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Schloss Itlingen, Ascheberg
 

Von der Straße aus lässt nur die wunderschöne Eichenallee mit den Steinpfeilern erahnen, dass sich hinter den hohen Bäumen etwas Besonderes verbirgt. Schloss Itlingen ist in vielerlei Hinsicht ein bedeutendes Kleinod in der Münsterländer Parklandschaft. Das Schloss und die Vorburg sind bewohnt und die Wirtschaftsgebäude dienen der Pferdezucht, was der Anlage den musealen Charakter nimmt, gleichzeitig aber Rücksicht vom Besucher erfordert. Die private Anlage ist bis zum Schlossinnenhof zugänglich, die Gärten jedoch nicht. Vom Radweg F31 aus kann man jedoch einen Blick auf die idyllische Anlage werfen.

Externe ID: T-P363L301-20080722-00002
Erfassungsdatum: 22.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Schlosspark Itlingen

Zugehöriges Objekt

Gärten am Schloss Itlingen, Ascheberg (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat, die Anlage ist nur eingeschränkt öffentlich zugänglich. Von den Wegen aus ergeben sich reizvolle Blicke in den Park.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; zwischen Herbern und Drensteinfurt an der Landstraße L671.

Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Zunächst ist das Besondere die lange Geschichte, auf die diese Anlage zurückblicken kann. Erstmals wurde Itlingen bereits um 1300 genannt. Damals befand sich die Burg im Besitz der Herren von Herbern, die als Burgmänner der Grafschaft Mark an zahlreichen Fehden teilnahmen. Mit Heinrich von Herbern starb die Linie im Mannesstamm aus und gelangte 1540 durch Heirat der Schwester Michaele in den Besitz der Familie von Nagel, die noch heute auf Itlingen lebt.

Auch die Baugeschichte des heutigen Hauses ist beachtlich. Der malerische Bau ist von einer Gräfte umgeben. Mitteltrakt und linker Seitenflügel wurden auf 1692 datiert und teilweise dem Baumeister Peter Pictorius dem Älteren zugeschrieben. Vermutlich ist das Gebäude im Kern noch älter. Um 1755 veränderte der berühmte Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun die Anlage. Durch kleine Ergänzungen wurde das Schloss zu dem architektonischen Juwel, das es heute noch ist. Ein eleganter Mittelrisalit und ein zentraler Dachreiter am Mitteltrakt des Gebäudes, dem Corps de Logis, betonten die Achse der Dreiflügelanlage. In einigen Quellen werden auch der rechte Seitenflügel und die Ecktürme mit den geschweiften Hauben Schlaun zugeschrieben. Durch diesen Anbau erhielt das Gebäude eine für die Zeit des Barock typische Symmetrie. Im Innern des Schlosses ist vor allem Schlauns Stuckdecke des Rittersaals als Meisterwerk der damaligen Baukunst hervorzuheben. Sie wurde vor einigen Jahren restauriert und ist, wie die gesamten Gebäude, nicht zu besichtigen.

Auch der Garten birgt wichtige Spuren der Geschichte des Münsterlandes. Südlich der Schlossinsel existierte ein Barockgarten, den vermutlich ebenfalls Schlaun anlegen ließ. Vom Mitteltrakt des Hauses fiel damals der Blick durch ein noch heute erhaltenes Steintor mit Wappenlöwen und schmiedeeisernem Torbogen auf die symmetrische Gartenanlage des Schlosses. Im 19. Jahrhundert wurde der Garten landschaftlich umgestaltet, wie es der damaligen Mode entsprach. Die Planung wird Carl Barnard zugeschrieben, dem Sohn des im Münsterland tätigen englischen Landschaftsplaners Charles Barnard. Die Einfahrt zum Schloss führte seither auf geschwungenen Wegen durch blühende Sträucher von Süden auf die Schlossinsel. Leider liegen keine Pläne von der Umgestaltung vor, aber einige stattliche Bäume (manche davon Naturdenkmale) zeugen von der Anlage. Im Westen des Schlosses ist der ehemalige Domherren-Garten überliefert. Hier sollen einst die angereisten Tumherren (Domherren) meditierend durch ein Labyrinth gewandelt sein, bevor sie in der Kapelle des Schlosses ihre Gottesdienste abhielten. Heute lassen sich die Strukturen nur noch schwer unter einer Aufforstung erahnen. Jüngere Ergänzungen der Gartenanlage sind der kleine private Ziergarten auf der Schlossinsel und der 1999 angelegte Vorführgarten südöstlich des Wirtschaftshofes. In letzterem werden Jährlinge aus der Pferdezucht zum Verkauf präsentiert.

Auf dem Weg zum Schlossinnenhof kann der aufmerksame Besucher einige schöne und ungewöhnliche Skulpturen betrachten. In der Eichenallee säumen steinerne Vasen den Weg. Zwei Sphingen mit Putti, von denen eine sehr freundlich lächelt, die andere leider ihr Gesicht verloren hat, liegen beiderseits des heutigen Eingangs zur Schlossinsel von Osten. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Bildstock vom Heiligen Sankt Georg aus dem späten 17. Jahrhundert - sehr passend für ein Gestüt, da er der Schutzheilige der Reiter ist.

Durch die heutige Nutzung der Anlage, die weitgehend der ursprünglichen entspricht, ist der Erhalt der Anlage prinzipiell gewährleistet. Erschwert wird die Pflege und Unterhaltung der historisch bedeutsamen Gebäude und des Gartens jedoch durch Probleme in der Wasserhaltung der Gräfte. Möglicherweise ist die gesamte Anlage durch Pläne, den Bergbau in diese Richtung auszudehnen, gefährdet.

Literaturangaben

  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Rothers, Bernhard et al. (1983): Ascheberg - Eine neue Gemeinde in alten Bildern, Ascheberg, Herbern, Davensberg. Münster, 1. Auflage.
  • bearb. von Ludorff, Albert (1893): Kreis Lüdinghausen. Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 1, Münster.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 204 - 207.
Externe ID: LWL-GUP00588
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Landschaftsgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
  • Archivauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1692 - 1755
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031764


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2005: Schlosspark Itlingen
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