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Schloss und Tiergarten Velen
 

Schloss Velen mit seinem Schlosspark und der angrenzende Tiergarten sind nicht nur für den gleichnamigen Ort von großer Bedeutung. Sie bieten Sportbegeisterten und Erholungssuchenden auch von weiter entfernt einen beliebten Anlaufpunkt - und das schon seit gut zwei Jahrzehnten. Wie viele andere Schlösser in der Umgebung hat auch Schloss Velen eine wechselhafte Geschichte hinter sich, die an den Gebäuden und im Park - vom Mittelalter bis in die Neuzeit - Spuren hinterlassen hat. Im Schloss und in den Nebengebäuden befinden sich heute ein gehobenes Hotel und Restaurants, Konzerträume und ein Wellnessbereich. Im Schlosspark, jenseits der bis zu 20 Meter breiten Gräfte, und im Tiergarten locken das ausgedehnte Wegenetz und die abwechslungsreiche Landschaft. Eine große Wegeachse verbindet den Tiergarten mit dem Schloss, sie ist derzeit nur von Tennisplätzen unterbrochen.

Externe ID: T-P363L301-20080620-0002
Erfassungsdatum: 20.06.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Schloss Velen

Zugehöriges Objekt

Schlosspark und Tiergarten Velen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; Schlosspark und Tiergarten sind öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Westmünsterland; im Süden der Stadt Velen; etwa 40 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte, Ausstattung und Beschreibung
Schloss Velen ist eines der wenigen Schlösser im Münsterland, welches immer noch in der Hand der ursprünglichen Eigentümerfamilie ist, obwohl es auch hier Wechsel gegeben hat. Um 1240 werden erstmals Besitzer einer Burg Velen erwähnt, es sind Hermann I und sein Sohn Konrad, die Herren von Velen. Die Burg war damals ein noch recht einfaches Herrenhaus, möglicherweise als Nachfolger einer früheren Motte. Doch bereits 1311 bezeichnet sich Simon von Bermentfelde als Herr von Velen, was darauf schließen lässt, dass die Familie im Mannesstamm ausgestorben war. 1426 wird dann erstmals ein Schloss Velen erwähnt, aus etwa dieser Zeit stammt auch der Mitteltrakt des heutigen Schlosses.

Die nächste bedeutende Bauphase findet unter ­­Hermann VII statt, der im 16. Jahrhundert die Kapelle und die beiden Seitenflügel des Schlosses erbauen lässt. Alexander, der Sohn des Hermann VII, lässt nicht nur am Hauptflügel Änderungen vornehmen und den Turm bauen, er gestaltet auch Schloss Raesfeld um und lässt den dortigen Tiergarten anlegen. Nach Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg verhindern zunächst wirtschaftlich härtere Zeiten eine weitere Bauphase, doch 1692 gestaltet der berühmte Münsterländer Baumeister Ambrosius von Oelde die Hoffront des Mitteltraktes neu und lässt eine dreiflügelige Vorburg errichten. Nur wenige Jahre später wird der Kapellenturm erneuert. 1707 wird erstmals der Tiergarten erwähnt, der südlich an den Schlosspark anschließt. Wie er damals gestaltet war, lässt sich nicht nachweisen. Vermutlich stammen jedoch noch einige der typischen, bis heute erhaltenen Begrenzungswälle mit Gräben aus der Entstehungszeit.

