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Parklandschaft Dülmen
 

Der malerische Wildpark in Dülmen ist weit über die Grenzen hinaus bekannt und ein beliebtes Erholungsgebiet für Jung und Alt. Er ist in seiner Entwicklung eng mit dem heute weniger bekannten Vorpark und dem ehemaligen Schlosspark verbunden. Seit dem 19. Jahrhundert gehören sie alle drei zum herzoglichen Haus Croy und sind - beziehungsweise waren - Beispiele für herausragende englische Landschaftsparks auf dem Kontinent. Die Parks sind heute frei zugänglich.

Externe ID: T-P363L301-20080730-00001
Erfassungsdatum: 30.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2004: Wildpark

Zugehörige Objekte

Schloss- und Vorpark Dülmen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat, die Anlagen sind öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Westmünsterland/Kernmünsterland; im Zentrum von Dülmen

Allgemeine Angaben zur Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Der Schlosspark, heute in Resten im Zentrum Dülmens gelegen, befand sich an Stelle mittelalterlicher Bürgergärten nahe der Stadtmauer. Im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses 1803, erhält Herzog Anna Emanuel von Croy Besitzungen in Dülmen als Entschädigung und bezieht 1804 das eigens umgebaute Dollnhofen Haus nahe der Stadtmauer, wodurch Dülmen Residenzstadt wird. Der Park, der bereits einen üppigen Baumbestand aufwies, wurde durch Herzog weiter umgestaltet, es liegen hierüber jedoch keine Pläne vor. 1813 ging die Stadt in Preußischen Besitz über. Der Herzog von Croy blieb der Stadt treu. Es folgen zahlreiche Planungen zu einem neuen, repräsentativen Schloss samt Schlosspark. Der Standort des neuen Schlosses, ab 1834 erbaut, befand sich ganz in der Nähe des Dollnhofen Hauses. 1838 ließ Herzog Alfred den Garten mit einer Mauer umfrieden und rahmende Gehölze sowie malerische Einzelbäume, beispielsweise Zedern, Eiben und Mammutbäume pflanzen. Nach Ankauf/Arrondierung weiterer Bürgergärten stellte Emanuel von Croy, der Neffe des Herzogs, erste Überlegungen zur Ausgestaltung des gesamten Schlossparks an, die jedoch nicht realisiert wurden. Etwa 1842 setzte eine erste Bauphase im Schlosspark ein, die vor 1853 abgeschlossen war. Der Planer war kein geringerer als der Berliner Hofbauinspektor und Schinkel-Schüler August Friedrich Stüler. Ihm gelang es, die ersten Skizzen des Emanuel von Croy in einen ausgefeilten, etwa drei Hektar großen Landschaftspark umzusetzen. Der ehemalige Stadtgraben speiste nun über einen geschwungenen Graben einen Teich im Zentrum des Parks. Der Aushub vom Teichbau wurde für Bodenmodellierung im Gelände verwendet. Ein Rundweg (belt walk) führte vom Schloss um den Park und bot dem Betrachter wechselnde Szenerien. Geschwungene Wege führten durch die Anlage, Gehölze waren in Gruppen oder als Einzelbäume in weiten Wiesenflächen platziert und gaben Sichtachsen zu einigen der Parkbauten, aber auch in die Umgebung frei. Gleichzeitig entwarf Stüler Parkbauten: Eine Mühle, ein Gewächshaus und ein Kesselhaus, sowie diverse Brücken. Der Bauherr, Herzog Alfred von Croy, hatte parallel auch den distinguierten Baumeister Johann Heinrich Strack mit der Planung eines Kesselhauses beauftragt, man entschied sich aber wohl gegen den Bau dieses Kesselhauses. Es wurde jedoch Stülers Entwurf leicht verändert ausgeführt und das so genannte "Schweizer Haus" entstand, als Teehaus und Blickpunkt auf der höchsten Stelle im Park jenseits des Teichs. 1978 wurde es abgerissen.

