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Stadtpark, Gronau
 

Der Park wurde 1911 nach einem Entwurf von dem Gartenarchitekten Ernst Brons aus Burgdamm bei Bremen erstellt (Einweihung 1913).

Externe ID: T-P363L301-20090529-00001
Erfassungsdatum: 29.05.2009
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2006: Stadtpark Gronau

Zugehöriges Objekt

Stadtpark und Tierpark Gronau (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Stadt Gronau, die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation und Lage:
Westfälisches Tiefland - Westmünsterland. Größe der Anlage: 15 Hektar.

Angaben zur Geschichte:
Der Park wurde 1911 nach einem Entwurf von dem Gartenarchitekten Ernst Brons aus Burgdamm bei Bremen erstellt (Einweihung 1913). Der farbige Entwurfsplan ist gut erhalten und liegt im Kreisarchiv Borken vor.

Gebäude und Ausstattung:
Tiergehege, Bismark-Gedenkstein, Wasserturm, Musikpavillon

Art der Grünanlage:
Stadtpark (Volkspark)

Beschreibung:
Zur Beschreibung der Anlage wird der Artikel "Volkspark Gronau - Stadtpark Gronau" von Jürgen Kuhlmann aus dem Bürgerbuch Gronau 2004 zitiert (siehe Literaturangabe): "Unsere Massen wollen kein Strauch- und Baummuseum in dem Park, der ihnen gehört. Sie verlangen mit Recht, seine Einrichtungen aktiv ausnutzen zu dürfen und nicht nur zu besehen. Der gemeinschaftliche Garten unserer Tage wird also künftig wieder ein Zweckgebilde sein, berufen, den ganz spezifischen Gebräuchen einer Mehrheit von Menschen genüge zu tun. Das Volk soll sich in ihm betätigen, am Alltag und am Ruhetag - wir brauchen keine Sonntagsgärten. Das Volk muss sich im Volkspark wirklich tummeln können, sonst hat er keinen Sinn. Das ist erst ein wahrer Volkspark, der seine Wiesen nur deshalb so sammetweich ergrünen ließ, damit das Volk geladen sei, sich darauf zu lagern, darauf zu spielen und zu tanzen, dessen Gewässer zum Baden, der Strand zum Waten geschaffen würde." (Migge 1913, Seite 25).

Der Ausspruch Migges verdeutlicht die vehement geführte Diskussion, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts in der Landschaftsarchitektur geführt wurde. Die Idee des Volksparkes entwickelte sich in Deutschland etwa seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit Hinblick auf das rasche Anwachsen der Städte in der Zeit der Industrialisierung - und der damit verbundenen Verknappung des Freiraums - forderte die Profession sehr eindringlich von den öffentlichen Grünanlagen eine höhere Aneignungsfähigkeit für die gesamte Bevölkerung, in diesem Zeitraum bestand das öffentliche Grün unserer Städte in erster Linie aus Chausseebäumen, Friedhofsanlagen und Stadtplätzen, deren Selbstzweck im Sinne einer ästhetischen Darstellung erschöpft schien.

Auch in Gronau wuchs die Bevölkerung infolge der sich rasant ausweitenden Textilindustrie rasch an. Der Park geht auf eine Spende der Fabrikantenfamilie van Delden zurück. Hatte man zunächst noch von der Errichtung eines "Spielplatzes" gesprochen, so wurde der Park schon bald gemäß den seinerzeit modernen Planungsleitlinien als "Volkspark" tituliert und ausgestaltet. Der ursprüngliche, handkolorierte Parkplan von 1911 ist im Kreisarchiv Borken erhalten geblieben. Der Gronauer Volkspark wurde von dem Gartenarchitekten Brons aus Burgdamm bei Bremen entworfen. Mit seiner Eröffnungsrede aus dem Jahr 1913 bekennt er sich zur Idee des Volksparks und zu den Reformansätzen der Gartenarchitektur:
"Die Anlagen seien nicht nur für Spaziergänger gedacht, sie sollten in ausgedehntem Maß auch als Spiel- und Tummelplatz für alle Bevölkerungsschichten nutzbar gemacht werden, und deshalb seien weite Flächen als Spiel- und Sportplätze ausgebaut." (Pressebericht vom 23. Juni 1913 in der Gronauer Nachrichten, zitiert nach Dickel, H., 1983, Seite 374.)
Der Entwurf des Gartenarchitekten Brons gibt genaue Kenntnisse über das Aussehen des Parkes. Das Kernstück des Volksparks ist der große Teich in der Dinkelumflut. Er ist der weiträumig angelegten Pergola vorgelagert. Nach Süden und Osten schließen sich großflächige Wiesen und Rasenstücke an. An deren Rändern leiten hainartige Hochstammgruppen zu der massiveren Anpflanzung an der Parkstraße und den äußeren Parkgrenzen über. Eine Blickachse zwischen Wasserturm und Pergola scheint bewußt offen gehalten zu sein. Nach Süden fallen die bosquettartigen Gehölzquarrées an den Wegekreuzungen auf.

