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Schloss Westerwinkel, Ascheberg
 

Schloss Westerwinkel liegt eingebettet in seinen ausgedehnten Landschaftspark abseits dichter Besiedlung. Der Park beherbergt einen Golfplatz, ist aber auch von zahlreichen (Rad-)Wanderwegen durchzogen, die mal durch barocke Eichenalleen, mal in geschlängeltem Lauf durch den Landschaftspark und ehemaligen Tiergartenbereich führen.

Externe ID: T-P363L301-20080722-00003
Erfassungsdatum: 22.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Schloss Westerwinkel

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Westerwinkel, Ascheberg-Herbern (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat. Der Landschaftspark ist öffentlich zugänglich. Das Schloss ist im Rahmen von Gruppenführungen nach Voranmeldung zu besichtigen.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; südlich von Ascheberg zwischen Capelle und Herbern.

Allgemeine Angaben zur Geschichte und Beschreibung
Die frühe Geschichte des Schlosses Westerwinkel ist bisher verschlossen geblieben. Zwar wird Westerwinkel 1225 urkundlich erwähnt (manche Quellen besagen auch 1151), aber außer den Besitzern, den Edlen von Westerwinkel, sind dem Dokument kaum Aussagen zu entnehmen. 1430 sitzt erstmals ein von Merveldt auf Westerwinkel, es folgen jedoch noch einige Besitzerwechsel, bevor dieses Geschlecht hierher zurückkehrt. Seit der Heirat der Erbtochter Ursula von Diepenbrock mit Hermann von Merveldt 1555 ist die Familie von Merveldt durchgehend Besitzer dieser Anlage.

Im Dreißigjährigen Krieg stand hier nachweislich eine trutzige Wasserburg, durch ein doppeltes Grabensystem mit Wällen geschützt. Die Form der Bewehrung ist bis heute erkennbar. 1663 begann Dietrich Hermann von Merveldt II. mit dem Bau des frühbarocken Schlosses, das noch heute besteht. Zu dieser Zeit war die Barockbaukunst noch nicht weit in den Norden vorgedrungen, so dass die gesamte Schlossanlage und Architektur eher an früheren Baustilen orientiert ist. Die winkelige Zufahrt ist ebenso wenig typisch für die sonstige barocke Axialität wie das isolierte Schloss in seinem Hausteich. Der gestreckte und eher strenge Vierflügelbau mit seinen vier Pavillontürmen ist somit eines der letzten Beispiele dieses frühbarocken Bautyps in Westfalen. Einziger Schmuck sind die Portale und der mit einem Wappen verzierte Erker. Eine Gliederung der Fassade wurde damals vor allem farblich vorgenommen und ist heute nur noch im Innenhof zu erkennen. Die Fensterläden in Wappenfarbe wurden alten Vorbildern entsprechend erneuert.

Die Vorburg entstand parallel auf einer vorgelagerten Insel. Das Torhaus ist laut Schlussstein (1663) als eines der ersten Gebäude, der Uhrturm (1696) als eines der letzten in dieser Phase erbaut worden. Die Planung der Anlage wird - jedoch ohne Nachweis - dem fürstbischöflichen Baumeister Peter Pictorius zugeschrieben. Hermann von Merveldt (der 1658 verstarb) war Kanzler des Fürstbischofs, es gab also eine Verbindung, aber das besagt nicht, dass Pictorius unter dessen Nachkommen tatsächlich tätig war. Weitere Baumaßnahmen an Schloss und Vorburg erfolgen erst nach einer langen Pause Anfang des 19. Jahrhunderts.

