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Wallanlagen Coesfeld
 

Die Wallanlagen in Coesfeld sind nicht nur historisch bedeutsame Landschaften, sie verbinden auch andere sehenswerte Freianlagen der Kreisstadt auf angenehme Weise. Eine etwa 2,5 Kilometer lange Promenade auf der ehemaligen Befestigungsanlage bildet im Osten der Stadt einen Halbkreis, der mit bequemen Fuß- und Radwegen ausgestattet ist. Hier begegnen sich moderne Kunst und mittelalterliche Bauwerke in harmonischer Weise, und das viele Grün am Rande des Stadtkerns bietet Erholung pur. Im westlichen Teil der Wallanlagen musste sich das Grün den Straßenverbindungen unterordnen.

Externe ID: T-P363L301-20080729-00002
Erfassungsdatum: 29.07.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Wallanlagen

Zugehöriges Objekt

Wallanlagen Coesfeld (Kulturlandschaft)

 

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Westmünsterland; im Zentrum von Coesfeld

Allgemeine Angaben zur Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Die Siedlung Coesfeld (Coasfelt) mit der ersten Lambertikirche} bestand schon vor dem Jahr 809, ist also eine sehr frühe Gründung. 1123 wurde das Prämonstratenserkloster Varlar gegründet und diesem nur drei Jahre später das Dorf Coesfeld zugeordnet. 1197 verlieh der Landesherr und Bischof von Münster dem Ort die Stadtrechte und machte die neue Stadt somit unabhängig. Zu dieser Zeit soll es es bereits eine erste Befestigung aus Wall und Graben gegeben haben, diese wurde bis 1250 durch einen zweiten Festungsring ergänzt. Anfang des 14. Jahrhunderts folgte der Bau einer Mauer mit Türmen (der Pulverturm ist bis heute erhalten) und Toren (hiervon steht noch das Walkenbrücker Tor. Zu dieser Zeit war Coesfeld bereits Mitglied der Hanse, eines Handelsbundes, der von Nowgorod bis London und von Bergen bis Nürnberg reichte. Coesfeld handelte vor allem mit Leinwand, Baumseide, Fleisch und Baumberger Sandstein und hatte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts enge Verbindungen nach Lübeck und Polen sowie in die Niederlande. Dann folgte der Dreißigjährige Krieg, den die Stadt schon mit den Auseinandersetzungen zwischen den Niederländern und Spaniern Ende des 16. Jahrhunderts zu spüren bekam. Kriege, Brände, Pestkatastrophen bereiteten dem Wachstum und Wohlstand ein Ende. Neuen Glanz erlebte die Stadt für kurze Zeit ab 1651 als Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen seine Residenz von Münster nach Coesfeld verlegte und dementsprechend prunkvolle Anlagen plante: Zunächst eine neue Befestigung nach allen Regeln der Kunst und von 1656 bis 1659 die  Ludgerusburg auf einer sternförmigen Zitadelle im Norden der Stadt. Die Reste der Befestigung sind in den heutigen Wallanlagen noch gut zu erkennen. Die Ludgerusburg, deren Baumeister Bernard Spoede war, wurde zwar nicht vollendet, die Ruine des Torhauses ist aber heute noch zu sehen. 1688 wurde die Ludgerusburg geschleift. Noch hatte sich Coesfeld von den Strapazen nicht erholt, da wurden im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) die Stadtbefestigung und zahlreiche Häuser zerstört.

Von 1803 bis 1806 erhielt kurz neuer Aufschwung Einzug in Coesfeld, welches durch den Reichsdeputationshauptschluss zur Residenz der Wild- und Rheingrafen von Salm Grumbach (heute Fürst zu Salm-Horstmar) wurde. 1806 bis 1813 erfolgte jedoch die französische Besatzung und dann die Zugehörigkeit zu Preußen. Nun wurden die Wallanlagen endgültig nicht mehr gebraucht und 1815 in eine Promenade umgestaltet, die Lindenalleen bestanden jedoch schon vor dem Jahr 1809. Doch die Schicksalsschläge sind noch nicht endgültig vorbei. 1945 werden im Luftkrieg achtzig Prozent der Innenstadt zerstört und danach zum Teil verändert wieder aufgebaut. Auch die Wallanlagen waren hiervon betroffen. Sie wurden jedoch weitgehend dem Vorkriegszustand entsprechend wieder hergestellt.

