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Schloss Ahaus
 

Schloss Ahaus ist ein ehemaliges Residenzschloss der Fürstbischöfe von Münster in Ahaus. Es beeindruckt vor allem durch seine symmetrische Anordnung und sein prächtiges Portal. Gleichzeitig ist es der kulturelle Mittelpunkt der Stadt und nicht zuletzt durch die jährlichen Schlosskonzerte weithin bekannt.

Externe ID: T-P363L301-20080604-0001
Erfassungsdatum: 04.06.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2005: Schloss Ahaus

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Ahaus (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Kreis Borken und Stadt Ahaus; der Park ist öffentlich zugänglich, eine Besichtigung des Schlosses ist nur nach Voranmeldung möglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Westmünsterland; in der Stadtmitte von Ahaus; etwa 8 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Der Name Ahaus kommt wahrscheinlich vom "Haus an der Aa", welches jedoch eine Burg war. Um 1120 baute Bernhard von Diepenheim die Burg Ahaus, sein Sohn Lifhard nennt sich 1154 erstmals "von Ahaus". Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts gehörte die Burg Ahaus, welche mehrfach zerstört und wieder aufgebaut wurde, den Edelherren von Ahaus. 1406 schließlich kaufte Bischof Otto IV. von Münster die Burg samt Ländereien. Seitdem gab es statt der "Herrschaft" das "Amt" Ahaus, welches einer von vielen Bischofssitzen war. Manche Bischöfe hielten sich länger in Ahaus auf und trugen zu baulichen Veränderungen bei. Bischof Heinrich II., Graf von Moers (1424 bis 1450), baute die Befestigung aus. Bischof Bernhard von Raesfeld verschönerte 1557 die Burg und verbesserte die Festungswerke. Er legte auch einen neuen Stadtgraben mit Wall an; angesichts der Kämpfe im Zuge der Reformation und der Bewegung der Wiedertäufer eine verständliche Maßnahme. Nicht überliefert, aber doch wahrscheinlich, hat es zu dieser Zeit an der Burg einen typischen mittelalterlichen Garten zur Selbstversorgung der Burgbewohner gegeben. Solche Gärten waren vor allem mit Heil- und Würzkräutern sowie pflegeintensiven Gemüse- und Obstsorten bestanden. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen lagen für gewöhnlich weiter von der Burg entfernt.

Weitere Kriege und der Ausbau der Befestigungen von Burg und Stadt im 17. Jahrhundert wechselten sich ab, bis 1650 Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen die Friedenszeit nutzte, um die Lebensqualität der Ahauser Bürger zu verbessern. Er erließ 1651 Teile der Abgaben, gründete 1653 in Ahaus die erste Fayence-Manufaktur auf deutschem Boden und 1654 die erste Ahauser Mädchenschule. Gleichzeitig nutzte er diesen Sitz, um an der nahe gelegenen niederländischen Grenze Kirchen instand zu setzen oder neu zu bauen. Sein dritter Nachfolger, Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg, trug ebenfalls zu reger und radikaler Bautätigkeit bei: Er ließ 1688 die alte Burg abtragen und ab 1690 einen neuen und größeren Bau nach Plänen des Kapuzinerarchitekten Ambrosius von Oelde errichten. Dieser Neubau im frühbarocken Stil ist nach vielen Schicksalsschlägen noch heute für die Stadt prägend.