Auf einer eigenen Insel im Westen des Schlosses liegt ein ummauerter Garten mit zweigeschossigem Pavillon, La Solitude genannt, der 1718 aus Backstein erbaut wurde. Dieses Datum und die axiale Ausrichtung des Gartens und Pavillons auf den Westflügel des Schlosses lässt eine Barockisierung der Anlage vermuten. Auch die Ausführung der Backsteinpfeiler mit Sandsteinschmuck ist typisch für die Zeit des Barock. Der Pavillon im Garten, der noch heute besteht, hatte zudem eine weitere axiale Verbindung: Aus dem Obergeschoss führte eine Blickachse zum Schloss Nordkirchen und zu einer Mühle. Diese Achse ist inzwischen zugewachsen und auch über die Gartenanlagen aus dieser Zeit ist leider nicht viel übermittelt. Bereits 1715 sind in Archivalien mehrere Gärten erwähnt, ebenso wie eine Fasanerie. Ein undatierter Plan zeigt formale Gärten: Neben dem Großen Garten auf der westlich vom Schloss gelegenen Garteninsel mit dem erwähnten Pavillon befinden sich weitere Gärten südlich des Schlosses. Im Westen dieses Südgartens standen die Orangerie aus Glas und ein Backsteinhaus mit angrenzendem Orangeriegarten, im Osten die Fasanerie, an deren Stelle später eine neue Orangerie erbaut wurde. Südlich davon lag die vergé, eine Art Baumschule. Zum Ensemble gehörte außerdem ein Eiskeller. Von diesen Anlagen sind heute vor allem noch die zentrale Ost-West-Achse mit Brücke sowie die Mauern an der ehemaligen Fasanerie, heute Orangerie, zu erkennen. Zudem zeugen die alten Eichen- und Kastanienalleen noch von der einstigen Barockanlage. 1726 werden die von Merveldt in den Reichsgrafenstand erhoben.

1708 werden die Herrlichkeit und das Schloss Lembeck durch Heirat mit Westerwinkel vereinigt und gehören nun ebenfalls den Grafen von Merveldt.

Das "Memorial für den Westerwinkel Gärtner" aus dem Jahr 1796 führt die Aufgaben des Gärtners an, sagt aber nichts über die Gartenanlage aus. Die Arbeitslisten der Gärtner aus dem frühen 19. Jahrhundert erwähnen vor allem die Gemüse- und Obstproduktion sowie die Reparatur von Mauern, Brücken und Wegen. Zeitgleich entsteht ein neues Verwalterhaus südlich der Garteninsel. Bis heute ist es samt der farbigen Backsteinverzierungen erhalten. Zwischen 1807 und 1812 wurden auch die Hauben der Türme am Schloss verändert und mit Wetterfahnen versehen, in den 1840er Jahren folgten Maßnahmen an der Vorburg. Es hat also eine weitere kleine Bauphase gegeben, eine große Umgestaltung der Gärten zu dieser Zeit ist jedoch nicht überliefert. Ob der damalige Gärtner Hüsemann dem vielfältigen Garten Herr werden konnte, ist zu bezweifeln. Nicht nur wurden die meisten Gärten zu dieser Zeit auch aus Personal- und Kostengründen landschaftlich umgestaltet, zusätzlich spricht die Personalakte 1823 von "großer Verwilderung". Neue Arbeitslisten werden verfasst, die den Garten, den Wünschen der Gräfin entsprechend, herrschaftlicher erscheinen lassen soll. Neue Gärtner sollen ausgebildet werden, der Garten ist also von großer Bedeutung für die Familie, insbesondere für die Gräfin. Dennoch scheinen die Gartenanlagen bis zum Jahr 1841 nicht der Mode entsprechend umgestaltet worden zu sein. Zu dieser Zeit werden ein Glashaus, Blumenbeete, ein Parterre mit Rosen, Blumenpartien und intensiv zu pflegende Rasenflächen erwähnt, aber auch Gemüse- und Spargelbeete. Dem Gärtner Hüsemann ist bis 1853 ein weiterer Gärtner, Leo Filbury, zur Seite gestellt und unter ihnen arbeiten zahlreiche Hilfskräfte. Parallel entbrennt jedoch ständig Streit mit dem Rentmeister, der mit beiden Gärtnern unzufrieden ist und unter anderem den Verbrauch von Dünger für Zierpflanzenzucht (zum Verkauf) bemängelt, wenn stattdessen Gemüse angebaut werden könnte. Die Gräfin gibt gleichzeitig Anweisungen, dass die Schmuckbepflanzung der Anlage auf den Besuch der Herrschaften abgezielt werden solle. Dies ist bei vielen herrschaftlichen Häusern das normale Vorgehen gewesen, wenn diese nicht dauerhaft bewohnt waren. Schloss Westerwinkel wurde von der Familie vor allem als Sommersitz oder zur Jagd genutzt, phasenweise auch länger (zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg). Wann die Umgestaltung des Parks in einen englischen Landschaftsgarten stattgefunden hat ist also ebenso wenig überliefert, wie die Identität des Planers. Es gibt Vermutungen, das Charles Barnard, Gestalter des Wildparks Dülmen, oder dessen Sohn Carl Barnard diese Planung vornahm. Der Wildpark Dülmen wurde 1864 angelegt und ist ein typisches Beispiel eines Landschaftsparks mit seinen malerischen Einzelbäumen und den Baumgruppen (clumps) in weiten Wiesen und Weiden. Den von Merveldt gehörte auch Haus Em(p)te in Dülmen, so dass die Planung und die Planer des Wildparks sicherlich bekannt waren. Ähnlichkeiten in der Gestaltung mit dem Dülmener Wildpark sind nicht von der Hand zu weisen und Unterschiede zu den Planungen beispielsweise eines Weyhe sind ebenfalls deutlich. Andererseits ist am Schloss Lembeck, das ebenfalls den Grafen von Merveldt gehört, einer der frühesten Landschaftsparks zu finden. Er entstand vermutlich bereits Ende des 18. Jahrhunderts.