Beginnt man den Spaziergang am Gerichtswall im Südwesten der Stadt, so muss man sich den Weg zunächst mit einigen Autos teilen, ab Jakobiwall wird es jedoch schon ruhiger und die Berkelumflut (der historische Wallgraben) tritt erstmals in Erscheinung. An der Kreuzung mit der Letter Straße auf dem alten Jakobifriedhof befinden sich ein Ehrenmal und eine sehr eindrucksvolle Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus sowie einige moderne Kunstwerke des nahen Kunstvereins. Der Verlauf der Wallanlagen führt weiter über den Südwall mit seiner Lindenallee. In Höhe Cronestraße lohnt ein Abstecher in die Kernstadt, wo man in den ehemaligen Schlosspark gelangt. Das Schloss (Liebfrauenburg) war ursprünglich ein Jesuitenkolleg und wurde wahrscheinlich von Peter Pictorius erbaut. 1803 wurde es zunächst zum Schloss der Grafen Salm-Horstmar, nach dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit war es erst Liebfrauenkloster und seit den 1980er Jahren dient es überwiegend als Verwaltungsgebäude der Stadt. Durch den kleinen Park, der 1980 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, fließt die Berkel und es gibt neben ein paar Spielgeräten auch malerische und seltene Gehölze, geschnittene Hecken und moderne Kunst zu sehen. Geht man noch weiter Richtung Marktplatz, so kommt man an der ehemaligen Jesuitenkirche und am Rathaus vorbei. Die heute der evangelischen Gemeinde dienende Kirche wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut, das Rathaus in den fünfziger Jahren neu errichtet. Beide Kirchen und das Rathaus stehen heute unter Denkmalschutz. Der Marktplatz wartet mit zahlreichen Bildhauerarbeiten auf, darunter ein gotisches Marktkreuz; Höhepunkt ist aber die Lambertikirche. Ihre spätromanische Halle aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde zwischen 1473 und 1524 durch den Coesfelder Baumeister Henrik de Suer gotisch ergänzt. Die Westfront mit Turm ist nach einem Einsturz im 17. Jahrhundert wahrscheinlich durch Gottfried Laurenz Pictorius erbaut worden und hat den Krieg mit nur einigen Schäden überstanden. Auch im Innern der Kirche gibt es zahlreiche Schätze, die es anzusehen lohnt. Auf der Münsterstraße gelangt man dann zurück zu den Wallanlagen, die ab hier eine parkartige Promenade werden. Unter Lindenalleen oder am Wasser entlang verlaufen Wege und neben historischen Skulpturen steht moderne Kunst. Das nahezu neobarocke Kreishaus (1925) befindet sich am gegenüberliegenden Ufer vom Pulverturm, einem Zeugnis der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der Sitz des Heimatvereins ist. Bänke laden zur Rast und zu genaueren Betrachtungen ein. Über die Loddeallee weiter im Norden spannt sich das ebenfalls mittelalterliche Walkenbrückentor. In diesem malerischen Gebäude wurde in den 1980er Jahren, nach Beseitigung der Kriegsschäden, das Stadtmuseum untergebracht. Hier lohnt sich ebenfalls ein längerer Abstecher. Jenseits der Friedrich-Ebert-Straße liegt der Stadtpark, eine typische Anlage der 1950er Jahre mit Resten historischer Lindenalleen, Kunstwerken, einem Teich und einem Spielplatz. Schon im 19. Jahrhundert war der Bereich um den Zugang zur ehemaligen Zitadelle parkartig angelegt und bildete mit den Gärten der umgebenden herrschaftlichen Häuser stilistisch eine Einheit. 1927 hat vermutlich der damalige salm-horstmarsche Forstmeister von Schütz in städtischem Auftrag die einheitliche Parkgestaltung des Stadtparks begonnen. Dabei vereinte er mehrere ältere Anlagen: Kleinere Aufforstungen an der Bergchaussee und der Verlängerung der Stadtwaldallee, am Eiskeller Limke und am sogenannten Hagenpad verband er mit parkähnlichen Anpflanzungen. In den 1950er Jahren trat eine weitere Umgestaltung ein: Eiskeller und Hagenpad wurden anscheinend Anfang des Jahrzehnts zurückgebaut und der Stadtpark um die Gärten an der Billerbecker Straße ergänzt. Der Garten des Hauses Schanze, der zu dieser Zeit in städtischen Besitz überging, konnte beispielsweise nahtlos in die Grünzone integriert werden. Seitdem schmücken die Vogelvoliere und eine Teichanlage den Park, der in den 1960er Jahren durch Gartenankäufe nochmals erweitert wurde.

