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Burg Vischering, Lüdinghausen
 

Die Stadt Lüdinghausen beherbergt gleich drei Burgen in ihrem Gebiet und noch weitere im näheren Umkreis. Die berühmtesten sind sicherlich Burg Lüdinghausen und Burg Vischering, die zudem beide öffentlich zugänglich und durch einen Fuß-/Radweg miteinander verbunden sind. Weiter südlich liegt die Burg Wolfsberg, ebenfalls noch im Stadtgebiet und weiter nördlich die Burg Kakesbeck. Sowohl die Burgen als ihre Gärten sind in ihrem heutigen Charakter ganz verschieden, was in der spannenden Entwicklung begründet ist.

Externe ID: T-P363L301-20080716-00001
Erfassungsdatum: 16.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Burg Vischering

Zugehöriges Objekt

Garten der Burg Vischering in Lüdinghausen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privatbesitz, der Kreis Coesfeld nutzt die Burg als Münsterlandmuseum und Kulturzentrum. Die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; im Zentrum von Lüdinghausen.

Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Burg Vischering übt auf Jung und Alt eine große Anziehungskraft aus. Die Burg der von Droste zu Vischering erscheint noch immer einer Rittersage entsprungen zu sein. Von Westen kommend durchschreitet man zunächst ein Tor, wandert dann auf dem ehemals beidseitig von Gräben begleiteten Vorwerk an Torhaus und Kapelle (aus dem 15. Jahrhundert und St. Georg geweiht) vorbei bis zu den Wallköpfen, auf denen im 18. und 19. Jahrhundert eine Öl- und eine Kornmühle standen. Das Mühlenwehr rauscht auch heute noch unter dem Besucher aus dem Stau die Vischering-Stever. Nach weiteren Brücken gelangt man auf die Vorburg mit Bauhaus und weiteren Wirtschaftsgebäuden und von dort auf die fast ringförmige Hauptburg. Diese Burg entstand spätestens 1271 auf einer Sandbank in der Steveraue. Zu dieser Zeit erhielt Droste Albert aus Dülmen hier das erwähnte erbliche Lehen des Bischofs von Münster. 1289 ist bereits eine erste Mühle beschrieben, die Drosten richten sich also fest an diesem Standort ein, auch wenn durch eine Aussöhnung mit den Herren von Lüdinghausen ab 1314 keine direkte Aufsicht mehr nötig gewesen sein mag und Heidenreich von Droste 1479 sogar kurz Amtmann in Lüdinghausen wird. 1414 hatte ein Teilungsvertrag zwischen den Brüdern Heidenreich und Johann von Droste zwei Steinhäuser auf Vischering genannt und dazu einen Burgfried, das Bauhaus auf der Vorburg und die Mühle. 1519 wird das Torhaus erwähnt. 1521 brennt die Burg nieder und wird wenig später auf den alten Mauern aufgebaut, wie später auch Burg Lüdinghausen im Stile der Renaissance. Kurioserweise werden an einer Stelle Kanonenkugeln in die Wand eingebaut, diese sind noch heute zu erkennen. 1584 wird das Bauhaus erneuert, es steht heute noch auf der Vorburg und ist Teil des Museums. Weitere Bautätigkeiten sind nur sporadisch überliefert, da die Drosten ab 1549 auch für Horstmar zuständig waren und dort wohnten. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gibt ein Plan Auskunft über dringend erforderliche Ausbesserungsmaßnahmen an der Gräfte und den Außenanlagen. Hier sind auch erstmals ein Großer Garten und ein Kräutergarten erwähnt, sie bestehen noch mindestens bis 1780 und sind dann sogar deutlich erweitert dargestellt.