Die Säkularisation und die nahezu anschließende französische Besatzungszeit brachten ein jähes Ende in die glanzvolle Geschichte des Schlosses und Parks Ahaus. Zwar wurde das Schloss mit Garten 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss den Fürsten Salm-Kyrburg zugewiesen, die hier auch ihre Residenz einrichteten und möglicherweise bereits damals eine landschaftliche Umgestaltung des Gartens vornehmen ließen. Doch schon 1811 besetzten die Franzosen das Gebiet und 1813 bis 1816 waren gar Truppen im Schloss einquartiert. Ab 1819 mietete dann der niederländische Tabakfabrikant Hermann Oldenkott den Großteil des Schlosses und richtete im rechten Seitenflügel und im Untergeschoss des Corps de Logis seine Fabrik ein, während seine Familie den linken Seitenflügel als Wohnung nutzte. 1829 kaufte Oldenkott schließlich das Schloss mitsamt dem nun verwilderten Garten. Etwa 1934 fanden Restaurierungsmaßnahmen am Schloss statt. Am 22.03.1945 wurden Schloss und Garten jedoch durch Brand- und Sprengbomben nahezu vollständig zerstört. Gut vier Jahre später erwirbt der damalige Kreis Ahaus das Schloss, und die Stadt Ahaus den Park mitsamt seiner Bäume. Das Schloss wird außen originalgetreu wieder aufgebaut und die Räumlichkeiten werden der geplanten Nutzung als Kreisberufsschule entsprechend gestaltet.

Gebäude und Ausstattung
Grundriss und Fassade beruhen überwiegend auf den Plänen von Oeldes. Dazu gehören die Anlage von Vorburg und Schloss auf zwei getrennten Inseln, die vier Pavillons und die zwei Türme an der Oberburg, welche wohl eine Reminiszenz an die alte Burg sind. Auch die Wahl der Materialien (Backstein und Sandstein) und die Anlage der typischen, zentralen Achse sind seit dem Originalbau beibehalten. Vom Haupteingang des Schlosses - durch einen prächtigen und schmuckreichen Mittelrisalit betont - über das dekorative Triumphtor mit den Wachthäuschen an der Brücke des Ehrenhofs bis zum Torturm mit Brücke der Vorburg strahlt das Schloss auf die Stadt aus.

Art der Grünanlage
Stadtpark

Beschreibung
Je nachdem von welcher Seite man sich Schloss Ahaus und seinem Park nähert, erscheint es entweder als städtebaulich interessantes Barock-Ensemble oder als malerischer Landschaftspark mit Schloss. Man kann die Anlage von allen Seiten auf öffentlichen Wegen umwandern, teilweise sogar Gebäude von innen betrachten und vielfältige Eindrücke sammeln. Die Geschichte dieses Ensembles fügt noch zahlreiche weitere Facetten hinzu.

Auf der Südseite, allerdings von der Gräfte unterbrochen, setzte sich die Achse in einem Garten fort, der zusammen mit dem Schloss von einer Baumreihe umpflanzt war. Wer den viel bewunderten Barockgarten geplant hat, ist bisher nicht nachweisbar. Es liegen jedoch Vermutungen nahe, dass es ein bedeutender Planer der Zeit war, vielleicht ebenfalls Ambrosius von Oelde oder Gottfried Laurentz Pictorius, der ab 1694 für von Plettenberg am Schloss Nordkirchen tätig war. In jedem Fall wurden im Garten bereits 1696/97 eine Orangerie an der Nordseite und gegenüber wohl zeitgleich ein Werkhaus (auch Spiel- oder Komödienhaus genannt) gebaut. Damit war Ahaus die erste frühbarocke Anlage in Westfalen mit einem Orangeriebau aus Stein. Von 1699 bis 1702 schuf der münstersche Bildhauer Johann Mauritz Gröninger etwa 25 Gartenfiguren, höchstwahrscheinlich für das barocke Parterre, von denen einige heute im Gartensaal des Schlosses zu betrachten sind. Gröningers Mars-Skulptur aus Gildehauser Sandstein steht derzeit im barockisierten Rasenparterre nördlich des Schlosses. Die Bedeutung des Gartens blieb weiterhin groß, denn nur gut zwanzig Jahre später gibt Fürstbischof Clemens August von Wittelsbach als zweiter Nachfolger von Plettenbergs weitere Gartenfiguren bei Johann Wilhelm (Sohn des Johann Mauritz) Gröninger und bei Hendrik Ansum aus Münster in Auftrag. 1742 hebt Jodocus Hermann Nünning in einer Beschreibung die besonderen Bäume und kostbaren Statuen im Ahauser Schlosspark lobend hervor. Diese Skulpturen hatten vor allem mythologische (Götter und Helden römischer Sagen) und kosmologische (Tages- und Jahreszeiten) Aspekte. In den Archivalien werden Bacchus, Flora, Pallas Athene, Ceres und einige Trophäen und fürstliche Wappen genannt. Es sind aber auch Vasen und Hermen des Ahauser Bildhauers Bernhard Vogatzer (Vogeser) bekannt. Ein idealisierter Stich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt den Garten, wie er in etwa aussah, leider ohne die Skulpturen. Dafür erkennt man den typischen Aufbau eines schlossnahen Broderie-Parterres (mit ornamentaler Buchspflanzung und Kies) sowie eines weiter entfernten englischen Rasenparterres mit zentraler Rasenbahn (dem Tapis-vert), die den Blick in die Ferne lenken soll. Eingefügt in die Parterres waren ein zentraler und zwei rahmende Springbrunnen. Hier standen wohl auch die Skulpturen und zahlreiche Kübelpflanzen aus der Orangerie in eigens dafür hergestellten Töpfen. Wahrscheinlich schloss sich bereits zu dieser Zeit ein Bosquet (ein Heckengarten mit Baumpflanzungen) nach Süden an.

