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Burg Gemen mit Schlosslandschaft
 

Die Wasserburg Gemen ist nicht nur das Wahrzeichen des Borkener Ortsteils Gemen, sondern hat heute wie auch schon in den vergangenen Jahrhunderten eine große Bedeutung für die gesamte Umgebung, die sogenannte Schlosslandschaft. Die Burg selbst dient als Bildungsstätte für Jugendliche und junge Erwachsene im Bistum Münster und ist deshalb auch als "Jugendburg" bekannt.

Externe ID: T-P363L301-20080618-0002
Erfassungsdatum: 18.06.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2006: Burg und Schlosslandschaft Gemen

Zugehöriges Objekt

Burg und Schlosslandschaft Gemen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat, vom Bistum Münster als Jugendburg genutzt. Die Anlage ist frei zugänglich.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälische Tieflandsbucht - Westmünsterland; etwa 2 km­ nördlich von Borken.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Erstmals erwähnt wird der Besitz im Jahr 962 als Haupthof Gamin. Dieser Hof war ein bäuerlicher Betrieb des damaligen Damenstifts Vreden. Doch 1092 hatten die Herren von Gemen die Vogteirechte des Vredener Stifts bereits in erblichem Besitz. 1280 wird eine erste Burg mit Vor- und Hauptburg erwähnt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei um eine Ringburg handelte, deren Grundform noch immer erhalten ist. Erbauer der heutigen Wasserburg ist Heinrich III von Gemen, der Anfang des 15. Jahrhunderts das Gebäude nahezu in der noch bestehenden Form erbaute. Die Burg war damals vor allem von Wasser, Sümpfen und Wäldern umgeben. Westlich und nördlich der Gräfte befanden sich Nutzgärten, wie Gemüse- und Kräutergärten für die Burgbewohner.

1492 sterben die von Gemen im Mannesstamm aus. Durch Heirat der Tochter Cordula von Gemen gelangt die Burg an die Grafen von Holstein-Schaumburg, die bis 1635 Besitzer sind. Zu dieser Zeit ist bereits eine gärtnerische Nutzung der Aa-Insel nachweisbar. Es folgen 1640 die Grafen von Limburg-Styrum als Besitzer. Zu ihrer Zeit fand die erste bedeutende Umgestaltung statt, höchstwahrscheinlich vor allem unter Hermann Otto II von Limburg-Styrum, der zahlreiche hohe Ämter am Hofe des Kaisers bekleidete und repräsentieren musste. Die Burg erhielt zu dieser Zeit ihre barocke Schauseite, Hofarchitekt ist zu der Zeit Johann Jakob Weissmann. Die Grafen von Limburg-Styrum sind bis 1800 Besitzer der Wasserburg, ihnen folgt für nur 21 Jahre Aloys von Boineburg-Bömmelberg. 1822 übernimmt Ignatz von Landsberg-Velen den Besitz und läutet eine neue Phase der Umgestaltung im kleinen Rahmen ein. Im Vordergrund steht weiterhin die wirtschaftliche Nutzbarkeit, doch ist aus England die Idee der Ornamented Farm übernommen, bei der Ästhetik und Wirtschaftlichkeit kombiniert werden.

Art der Grünanlage
Schlosspark und Sternbusch

Beschreibung
1639 werden ein Krautgarten (heute der Klostergarten) und ein Hofgarten (westlich des heutigen Schlossgartens) erwähnt. Letzterer ist inzwischen teilweise bebaut. 1680 wird die Brücke nördlich des Schlossgartens erbaut, ein Indiz für die Erweiterung des Schlossgartens in die Landschaft, wie es für die Zeit des Barock typisch ist. Die umgebende Landschaft wird um 1720 bis 1730, trotz der weiterhin vorrangig wirtschaftlichen Nutzung und der unklaren Erbfolge, planmäßig gestaltet. Wichtigstes Element ist die Anlage der Sternbusch-Allee, die von der Burg nach Norden ausstrahlt und drei Kilometer lang ist. Die Allee wurde Mitte des 18. Jahrhunderts doppelreihig ausgestaltet und ist in dieser Form bis heute landschaftsprägend. Gleichzeitig wird eine Art Baumgarten, der sogenannte Kleine Sternbusch angelegt und neben ihm noch ein weiterer Boskettgarten. Südlich der beiden Gärten wird eine Kastanienallee angepflanzt. Reste dieser ehemals etwa 3 ­ha­ großen Anlage sind nur noch durch die umgebenden Alleen und Gräben zu erkennen und im Inneren durch Waldschneisen zu erahnen. Die Kastanienallee weist heute andere Baumarten auf, die Sternbusch-Allee an einigen Stellen ebenfalls. Im Zentrum des Kleinen Sternbuschs wurde ein Lusthäuschen erbaut, ein achteckiger Pavillon, dessen Fundamente noch heute vorhanden sind. Der große Sternbusch, der daran anschloss, war ein forstlich genutzter Jagdpark. Um 1700 zeichnet der berühmte Münsterländer Baumeister Pictorius zwar einige Karten von Gemen, er ist aber nicht nachweislich an der Gestaltung von Burg oder Landschaft beteiligt. Das heute noch bestehende Parktor an der oberen Freiheit wird bereits 1700 als "Garttor" erwähnt. Etwa 1750 wird Eggings Hagen zu einem Küchen- und Gemüsegarten (Krautgarten) umgestaltet. Es ist eine regelmäßige Anlage, möglicherweise mit einem Zierpflanzenanteil, aber wohl kein reines Barockparterre, sondern weiterhin vor allem ein Nutzgarten. 1793 wird ein Blumengarten erwähnt, bei dem es sich um den ehemaligen Eggings Hagen handeln könnte. Ein Plan aus dem Jahr 1825 zeigt einen Teich in der Hauptachse des ehemaligen Gartens (heute Klostergarten), der aufgrund seiner Ausrichtung und der barocken Form gut eine zentrale Funktion in einem Ziergarten eingenommen haben könnte. Anstelle dieses Wasserbeckens befindet sich heute ein ovaler Teich. Derselbe Plan zeigt auch einen nach 1639 erfolgten Umbau der Gräfte und des umgebenden Damms in eine regelmäßigere Form. Zudem sind zwei Fischteiche zu erkennen, die symmetrisch beidseits der Allee liegen. Dies alles sind mögliche Hinweise für einen etwas größeren barocken Garten, der jedoch nicht eindeutig nachweisbar ist.