1690 verlegen die von Droste zu Vischering ihren Wohnsitz nach Schloss Darfeld in Rosendahl, welches heute wieder als Familiensitz dient, nachdem Maximilian Droste zu Vischering nach seiner Heirat mit Sophia Gräfin von Waldburg zu Zeyl und Trauchburg von 1893 bis 1924 nochmals auf der namensgebenden Burg lebte. Zu seiner Zeit wurden beispielsweise die Fenster vereinheitlicht und weitere Räume unterteilt. Vermutlich diente die Burg in den 1930er Jahren als Witwensitz für seine Mutter und ist auch in den frühen Nachkriegsjahren bewohnt gewesen. Ein Gärtner war bis 1945 angestellt. In den 1920er Jahren wird die Sicherung der Grundmauern durch Wasserstandsschwankungen erforderlich, einen weiteren Schaden erleidet die Burg am Ende des Zweiten Weltkriegs, als Bomben die Kornmühle treffen und die übrigen Gebäude zumindest durch die Druckwelle und Splitter betroffen sind. Ab 1948 erfolgt die Wiederherstellung, allerdings ohne die Mühle. Die Maßnahmen werden intensiv vom damaligen Kreis Lüdinghausen unterstützt, der die Burg ab 1972 für 30 Jahre pachtet und renoviert. Noch im selben Jahr wird hier das Münsterlandmuseum eröffnet und die Außenanlagen werden nach Plänen der Landschaftsarchitekten Wörner aus Wuppertal gestaltet. 1982 erfolgt dementsprechend die dauerhafte Herstellung der Außengräfte, die ursprünglich nur zeitweise unter Wasser stand.

Besonders spannend ist ein Gang auf der Contrescarpe, dem Ringwall zwischen Innen- und Außengräfte und um die Außengräfte herum. Hier ergeben sich wunderschöne Blicke auf die Burg und in die Landschaft. Auf dem zweiten Rundweg entlang der Außengräfte wird man fast durchgehend durch bizarr geformte Hainbuchen begleitet. Die genaue Bedeutung der sogenannten Gebücke ist bis heute umstritten. Sie sind möglicherweise als weiterer Schutz der Wehrburg gedacht, vielleicht boten sie aber auch Deckung bei der Jagd. Zudem stehen an vielen Stellen mächtige Bäume, die die Romantik dieser Burgenlandschaft unterstreichen.

Wer nach der Besichtigung der Burg Vischering Ruhe benötigt, kann sich im Café oder Restaurant niederlassen. Wer weitere Burgen in der Nähe sehen möchte, dem sei die Burg Lüdinghausen und Burg Wolfsberg empfohlen. Letztere ist zwar keine Wasserburg mehr und wurde im klassizistischen Stil umgebaut, ist aber dennoch eindrucksvoll von Außen anzusehen. Burg Kakesbeck weiter im Norden ist noch immer eine Wasserburg, aber kaum einsehbar und ebenfalls privat.

Art der Anlage
Garten

Literaturangaben

  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • o. A. (2005): Gräftenwall wird gesichert. In: Lüdinghauser Zeitung vom 20.01.2005, Lüdinghausen.
  • o. A. (1982): "Wasser marsch!" Außengräfte von Burg Vischering wird vergrößert. In: Lüdinghauser Zeitung vom 22.07.1982, Lüdinghausen.
  • Mühlen, Franz (1995): Burg Vischering. Westfälische Kunststätten, Heft 20, Münster.
  • bearb. von Ludorff, Albert (1901): Kreis Wiedenbrück. Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 10, Paderborn.
  • o. A. (1978): Kulturzentrum Burg Vischering hat sich bewährt. In: Jahrbuch Kreis Coesfeld 1978, Coesfeld, Seite 132 ff.
  • o. A. (1990): Neuer Garten nach altem Vorbild. In: Westfälische Nachrichten vom 28.06.1990, Münster.
  • Kreis Coesfeld (Hrsg.) (1993): Burg Vischering - Wehrburg und Wohnsitz. In: Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Kreises Coesfeld, Band 26, Coesfeld.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 188 - 193.
  • Kreis Lüdinghausen (Hrsg.) (o.J.): Burg Vischering. Lüdinghausen.
Externe ID: LWL-GUP00684
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Burggarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1601 - 1650
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031708


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2005: Burg Vischering
2005: Burg Vischering
2006: Lüdinghausen
2005: Lüdinghausen