Während diese stadtnahen Bereiche einem recht orthogonalen Entwurfsprinzip unterliegen, sind die nach Osten reichenden Parkanlagen eher auf die Gestaltungsformen des Landschaftsparks mit seinen geschwungenen Wegeführungen und malerisch gestalteten Baumgruppen zurückzuführen.

Den Entwurf zeichnet eine klare Gliederung vom Stadtraum in den Landschaftsraum aus. Die Staffelung erfolgt von den architektonisch ausgeprägten Parkteilen in Stadtnähe bis zu landschaftlich anmutenden Parkbildern im Übergangsbereich zur offenen Landschaft.

Fortan wurde der ursprüngliche Stadtpark über mehrere Entwicklungsschritte den sich ändernden Bedürfnissen angepasst. Zu den wichtigsten, heute noch ablesbaren Veränderungen gehören:

  • die Einrichtung des Tierparkes, der ab 1936 bis in die heutige Zeit kontinuierlich ergänzt wird und sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung erfreut.
  • der Ausbau der Dinkel und der Dinkelumflut ab Mitte der 1930er Jahre aufgrund der anhaltenden Hochwasserproblematik für den Stadtraum
  • der ergänzende Ausbau der Dinkel und der Dinkelumflut in den 60er Jahren aufgrund der weiter anhaltenden Hochwasserproblematik (Planungen des Ing.-Büros Pechy). Infolge dieser Planungen traten die seitlichen Dämme der Umflut deutlich im Parkbild zutage.
  • die städtebauliche Erneuerung mit Bau der Bundesstraße B54, für die große Parkbereiche im Norden zurückgebaut werden mussten. Unter anderem wurde das Parkentrée mit der Pergola und dem vorgelagerten Platz entfernt und die Sportplatzausrichtung verändert. Mit der städtebaulichen Umgestaltung und Umlegung der Hauptverkehrsstraßen durch das Stadtgebiet erfolgte schließlich auch eine grundlegende Umgestaltung des Parkes. Die Bundesstraße B 54 grenzt heute den Park nach Norden zur Innenstadt ab. Zwei Straßenunterführungen und eine Ampelanlage ermöglichen heute eine fußläufige Verknüpfung.
  • die Ergänzung mit öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhaus und Freibad in unmittelbarem Umfeld des Stadtparkes.

Durch die Nähe zum Wohnumfeld, zu den öffentlichen Einrichtungen und zur Innenstadt hat sich der Stadtpark zu einem häufig frequentierten Bereich entwickelt. Die Wegeachsen im Park haben eine wichtige Funktion als fahrradgerechte Verbindung, insbesondere zu den Schulen, zu erfüllen. Tiergehege, Rodelbahnen, Musikpavillon, die Erweiterung des Platzangebotes usw. tragen dazu bei, dass der Freiraum von immer mehr formellen Einrichtungen eingenommen wurde und heute zunehmend kleinflächigere Einheiten den Raum gliedern. Die Steigerung der Aktivitäten führte jedoch nicht zur Befriedigung verschiedener Bedürfniskomplexe, sondern hat auch zum Identitätsverlust des Freiraumes in der Dinkelniederung beigetragen.

Dabei bieten gerade die naturräumlich vorhandenen Qualitäten mit den Fließgewässern Dinkel und Umflut eine gute Grundlage für die gestalterische und ökologische Aufwertung des Stadtparkes. Die neue Planung der Flick Ingenieurgemeinschaft zielt daher stärker darauf ab, den Facettenreichtum des Wassers wieder erlebbar zu machen und gleichzeitig den Freizeitwert und die Bedeutung im Rahmen des Natur- und Landschaftsschutzes herauszuarbeiten. Bis zur 1932 vollendeten ersten umfassenden Dinkelregulierung (insbesondere der Umflut), waren bei extremen Hochwasserständen mehrfach die städtischen Flächen überschwemmt worden. Die Dinkelhochwässer haben jedoch auch weiterhin große Teile des Stadtgebietes Gronaus unter Wasser gesetzt. Erhebliche Schäden entstanden an den Bauwerken beispielsweise in den Jahren 1946 und 1960.

Für die Neuplanungen innerhalb des Inselparkes und des Stadtparkes war also der Nachweis über die gefahrlose Ableitung der potentiell anfallenden Hochwässer von großer Bedeutung. Auf der Grundlage der hydraulischen Berechnungen wurden nun die Höhenkoordinaten für die weiteren Planungen festgelegt.
Mit der allgemeinen Verknappung der naturnahen Lebensräume und Artenausstattung haben auch der Stadtpark und insbesondere die Gewässer an Bedeutung gewonnen. Die nachhaltige Sicherung der Naturraumpotentiale wird als wesentliche Grundlage der Alterungsfähigkeit und Individualität der Parkgestalt angesehen. Durch Neupflanzungen, aber auch durch die behutsame Entnahme von Gehölzen, konnten neue Blickachsen im Park geschaffen werden, die uns heute wieder die Weitläufigkeit des Parkes nahebringen und selbst erfahrene Stadtparkbesucher verblüfft haben.