Ab dem Stadtpark müssen Besucher sich nun entscheiden: Nach Nordwesten schließen die Ruine des Torhauses der Ludgerusburg und jenseits der Stadthalle das Schulzentrum an der Holtwicker Straße mit einer typischen Außenanlage aus den 1970er Jahren an. 1977 wurde der Bildhauer Professor Axel Seyler aus Höxter mit der Gestaltung am Schulzentrum beauftragt. Er plante einige gelungene bildhafte und abstrakte Hügelplastiken aus Beton und Granitpflaster. Die Schüler können zum Beispiel auf Delphinen sitzen oder über einen steinernen Drachen klettern. Nach Nordosten führen Wanderwege die Berkel entlang zum historischen Galgenhügel oder in die Landschaft. Ein ganz besonderer Höhepunkt ist der Große Kreuzweg, der im Norden anschließt.

Die Wanderung durch die Wallanlagen birgt, wie zu erkennen ist, allerlei Schätze und einen Einblick in die Baukunst und Freiraumplanung vom Mittelalter bis heute. Aber auch für Naturfreunde und für Geschichtsforscher gibt es viel zu sehen, und für kleine Besucher sind mehrere Spielpausen möglich. So kann aus einem Kurzausflug gut auch eine Tagestour werden.

Art der Anlage
Grünflächen

Literaturangaben

  • Damberg, Norbert (2006): Städtische Grünflachen. unveröffentlichtes Manuskript zum Denkmaltag 2006, o.O., Seite 3.
  • Stadt Coesfeld (Hrsg.) (2001): Coesfelder Geschichte - Ein historischer Stadtrundgang. Coesfeld, Infoblatt.
  • Groten, Manfred (Hrsg.) (2006): Nordrhein-Westfalen. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band 3, Stuttgart.
  • Heimatverein Coesfeld (Hrsg.) (1991): Wegkreuze und Bildstöcke Coesfelds. In: Beiträge zur Coesfelder Geschichte und Volkskunde II, Coesfeld.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Eiynck, Andreas (1999): Bau- und Kunstdenkmäler in der Stadt Coesfeld. In: Stadtgeschichte II, Coesfeld.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 128 - 133.
Externe ID: LWL-GUP00624
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Grünflächen
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1197
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031848


In Karte anzeigen

2010: Wallanlagen
2010: Ruine der Ludgerusburg
2005: Wallanlagen mit modernem Kunstwerk
2005: Wallanlagen
2005: Gedenkstätte auf dem ehemaligen Jakobifriedhof
2005: Lambertikirche am Markt
2005: Walkenbrücken Tor mit dem Stadtmuseum
2005: Wallanlagen und Park am Pulverturm
2005: Wallanlagen
2006: Coesfeld
1956: Coesfeld