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Benediktinerabtei Gerleve, Billerbeck
 

Malerisch und bereits weit sichtbar liegt der mächtig-blockhafte Klosterbau über dem Honigbachtal an einem Südhang der Baumberge vor den Toren der Stadt Billerbeck.

Externe ID: T-P363L301-20080630-0002
Erfassungsdatum: 30.06.2008
Kategorie: Religion
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Benediktinerabtei Gerleve

Zugehöriges Objekt

Gärten der Benediktinerabtei Gerleve, Billerbeck (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit­
Die Gästehäuser und die Außenanlagen (mit Ausnahme des Kreuz- und Klausurgartens) sind frei zugänglich. Das Klostergebäude selbst, ebenso wie der alte Hof der Stifterfamilie, sind nicht öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; südlich von Billerbeck.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Die wechselvolle Geschichte der Abtei ist eng mit dem ehemaligen Hof Wermelt am Fuße des Hanges verbunden, von dem aus noch heute eine Allee den Hang hinauf zum Kloster führt.

Die drei tiefgläubigen Geschwister Wermelt, die den Bauernhof besaßen, waren ohne Erben und stifteten das Anwesen zur Gründung eines Klosters. Nachdem bereits mehrere Ordensgemeinschaften das Angebot abgelehnt hatten, da ihnen der Ort als zu abgelegen erschien, entschieden sich die Benediktiner der Erzabtei Beuron zu einer Neugründung in Gerleve. 1899 übernahmen die ersten Mönche die Landwirtschaft, die Gottesdienste wurden derweil noch in der kleinen Hauskapelle gefeiert. Die spätere Architektur des Klosters wurde zunächst weitgehend vom Kölner Kirchenbaumeister Dominikus Böhm bestimmt. Unter seiner Regie wurde die Kirchenfassade aus dem bereits nach wenigen Jahrzehnten verwitterten Baumberger Sandstein durch vorgemauerten dunkleren und härteren Ibbenbürener Sandstein ersetzt und auf schmückende Elemente verzichtet. Markant ist auch der nach Westen auskragende Pfortenflügel; die in Material und Form schlichte Sprache des Architekten Johannes Kunz harmoniert gut mit Böhms Kirchenfassade. Lediglich zwei Apostelstatuen, links Petrus, rechts Johannes schmücken die Fassade am Aufgang zur Klosterpforte.

 

Beschreibung
Die heutige Gesamtanlage ist in ein weitläufiges, parkartiges Areal eingebunden, das sich, der Nutzung entsprechend, in öffentlich zugängliche und klösterlich geschützte Bereiche aufteilt.

Beeindruckend ist der Aufgang zur Abteikirche vom Besucherparkplatz im Westen. Sechs, 1987 von dem Münsteraner Architekten Josef Paul Kleihues entworfene Sandsteinstelen, in den geometrischen Grundformen Viereck, Achteck und Kreis gestaltet, begrüßen die Besucher am Beginn einer Allee aus Kaiserlinden, die hoch zum Kirchvorplatz und auf das Kirchenportal zu führt. Leider wird dieses anspruchsvolle Entrée durch zwei unglücklich positionierte Verkehrsschilder am Beginn der Allee optisch beeinträchtigt.

Der schlicht gestaltete Kirchvorplatz erhält an seiner Nordseite einen Akzent durch eine über 12 Meter hohe Mariensäule, die in das Kronendach einer mächtigen Buche ragt. In einem größeren Bereich hinter der Säule ist ein eigener Gartenraum entstanden, der teilweise sehr abwechslungsreich mit Gehölzen und Stauden bepflanzt ist. Als sogenannter Gästepark dient er Besuchern und Gästen der Abtei als grüner Aufenthaltsraum. Dieser Gartenteil wird an seiner Ostseite durch eine hohe Natursteinmauer begrenzt, die den öffentlich zugänglichen Garten vom intimen Klausurgarten der Mönche abtrennt. Lediglich von Zeit zu Zeit öffnet sich das schwere Metalltor in der Mauer und gestattet einen kurzen Blick in diesen verborgenen Gartenteil. Dieser gänzlich von der Öffentlichkeit abgeschiedene, etwa zwei Hektar große Garten steht ausschließlich den Mönchen zur inneren Einkehr im Freien, aber auch zum Gedankenaustausch im Schatten großer Bäume zur Verfügung.