Wichtigste Elemente der Ornamented Farm sind die landwirtschaftlichen Gebäude, die durch Sichtachsen in Verbindung treten und so die bäuerliche Nutzfläche schmücken. Hinzu kommen malerische Baumgruppen und Einzelbäume, vor allem Eichen. Anders als im Barock verlaufen die Sichtachsen jedoch nicht entlang von Alleen, sondern über Wiesen und Äcker, weshalb alles weniger geplant und eher natürlich wirkt. Das macht den Nachweis einer Gestaltung so schwierig, wenn, wie in diesem Fall, keine Unterlagen zu einer Planung vorliegen. Auf der Preußische Uraufnahme von 1842 sind kreisrunde Baumpflanzungen in der Nähe der Allee zu erkennen, möglicherweise mit zentralen Brunnen sowie weitere Jagdsterne im Sternbusch und nördlich davon. Dies wären jedoch eher barocke Relikte. Zur etwa gleichen Zeit wird die Kopflindenallee auf dem Damm um die Burg angepflanzt, die bis heute idyllische An- und Ausblicke bietet. In Texten werden "die Gärten" beziehungsweise der Schloss- und der Krautgarten erwähnt. Ab 1844 sind Aufforstungen, unter anderem mit fremdländischen Gehölzen, nachweisbar. Dies deutet darauf hin, dass es neben der forstlichen Nutzung auch um ästhetische Gesichtspunkte ging. Um 1900 wird aus dem Kraut- ein Blumengarten und 1926 werden nordöstlich der Burg drei malerische kleine Wäldchen mit Spazierwegen angelegt: Das Storchennest, Kruse Büskens und das Sophienwäldchen, heute sind diese Wäldchen Naturschutzgebiete. Ende der 1920er Jahre werden große Flächen, darunter auch Waldbereiche verkauft. Ab 1946 wird die Burg mitsamt den ehemaligen Gärten als Jugendbildungsstätte an das Bistum Münster verpachtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden große Waldbereiche als Reparationsleistungen abgeholzt und erst nach und nach, zum Teil mit Nadelholzarten, aufgeforstet. Die beiden Fischteiche wurden verfüllt, dafür entstand auf der Hagenwiese ein neuer, großer Fischteich. Durch die Nutzung als Jugendburg gab es schnell Bedarf an Sportplätzen, die 1970 sogar im ehemaligen Obst- und Gemüsegarten ergänzt wurden.

Literaturangaben

  • Rave, Wilhelm (Hrsg.) (1954): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Kreis Borken. In: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 46, Münster.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 72 - 77.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Saule, Germar (2002): Untersuchung zur barocken Gartenarchitektur Gemens. Universität Kassel, Projektarbeit, unveröffentlicht, Kassel.
  • Gottschalg, Susanne (2002): Schlosslandschaft Gemen: Kulturhistorische Spurensuche und Entwicklungsalternativen. Universität Kassel, Diplomarbeit, unveröffentlicht, Kassel.
  • Heimatverein Gemen (Hrsg.) (o.J.): Ein Spaziergang durch das historische Gemen. Borken.
  • Meerdink, Peter (1995): Die Gemener Burg und die Winterswijker Jakobs-Kirche. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1995, Borken, Seite 91 ff.
  • Terhalle, Hermann (1985): Aus der Geschichte des ehemaligen Franziskanerklosters zu Gemen. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1985, Borken, Seite 75 ff.
Externe ID: LWL-GUP00453
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Park
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1635
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031414


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2006: Burg und Schlosslandschaft Gemen
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2005: Burg und Schlosslandschaft Gemen
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