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Haus Cappeln, Westerkappeln
 

Seit dem 12. Jahrhundert war die Wasserburg Sitz der Ritter von Cappeln. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein lebten verschiedene Adelsgeschlechter auf dem Rittersitz mit seinen reichen Landgütern, bis schließlich 1775 die aus Frankfurt am Main stammenden Gebrüder von Loen das Anwesen kauften. Im weiteren Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts gab es noch mehrere Besitzerwechsel, bis schließlich 1965 der Osnabrücker Industrielle Walter Titgemeyer den inzwischen vernachlässigten Herrensitz erwarb und in der nachfolgenden Zeit umfassend restaurieren und ausbauen ließ.

Externe ID: T-P363L301-20080602-001
Erfassungsdatum: 02.06.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2002: Haus Cappeln

Zugehöriges Objekt

Gartenanlagen am Haus Cappeln, Westerkappeln (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die südliche Allee entlang der Gräften ist öffentlich zugänglich; die Gärten sind nicht öffentlich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Weserbergland - Osnabrücker Hügelland; am nordwestlichen Rand des Ortskerns von Westerkappeln; etwa 4 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Seit dem 12. Jahrhundert war die Wasserburg Sitz der Ritter von Cappeln. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein lebten verschiedene Adelsgeschlechter auf dem Rittersitz mit seinen reichen Landgütern, bis schließlich 1775 die aus Frankfurt am Main stammenden Gebrüder von Loen das Anwesen kauften. Die Familie war weitläufig mit Goethe verwandt. Der jüngere der beiden Brüder, Johann Jost von Loen, war bis 1774 als Forstmeister des Grafen von Bentheim-Steinfurt an der Anlage des zuerst nach barockem Vorbild regelmäßig angelegten Parkes "Bagno" bei Burgsteinfurt beteiligt. Anschließend wechselte er in den Dienst des Fürstenhauses Lippe nach Detmold. Verheiratet war er mit Henriette Katharina Agnes von Loen, der Schwester des in Wörlitz residierenden Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau.

Schon 1812 verlor der Sohn und Nachfolger des älteren Bruders von Loen bei leichtfertigem Glücksspiel in Paris das gesamte Anwesen. Neuer Eigentümer war nun der wohlhabende Baron von Lange. Er siedelte von der Metropole Paris ins westfälische Westerkappeln über, brachte seine französische Lebensart mit in die westfälische Provinz und feierte auf dem gewonnenen Besitztum mit seinen Standesgenossen und den Honoratioren der Umgebung bis zu seinem Ableben im Jahre 1820 rauschende Feste. Seine Tochter heiratete 1841 den Freiherrn Heinrich von Kalckstein. Im weiteren Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts gab es noch mehrere Besitzerwechsel, bis schließlich 1965 der Osnabrücker Industrielle Walter Titgemeyer den inzwischen vernachlässigten Herrensitz erwarb und in der nachfolgenden Zeit umfassend restaurieren und ausbauen ließ.

Gebäude und Ausstattung
Vom alten Ortskern Westerkappelns gelangt man über die Bahnhofstraße zum südöstlichen Zugang des Herrensitzes mit seiner alten Toranlage. Die beiden massiven Torpfeiler wurden mit ihren mächtigen Kugelaufsätzen wahrscheinlich schon zur Zeit der Renaissance errichtet. Bestandteil des schweren Eisengittertores ist eine kleine geöffnete Tür, durch die der Durchgang auf den "Friggepättken" genannten Weg ermöglicht wird. Ab 1777 wurde die Gesamtanlage der Wasserburg mit Vor- und Hauptinsel und einer Garteninsel im Süden durch die neuen Eigentümer ausgebaut. Aus dieser Zeit stammt auf der Hauptinsel der eingeschossige, dreiflügelige Wohnbau mit doppelläufiger Freitreppe und dem prachtvollen Portal mit dem Wappen der Familie von Loen. Heinrich von Kalckstein ließ 1862 das spätmittelalterliche Torhaus am Zugang zur Hauptinsel und die Dachgiebel des Haupthauses in Neorenaissanceformen umbauen. Auch das alte Wirtschaftsgebäude auf der Vorinsel im Osten wurde zu dieser Zeit erneuert.

