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Arbeitergarten am Textilmuseum Bocholt
 

Im Umfeld eines nach alten Plänen erbauten und vollständig eingerichteten Arbeiterhauses bekommen die Besucher im LWL-Westfälischen Industriemuseum einen Einblick in Arbeit und Alltag der münsterländer Textilarbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Externe ID: T-P363L301-20080609-0001
Erfassungsdatum: 09.06.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2006: LWL-Industriemuseum Bocholt

Zugehöriges Objekt

Arbeitergarten am Textilmuseum Bocholt (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Landschaftsverband Westfalen-Lippe, das LWL-Industriemuseum ist ganzjährig Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 - 18 Uhr geöffnet.

Naturräumliche Situation und Lage
Niederrheinisches Tiefland - Isselebene; in der Innenstadt von Bocholt.

Art der Grünanlage
Arbeitergarten

Beschreibung
Wer sein Bild von der Garten- und Parkkultur der Stadt Bocholt vervollständigen möchte, sollte sich den Schaugarten am Westfälischen Industriemuseum an der Bocholter Aa nicht entgehen lassen. Im Umfeld eines nach alten Plänen erbauten und vollständig eingerichteten Arbeiterhauses bekommen die Besucher einen Einblick in Arbeit und Alltag der münsterländer Textilarbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Im Zuge der Industriealisierung wechselten zahlreiche Bewohner des Münsterlandes von der Landwirtschaft zur Textilindustrie. Einfach und karg war das Leben der meisten Arbeiterfamilien zu dieser Zeit. Nahrungsmittel waren teuer, da lag es nahe, möglichst viele Lebensmittel selber zu erzeugen. Ermöglicht wurde dies durch oft großzügig bemessenes Land, das gleichsam als Deputat zu den Arbeiterwohnungen gehörte. Außerdem wurden oft noch weitere Flächen im Stadtgebiet hinzu gepachtet, um Kartoffeln und Futtermittel anzubauen. Damit das Frühstücksei und der Sonntagsbraten gesichert waren - denn Fleisch war besonders kostbar - wurden Hühner, Kaninchen, Ziegen und in der Regel zwei Schweine am eigenen Haus aufgezogen. Tagsüber ging man seiner Arbeit in der Fabrik nach und bestellte am Feierabend den Garten und versorgte die Tiere. Anders als heute diente der Garten damals also nicht der Erholung, sondern der Selbstversorgung der Familie. Eine Bank oder gar "Gartenstühle" gehörten selten zur Ausstattung, denn Mußestunden waren rar gesät.
Die Gartenfläche wurde möglichst praktisch und Ertrag bringend eingeteilt: Einfache, unbefestigte Wege bildeten das Grundgerüst, die Beetmaße folgten dem Saat- oder Pflanzraster der einzelnen Nutzpflanzen. Beerensträucher und kleinere Gehölze bildeten den Randbereich der Gärten. Neben Obstbäumen und anderen Nutzbringern wie Haselnuss oder Holunder, erfüllten beispielsweise auch die Düfte eines einzelnen Fliederbusches den Garten. Sommerblumen oder Stauden standen allenfalls an den Wegrändern, an denen oft auch Wäscheleinen gespannt wurden. In den Gartenbereichen, in denen das Gemüse nicht so gut wuchs, standen Ställe mit Kleintieren. Oft war es Aufgabe der Kinder, die Ställe zu reinigen und die Tiere zu versorgen. Die Zucht und Pflege der Tiere war recht einfach, sie brachten dennoch einen verhältnismäßig großen Nutzen.

Die damaligen Anforderungen an Obst und Gemüse unterschieden sich stark von unseren heutigen Ansprüchen. Aussehen und Geschmack waren nicht so wichtig wie Lagerfähigkeit und Robustheit der Pflanzen. Um den Erntezeitraum zu verlängern, wurden Sorten angebaut, die nacheinander reiften. Obst und Gemüse sollten möglichst lange lagerfähig sein, um auch im Winter eine abwechslungs- und vitaminreiche Ernährung zu gewährleisten. .
Nach langjährigen Züchtungen bildeten sich so regional bewährte Sorten heraus, die diesen Anforderungen gerecht wurden. Viele dieser Sorten sind uns heute, da wir über lückenlose Kühlketten und globale Transportwege verfügen, verloren gegangen oder nur noch selten bekannt. In jüngerer Zeit halten Melde, Mangold und Pastinake jedoch erneut Einzug in unseren Küchen.

Der Rundgang durch den Arbeitergarten vermittelt anschaulich einen Eindruck von der Vielfältigkeit des Nahrungsangebotes, das zur damaligen Zeit auf relativ kleinem Raum angebaut wurde. Der Garten wird liebevoll gepflegt und unterhalten, die Besucher bekommen fast den Eindruck, Haus und Garten seien noch heute von "Textilern" bewohnt und bewirtschaftet.

Auch der Besuch des eigentlichen Museums des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ist ein Muss für jeden Kulturinteressierten. In der Schauproduktion der Museumsfabrik kann man den Weg vom Faden bis zum fertigen Stoff verfolgen. Zusätzlich erfährt man Wissenswertes über die 150-jährige Geschichte der Textilindustrie im Westmünsterland und Westfalen. Ein breites museumspädagogisches Programm rundet das Angebot ab. Im Museumsladen können die hier erzeugten Stoffe erworben werden. Das Restaurant "Schiffchen" ist ganztägig geöffnet, im Sommer mit Terrasse direkt an der Aa-Promenade.
Unmittelbar an das Museumsgelände anschließend können Naturinteressierte den Biotop-Lehrgarten des NABU Bocholt besuchen, der Anregungen für praktische Naturschutzarbeit in Garten und Landschaft gibt.

Literaturangaben

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 28 - 31.
Externe ID: LWL-GUP00426
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Nutzgarten
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1901 - 1920
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031316


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2006: LWL-Westfälischen Industriemuseum
2006: LWL-Industriemuseum Bocholt
2006: LWL-Industriemuseum Bocholt
2006: LWL-Industriemuseum Bocholt
2005: Bocholt