Mitte des 18. Jahrhunderts findet unter Anton Bernhard von Velen eine Barockisierung der Anlage statt: Der Nordflügel des Schlosses wird durch den Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun umgestaltet. Dieser plant auch Mitte des 18. Jahrhunderts eine eingeschossige Orangerie, die jedoch nach Plänen seines Mitarbeiters van der Giese zweigeschossig erbaut wird und bis heute steht. Ebenfalls von Schlaun stammt die Gestaltung der Fasanerie im Tiergarten, die zeitgleich gebaut wurde und auch noch erhalten ist. Ob Schlaun auch an der Planung des etwa fünf Hektar großen Gartens beteiligt war, ist nicht nachzuweisen. Fest steht jedoch, dass es einen Barockgarten gegeben hat. Im Süden des Schlosses lag der größere Lustgarten mit einer Nord-Süd-Achse, in der sich zwei kreisrunde Wasserbecken und Skulpturenschmuck befanden. Es werden auch Steinhauerarbeiten für Kaskaden erwähnt, ihr Standort war im Südwesten des Schlosses. Im Norden gab es einen kleineren, möglicherweise noch älteren Lustgarten auf einem separaten Inselchen. Ein weiterer kleiner Garten im Westen des Schlosses ist durch ein Gemälde überliefert und beherbergte demnach Kübelpflanzen. Nach einem Plan von Vagedes aus dem Jahr 1788 befanden sich nördlich und westlich des Schlosses Alleen, die im Norden war demnach doppelreihig angelegt. Die gesamten Anlagen existierten in den Grundzügen noch bis in das 19. Jahrhundert, heute ist hiervon jedoch außer einigen Alleeresten, der Achse im Tiergarten und der Zick-Zack-Mauer an der Orangerie fast nichts mehr vorhanden. Die Mauer ist höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der Orangerie entstanden. Diese außergewöhnliche Form ist zeitgleich auch in England zu finden. Es wird vermutet, dass die Mauerform zum einen aus Gründen der Standfestigkeit bei geringerem Materialverbrauch so erbaut wurde, zum anderen ist sie vorwiegend an Küchengärten zu finden, wo die Form zur verbesserten Sonnenexposition für Spalierobst genutzt wurde.

Der Tiergarten ist ebenfalls als barocke Anlage gestaltet und nimmt die zentrale Nord-Süd-Achse des Großen Gartens auf. Die Mittelachse bezieht sich auf das Schloss, der östlich davon liegende Jagdstern mit einem seiner sechs Strahlen unter anderem auf die Fasanerie, die auch als Jagdschlösschen diente. 1756 heiratet Anna-Theresia von Velen, die Erbtochter des Anton Bernhard, Clemens August von Landsberg. Nach ihr wurde die Fasanerie Theresienlust genannt.

1780 etwa entstehen neue Wirtschaftgebäude im Nordosten der Anlage. Der Plan von Vagedes (1788) zeigt einen frühlandschaftlichen Garten, der allerdings auch formale Bereiche aus der Vorgängerzeit erhält, vor allem in der West-Ost-Achse des Schlosses und an der Orangerie. Der große Lustgarten im Süden des Schlosses ist durch die Legende zum Plan leider verdeckt, so dass über diesen Bereich keine Aussagen getroffen werden können. Es ist wahrscheinlich, dass hier keine Veränderungen vorgenommen wurden. Ob Vagedes Plan ausgeführt wurde, ist nicht nachgewiesen, aber höchstwahrscheinlich, da es Archivalien zur "Anlage des Gartens" aus dem Jahr 1789 bis 1791 gibt. Möglicherweise wird schon zu dieser Zeit die Zufahrt, die bisher zwischen Haupt- und Vorburg lag, an die Ostseite der Burginsel verlegt. In jedem Fall werden nördlich und westlich des Schlosses sowie im Orangeriegarten Umgestaltungen vorgenommen, zum Teil allerdings noch immer im formalen Stil, so zum Beispiel Baumkreise, Laubengänge und Rasenovale. Erstmals werden jedoch Sichtachsen angelegt, die keine Wegeachsen sind, so zum Beispiel in den Tiergarten oder zwischen einzelnen Gartenteilen. Dies ist eine Abkehr von der barocken Gestaltung. Ebenfalls typisch für diese Phase ist die Schaffung verspielter Bauwerke im Garten, wie zum Beispiel einer chinesisch anmutenden Brücke.

Ende des 18. Jahrhunderts wird im Tiergarten ein sogenannter belt walk ein Rundweg angelegt, der malerische Ausblicke und Sichtachsen zu einigen Bauten bot. Möglicherweise ist Vagedes auch der Planer dieser Anlage gewesen. Nach seinem Tod 1795 trat offensichtlich eine Planungspause ein.

