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Schloss Sandfort, Olfen-Vinnum
 

Schloss Sandfort liegt im südlichen Münsterland. Zur traditionsreichen Schlossanlage gehören auch Gärten, ein Erbbegräbnis sowie land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen. Da das Schloss nach wie vor der Familiensitz der Grafen Hagen-Plettenberg ist, ist die Anlage privat und nur von außen zu besichtigen.

Externe ID: T-P363L301-20090604-0001
Erfassungsdatum: 04.06.2009
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Haus Sandfort

Zugehöriges Objekt

Schlossgarten Sandfort, Olfen-Vinnum (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Die Anlage ist in Privatbesitz und nur von außen zu besichtigen.

Art der Grünanlage:
Schlossinnenhof mit formalem Garten, Reste eines Gemüsegartens, Reste eines landschaftlichen Gartens westlich und östlich des Schlosses, Reste einer Allee

Angaben zu Geschichte:
Die Geschichte von Schloss Sandfort reicht bis in das späte 13. Jahrhundert zurück. Das Haus ist seitdem durch Erbschaft oder Heirat im Besitz ein und derselben Familie geblieben.

Bereits um 1290 (1338?) wird ein von Mecheln (oder Mechelen) als Besitzer erwähnt. Zu dieser Zeit war das Haus aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Wall umgeben. Doch die von Mecheln nehmen schon damals an der baulichen Entwicklung teil. Unter ihnen entstand höchstwahrscheinlich das heute älteste Gebäude der Vorburg, das Brauhaus mit den zwei Rundtürmen an der Nordseite (15. Jahrhundert ?), und der Nordostflügel des Schlosses nach Plänen des holländischen Baumeisters Melchior von Friedrich. Das Brauhaus hat noch heute einen wehrhaften Charakter. Neben der Brauerei kamen die Einnahmen vor allem aus der Land- und Forstwirtschaft. Über einen Garten wird noch nicht berichtet.

Die Familie von Mecheln starb 1550 im Mannesstamme aus und Haus Sandfort ging an die Erbtochter Joste, die mit Franz von Bodelschwingh verheiratet war. Den beiden folgte 1599 Joachim von Frydag, ein Neffe der Joste von Bodelschwingh. Die von Frydag saßen bis 1717 auf Sandfort und haben ebenfalls baulich ihre Spuren hinterlassen. Das Schloss selbst ist überwiegend auf das späte 16. und frühe 17. Jahrhundert zurückzuführen, auch wenn es seither mehrfach leicht verändert wurde. Es steht noch heute unmittelbar im Wasser der hauseigenen Gräfte, die auch die Vorburg umgibt. Der Westflügel des Schlosses ist auf 1695 datiert, es könnte sich hierbei aber auch um erste Renovierungsarbeiten gehandelt haben (nach Frhrn. A. von Bodelschwingh, zitiert bei F. Graf Hagen-Plettenberg). Die Turmhaube des markanten Portalturms zeigt die Jahreszahl 1735 und auch die Brücke und Torpfeiler sind dem 18. Jahrhundert zuzuordnen, auch wenn Turm und Brücke später mehrfach erneuert wurden. Über die Gartenanlagen, die es zu dieser Zeit sicherlich gegeben hat, ist bisher kein Material aufgefunden.

Die Witwe des Joachim Hermann von Frydag heiratet 1719 in zweiter Ehe Gisbert von Bodelschwingh und ihre Nachkommen sind bis Mitte des 19. Jahrhunderts Besitzer von Schloss Sandfort. 1748 werden Teile der Anlage renoviert. Anfang des 19. Jahrhunderts ist eine Ölmühle erwähnt, die jedoch sicherlich schon etwas länger in Betrieb war. Besondere Bautätigkeit fand im 19. Jahrhundert unter den von Bodelschwingh statt. Sie ließen nicht nur 1834 (1850 bis 1853 nach F. Graf Hagen-Plettenberg, Architekt der klassizistischen Gebäude war demnach der preußische Bauinspektor bei der Regierung in Münster, J. F. Teuto) die beiden vorderen Wirtschaftsgebäude auf der Vorburg errichten, sondern legten 1837 das Erbbegräbnis im Nordwesten an. Es handelt sich hierbei um einen kleinen ummauerten Bereich im Wald, der durch ein Portal mit Eisentor zu betreten ist. Auch landschaftliche Parkbereiche mit Einzelbäumen und geschlängelten Wegen sind etwa um diese Zeit westlich und östlich vom Schloss auf dem wohl eingeebneten ehemaligen Burgwall entstanden. Hier sind heute noch stattliche Blutbuchen, Eichen und Platanen sowie Nadelbäume zu erkennen. 1830 wird zudem ein Großer Garten erwähnt und Mitte der 1830er Jahre die Anlage mehrerer Alleen, teilweise im Zusammenhang mit der Verlagerung der Landstraße von Olfen nach Borik (?) auf einen Privatweg der Familie. 1840/41 wird der einsturzgefährdete Turm abgerissen und durch einen neuen ersetzt. Ein Gemälde aus dem Jahr 1840 zeigt noch den alten Zustand. 1848 wird ein Tempel an der Borkener Allee abgerissen und an der Sandforter Allee neu erbaut, 1859 folgt die Erneuerung der Hausbrücke.