Die Gewässervernetzung wird durch ein naturnahes Fließbild mit Prall- und Gleithängen weiter optimiert. Die hiermit verbundene Anreicherung der Strömungs- und Strahlungsverhältnisse im Gewässer und in den ökologisch hochwertigen Wasserwechselbereichen spiegelt eine größere Bandbreite an potentiellen Brut- und Nahrungshabitaten für die Fauna sowie potentielle Wuchsstandorte für die Gewässerflora wider. Uferbereiche an den Gleithängen wurden abgeflacht und durch eine Rhizompflanzung mit Schilf- und Röhrichtarten aufgewertet. Hier sollten die Pflege- und Unterhaltungsarbeiten auf das wasserwirtschaftlich notwendige Maß heruntergesetzt werden.

Mit der Anbindung des Teiches an die Dinkelumflut wird der Leitbildgedanke des mäandrierenden Niederungsbaches formal umgesetzt. Die Umflut tritt bei Hochwasser über die neu erstellten Furten, Zwischen Teich und Umflut entsteht dann eine Insel, die lediglich über die bestehende Brücke von der Sportplatzseite erreichbar ist. Die Furten wurden mit Natursteinblöcken eingefasst. Bei den Ausbauarbeiten an den Furten und dem Wegenetz konnte auch auf die tatkräftige Mithilfe des städtischen Bauhofes zurückgegriffen werden, denen an dieser Stelle nochmals ausdrücklich gedankt werden soll. Mit der Herstellung von Fischtreppen am ehemaligen Streichwehr beim Freibad und am Zusammenfluss von Dinkel und Umflut in der Nähe des Rockmuseums ist die Durchgängigkeit des Niederungsgewässers wiederhergestellt. Hierdurch ist ein Austausch der Gewässerarten von den Niederlanden durch das gesamte Stadtgebiet Gronaus bis nach Epe möglich.
Im Bereich der Berufsschule wird der Prallhang des Gewässers durch Sitzstufen aus bruchrauhen Natursteinblöcken markiert. An diesem Punkt können Schüler und Parknutzer an das Gewässer herangeführt werden und es bieten sich langgestreckte Blickachsen bis zur Fischtreppe am Streichwehr sowie in nördlicher Richtung über das mäandrierende Gewässer bis in den Stadtraum.

Die Erneuerung des Stadtparkes, die ursprünglich von den Genehmigungsbehörden als Ausgleichsmaßnahme für die regen Bautätigkeiten im Inselpark gefordert war, muss weiter gefasst werden. Sie ist eingebettet in die umfangreichen Bautätigkeiten entlang der Dinkel und der Umflut. Erste Gedanken, die gewachsenen Strukturen des Stadtparkes mit in die Landesgartenschau einzubinden, zeigten sich nicht als praktikabel. Während die Landesgartenschau die Verbindung in den nördlichen Freiraum ermöglicht hat, ist mit dem neugestalteten Passweg und dem Stadtpark der Brückenschlag in den Süden gelungen. Die neuen Radwegeverbindungen reichen heute aus dem Inselpark im Stadtzentrum bis nach Epe im Süden und bis nach Losser im Norden, Damit gewinnt der Grünzug entlang der Dinkel und der Umflut eine besondere Bedeutung für die zukünftigen Entwicklungsschübe in Gronau.

Quellenangaben

  • Kreisarchiv Borken (o.J.): Bestand AH 02: Deichpolizeiliche Genehmigungen der Stadt Gronau; 1902 - 1931; darin Entwurf des Gartenarchitekten Brons zum Volkspark Gronau von 1911. o.O.

Literaturangaben

  • Dickel, Hans-Peter et al. (1982): Natur und Kultur des Raumes Gronau und Epe. Gronau.
  • Flick Ingenieurgemeinschaft (o.J.): Anträge nach § 99 LWG (Landeswassergesetz) zur Herstellung von Fischpässen im Inselpark und am Streichwehr. Stadtpark. o.O.
  • Migge, Leberecht (1913): Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts. Jena.
  • Flick Ingenieurgemeinschaft (o.J.): Anträge nach § 31 WHG (Wasserhaushaltsgesetz) zum Inselpark Gronau und zur ökologischen Verbesserung der Dinkelumflut, Wasserwirtschaftlicher Entwurf. o.O.
  • Kuhlmann, Jürgen (2004): Volkspark Gronau - Stadtpark Gronau. In: Bürgerbuch Gronau, Gronau, Seite 170 - 175.
Externe ID: LWL-GUP00481
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Volkspark, Stadtpark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: gering - ist einen Besuch vor Ort wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1911
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031961


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2006: Stadtpark Gronau
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