An eine zwischenzeitlich nichtklösterliche Nutzung erinnert der sogenannte Russenfriedhof im Klausurgarten. Nachdem das NS-Regime die Aufhebung mehrerer Klöster veranlasst hatte, waren auch die Gerlever Mönche 1941 gezwungen, ihr Kloster zu verlassen. Das Kloster wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und verschiedenen weltlich-ideologischen Zwecken zugeführt. Unter anderem wurde es 1945 als Lazarett für kriegsgefangene Russen genutzt, von denen viele umkamen und in unmittelbarer Nähe zum Klosterfriedhof begraben wurden. Aber auch die verstorbenen Brüder der Abtei Gerleve finden bis heute Ihre letzte Ruhestätte in einem eigenen Friedhofsbereich dieses parkartigen Gartenteils.

Der öffentliche Bereich des Klosters ist großzügig und parkartig angelegt. Große Rasenflächen umrahmen die Gästehäuser und betten diese in das leicht hängige Gelände ein. Einzelne Baum- und Strauchgruppen, darunter auch botanisch seltenere Gehölze wie Kuchenbaum (Cercidiphyllum), Tulpenbaum (Liriodendron), Trompetenbaum (Catalpa) oder rotlaubige Arten wie die Blutpflaume (Prunus cerasifera ´Nigra`) gliedern und beleben besonders in den hausnahen Bereichen das Gartenbild. Ein Spielplatz für die kleineren Besucher zeugt von der Gastfreundlichkeit der Gerlever Abtei.

Ein Relikt aus der Hochzeit, in der über 100 Mönche im Kloster lebten und arbeiteten, ist die alte Gärtnerei im östlichen Bereich des Klausurgartens. Heute erinnern die Reste der Anzuchtbeete an die intensive gärtnerische Nutzung, bei der bis zu 12 Brüder sowohl für die Selbstversorgung, als auch für die Anzucht des Blumenschmuckes zur Ausgestaltung der zahlreichen Räume des Klosters und natürlich der Kirche beschäftigt waren. Zwei Warmhäuser sowie ein Kalt- und ein Palmenhaus standen den Gärtnern hierzu ebenfalls zur Verfügung. Die letzten Gewächshäuser wurden in den 1980er Jahren abgerissen.
Reste stark eingewachsener Treppenstufen an einer Hangkante lassen die zumindest teilweise realisierten Planungen für einen intensiv gestalteten Terrassengarten auf der Südseite des Klosters nur noch erahnen.­

Von den bis zu 1000 Obstbäumen, die zur Blütezeit der Bewirtschaftung des Klosters in den umliegenden Wiesen standen, zeugen nur noch historische Fotos, die im Archiv des Klosters verwahrt werden. Im Garten selbst sind heute nur noch vereinzelte Exemplare erhalten. Auch an die Stelle des ehemals großen Küchengartens ist heute eine schlichte Weide getreten.

Ob zu einem ruhigen Spaziergang nach dem Besuch eines Gottesdienstes in der Klosterkirche oder zu einem nachmittäglichen Ausflug mit anschließender Einkehr in der Gaststätte des Klosters und dem Genuss des hausgemachten Kuchens, die Abtei Gerleve ist ein einladender Ort, der einerseits die würdevolle Ruhe eines Klosters ausstrahlt, andererseits durch den Betrieb der Jugendbildungsstätte fröhliche Vitalität versprüht.

Literaturangaben

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 138 - 143.
Externe ID: LWL-GUP00595
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Klosteranlage
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1899
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031554


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2007: Benediktinerabtei Gerleve
2006: Benediktinerabtei Gerleve
2007: Benediktinerabtei Gerleve
2006: Benediktinerabtei Gerleve
2005: Coesfeld