1861 heiratet die Erbtochter Louise den Grafen Wilhelm von Wedel. Die Familie lebt mit Unterbrechungen bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf Sandfort und trägt weiter zum Erhalt der Anlage bei, auch wenn in dieser Zeit Einschnitte erfolgen, die das Ensemble aus Park und Schloss stark verändern. 1861 wurde beispielsweise die sogenannte Orangerie im Südwesten an das Haus, in die Gräfte hinein, angebaut. Fünf Jahre später wird die Rentei nahe dem Erbbegräbnis errichtet (nebenbei sei hier erwähnt, dass dieses Haus von 1927 bis 1949 an den Dortmunder Maler Hermann Hals vermietet war). 1868 zieht die Familie für ein Jahr nach Berlin, wo sie auch Kunstausstellungen und Gärten besucht, aus denen sicherlich Eindrücke mit nach Sandfort genommen werden. 1875 wird die 1,2 km lange Allee in der Achse des Hausturms angelegt. Zeitgleich wird der alte Gemüsegarten verlegt und ein neuer Tempel in der Mark gebaut. 1876/77 finden zahlreiche Ankäufe statt und das Forsthaus wird gebaut. Graf Wedel ist zu diesem Zeitpunkt Kammerdiener bei Kaiserin Augusta. In den 1880er Jahren erfolgen weitere Ankäufe. Auch nach dem Tod Louises im Jahr 1882 werden Haus und Gärten weiterentwickelt. Das Interesse an Gärten ist groß: Graf Wedel und seine Töchter bewundern 1895 die "sehr schönen Parkanlagen" des Fürsten Salm in Varlar und besuchen 1904 eine Gartenbauausstellung. 1901 lässt Wilhelm Graf Wedel eine Uhr in den Turm einbauen.

Ein Einschnitt ist das Jahr 1912: Wilhelm Graf Wedel stirbt, nachdem zuvor schon einige seiner vier Söhne und vier Töchter verstorben waren. Ebenfalls 1912 wird die Landstraße so verlegt, dass sie nun Haus und Garten trennt. Der Torturm am Hauptschloss wird in diesem Zuge verändert und auch die Orangerie von 1861 an der Südwestseite des Hauses wird durch einen Küchentrakt ersetzt. 1913/14 werden im Schlosshof und im Gemüsegarten eigene Wasseranschlüsse gelegt. 1915 wird ein neues Gewächshaus errichtet. Der Hof, lange Zeit ohne Beete abgebildet, wurde vermutlich zwischen 1913 und 1932 erstmals gärtnerisch gestaltet, denn 1932 sind Beete auf einem Foto zu erkennen. Mitte der 1930er Jahre erfolgt der Bau des neuen Teils vom Dortmund-Ems-Kanal, der den Garten mitsamt der imposanten Allee nach Olfen zerschneidet. Zu diesem Zeitpunkt treten auch Knochen von Mammuts, einem wollhaarigen Rhinozeros, von Urrindern und Rentieren zutage, deren Herkunft noch immer nicht geklärt ist. Für die etwa 130 Morgen Land, die an den Kanalfiskus für die "Zweite Fahrt" des Dortmund-Ems-Kanals abgetreten wurden wird es finanziell eine Entschädigung gegeben haben. Der Garten ist jedoch stark verändert und von Teilen der Ländereien abgetrennt. 1938 wird die sogenannte "Petersilienbuche" im Park zu einem Naturdenkmal erklärt, es handelt sich wahrscheinlich um ein Exemplar von Fagus sylvatica "Aspleniifolia". Im letzten Kriegsjahr wird der Nord-Ost-Flügel des Schlosses zerbombt in dem sich der große Ahnensaal und die Schlossbibliothek befanden. Auch der Pferde- und Kuhstall brannte ab. Der Wiederaufbau dauert bis 1948. Zeitgleich sind Flüchtlinge im Haus untergebracht, das durch den Bombenschaden nur teilweise nutzbar ist.

Gut 30 Jahre später beginnt Graf vom Hagen-Plettenberg mit der erneuten Renovierung des Hauses. Hierbei werden einige der späteren Anbauten (beispielsweise der Küchentrakt von 1912) entfernt, die Dachflächen und die Fassade samt Fenstern erneuert.

2005 übernimmt Moritz Graf vom Hagen-Plettenberg den Besitz und die Verantwortung für dieses traditionsreiche Familieneigentum von seinen Eltern, die ihm jedoch immer noch hilfreich zur Seite stehen. Neben der forstwirtschaftlichen Nutzung sind vor allem die Heilpflanzen-Zucht und der Spargelanbau weitere Standbeine, die zum Erhalt des Ensembles beitragen sollen. Einmal im Jahr findet ein Konzert im Schlossinnenhof statt, der ansonsten durch die von der Gräfin angelegten Beete besticht.

Literaturangaben

  • vom Hagen-Plettenberg, (1978): Haus Sandfort renoviert. In: Jahrbuch Kreis Coesfeld 1978, Coesfeld, Seite 106 f.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
Externe ID: LWL-GUP00720
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Schlossgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1837
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031975


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2005: Schloss Sandfort
2005: Schlosspark Sandfort
2005: Haus Sandfort
2005: Haus Sandfort