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Schloss Rheder, Brakel
 

Schloss Rheder ist eine kleine Schlossanlage an der Nethe im Brakeler Ortsteil Rheder, Kreis Höxter. Es ging aus einem Rittergut  hervor, das Lehen des Fürstbistums Paderborn war. Die Anlage ist von einem Englischen Landschaftsgarten umgeben, der seit 1949 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

In den Wirtschaftsgebäuden der Vorburg sind die mehr als 300 Jahre alte Gräflich Mengersen'sche Dampfbrauerei und ein Husarenmuseum untergebracht.

Externe ID: T-P363N403-20080128-0003
Erfassungsdatum: 28.01.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Schloss Rheder

Zugehöriges Objekt

Landschaftspark Rheder, Brakel (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:

Privateigentum. Der Landschaftspark westlich der Nethe ist öffentlich zugänglich, die gebäudenahen Bereiche sind nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:

Weserbergland/Oberwälder Land, 4 ­km südlich von Brakel, in und am Rande der Netheaue. Der heute etwa 8 Hektar große Landschaftspark war zur 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweislich bis auf 35 Hektar ausgedehnt.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:

Das spätbarocke Schloss wurde 1750 anstelle einer ehemaligen Wasserburg im Auftrag von Franz Joseph Freiherr von Mengersen und seiner Ehefrau Marie-Antoinette von Spiegel zum Desenberg errichtet. Der heutige Eigentümer der gesamten Anlage, Elmar Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim, betreibt in den ausgedehnten Wirtschaftsgebäuden der Vorburg die seit mehr als 300 Jahren produzierende Gräflich von Mengersen´sche Dampfbrauerei.

Gebäude und Ausstattung:

Die langgestreckte, mit Eckpavillons und Giebelschmuck versehene Vorburg wurde um 1720 unter Bruno Burchard Graf von Mengersen errichtet und 1727 unter der Bauleitung von Johann Conrad Schlaun vollendet.

Das von Außen schlicht wirkende spätbarocke Herrenhaus von 1750 hat im Inneren aufwendige Raumdekorationen des Rokokos.

Art der Grünanlage:

Historischer Landschaftspark.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:

Vor der umfassenden, landschaftlichen Gestaltung des weiten Wiesentales der Nethe wurde im 18. Jahrhundert ein repräsentativer, geometrischer Barockgarten vermutlich nur teilweise realisiert. Der vollständig von einer Mauer umgrenzte Garten hatte damals noch keine gestalterische Beziehung zur umliegenden Landschaft. Als Reste des barocken Gartens sind heute noch die südliche und nördliche Umgrenzungsmauer vorhanden.

Wahrscheinlich in zwei Phasen entstand am Ende des 18. Jahrhunderts und zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein großer Landschaftspark. Eine romantische Beschreibung aus dem Jahre 1790 schildert den weitläufigen Park mit seinen zahlreichen Ausstattungselementen. Von der Gartenseite des Herrenhauses gelangte man durch den leicht abfallenden Wiesenbereich, in dem verschiedene Blumenbeete als "Pleasureground" angelegt waren, mit einer weißen Bogenbrücke über den Fluss. Die Ausstattung des Parks mit einem "Chinesischen Gartenhaus", einem "Borkenhäuschen" und einem Freundschaftstempel mit dazugehörender Einsiedelei (Eremitage) verdeutlichen den gestalterischen Anspruch der Anlage. Von der stimmungsvollen Formenvielfalt des "sentimentalen Landschaftsgartens" mit Kleinarchitekturen, einer Allee mit orientalischen Pappeln, einer Roseninsel und einer mit Tannen bepflanzten Begräbnisinsel ist heute leider nicht mehr viel zu erkennen.

Zwischen 1838 und 1843 ließ Joseph Bruno Graf von Mengersen durch Tagelöhner größere Erdarbeiten im Park vornehmen. In den nachfolgenden Jahren wurde der Landschaftspark erweitert. Der Graf war Hofmarschall der Ehefrau von König Jérôme Bonaparte und macht als junger Adliger zahlreiche Reisen nach Italien, Frankreich, Ungarn und in die Schweiz. Die Kenntnis von den verschiedenen europäischen Gärten und Parks und besonders das intensive Studium der 1834 von Hermann Fürst von Pückler-Muskau verfassten Schrift "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei", spielten bei der Gestaltung des Parks eine bedeutende Rolle. Nach dem Entfernen der Staffagebauten aus der "sentimentalen" Gartenphase erfolgte auf der Grundlage der Gartentheorien des Fürsten von Pückler-Muskau die Anpflanzung von vorwiegend einheimischen Gehölzarten, der Ausbau der Wege und die Schaffung von Sichtachsen. Bemerkenswert ist unmittelbar nördlich des Herrenhauses eine im 19. Jahrhundert errichtete mittelalterlich anmutende Turmruine. Durch zwei barocke Gartenpforten gelangt man zum einstigen Küchengarten des adeligen Anwesens.