Kurz nach der ersten Bauphase fand eine Umgestaltung des Schlossparks statt. Auftraggeber war Erbprinz Rudolph von Croy, Planer der englische Gartenkünstler Edward Milner. Dieser hatte sich unter anderem durch Arbeiten am berühmten Crystal Palace in der Nähe von London einen Namen gemacht und verstand sich sowohl auf die Planung von Landschaftsparks, als auch von Gewächshäusern. Zudem war er ein großer Pflanzenkenner und -liebhaber, eine Leidenschaft, die er mit dem Erbprinzen und dessen Gemahlin Prinzessin Natalie von Ligne teilte. Die Planung des Schlossparks durch Milner baute auf der Anlage Stülers auf, verfeinerte sie aber noch und brachte prestigeträchtige und seltene Pflanzen, vor allem Nadelbäume, unter. Eine Libanonzeder, ein Baum, der in England an keinem Herrenhaus fehlen darf, wurde ebenso gepflanzt, wie Fichten, Kiefern und Tannen. Aber auch ein Tulpenbaum und Rhododendren schmückten die Anlage, die durch dichte Bepflanzung entlang der Mauer nach außen abgeschirmt war. Die Wege wurden differenziert und in ihrer Breite der Nutzung angepasst. Zudem fügte Milner einige formale Bereiche ein, beispielsweise eine große Terrasse mit Beeten vor dem Schloss sowie an den Gewächshäusern. Die Ausführung der Arbeiten oblag dem englischen Obergärtner Charles Barnard, der 1861 im Auftrag Milners nach Dülmen ging. Barnard wohnte im "Schweizer Haus" inmitten des Parks. Ihm folgten auch seine Söhne Joe und Carl nach Deutschland.

Noch 1924 wurde der Schlosspark durch die Deutsche Dendrologische Gesellschaft gepriesen. 1925 wurde ein Tennisplatz eingefügt, eine typische Ergänzung in dieser Zeit. Am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten Bomben das Schloss und den Vorplatz, den Milner in den 1870er Jahren geplant hatte. Geänderte Straßenführungen, Flächenabgänge und der Neubau eines Krankenhauses verhinderten die Wiederherstellung des Schlosses an alter Stelle. Seither haben ständig weitere Einschnitte in den ehemaligen Schlosspark stattgefunden. Die Stadt Dülmen kaufte jedoch 1992 das Kernstück der Anlage und nutzt den Bereich als Stadtpark. Dennoch haben auch hier weitere Veränderungen entgegen der historischen Gestaltung stattgefunden. Der Teich und einige stattliche Bäume zeugen jedoch noch vom einstigen Glanz dieser Anlage.

Art der Anlage
Park

Externe ID: LWL-GUP00652
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Park
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1831
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031862


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2010: Schloss- und Vorpark
2010: Schloss- und Vorpark
2007: Schloss- und Vorpark
2006: Schloss- und Vorpark
2005: Dülmen

Wildpark Dülmen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situatuion, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland/Westmünsterland; südlich von Dülmen, etwa 120 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Wild- und Vorpark sind im Gegensatz zum Schlosspark noch weitgehend vorhanden. Sie liegen im Bereich ehemaliger landwirtschaftlicher Güter, allen voran des Gutes Hinderkinck mit seinen Ländereien im Wildpark. Dieses Gut bestand seit 1341, wo es erstmals als Lehen einer Burgmannsfamilie erwähnt wird. 1380 saß ein Wessel von Lembeck aus Merfeld auf dem Gut des Stiftes Münster, doch die Familie starb bald im Mannesstamm aus und es folgte die Schultenfamilie Hinderkinck. Der letzte Schulte Hinderkinck trat 1800 sein Erbe an. Damals lag der Hof als Eininselanlage innerhalb einer Gräfte, deren Reste noch heute im Wildpark erkennbar sind. 1804 baute Cristof Schulte Hinderkinck ein neues Haus außerhalb der Gräfte, starb jedoch schon 1808, sodass seine Mutter mit ihrem zweiten Ehemann, dem Landwirt Uhlenbrock aus Buldern, die Bewirtschaftung übernahm und unter anderem den noch erhaltenen Schafstall baute. 1829 folgt der Schwiegersohn im Besitz, verpachtet das Gut jedoch und verkauft es schließlich mit den meisten Ländereien 1860 an den Herzog von Croy, der hier einen Landsitz plante.