Anfang des 19. Jahrhunderts finden unter Ignaz Franz von Landsberg-Velen weitere Baumaßnahmen statt. Ignaz von Landsberg-Velen hatte 1813 Ludowika Reichsgräfin von Westerholt und Gysenberg geheiratet und durch die Mitgift neue Mittel für bauliche Maßnahmen erhalten. August Reinking plant das neue Hauptportal. Zudem legt der Düsseldorfer Gartenkünstler Maximilian Friedrich Weyhe ab 1816 Pläne zur weiteren landschaftlichen Gestaltung des Schlossparks vor, die von 1818 bis 1824 weitgehend umgesetzt werden. Die Vorburg wird geöffnet und spätestens jetzt die Schlosszufahrt nach Osten verlegt. Der südliche Lustgarten soll nur leicht vereinfacht werden, aber formal bleiben. Der nördliche Garten, bereits von Vagedes umgestaltet, wird mit Schlängelwegen und Gehölzbändern weiter verlandschaftlicht, ebenso wie die Randbereiche des gesamten Schlossparks. Noch heute sind aus dieser Zeit einige Gehölzpflanzungen am Westrand des Parks erhalten. Hier wachsen vor allem Rosskastanien, Hainbuchen, Rotbuchen, Linden und Blutbuchen, von denen einige sicherlich noch aus der Zeit Weyhes stammen. Die Pflanzenlisten und Quittungen aus den Jahren 1817 und 1818 geben detailliert Auskunft über 124 Staudenarten und die verwendeten Gehölze. Hierzu gehören auch seltene Arten wie Maulbeere, Blasenstrauch und einige Nadelbäume. Ein Plan des Gartenbaumeisters Carstensen von 1820 zeigt eine ähnliche, aber weiter vereinfachte Gestaltung und stellt vermutlich eine Art Aufmaß der bisherigen Arbeiten statt, denn Weyhe arbeitet weiter in Velen. Anders als bei Vagedes ist Weyhes Planung sowohl malerischer als auch mehr von botanischen Besonderheiten geprägt. Einige exotische Bäume stehen heute noch im Bereich des ehemaligen Schlossparks, darunter Arten wie Baumzypresse, Tulpenbaum und Tränenkiefer.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Forsthaus im Tiergarten schräg gegenüber der Fasanerie erweitert und am Schloss einige weitere Wirtschaftsgebäude nördlich der Orangerie errichtet. Weyhe verändert zwischen 1821 und 1824 einige Wegeführungen und Bachläufe im Tiergarten. 1831 besucht er Velen mit seinem Sohn und Nachfolger und erstellt eine weitere Pflanzliste mit 30 exotischen Baumarten, die hier eingesetzt werden sollen. Weitere Planungen sind nicht nachweisbar. 1835 wird ein Gewächshaus erbaut, was das botanische Interesse weiter unterstreicht. Ob die einst üppigen Azaleenpflanzungen im Tiergarten von Weyhe stammen, ist nicht erwiesen. Sie bestehen heute nicht mehr.

1840 wird die Familie von Landsberg-Velen in den Grafenstand erhoben. Etwa um 1880 wurde auch der noch formale südliche Gartenbereich landschaftlich überformt. Der Planer ist unbekannt, die Gestaltung ist der Preußische Uraufnahme von 1895 zu entnehmen. Außerdem wird das Forsthaus im Tiergarten erweitert. Die Fasanerie mit ihren umgebenden Mauern ist nach diesen Plänen noch gut erhalten. Heute zeugen einige historische Eichen von der Bedeutung der beiden Gebäude an der Hauptachse des Tiergartens. Das Schloss sollte jedoch nicht mehr lange Stammsitz der Familie sein.

Nach dem Tod des kinderlosen Maximilian Franz von Landsberg-Velen ist zunächst Burg Gemen unter seinem Bruder Maximilian Friedrich Hauptschloss, später wird es Wocklum im Sauerland sein. Der Garten verwildert ab etwa 1900 zunehmend, auch wenn beispielsweise 1910 von der Pflanzung einer Chinesischen Flügelnuss (Pterocarya) berichtet wird. 1919 wird das Forsthaus im Tiergarten als Fallenfabrik genutzt. Die Mauern um den Fasaneriegarten verschwinden um diese Zeit auch weitgehend, so dass heute nur noch Reste vorhanden sind. Ein noch größerer Einschnitt ist jedoch der tagelang wütende Brand im April 1931, der das Innere des Schlosses fast vollständig vernichtet. Nur die Kapelle bleibt wie durch ein Wunder erhalten. 1934 findet der Wiederaufbau statt, allerdings unter Berücksichtigung der geplanten Nutzung als Zollschule, innen stark verändert und mit dem Ehrenhof als großem Platz ohne Bewuchs. Im Krieg und kurz danach folgen die Nutzungen als Lazarett und Altenheim, bevor in den 1960er Jahren wiederum eine Zollschule Einzug erhält.