Art der Grünanlage
Gutsgarten; Alleen

Beschreibung
Die mehr als 2 Hektar großen Gartenanlagen umfassen die aus allen vier Himmelsrichtungen auf den Herrensitz zulaufenden Alleen, eine Garteninsel im Süden, ausgedehnte Nutzgärten mit einem ehemaligen Gärtnerhaus im Osten und schließlich einen weitläufigen Landschaftspark im Norden. Von der historischen Gestaltung sind heute noch die geschnittenen Lindenalleen am besten erhalten. Sie verlaufen weitgehend entlang der Wege vorbei an malerischen Gräften. Vermutlich geht die nach barocken Vorbildern ausgeführte Alleepflanzung auf das Wirken des gartenkünstlerisch gebildeten Johann Jost von Loen zurück. Die Alleen hatten repräsentative und nützliche Funktionen. Durch die am Spalier geformten und regelmäßig beschnittenen Bäume wurden die Wege geschmückt und ankommende Besucher und Gäste zum adeligen Herrensitz geleitet. Dabei bildete die Bepflanzung zugleich eine räumliche Begrenzung. Der Blick der Betrachter wurde wie durch einen Rahmen in perspektivischer Steigerung auf das Anwesen hingeführt. Zudem spendeten die Alleebäume im Sommer kühlen Schatten und ermöglichten so einen angenehmen Spaziergang entlang der Gräften des Herrensitzes vorbei an den verschiedenen Gärten und Wiesen. Nur die natürlich hochgewachsenen Linden der nach Norden führenden Allee pflanzte man vermutlich schon im späten 17. Jahrhundert.

Einige der in Westfalen hauptsächlich von Wassergräben geschützten Adelssitze hatten auch für den Garten eine eigene Insel. Im Süden von Haus Cappeln war die Garteninsel wohl vorwiegend als Blumengarten zum Aufenthalt im Freien gestaltet. Im Verlauf des 19. Jahrhundert pflanzte man dort zahlreiche seltene Bäume aus Kanada, die 1939 ein starker Sturm niederwarf. Heute wird die historische Garteninsel nur noch selten genutzt. Die einstige Bedeutung des Inselgartens wird durch eine alte Bruchsteinbrücke hervorgehoben, die von zwei alten Torpfeilern mit aufgesetzten Büsten flankiert wird. Die beiden blumenbekränzten Frauenbildnisse könnten Darstellungen der römischen Frühlingsgöttin Flora sein, die zugleich als Göttin der Blumen und Blüten die Besucher der Garteninsel ideell begleitete.

Im Norden des Wohnhauses ist der geometrische Garten jenseits der Gräfte erst in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstanden. Wahrscheinlich legte man im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert auf der weit nach Norden verlaufenden Fläche einen Landschaftspark an. Der historische Park mit seinen Wiesen ist heute weitgehendst zugewachsen und der Teich eingetrocknet. Eine zeitgenössische Überlieferung erwähnt die Anlage eines "Lustgemachs", das außen mit rohen Eichenstämmen verkleidet und im Innern mit Spiegeln ausgestattet war. Solche Lustbarkeiten gehörten zur Zeit des Rokoko nicht selten zum Inventar eines "sentimentalen Gartens". Leider hat sich davon nichts mehr erhalten. Auf der großen rechteckigen Wiese jenseits des Hauses entschied sich nunmehr der letzte Eigentümer von Haus Cappeln für die Neuanlage eines Gartenparterres in barocken Formen. Mittelpunkt des gepflegten Hausgartens ist ein nach barocken Vorbildern gestaltetes Wasserbecken mit einer Fontäne. Zur Ausstattung des Garten gehört eine stattliche Sammlung verschiedener Skulpturen und Bauzier des 18. Jahrhunderts, die hauptsächlich aus dem süddeutschen Raum stammt. Mehrere aus Metall gefertigte Pflanzschalen und Gartenskulpturen stammen aus dem 19. Jahrhundert oder sind erst vor kurzem hergestellte Nachbildungen. Da der Garten ausschließlich privat genutzt wird, ist er für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Literaturangaben

  • Bröker, Josef (1989): Der wirtschaftliche Niedergang des adligen Hauses Cappeln. In: Unser Kreis 1990 - Jahrbuch für den Kreis Steinfurt, Burgsteinfurt, Seite 205 - 212.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) et al. (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems (regionaler Reiseführer). Münster-Hiltrup, Seite 158 - 162.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur des LWL (Hrsg.) / Bufe, Thomas / Kalle, Hartmut (Texte) (2004): Parks und Gärten links und rechts der Ems [ein Projekt im Rahmen der Regionale 2004 links und rechts der Ems]. Münster-Hiltrup, Seite 52 - 55.
  • Hunsche, Friedrich Ernst (1975): Westerkappeln. In: Chronik einer alten Gemeinde im nördlichen Westfalen, Westerkappeln.
Externe ID: LWL-GUP00291
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Gräftenhof (Hoftyp, mit Wassergräben)
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Archivauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: Keine Angabe
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1777
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031288


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2002: Haus Cappeln
2002: Haus Cappeln
2002: Haus Cappeln
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2002: Haus Cappeln
2002: Haus Cappeln
2003: Westerkappeln
Haus Kappeln
1897: Westerkappeln
1827: Haus Cappeln
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