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Drostenhof, Münster-Wolbeck
 

Seit dem Mittelalter war in Wolbeck eine wichtige Residenz der Bischöfe aus Münster angesiedelt. Wenn die Bischöfe im Streit mit den städtischen Bürgern lagen, zogen sie sich auf eine befestigte Burganlage nach Wolbeck zurück. Mit der Burg erhielt auch der Ort im 14. Jahrhundert eine neue Befestigung. Zur Verteidigung der bischöflichen Burg wurden mehrere Burgmannshöfe errichtet. Der Burgmannhof des Rittergeschlechts von Berne ging 1389 an die Herren von Merveldt über, die später das erbliche Amt des Drosten in Wolbeck ausübten. Im 16. Jahrhundert errichtete Droste Dirk von Merveldt zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud von Nagel den heutigen Drostenhof. Die Anlage ist heute der einzig erhaltene Burgmannshof in Wolbeck und zählt zu den ältesten Profanbauten von Münster und der Umgebung. Im 19. Jahrhundert hatte im Erdgeschoß des Herrenhauses die preußische Amtsverwaltung ihren Sitz. Seit 1926 wird der Drostenhof wieder von einem Zweig der Adelsfamilie bewohnt. Ab 1975 wird das Herrenhaus als Westpreussisches Landesmuseum genutzt.

Externe ID: T-P363L301-20080430-0001
Erfassungsdatum: 30.04.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2007: Drostenhof Münster-Wolbeck

Zugehöriges Objekt

Gartenanlage am Drostenhof, Münster-Wolbeck (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Privat; die Anlage ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe
Westfälisches Tiefland - Kernmünsterland; im Zentrum des Ortsteils Wolbeck, etwa 1,5 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Seit dem Mittelalter war in Wolbeck eine wichtige Residenz der Bischöfe aus Münster angesiedelt. Wenn die Bischöfe im Streit mit den städtischen Bürgern lagen, zogen sie sich auf eine befestigte Burganlage nach Wolbeck zurück. Mit der Burg erhielt auch der Ort im 14. Jahrhundert eine neue Befestigung. Zur Verteidigung der bischöflichen Burg wurden mehrere Burgmannshöfe errichtet. Der Burgmannhof des Rittergeschlechts von Berne ging 1389 an die Herren von Merveldt über, die später das erbliche Amt des Drosten in Wolbeck ausübten. Im 16. Jahrhundert errichtete Droste Dirk von Merveldt zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud von Nagel den heutigen Drostenhof. Die Anlage ist heute der einzig erhaltene Burgmannshof in Wolbeck und zählt zu den ältesten Profanbauten von Münster und der Umgebung. Im 19. Jahrhundert hatte im Erdgeschoss des Herrenhauses die preußische Amtsverwaltung ihren Sitz. Seit 1926 wird der Drostenhof wieder von einem Zweig der Adelsfamilie bewohnt. Nach dem 2. Weltkrieg fanden im Haus zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene Unterkunft. Ab 1975 wird das Herrenhaus als Westpreussisches Landesmuseum genutzt.

Gebäude und Ausstattung
Die gesamte Anlage wurde ursprünglich durch die Umflut des Wassergrabens der mittelalterlichen Befestigung von Westen nach Osten geteilt. Zu den Gebäuden des Drostenhofes gehören ein Torhaus mit angefügtem Wirtschaftsbau und ein Herrenhaus. Das zweigeschossige Torhaus wurde von 1545 bis 1547 aus Ziegelsteinen errichtet und fällt durch seine beiden spätgotischen Fialengiebel und den reich dekorierten Erkern mit Renaissanceformen auf. Im rechten Winkel zum Torhaus schließt sich ein langgestreckter ehemaliger Wirtschaftsflügel mit hohem Satteldach an und bildet den nördlichen Abschluss des Hofraumes. Das zweigeschossige Herrenhaus der Frührenaissance wurde von 1554 bis 1557 aus Ziegelsteinen errichtet. Besonders prachtvoll sind die beiden gestaffelten Schaugiebel an der Nord- und Südseite des Gebäudes, die in ihrer Gestaltung einen deutlichen Einfluss der Weserrenaissance zeigen. Die Giebel wurden Vorbilder für eine ganze Reihe von Schaufronten in Münster und im Münsterland. In zwei Räumen des Erdgeschosses sind noch Teile einer prächtigen Stuckdecke des 17. Jahrhunderts erhalten, die neben Szenen aus der antiken Mythologie vor allem Darstellungen zeitgenössischen Jagdgeschehens zeigt.