Im Zuge der landschaftlichen Umgestaltung Westerwinkels wurden nachweislich neben Buchen, Eichen, Linden, Kastanien und Kiefern auch exotische Gehölze wie Platanen, Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) und Sumpfzypresse (Taxodium distichum) gepflanzt, von denen noch heute einige stattliche Exemplare die Landschaft schmücken.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die neobarocke Orangerie im ehemaligen Fasanengarten, eine genaue Datierung ist bis heute nicht erfolgt, wahrscheinlich ist der Bau um 1860 entstanden, vielleicht auch einige Jahre später. Nachträglich wurde eine kleine Wohneinheit in dem Gebäude untergebracht. 1885 wurde in direkter Benachbarung ein neues, gläsernes Gewächshaus erbaut. In beiden Gebäuden wurden Palmen und Orangenbäume überwintert, aber auch Blumen und Gemüse getrieben. Die Pflanzenproduktion hatte also immer noch einen großen Anteil an der Gartenarbeit. Heute befindet sich in der Orangerie, nach einigen Umbaumaßnahmen im Inneren, ein Unternehmen für Präsentationstechnik. Ebenfalls 1885 wurde der Bildstock des Heiligen Hubertus aufgestellt und möglicherweise auch die Madonna mit Kind. Und auch das Gärtnerwohnhaus im Park ist ein neobarocker Bau. Es liegt neben der ehemaligen Orangerie. Ob dies zugleich der Zeitpunkt der landschaftlichen Umgestaltung war, ist jedoch nicht nachzuweisen.

Weitere Bauten im Park waren eine Ziegelei und eine Kalkbrennerei, deren genauer Standort nicht mehr nachweisbar ist, sowie das Forsthaus. Dieser Fachwerkbau ist noch heute etwa einen Kilometer südwestlich vom Schloss im Wald gelegen.

Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die produktive Seite des Gartens noch immer von großer Bedeutung: Lieferlisten detaillieren Gemüsesorten von Artischocken über Melde und Kohlarten bis zu Champignons. Beim Obst sind historische Apfel- und Birnensorten genauso zu finden wie Erdbeeren und Pfirsiche. Aber auch die Blumenpracht hat sich gesteigert. Zierblumen von Tagetes über Akelei und Phlox bis zu Nelken wurden geliefert, ebenso wie Zwiebelgewächse (Hyazinthen, Tulpen und Narzissen) und Dahlien aus Quedlinburg, Alpenveilchen aus Hamburg oder Palmen aus Dortmund. Fuchsien mussten im Januar umgetopft und Schmucklilien (Agapanthus spec.) im Februar geteilt werden. Manche der vermehrten Pflanzen wurden an benachbarte Häuser wie Itlingen geliefert. Neun bis zehn Gärtner waren in diesen Jahren fest auf Westerwinkel beschäftigt, im Sommer kamen Saisonkräfte hinzu. Sie alle hatten nur den Sonntag frei und dennoch gab es auch 1909 Beschwerden über den verwahrlosten Garten, der zu "blühendem Gedeihen" gebracht werden sollte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Lasten für Schloss Westerwinkel immer größer. 1924 werden Zimmer im Schloss durch das Wohnungsamt zwangsvermietet, 1931 die Gärtnerei verpachtet. 1933 wollte eine Sturmschar im Schloss Freizeit machen, was jedoch nicht gestattet wurde, ebenso wenig, wie die Einrichtung einer Wehrschule 1936. Dennoch nahmen die finanziellen Belastungen zu und die Arbeitskräfte wurden weniger. Sicher unterblieb auch deshalb eine Umgestaltung des historischen Gartens, der in seinen Grundstrukturen heute noch gut zu erkennen ist.

1974 brannte der Kuh- und Schweinestall auf der Vorburginsel ab. Er wurde nicht mehr aufgebaut, da die landwirtschaftliche Nutzung bereits aufgegeben war. Stattdessen entstanden hier Stellplätze.

1995 wurden im umgebenden Landschaftspark ein 18-Loch-Meisterschaftsgolfplatz sowie einige Übungsplätze angelegt. Etwa zeitgleich wurde der Nutzgarten wieder aufgepflanzt, mit Kirschbäumen, die zur Blüte im Frühjahr einen wunderschönen Anblick bieten. Sie werden als Zuchtbäume für die forstliche Nutzung gezogen.

Heute überwiegt die Golfplatznutzung, parallel sind aber auch zahlreiche Wanderer und Radfahrer anzutreffen. Ein direkter (Rad-)Wanderweg führt vom Ortsteil Herbern zur Bahnstation im Nordkirchener Ortsteil Capelle. Die beiden Gastronomiebetriebe des Golfclubs sind für jede(n) offen und gute Rastplätze für Radler und Wanderer. Manche Besucher werden aber auch von der interessanten Vogelwelt (48 Enten- und Brutvogelarten) angelockt, andere von der schönen Landschaft. Die nahe Autobahn, die den Park im Osten begrenzt ist zwar manchmal zu hören, doch meist lässt sich hier ungestörte Idylle genießen. Mehrmals im Jahr finden Schlosskonzerte statt.

Art der Grünanlage
Landschaftspark, Golfplatz

Quellenangaben

  • Archiv Merveldt (o.J.): Bestand: Akten. Lembeck Westerwinkel.

Literaturangaben

  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 208 - 215.
  • bearb. von Ludorff, Albert (1901): Kreis Wiedenbrück. Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 10, Paderborn.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Museumsamt (Hrsg.) / Püttmann, Kristin (Bearb.) (1988): "... zur noht und zur lust." Orangerien und Gewächshäuser in den Gärten westfälischer Schlösser. Katalog zu einer Ausstellung in Rheda-Wiedenbrück, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00587
Erfassungsdatum: 22.07.2008
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1718
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031778


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2005: Schlosspark Westerwinkel
2005: Schloss Westerwinkel
2005: Schloss Westerwinkel
2005: Schlosspark Westerwinkel
2005: Schlosspark Westerwinkel
2005: Schlosspark Westerwinkel
2005: Schlosspark Westerwinkel
2005: Schlosspark Westerwinkel
2005: Schlosspark Westerwinkel
2005: Schloss Westerwinkel
1894: Schloss Westerwinkel