischen Kirche teilnehmen. Im 13. Jahrhundert wurde Corvey fürstliche Reichsabtei.

Nach den Zerstörungen im 30jährigen Krieg begann für die Abtei in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts eine neue wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.

Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 kam Corvey in weltlichen Besitz und wurde ab 1820 zum Schloss des Landgrafen von Hessen-Rotenburg umgestaltet.

1834 gelangte Corvey durch Erbfolge an den Prinzen zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der vom preußischen König die Titel "Herzog von Ratibor, Fürst von Corvey" verliehen bekam. Die Nachfahren bewohnen noch heute zeitweise das Schloss. Von 1860 bis zu seinem Tode im Jahre 1874 war Heinrich Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar im Schloss beschäftigt. Der Dichter des Deutschlandliedes wurde auf dem kleinen Friedhof direkt neben der Kirche bestattet.

Gebäude und Ausstattung:

Einzig erhaltenes Gebäudeteil aus der Entstehungszeit ist der kunst- und kulturgeschichtlich bedeutsame Westbau der Klosterkirche.

Während der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand die barocke Abteikirche mit ihrer prachtvollen Innenausstattung.

In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte man die großzügigen Abteigebäude - das heutige Schloss - zusammen mit den ausgedehnten Wirtschaftsbauten errichtet. Das Konzept der barocken Gesamtanlage folgte einem strengen rechtwinkligen System, das von einem Achsenkreuz ausgeht. Die Hauptzufahrtsachse bildete aus westlicher Richtung von Höxter kommend eine fast 1,6 km­ ­ lange prachtvolle Allee, die zum repräsentativen Barocktor der Klosteranlage führte. Die Nord-Südachse wurde durch die symmetrische Gestaltung der Abteigebäude bestimmt. Beide Achsen schneiden sich im Innenhof der fürstäbtlichen Residenz, der damit zum Mittelpunkt der gesamten Anlage wird. 1739 bis 1741 entstand nach Plänen des Paderborner Barockbaumeisters Franz Christoph Nagel ein als fürstäbtliches Teehaus und Orangerie genutztes Gebäude.

Art der Grünanlage:

Historischer Schlossgarten und gärtnerisch gestalteter Schlosshof.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:

Mittelalterliche Gärten sind für das Kloster in Corvey nicht überliefert. Vermutlich waren aber, wie auch bei vielen anderen Klosteranlagen dieser Zeit, verschiedene Nutzgärten zum Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern vorhanden.

Zur 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts ließen die Fürstäbte einen etwa 6,5 Hektar großen Lustgarten anlegen. Der barocke Garten entstand als nördliche Erweiterung der mittelalterlichen Klosteranlage. Dabei wurde die räumliche Trennung des Klosters von der Umgebung durch hohe Mauern und einem Wassergrabensystem beibehalten. Den Abschluss der barocken Erweiterung bildet im Norden ein langgestreckter Wassergraben. Im südlichen Bereich des Gartens sind als Reste des mittelalterlichen Grabensystems noch zwei große Teiche erkennbar. Die achsensymmetrische Ausrichtung der Gebäude auf die Gesamtanlage des Klosters war im wesentlichen auch Grundlage für die Gestaltung des barocken Lustgartens. So waren die Flächen und Wege mit einem regelmäßigen System streng auf die Fassaden der Gebäude orientiert.

Außerhalb des Klosters befand sich direkt an der Weserschleife eine 3 Hektar große kunstvoll gestaltete Obstplantage. Im Zentrum der von einer hohen Mauer umgebenen Anlage stand ein kleiner Pavillon. Ein differenziertes rechtwinkliges und diagonales Wegenetz gliederte die aufwendig gestaltete Gartenanlage. Heute hat sich von der barocken Plantage nichts mehr erhalten.