Art der Grünanlage
Grünanlage der 1960er Jahre

Beschreibung
Ob der Garten schon zur Zeit der Renaissance im 16. Jahrhundert gestaltet wurde, ist bisher nicht belegt. Als ältestes Zeugnis des Gartens hat sich jedoch eine alte Eibe unmittelbar an der Gartenmauer im Osten der Anlage erhalten, deren Alter auf etwa 350 bis 400 Jahre geschätzt wird. Mit der Niederlegung der mittelalterlichen Stadtbefestigung im späten 18. Jahrhundert wurde auch der Bereich des eingeebneten Walls am Steintor in der nachfolgenden Zeit als Garten genutzt. Im Süden des Drostenhofes wurde 1858 der örtliche Friedhof eröffnet. 1957 erfolgte dort die letzte Bestattung. Erste Dokumente zur Gestaltung des Gartens gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert. Einen ungefähren Eindruck vom Zustand des Gartens gibt eine 1891 datierte Bleistiftzeichnung des Malers Bernhard Pankok, auf der eine weite Wiese mit locker gepflanzten Bäumen zu erkennen ist. Eine 1902 vom Ortschronisten Zumbusch verfasste Beschreibung, er wohnte damals als Oberrentmeister des Amtes Wolbeck im Torhaus, erwähnt am Drostenhof einen "Hauptgarten" und einen "Niederen Garten", der anstelle des Walls im Süden des Anwesens zur Anzucht von Gemüse und Obst bewirtschaftet wurde. Die überlieferte Gestaltung des Gartens wird durch mehrere Fotos aus der Zeit um 1930 dokumentiert, die sich im Privatbesitz der Eigentümerfamilie befinden. Deutlich erkennbar wird die Anlage durch ein Wegekreuz in vier annähernd gleich große Parterres aufgeteilt. Der Mittelweg war genau auf die alte Eibe am Rande der östlichen Gartenmauer hin ausgerichtet. Vermutlich hatte diese Gestaltung noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bestand. Da den Eigentümern der Aufwand zur Bewirtschaftung und Pflege zu groß wurde, verpachteten sie den Garten in den 1960er Jahren an die Gemeinde. Mit der Anerkennung von Wolbeck als Kneipp-Kurort im Jahre 1966 wurde schließlich der "Schlosspark" am Drostenhof nach einer Planung des Amtes für Landespflege zu einer öffentlichen Grünanlage umgestaltet. Im Vordergrund der Neugestaltung stand nicht die überlieferte Form des Gartens, sondern der Park sollte mehr als "Stimmungsträger" für die Architektur dienen. Mit einem Durchbruch an der nördlichen Gartenmauer wurde eine sinnvolle Wegeverbindung in den Ort geschaffen, und der Rest der alten Umflut wurde als Teich ausgebaut. Der Funktion als Kurpark entsprach ein "Kneipp-Garten" im Osten der Anlage mit einem Wasserbecken für Armbäder und einem Wassertretbecken. Da die Planungen zum Ausbau von Wolbeck als Kurort nach nur kurzer Zeit wieder fallengelassen wurden, entfernte man nach einiger Zeit die Wasserbecken. Heute fallen in der Anlage neben der alten Eibe noch mehrere große Rotbuchen, Eichen und Lärchen auf, die schon im Laufe des 19. Jahrhunderts gepflanzt wurden.

Quellenangaben

  • Albert, Dagmar / Augustin, Klaus (1998): Der Drostenpark in Münster-Wolbeck. Geschichte, Entwicklung, Neuplanung. Osnabrück, Fachhochschule. Diplomarbeit.

Literaturangaben

  • Der Oberstadtdirektor von Münster, Dezernat für Öffentlichkeitsarbeit - Presse und Informationsamt in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt (Hrsg.) (1994): Spaziergänge zu Baudenkmälern, Nr. 12. Münster.
  • Schmeken, Heinrich (1972): Die Geschichte Wolbecks. Münster.
  • Zumbusch, Ferdinand (1902): Die Geschichte Wolbecks. Die ehemalilgen Fürstbischöflichen Residenzen des Fürstbistums Münster bis 1900. Münster-Wolbeck.
Externe ID: LWL-GUP00249
Erfassungsdatum: 01.01.2002
Kategorie: Gräftenhof (Hoftyp, mit Wassergräben)
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1880 - 1900
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10030798


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2007: Drostenhof Münster-Wolbeck
2002: Drostenhof Münster-Wolbeck
2003: Münster-Wolbeck
1897: Münster-Wolbeck