Der Tiergarten leidet in der Nachkriegszeit stark unter Abholzungen durch die Niederländer, die diese im Rahmen der Reparationsleistungen vornehmen. Das Forsthaus diente in den 1970er Jahren der Arbeiterwohlfahrt. Ein weiterer großer Eingriff in den Park ist der Bau der Tennisanlagen Anfang der 1980er Jahre. Der Garten, zuvor eine gelungene Einheit von barocken und landschaftlichen Bereichen, wird weiter vereinfacht und die großartige Nord-Süd-Achse durch Bau der Tennisanlagen unterbrochen. Durch den Umbau zum SportSchloss 1987/88 werden die Außenanlagen und Nebengebäude nochmals verändert. Das Schloss wird zum Hotel mit Restaurant. Im ehemaligen Schlosspark finden sich nun ein Pitch-Putt-Übungsgelände für Golfspieler, Tennisplätze und Parkplätze. In diesem Bereich wurden auch einige neuere Bäume gepflanzt, darunter Platanen, Feuerahorn und Amberbaum. An anderer Stelle im Park werden historische Strukturen wieder frei gelegt und die forstwirtschaftliche Nutzung zurückgedrängt. Die Orangerie, eines der bedeutendsten erhaltenen Gebäude mit originalem Barockstuck, war als Winterquartier für Pflanzen und kühler Gartensaal im Sommer mit einer darüber liegenden Wohnung geplant. Heute befindet sich im Keller ein Restaurant, im Erdgeschoss ein Veranstaltungs- und Konzertsaal. Der Orangeriegarten wird vom Hotel für Veranstaltungen bei festlichen Anlässen genutzt.

Besonders sehenswert sind in Velen der wiederhergestellte Tiergarten mit Fasanerie, Forsthaus, langer Wegeachse und Jagdstern sowie der Schlossgarten mit einigen alten und exotischen Bäumen, der Zick-Zack-Mauer und natürlich den bedeutenden Bauwerken. Zur Stärkung kann in der Fasanerie, der Orangerie und im Schloss eingekehrt werden und wer sich aktiv betätigen möchte findet hierzu ausreichend Gelegenheit.

Art der Grünanlage
Schlosspark und Tiergarten

Literaturangaben

  • Landsberg-Velen, Wilfried von (1988): Vom Märchenschloß zum Sportschloß - Schloß Velen im Wandel der Zeit. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken 1988, Borken, Seite 43 ff.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur (2004): Gemeinde Velen - Instandsetzungs- und Entwicklungsmaßnahmen Schlosspark und Tiergarten Velen, Erläuterungsbericht. Münster, unveröffentlicht.
  • Hatt, Karin (1995): Rahmenkonzeption des Wasserschlosses Velen und seiner Anlagen. Fachhochschule Erfurt, Diplomarbeit, unveröffentlicht, Erfurt.
  • Friedrich, Adalbert (1995): Bevor die Herren von Velen nach Raesfeld kamen. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1985, Borken, Seite 61 - 63.
  • Barnekamp, Josef (1995): Zwischen Schloß und Burg Velen und Ramsdorf 2. Velen und Ramsdorf 1803 - 1918 Geschichte(n) eines langen Jahrhunderts. Schriftenreihe der Gemeinde Velen ; 3, Velen.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälisches Amt für Denkmalpflege (o.J.): Schlossgarten und Schloss Velen, Denkmalwürdigkeit und Stellungnahme zu Planungen. In: Klaranet, Münster, unveröffentlicht.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Ninfa, Ursula (1997): Die Orangerie von Schloß Velen. In: Westfälische Kunststätten, Heft 83, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00554
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1707
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031442


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2005: Schlosspark Velen
2005: Schlosspark Velen
2005: Schlosspark Velen
2005: Schlosspark Velen
2005: Schlosspark Velen
2006: Tiergarten und Schlosspark Velen
2006: Tiergarten Velen
2006: Tiergarten Velen
2006: Tiergarten Velen
2005: Tiergarten und Schlosspark Velen
1895: Tiergarten und Schlosspark Velen
1805: Tiergarten und Schlosspark Velen