Der Landgraf von Hessen-Rotenburg beauftragte den Hofgärtner Daniel Klein mit der Neugestaltung des zentralen Gartenbereiches vor dem Nordflügel der Residenz. So entstand im mittleren Abschnitt des einstigen barocken Lustgartens eine landschaftliche Partie, deren zentrales Gestaltungselement, eine große offene Rasenfläche, die Erscheinung des Gartens bis heute bestimmt. Die nach dem Vorbild eines englischen Bowlinggreens gestaltete Fläche war ursprünglich von einem Boskett aus hohen Hecken mit Schlängelwegen umgeben. Vom Gartensaal der Residenz gelangte man über eine Gräftenbrücke in den landschaftlichen Gartenbereich. Bei der landschaftlichen Umgestaltung blieben die übrigen Bereiche in ihrer barocken Grundform weitgehend bestehen. Der östliche Gartenbereich wurde seit der barocken Zeit immer als Obstgarten genutzt.

Im Zusammenhang mit der landschaftlichen Umgestaltung des zentralen Schlossgartenbereichs erfolgte vor den Mauern des Klosters die Pflanzung von Alleen. Die ursprüngliche Bepflanzung entlang der Weser und im Süden und Westen der ehemaligen Klosteranlage ist im Laufe der Zeit mit andere Baumarten erneuert worden.

Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts sind immer wieder Eingriffe und Veränderungen im Schlossgarten vorgenommen worden. Die stellenweise Parzellierung und Umnutzung der einstmals zusammenhängenden Flächen als private Gärten, die Anlage eines Tennisplatzes und die Umwandlung des fürstäbtlichen Obstgartens in eine düstere Fichtenschonung, verunklären das historische Erscheinungsbild erheblich. Auch eine Planung von Hermann Mattern aus dem Jahre 1961 hat die Wegeführung und Bepflanzung im zentralen Gartenbereich deutlich verändert. Die Schlängelwege der landschaftlichen Phase mussten ungewöhnlichen "Zickzack-Wegen" weichen. Sie führen heute unter den alten Bäumen des Landschaftsparks durch eine neu entstandene Unterbepflanzung mit Rhododendron, Azaleen und Cotoneaster.

Heutiger Zustand / Nutzung:

In Corvey stehen besonders die prächtigen Gebäude und die barocke Kirche mit ihrem ungewöhnlichen Westbau im Mittelpunkt des Interesses der zahlreichen Besucher. Die Gestaltung des Vorplatzes ordnet sich den Gebäuden unter. Nach Durchschreiten der barocken Voranlage öffnen sich dem Besucher weite gepflegte Rasenflächen mit wenigen schmalen Rosenrabatten vor dem Schloss und der Kirche.

Durch ein Gartentor an der Nordseite ist ein Blick in den gepflegten privat genutzten Park möglich.

Als moderne Zutat wird der zentrale Innenhof durch vier langgestreckte, diagonale Zierpflanzenbeete akzentuiert. Einerseits werden damit die Eingänge der barocken Residenz betont anderseits wird so ein Kontrapunkt zum strengen, rechtwinkligen Architektursystem gesetzt.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25.000 - Uraufnahme (1896): Blatt 4222, Höxter. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.
  • Sommer, Andrea (1996): Ein Garten für Schloss Corvey. Universität/Gesamthochschule Paderborn, Abt. Höxter (Dipl.-Arb.), Höxter.

Literaturangaben

  • Alber-Longère, Christine (1986): Abtei Corvey in Höxter. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld.
  • Mette, Michael (1993): Studien zu barocken Klosteranlagen in Westfalen. Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 25. Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1988, Bonn.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage, Seite 91 - 93.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4, Band 3, Seite 446.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 189 - 192.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.1: Kreis Höxter. Zugleich CD-ROM, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00141
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Schlossgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Archivauswertung
Touristische Bedeutung: sehr hoch - ist eine Reise wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1701 - 1750
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032255


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2009: Kloster Corvey
1999: Schloss Corvey
1998: Schloss Corvey
1997: Schloss Corvey
1896: Höxter
1872: Schloss Corvey
1860: Schloss Corvey
1860: Schloss Corvey
Schloss Corvey