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Burg Hülshoff, Havixbeck
 

Burg Hülshoff in Havixbeck und Haus Rüschhaus in Münster-Nienberge liegen nicht nur nahe beieinander, sie wurden auch beide von der berühmten Dichterin Annette von Droste-Hülshoff bewohnt und tauchen in zahlreichen ihrer Werke auf. Eine knapp fünf Kilometer lange Wanderung auf Annettes Spuren verbindet die beiden Wohnorte mit ihren sehr unterschiedlichen Gärten.

Externe ID: T-P363L301-20080807-00001
Erfassungsdatum: 07.08.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Burg Hülshoff

Zugehöriges Objekt

Gartenanlage der Burg Hülshoff, Havixbeck (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit


Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; zwischen Havixbeck und Münster-Roxel.

Angaben zur Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Das ältere der beiden Häuser ist Burg Hülshoff, die Geburtsstätte der Dichterin. Ein festes Haus mit dem Namen "Tor Kulen" (Zur Kuhle) bestand schon um 1349. Der Name deutet darauf hin, dass dieses Haus bereits von einer Gräfte umgeben war. Es gehörte den Herren von Schonebeck. 1417 kauften es die Herren von Deckenbrock, deren Nachkommen sich später von Droste zu Hülshoff nannten. Drosten waren die höchsten Beamten an weltlichen und geistlichen Höfen und gehörten zum Adel. Die Herren von Deckenbrock gehörten im 13. Jahrhundert zudem zum Stadtpatriziat von Münster und hatten mehrfach das Bürgermeisteramt inne. Heinrich I von Droste zu Hülshoff ließ 1540 bis 1545 die heute noch bestehende Hauptburg bauen. Sie ist ein Zweiflügelbau, mit einer Sandsteinfassade an der Westseite, im Übrigen aus Backstein mit Sandsteinornamenten gebaut. Stilistisch ist die Burg noch der frühen Renaissance zuzuordnen. 1546 folgte der Bau eines Turmes zur Bewachung der Brücke zwischen Vor- und Hauptburg. Dieser Turm steht nicht mehr. Der Garten lag zu dieser Zeit abseits von der Burg und war von dort nicht direkt zugänglich. Die ältesten Gebäude der Vorburg sind der sogenannte Hundeturm im Südosten und das Tor, welches ursprünglich von Süden durch die Vorburg führte. Heute befindet sich hier eine neue Brücke mit einem neuen Fußgängerzugang zur Burganlage. Die Vorburg wurde 1627 erneuert und die Hauptzufahrt nach Osten verlegt. Sie war zunächst mit einem neuen Torhaus versehen, das Ende des 18. Jahrhunderts jedoch abgerissen und durch barocke Sandsteinpfeiler ersetzt wurde. 1628 fanden einige Wege- und Wasserbaumaßnahmen im Garten der Anlage statt und der Gärtnersturm im Südwesten wurde erbaut. Er steht heute noch und ist durch ein Reiterrelief aus Sandstein geschmückt. 1629 wird das Winterbosquet, der Südteil des Gartens erstmals erwähnt. Der Name deutet an, dass bereits damals Nadelbäume in diesem kleinen Wäldchen standen, das somit auch im Winter attraktiv war. 1630 erhielt die Brustwehr zwischen der Vor- und Hauptburg ihre Balustrade und eine Neptunfigur als Schmuck, die nicht mehr vorhanden ist.
Die nächsten Maßnahmen finden um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert statt. Ende des 17. Jahrhunderts werden vier Kastanien auf der Garteninsel im Karree gepflanzt. Ihre Nachfolger stehen heute beiderseits der weißen Brücke zwischen Burg und Garten. 1720 folgt die Anlage der Eichenallee entlang der Zufahrt von Osten. Sie ist noch weitgehend erhalten. Zwanzig Jahre später wurde hier eine Kreuzigungsgruppe aufgestellt, die sich heute jedoch auf dem Roxeler Friedhof befindet. Die Brücke zwischen Vor- und Hauptburg wurde erneuert und der Turm und die Mauer um die Hauptburg wurden abgerissen, die Anlage also entfestigt. Mitte des 18. Jahrhunderts folgten weitere Pflanzmaßnahmen: Das Sommerbosquet nördlich der Garteninsel wurde angelegt. Dessen zentrale Achse verbindet seit dem Jahr 1804 die Burg mit einem Pavillon oder Teehaus. Was der Endpunkt zur Entstehungszeit der Allee war, ist nicht überliefert. Zudem wurde eine Kastanienallee gepflanzt, die jedoch 1869 wieder gefällt wurde. Zwischen 1789 und 1794 wurde die Burg im Inneren modernisiert und die Fenster verändert. Mitte des 19. Jahrhunderts folgte der Umbau der Vorburg und 1879 der Bau einer neugotischen Kapelle an der Hauptburg.
Bis 1818 sind unter Clemens August von Droste zu Hülshoff, dem Vater Annettes, diverse Verschönerungen im Garten erwähnt, zu ihnen zählt insbesondere die Pflanzung zahlreicher exotischer Bäume wie Zypressen, Zedern, Blutbuchen, Schwarznuss, Hickory (Carya spec.), Tulpenbaum, Trompetenbaum und ähnliches. Einige dieser Bäume stehen noch heute. Auch der erwähnte Pavillon im Sommerbosquet wurde in dieser Zeit errichtet und im Winterbosquet wurde eine Renaissance-Säule ("Annette-Säule") aufgestellt. Derartige "Relikte" wurden zu jener Zeit oftmals als romantischer Gartenschmuck genutzt. Noch heute ist im Bereich des Winterbosquets eine Säule ohne Skulptur zu sehen. Neben den beiden Bosquets mit ihrem Baumschmuck war der größte Teil des Gartens jedoch Nutzgarten. Auf der heutigen Garteninsel befanden sich vor allem Obstbäume in einer Wiese. 1954 wurde dieser Bereich umgestaltet und üppiger Blumenschmuck aus Zwiebelpflanzen, Rosen, Stauden und Rhododendron angelegt. 1977 bis 1986 folgten weitere Veränderungen, wie die Verlagerung und Vergrößerung des Damwildgeheges in den Nordosten, die Anlage der Liegewiese und neuer Wege und 1985 die Aufstellung der Annette-Büste im zentralen Pflanzrondell. Heute wird ein Teil der Pflege des Gartens durch einen Landschaftsbaubetrieb, der seinen Sitz auf dem Gelände der Burg hat, ausgeführt. Die Vorliebe des Gärtners für Hortensien erklärt die sortenreiche Pflanzung am Eingang zum Park. Im Schloss befinden sich ein Droste-Museum und ein Restaurant mit Außengastronomie. Im malerischen Teehaus ist zeitweilig eine Galerie untergebracht. Zwei besondere Veranstaltungen sind die Gartenträume zu Pfingsten und die Winterträume, die alljährlich zahlreiche Besucher anziehen.
Annette von Droste zu Hülshoff verließ die Burg mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Jenny nach dem plötzlichen Tode des Vaters im Jahr 1826. Sie zogen auf den nahe gelegenen Witwensitz Haus Rüschhaus.

Literaturangaben

  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 158 - 165.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
Externe ID: LWL-GUP00678
Erfassungsdatum: 17.10.2007
Kategorie: Schlossanlage
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1780 - 1800
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031904


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2007: Burg Hülshoff
2007: Burg Hülshoff
2005:
2005: Burg Hülshoff
2005: Burg Hülshoff
2005: Burg Hülshoff
2005: Burg Hülshoff
2005: Burg Hülshoff
1897: Burg Hülshoff