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Haus Stapel, Havixbeck
 

Das Wasserschloss Haus Stapel liegt trotz seiner imposanten Größe so versteckt hinter einem Wald, dass es nicht auf Anhieb zu erkennen ist. Obwohl die Schlossinsel selbst privat und nicht zugänglich ist, lohnt sich eine (Rad-)Wanderung um den Schlosspark und in die umgebende Landschaft.

Externe ID: T-P363L301-20080711-0002
Erfassungsdatum: 11.07.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2006: Haus Stapel

Zugehöriges Objekt

Park am Haus Stapel, Havixbeck (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Die Anlage ist privat und nur eingeschränkt öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; ca 1 ­km nördlich von Havixbeck

Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Die Geschichte Haus Stapels reicht weit zurück, so weit, dass unklar ist, wann genau das erste Haus hier stand und wie es aussah. Der Name Stapel leitet sich von Stau ab und der Aufstau mehrerer Flüsse oder Bäche in der Umgebung hatte nicht nur für die Verteidigung, sondern auch für die Wirtschaftlichkeit der Anlage eine große Bedeutung, denn es wurden Fischerei und mindestens eine Mühle betrieben. Spätestens im 13. Jahrhundert werden erstmals die Herren von Stave (Stau) urkundlich erwähnt. Sie saßen vermutlich auf einer Motte südlich des heutigen Schlossbaus. Seither ist das Anwesen auch durch Heirat und Adoption stets in dieser Familie geblieben, auch wenn die Namen der Besitzer öfter wechseln. Vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1801 war es ein Zweig der von Kerckerinck, die jedoch im Mannesstamme ausstarben. Die Erbtochter heiratete im zarten Alter von 15 Jahren Baron Ernst Konstantin von Droste zu Hülshoff, der sich fortan ihren Namen anhängte. Er war ein Onkel der berühmten Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Seine Frau gebar 22 Kinder, von denen jedoch nur 11 das Erwachsenenalter erreichten und keines heiratete. Der letzte Nachkomme des Schlosserbauers starb 1880 kinderlos. Sein Erbe wurde zwei Jahre später Clemens von Droste-Hülshoff. Wiederum aufgrund fehlender Nachkommenschaft adoptierte dessen Sohn Fritz seine Nichte, die Freiin Ermengard von Droste-Hülshoff, die 1936 (mit neun Jahren) ihr Erbe antrat. Sie heiratete später Baron Hermann Josef Raitz von Frentz, der 1956 den wirtschaftlichen Aufbau des Anwesens übernahm. Eine Tochter ist die heutige Eigentümerin des Anwesens. Sie ist bemüht, den Bestand zumindest zu sichern, was angesichts der Größe nicht leicht ist.

An Haus Stapel mit seinem Park zeichnen sich drei größere Bauphasen ab: Jeweils etwa hundert Jahre auseinander liegend, Anfang des 17., des 18. und des 19. Jahrhunderts.

Die ältesten noch heute erhaltenen Gebäude befinden sich im Bereich der Vorburg, die sich mit dem Schloss zusammen auf einer Insel befinden, es handelt sich also um eine Eininselanlage. Die Flankierungstürme entstanden 1607/08 und stehen heute noch, die übrigen Wirtschaftsgebäude wurden im Laufe der Zeit den Erfordernissen der landwirtschaftlichen Nutzung entsprechend verändert. Besonders prunkvoll ist das 1719 entstandene Torhaus mit Dachreiter. Es wurde höchstwahrscheinlich nach Plänen von Maximilian von Welsch gebaut, der sowohl Erbauer des Bruchsaler Schlosses als auch Lehrer des Münsteraner Baumeisters Johann Conrad Schlaun war. Etwa zeitgleich mit dem Torhaus entstanden die trophäengeschmückten Torpfeiler an der Brücke. Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist auch eine erste Gartenanlage überliefert. Einige der erhaltenen Skulpturen sind aus dieser Zeit des Barock: Eine Flora ist auf 1730 datiert und die steinerne Kreuzigungsgruppe am Anfang der Allee stammt aus dem Jahr 1756. Die Antoniusfigur vor der Brücke ist stark verwittert und undatiert, könnte aber ebenfalls aus dem Barock sein. Unklarheit über das genaue Alter besteht auch bei dem Brunnen im Garten südlich des Schlosses. Er lässt sich aufgrund seiner Form jedoch dem Barock zuordnen. Ganz sicher hat es Ende des 18. Jahrhunderts sowohl einen vielfältigen Gemüse- und Kräutergarten gegeben, als auch Zierpflanzen und 1764 sogar nachweislich Zitronen. Das spricht für das Bestehen eines Ziergartens parallel zu dem eines Küchengartens. Leider sind bisher jedoch keine Pläne hierzu gefunden worden.

Das heutige Herrenhaus entstand zwischen 1819 und 1828 nach Entwürfen des 1819 verstorbenen Architekten August Reinking aus Münster. Anlass war das rapide Wachstum der Familie des damaligen Besitzers, Ernst Konstantin von Droste zu Hülshoff, genannt Kerckerinck. Der Bau des riesigen Hauses (es hat über 50 Zimmer) war sehr kostspielig. Zwar verfügte die Familie über einen Sandsteinbruch in den Baumbergen und über Eichenwälder, die für die Holzkonstruktion geschlagen wurden, es waren aber weitere Materialien nötig, und die Tiroler Bauleute wollten auch bezahlt werden. Dennoch wurde für die standesgemäße Unterbringung der Familie an nichts gespart. Noch heute zieren edelste Tapeten viele der Räume, inklusive der Bibliothek und der Kapelle.