Möglicherweise trugen Kriegseinwirkungen aus dem Jahr 1763, in dem auch die Befestigung der Stadt zerstört wurde, in jedem Fall aber die Modernisierungswünsche des neuen Fürstbischofs Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels zu einer weiteren Veränderung des Schlosses und Gartens bei. Von 1764 bis 1767 plante der berühmte Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun vor allem die längst überfällige Verbindung von Schloss und Garten. Schlaun setzte dabei gekonnt die Achse von der Eingangsseite des Hauses fort und schuf zur Gartenseite einen weiteren verzierten Mittelrisalit als Pendant zu dem im Ehrenhof. Von einer Terrasse vor diesem zentralen Bereich der Fassade ließ er eine prächtige Gartentreppe mit Vasen-Geländer bis an die Gräfte führen und hätte dort gerne auch noch eine Brücke geplant. Der Bauherr scheute jedoch die hohen Kosten - für seine zeitlich begrenzten Aufenthalte lohnte sich eine teure Brücke wohl nicht. Um Abhilfe zu schaffen entwarf Schlaun einfallsreich eine demontierbare Schiffbrücke, die bei Abwesenheit des Fürstbischofs im Marstall gelagert wurde. Ob in der Gartenanlage selbst viel verändert wurde ist nicht nachweisbar. In der Verlängerung der Achse ließ Schlaun jedoch eine Sichtschneise zum Schöppinger Berg herstellen, so dass das Schloss auch nach Süden in die Umgebung ausstrahlte. Hierdurch kam dem Schlosspark noch größere Bedeutung zu. Zudem ließ Schlaun die, Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Tiergarten am Schloss Sassenberg, einem weiteren fürstbischöflichen Sitz, nach Ahaus verlegte Fasanerie neu gestalten. In der Südwestecke des Gartens zeugt noch heute ein Tor vom 1769 erneuerten Fasanengarten, der mit einer hohen Mauer umgeben war und neben dem Fasanenhaus auch zahlreiche Bäume und einige Skulpturen enthalten haben soll. Während der französischen Besatzungszeit wurde der Baumbestand des Parks als Brennholz gefällt und stark dezimiert. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Garten-Skulpturen verkauft und gingen überwiegend an Adelshäuser in der Umgebung (zum Beispiel an Haus Keppelhorst in Heek-Ahle und Haus Woord in Bocholt). Die Gartengebäude waren bereits abgerissen, und der Garten wurde in Parzellen an Ahauser Bürger verkauft, von denen Oldenkott im Laufe des 19. Jahrhunderts zusammenhängende Bereiche wieder zurück erwarb. Bis in die 1930er Jahre nutzte die Familie Oldenkott den Garten, der nun ein landschaftlicher Park mit Lindenrondell, Philosophenhügel und Teehaus war. Der Park wurde durch die Landschaftsarchitekten Hübotter (Hannover) und Hoppe (Münster) zu einem modernen Stadtpark ohne direkten Bezug zum Schloss umgestaltet. Der Park beherbergt nun zahlreiche Spielplätze und Ruhebereiche, einige historische und neuere Skulpturen und Plastiken (zum Beispiel eine Steinvase vor dem Teehaus) sowie zahlreiche Bäume. Nur wenig deutet auf die Hochphase als Barockgarten beziehungsweise auf die landschaftliche Gestaltung aus dem 19. Jahrhundert hin. Durch Ausgrabungen und moderne Wissenschaft und Vermessungstechnik wäre eine Wiederherstellung zwar möglich und wurde bereits mehrfach angeregt, es bleibt aber abzuwarten, ob der Bezug zum Schloss wieder hergestellt und so aus dem Stadtpark ein - wenn auch öffentlicher - "Schlosspark" wird.