Heutiger Zustand / Nutzung:

Gestalterisches Hauptmerkmal des Landschaftsparks ist bis heute eine breite Sichtachse an der Gartenseite des Schlosses, die sich vom zentralen Gartensaal weit über den steil ansteigenden, bewaldeten Hang des Naturschutzgebietes Sieseberg erstreckt. Auffällig wird der Landschaftspark durch den Wechsel von weiten, offenen Wiesen- und Weideflächen mit zwei Teichen und einem dichten, waldartigen Gehölzbestand bestimmt, der von zahlreichen Wegen und Treppen erschlossen wird. Der Park ist seit 1949 mit der Bezeichnung "Sieseberg" als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Im Lauf der Zeit waren die kleinen Schlängelwege im Wald mehr und mehr zugewachsen, die Steinstufen brüchig geworden und die Sichtachse zum Schloss durch Gehölzaufwuchs gefährdet. Außerdem fehlte ein Rundweg um den Park und eine Brücke über die Nethe, um den Weg zum Dorf hin fortzusetzen.  Da auch der Landschaftspark Rheder zu den vom Projektbeirat der „Garten-Landschaft OstWestfalenLippe“ als bedeutsam erklärten Parks gehörte, wurden auch hier Maßnahmen zur Erhaltung des Parks für dringend erforderlich gehalten.Mit Mitteln der Städtebauförderung des Landes NRW, der Stadt Brakel und des Eigentümers  konnten bereits in 2003 ehemals vorhandene Wege wieder neu angelegt werden.
Schon 2003 hatte die renommierte amerikanische Künstlerin Jenny Holzer als Bestandteil der „Garten_Landschaft OstWestfalenLippe“ im Park eine Rauminszenierung geschaffen: In mehr als vierzig verrottende Baumstämme, meist Eichen und Buchen, ließ sie verschiedene Sinnsprüche eingravieren. Die Texte geben in eindringlicher Weise Kriegsszenarien wieder. Ihr Landsmann und Dichter Henri Cole fügte einige seiner Gedichte in einer anderen Typografie hinzu. Als Dauerausstellung verbleibt diese Installation im Park und dabei dem Wetter bewusst ausgesetzt. Im Frühjahr 2004 wurden die Maßnahmen mit der Fertigstellung eines Rundwegs sowie der Brücke über die Nethe abgeschlossen. Der Landschaftspark Rheder konnte so anlässlich im Sommer 2004 offiziell wieder eröffnet werden.

Im Landschaftspark Rheder wurden die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft so geschickt genutzt, dass der Park noch heute wie ein romantisches Landschaftsgemälde wirkt. Er stellt heute eines der wenigen Beispiele eines Landschaftsparks in Westfalen dar, die ihren landschaftlichen Charakter bewahrt haben.
Im Jahre 2005 wurde der Landschaftspark Rheder als einer von fünf Parks in Ostwestfalen-Lippe in die „Route der kulturellen Ereignisse“ des Europäisches Gartennetzwerks (EGHN) aufgenommen. In Rheder finden seit Jahren regelmäßig Veranstaltungen des Literatur- und Musikfestes  „Wege durch das Land“ statt.

Weitere Abbildungen:

Westfalia Picta, Band 5 (Kreis Höxter, Kreis Paderborn) Seite 197 bis 205.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1896): Blatt 4320, Willebadessen. Herausgegeben 1896, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.
  • Zimmermann, J. (1970): Gutachterliche Stellungnahme über das Naturschutzgebiet "Sieseberg", Stadt Brakel, Kreis Höxter. Düsseldorf.
  • Stiftung Schloss Dyck, Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur (Hrsg.) (2012): http://www.eghn.org/rheder-prolog. Zuletzt aufgerufen 02.03.2012, Jüchen.

Literaturangaben

  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Maoro, Ernst (1986): Schloss Rheder im Nethetal. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 183 - 186.
  • Luckhardt, Jochen (Bearb.) et al. (1995): Kreis Höxter, Kreis Paderborn. In: Westfalia Picta, Band 5, Bielefeld.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 201 - 204.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Wengerzink, Lothar (1992): Adelssitze im Kreis Höxter in lithografischen Ansichten des 19. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Kreis Höxter 1992, Höxter, Seite 113 - 117.
  • Neuheuser, Heinrich (1969): Das Dorf Rheder und sein Adelshof. In: Die Warte 9/1969, Paderborn, Seite 132 - 134.
Externe ID: LWL-GUP00119
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Landschaftsgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Archivauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
Touristische Bedeutung: sehr hoch - ist eine Reise wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1701 - 1799
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032185


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