Wahrscheinlich entstand ebenfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Landschaftsgarten westlich des Schlosses. Die Reste der geschwungenen Wege sind noch heute im Wald zu erkennen. Auch deuten viele Pflanzen, von alten Blutbuchen über Eiben und Rhododendron bis hin zu zahlreichen Zwiebelpflanzen wie Schneeglöckchen, Märzenbecher und Winterlingen, auf diese Planung hin. Ein Treibhaus oder eine Orangerie von 1816 steht noch in der Nähe des Schlosses im Übergang zwischen dem wahrscheinlichen Standort des ehemaligen Barockgartens und dem Landschaftspark. Ob das Gebäude auf dem Standort eines Vorgängerbaus entstand, ist nicht geklärt, es wurden aber bereits im 18. Jahrhundert Zitrusbäume erwähnt. Heute wird der Parkbau als Atelier genutzt. Weiter östlich steht ein altes Fachwerkhäuschen im Garten und weit im Norden, an der Aa, befindet sich ein vom Stil her ähnlicher Bau, eine ehemalige Bleichhütte. Ebenso wie die Schlossgebäude und die historischen Skulpturen und Bauwerke im Park stehen diese Fachwerkhäuschen unter Denkmalschutz.

Auch später wurde der Garten noch weiter verändert. An einer Stelle sind Reste einer Grotte aus Schlackesteinen zu erkennen. Solche Grotten sind ein typisches Element in Gärten des späten 19. Jahrhunderts. Von hier hatte man wahrscheinlich einen guten Blick auf das Erbbegräbnis, welches zwischen 1893 und 1900 südwestlich des Schlosses entstand. Eine Rotbuchenallee verbindet den Schlosspark mit dieser Familiengrabstätte. Angelegt wurde das Erbbegräbnis durch den bereits erwähnten Neffen der Annette von Droste-Hülshoff, der auch im übrigen Garten vor allem Obstbäume pflanzen und zahlreiche Wege und Brücken reparieren ließ. Zu dieser Zeit werden in Beschreibungen Park und Garten unterschieden.

Nach Übernahme des Anwesens durch die Familie Raitz von Frentz lebten noch immer Onkel und Tanten der Erbin im Schloss, zusammen mit den sieben Kindern der Besitzer. Mitte der 1960er Jahre gab die Familie die Landwirtschaft auf und betrieb nur noch Forstwirtschaft. 1967 erfolgte der Umzug aus dem Schloss in ein neu gebautes Haus weiter nördlich. Das Schloss wird seit einigen Jahrzehnten an Künstler und Studenten vermietet. Einige der Mieter haben sich im Garten oder im Schlosshof durch Kunstwerke und kleine Beete oder Kübel verwirklicht, andere genießen das sonnige Plätzchen im Grünen.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts haben einige Maßnahmen zum Erhalt dieses Denkmals stattgefunden. So wurde zunächst die Zufahrtsbrücke gesichert und 2005 das komplexe Gräftensystem saniert. Letzteres ist sowohl ökologisch, als auch als Teil der Kulturlandschaft und Zeuge der ehemaligen Nutzung von großer Bedeutung. Wer mag, kann der Münsterschen Aa, einem der Fließgewässer, bis zu Stapels Mühle folgen. Nordöstlich des Wasserschlosses liegt dieser Fachwerkbau idyllisch in der Landschaft und bietet zu manchen Zeiten sogar Eintritt in ein kleines, aber feines Mühlenmuseum. Ein Museum der ganz anderen Art ist das Sandsteinmuseum im Ortskern Havixbecks, welches Auskunft über das Hauptmaterial von Schloss Stapel (und anderer Bauten und Skulpturen) bietet. Angeschlossen ist auch eine Gastronomie. Wer des Gartenthemas nicht müde ist, kann sich auch im nahe bei Stapel gelegenen Café- und Rosengarten am Haus Klute ausruhen und stärken.

Literaturangaben

  • o. A. (2003): Brücke zum Haus Stapel marode. In: Westfälische Nachrichten - Baumberge, 27.03.2003, Münster.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 152 - 157.
  • o. A. (2005): Historische Anlage zur Wasserbewirtschaftung. In: Westfälische Nachrichten - Baumberge, 25.11.2005, Münster.
  • Schräder, Ernst-Ulrich (1982): Schlummert wie Dornröschen: Haus Stapel. In: Jahrbuch Kreis Coesfeld 1982, Coesfeld, Seite 28 ff.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
Externe ID: LWL-GUP00674
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Landschaftsgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Fotos
  • Geländebegehung/-kartierung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Karten
  • Literaturauswertung
  • Archivauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1701 - 1720
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031652


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2006: Haus Stapel
2006: Haus Stapel
2005: Haus Stapel
2005: Haus Stapel
2005: Haus Stapel
2005: Haus Stapel
2005: Haus Stapel
2005: Haus Stapel
1975: Haus Stapel
1967: Haus Stapel
1956: Haus Stapel