Literaturangaben

  • Püttmann, Kristin (Hrsg.) (1990): Schloss Ahaus 1690 - 1990. Borken.
  • Höper, Eva-Maria (1991): Das Residenzschloss zu Ahaus. Westfälische Kunststätten, Heft 61, Münster.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 98 - 103.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1997): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. Kulturlandschaft Westfalen, Band 3, Münster, 2. unveränderte Auflage.
  • Sümmermann, Felix (1972): Schloss Ahaus - ein Zeitbild. Ahaus.
  • Kreis Borken (Hrsg.) (1990): Schloss Ahaus 300 Jahre. Sonderdruck aus dem Kreisjahrbuch 1990, Borken.
  • Terhalle, Hermann (1995): Johann Conrad Schlaun und Ahaus. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1995, Borken, Seite 247 - 248.
  • Seick, Carsten (1996): Studien zu landschaftlichen Gärten und Parks in Westfalen-Lippe unter besonderer Berücksichtigung der Anlagen privater Auftraggeber. Münster, Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Dissertation, Band 1 - 4.
  • Bierhaus, August (1991): Schloss Ahaus und der Baumeister Lambert Friedrich Corfey. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1991, Borken, Seite 107 - 111.
  • Dräger, Wilfrid (1990): Die "Ceres" aus dem Schlosspark in Ahaus und ihre Entsprechung in den Tuilerien zu Paris. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1990, Borken, Seite 209 - 212.
  • Kuhlmann, Jürgen / Volks-Kuhlmann, Renate (1994): Neue Forschungsergebnisse zum barocken Ahauser Schlosspark. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1994, Borken, Seite 84 - 93.
  • Bierhaus, August (1977): Das Barockschloss in Ahaus. In: Jahrbuch des Kreises Borken 1977, Borken, Seite 147 - 154.
  • Kuhlmann, Jürgen (1994): Schloss Ahaus - Analyse und Weiterentwicklung eines historisch gewachsenen Freiraums. Kassel Gesamthochschule, Diplomarbeit, Kassel.
  • Karras, Margret (1995): Archäologische Untersuchungen in Ahaus 1974 - 1991. Sonderdruck aus Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe : AFWL / im Auftr. d. Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hrsg. ; Westfälisches Museum für Archäologie, Amt für Bodendenkmalpflege, Jahrgang 9B, Mainz, Seite 461 - 609.
Externe ID: LWL-GUP00401
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Literaturauswertung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1120
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031302


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2007: Schlosspark Ahaus
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