Mit der Planung des neuen Landschaftsparks wurde wiederum Edward Milner beauftragt, der 1864 einen "veränderten" Entwurf für die Gestaltung vorlegte, welcher ebenfalls durch Charles Barnard zur Ausführung gelangte. Milner plante in dem 120 Hektar großen Areal nicht nur den Herzteich mit der malerischen Holzbrücke und Wiesenflächen mit Einzelbäumen und Baumgruppen (clumps), wie sie für englische Landschaftsparks typisch sind. Er nahm auch Rücksicht auf vorhandene Gehölzbestände, die in die Anlage integriert wurden. Zudem sind kleine Geländemodullierungen, wie Hügel, zu erkennen. Sein Obergärtner Charles Barnard hat in den Gehölzpflanzungen ebenfalls seine Handschrift hinterlassen: So sind einige der Nadelholzbestände mit lichten Birken gefasst. Die Wege im Wildpark, so geschwungen sie auch angelegt sind, scheinen sich an Notwendigkeiten orientiert zu haben. Einen Rundweg plante Milner, jedoch ohne Staffagebauten als Blickfang wie eigentlich üblich. Parallel zum Wildpark wurde der Vorpark als Verbindung zwischen Schloss und Wildpark gebaut. Er führte mit geschlängelten Wegen an der herzoglichen Eisenhütte vorbei in den Wildpark. Es folgten in einem Abstand von etwa zehn Jahren vier Erweiterungen des Geländes, vor allem mit forstlicher Nutzung und als Rückzugsfläche für das Wild geplant. In den 1920er Jahren wurden hier Rehe, Damwild und Mufflons gehalten, es gab auch Wildschweine und Hasen.

Heute sind einige der Erweiterungsbereiche durch den Autobahnbau wieder vom Park abgeschnitten. Der von Milner geplante Teil ist jedoch noch komplett erhalten und weitgehend in der alten Form erkennbar. Einige Aufforstungen und Bereiche mit Naturverjüngung entsprechen nicht mehr dem historischen Entwurf und einige wenige Wege sind hinzugekommen. Heutzutage lebt vor allem Damwild im Park, der für Besucher frei zugänglich ist. Ein neuerdings weitgehend befestigter Rundweg um den Park bietet mehrere malerische Blicke auf den Herzteich, das Forsthaus und den Schafstall.
Der Vorpark ist in seinem Erhaltungszustand zwischen dem Schlosspark und dem Wildpark einzustufen. Es sind noch Teile der historischen Wegeführungen sowie einige der alten Bäume, allen voran ein Mammutbaum, erhalten. In jüngerer Zeit wurden aber auch ein Spielplatz, eine Boulebahn und ein Sitzplatz eingefügt. Besonders schön ist ein Spaziergang durch den Vorpark im Frühjahr, wenn ein bunter Teppich aus Buschwindröschen, Lerchensporn, Scharbockskraut und anderen Geophyten den Boden bedeckt.

Ebenfalls zu den Besitzungen des Herzoghauses gehört die Wildpferdebahn, die jedoch aus Rücksicht auf die Pferde in den Sommermonaten an Wochenenden und Feiertagen, sonst aber nur nach Voranmeldung zu besichtigen ist. Ein Besuch könnte jedoch eine gelungene Ergänzung zu ausgedehnten Spaziergängen in den drei öffentlich zugänglichen Parks mit ihren vielseitigen Eindrücken sein.

Art der Anlage
Landschaftspark, Wildpark

Quellenangaben

  • o.A. (o.J.): Herzogliches Archiv Croy. Dülmen.

Literaturangaben

  • Hoffmann, Rudolf (1963): Die Geschichte des Forstrevieres Wildpark. In: Dülmener Heimatblätter, Jahrgang 1964, Heft 1/2, Dülmen, Seite 7 - 13.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Kreutzer, Gerd-Wilhelm (1959): Der Dülmener Raum um 1800 - auf der Le Coqschen Karte. In: Dülmener Heimatblätter, Jahrgang 1959, Heft 4, Dülmen, Seite 61 - 65.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 178 - 183.
Externe ID: LWL-GUP00664
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Park
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Fotos
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1860
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031876


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2004: Wildpark
2004: Wildpark
2005: Wildpark
2005: Wildpferdebahn
2005: Wildpferdebahn
2005: Dülmen
1864: Wildpark