Für die Menschen, für Westfalen-Lippe Signet: LWL-GeodatenKultur
Username:  
Password:  
Trennlinie; Beginn des Seitenfußes
  Start     Karte     Suche     Auswahlliste     Objektansicht     Hilfe  
Großer Kreuzweg Coesfeld
 

Der Große Kreuzweg im Nordwesten Coesfelds ist eine gekonnte barocke Inszenierung mit prächtigen Alleen. Neben Prozessionen und Meditationen haben auch die Nutzungen als Rad-, Wander- oder Laufstrecken sowie die generelle Erholung ihren Platz.

Externe ID: T-P363L301-20080729-00001
Erfassungsdatum: 29.07.2008
Kategorie: Religion
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



In Karte anzeigen

2005: Große Kapelle, Coesfeld

Zugehöriges Objekt

Großer Kreuzweg Coesfeld (Kulturlandschaft)

 

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland- Westmünsterland, nordwestlich von Coesfeld.

Allgemeine Angaben zur Geschichte und Beschreibung
Kreuzwege sind für das mittelalterliche Münsterland typisch gewesen, viele ihrer Stationen im Freien wurden jedoch im spanisch-niederländischen Krieg ab 1568 oder im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) zerstört. Generell stellen Kreuzwege den Leidensweg (Via Dolorosa) Jesu in Jerusalem dar und führen meist zu einer Wallfahrtskirche oder Kapelle, zum Teil auf einem Kalvarienberg (symbolische Kreuzigungsstätte Jesu). Wer sich nicht selbst auf den Weg nach Jerusalem machen konnte, um den Leidensweg Jesu nachzugehen, nutzte die Prozessionen auf diesen Kreuzwegen, um wenigstens einen Teil nachempfinden zu können. In Jerusalem gab es ursprünglich nur zwei Stationen, an denen man inne hielt (das Haus des Pilatus als Verurteilungsort und die Kreuzigungsstätte). Bis zum 14. Jahrhundert wuchs die Zahl der Stationen bei hiesigen Kreuzwegen auf sieben, bis 1600 auf 14. Manche Kreuzwege haben noch mehr Stationen, bei dem Großen Kreuzweg im Nordwesten Coesfelds sind es 18. Der Großteil der Stationen orientiert sich an Bibelstellen und geht über die Kreuzigung hinaus bis zur Grablegung und Auferstehung Christi (meist in einer Kirche). Manche Kreuzwege finden sich auch vollständig innerhalb von Kirchen. Die Kreuzwegandacht ist oftmals eine ganz persönliche und meditative Form des Gebets und wird vor allem an Freitagen während der Fastenzeit ausgeübt. In Coesfeld findet im September eine große Prozession statt, hierbei wird auch an heutige Leidtragende gedacht.

Der Große Kreuzweg wurde 1659 angelegt. Er ist eine Stiftung des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen, der Coesfeld im Jahr 1651 zu seiner Residenzstadt gemacht hatte. Beginn und Ende des Kreuzwegs, mit der 17. und 18. Station, liegen in der Lambertikirche. Von hier führt ein zehn Kilometer langer Weg zunächst nach Westen aus der Stadt heraus, dann nach Norden bis zur Kleinen Kapelle im Wald, von dort nach Osten bis zur Großen Kapelle an der Holtwicker Straße. und von dort zurück zur Lambertikirche am Marktplatz. Der Weg bildet nahezu ein Quadrat und alle Seiten sind annährend 2,5 Kilometer lang. Viele Menschen gehen jedoch nicht die ganze Strecke, sondern den landschaftlich schönsten Abschnitt vom Weißen Kreuz an der Borkener Straße bis zur Großen Kapelle (und zurück). Diese Strecke weist noch die durch von Galen geplanten Alleen auf, ebenso wie alte Hainbuchenhecken auf Wällen. Sie ist von landwirtschaftlichen Flächen und Wald umgeben - idyllisch anzusehen und wegen der Ruhe ideal für ein meditatives Gebet. Auf dieser Strecke kommt man zudem an den architektonischen Kleinodien vorbei: der Kleinen und der Großen Kapelle. Sie wurden beide 1659 errichtet und werden nach neueren Erkenntnissen dem Baumeister Bernhard Spoede zugeschrieben. Während die Kleine Kapelle ein relativ einfacher, quadratischer, nach Süden offener Bau im Wald ist, liegt die Große Kapelle freier. Sie ist achteckig, mit einer zentralen Laterne geschmückt und war ursprünglich nach Westen geöffnet. Im Innern kann nicht nur das Sternrippengewölbe sondern auch ein barocker Altar und zwei Figuren (die Heilige Helena und wahrscheinlich Kaiser Konstantin) bewundert werden. Die elfte Kreuzwegstation befindet sich am Altar und die zwölfte außen vor der großen Kapelle. Die Ädikulae der übrigen Stationen sind aus Sandstein gemeißelt. Ädikulae sind eigentlich kleine Tempel, bei Kreuzwegen und Grabmalen wird der Begriff im Sinne von stilisierten Tempeln mit Säulen und Giebeln als Rahmung für eine zentrale Darstellung genutzt. Zu Pfingsten (heute nach Kreuzerhöhung) fand hier traditionell eine Prozession statt, die einschließlich einer Meßfeier, einer Predigt und einer Ruhepause etwa fünf Stunden dauerte. Im 17. Jahrhundert war der Andrang hierzu so groß, dass bereits 1660 der Termin auf den Dienstag nach Pfingsten verschoben wurde, um Menschen die weite Anreise (teilweise aus Holland) am Sonntag zu ersparen. Später mussten die Tore der Stadt zeitweise geschlossen werden, weil zehntausende Pilger nicht mehr in der Stadt untergebracht werden konnten.

Literaturangaben

  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Heimatverein Coesfeld (Hrsg.) (1991): Wegkreuze und Bildstöcke Coesfelds. In: Beiträge zur Coesfelder Geschichte und Volkskunde II, Coesfeld.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 122 -127.
Externe ID: LWL-GUP00627
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Kreuzweg
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: gering - ist einen Besuch vor Ort wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1659
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031834


In Karte anzeigen

2007: Großer Kreuzweg
2005: Kreuzweg, Coesfeld
2005: Großer Kreuzweg bei Coesfeld
2005: Coesfeld