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Schlossanlage Detmold
 

Das ehemals als Wasserburg mit doppelter Zugbrücke stark befestigte Schloss ist seit 1530 ständiger Sitz der Grafen und Fürsten zur Lippe. Ältester Gebäudeteil des Schlosses ist ein mächtiger Rundturm aus dem 13. Jahrhundert. Aus der Burg entstand Mitte des 16. Jahrhunderts das eindrucksvolle Weserrenaissanceschloss. 1673 erfolgte die Vollendung als Vierflügelanlage mit einem frühbarocken Flügel im Südwesten. Bis auf die Renaissancefassade mit dem Haupteingang am Schlossplatz wurde das Schloss zu Beginn des 18. Jahrhunderts umfassend barockisiert.
Das Schloss mit den Resten der Befestigung, dem breiten Wassergraben und dem etwa 2 Hektar großen Schlossplatz nimmt gut ein Viertel der historischen Altstadt von Detmold ein. An der Stelle des Schlossplatzes lag ursprünglich der Wirtschaftshof der mittelalterlichen Burganlage. Nach unterschiedlichen Planungen zur Entfestigung des Schlosses und zur Neugestaltung des Schlossplatzes wurde die Gesamtanlage von 1781 bis 1800 nach Entwürfen des lippischen Landbaumeisters Christian Teudt ausgeführt. Die gärtnerische Ausgestaltung des Schlossplatzes begann erst während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist noch heute in ihren Grundzügen erkennbar.

Externe ID: T-P363N403-20080306-0001
Erfassungsdatum: 06.03.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt:
  • (keins)
Untergeordnete Objekte:
  • (keine)



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2008: Residenzschloss Detmold

Zugehöriges Objekt

Schlossplatz Detmold (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:
Der Schlossplatz gehört zu 62% der Fürstlichen Residenzschloss GbRmbH und zu 38% der Stadt Detmold. Der Schlossplatz ist öffentlich zugänglich, die Bastionsgärten am Schloss sind nicht zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:
Weserbergland/Lipperland; im Zentrum der Altstadt Detmold; Größe etwa 2 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:
Das ehemals als Wasserburg mit doppelter Zugbrücke stark befestigte Schloss ist seit 1530 ständiger Sitz der Grafen und Fürsten zur Lippe. Im 18. Jahrhundert, zur Zeit des Barock, erfolgte der planmäßige Ausbau des kleinen Ackerbürgerstädtchens Detmold zur fürstlichen Residenz. Die seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts angelegten großen Barockgärten (Lustgarten am Schloss, Burggarten am Neuen Palais und der Friedrichstaler Terrassengarten mit Orangerie) belegen den hohen Stellenwert der Gartenkultur am fürstlichen Hofe.

Gebäude und Ausstattung:
Ältester Gebäudeteil des Schlosses ist ein mächtiger Rundturm aus dem 13. Jahrhundert. Aus der Burg entstand Mitte des 16. Jahrhunderts das eindrucksvolle Weserrenaissanceschloss. 1673 erfolgte die Vollendung als Vierflügelanlage mit einem frühbarocken Flügel im Südwesten. Bis auf die Renaissancefassade mit dem Haupteingang am Schlossplatz wurde das Schloss zu Beginn des 18. Jahrhunderts umfassend barockisiert.

Art der Grünanlage:
Historische Platzanlage.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:
Die Bezeichnung als Schlossplatz für die heutige Grünanlage kommt von der ehemaligen Funktion als Aufmarsch- und Exerzierplatz. Der eigentliche herrschaftliche Schlosspark war ein barocker Lustgarten mit Orangerie nordöstlich vom Schloss. Er wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch den Damm der Eisenbahn zerstört und im Laufe der Zeit bebaut.

Das Schloss mit den Resten der Befestigung, dem breiten Wassergraben und dem etwa 2 Hektar großen Schlossplatz nimmt gut ein Viertel der historischen Altstadt von Detmold ein. An der Stelle des Schlossplatzes lag ursprünglich der Wirtschaftshof der mittelalterlichen Burganlage. Als Sitz der obersten Regierungsbehörde entstand am südlichen Abschluss des Wirtschaftshofes um 1665 mit dem Dikasterialgebäude der erste Verwaltungsbau des Landes. 1736 wurde der Wirtschaftshof vor die Tore der Stadt ins Johannettental verlegt. Graf Simon August zur Lippe beabsichtigte erst 1773, die unansehnlichen Ökonomiegebäude abzubrechen und den Platz neu zu bebauen. Nach unterschiedlichen Planungen zur Entfestigung des Schlosses und zur Neugestaltung des Schlossplatzes wurde die Gesamtanlage von 1781 ­-­ 1800 nach Entwürfen des lippischen Landbaumeisters Christian Teudt ausgeführt. Nachdem der Wall und der Wassergraben vor der Hauptfassade des Schlosses beseitigt wurden, umgrenzte man den Schlossplatz unter Einbeziehung des Dikasterialgebäudes an drei Seiten durch langgestreckte Bauten in klassizistischen Formen. Es entstanden ein Reithaus (heute Stadthalle), ein Marstall (heute Rathaus II), zwei Remisen sowie insgesamt acht Pavillons. Der Zugang zum Platz wurde durch zwei Tore gesichert. Während das Rote Tor am nördlichen Zugang nicht mehr erhalten ist, bildete das imponierende spätbarocke Gittertor an der Langen Straße den Haupteingang. Vor den Toren postierte Wachen sicherten damals den Zugang auf den Schlossplatz. Er war aber im allgemeinen für die Öffentlichkeit zugänglich. Als einziges gärtnerisches Element existierte zu dieser Zeit auf dem Schlossplatz die sogenannte "Esplanade", eine fünfreihige Baumpflanzung mit insgesamt 78 Kastanien. Sie wurde im Bereich der Reithalle und des Marstalls als Promenade genutzt.

Um 1800 galt das gartenkünstlerische Interesse des lippischen Fürstenhauses zuerst der gärtnerischen Gestaltung der ehemaligen Befestigungsanlagen und Bastionen des Schlosses. Aus dieser Zeit hat sich auf dem nördlichen Rondell ein kreuzförmiger Laubengang aus Hainbuchen erhalten. Eine Beschreibung der Schriftstellerin Malwida von Meysenbug deutet die Funktion der Wallgärten in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts an: Ihr altes Schloss ... war von Gärten umgeben, die auf den alten Wällen gepflanzt waren, und diese umschloss einer breiter Graben, auf dem Enten und Schwäne friedlich hausten. Von der öffentlichen Promenade aus konnte man die fürstliche Familie in diesen Gärten spazierengehen sehn, aber niemals setzte ein Mitglied derselben einen Fuß in die Straßen der Stadt.

Die gärtnerische Ausgestaltung des Schlossplatzes begann erst während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist noch heute in ihren Grundzügen erkennbar. Bis 1833 entstanden nach einem Plan des Plantagenmeisters Johann Ludolph im südlichen und westlichen Bereich zwei unregelmäßig gestaltete Rasenflächen und Gehölzpflanzungen vor den hohen Mauern der ehemaligen Schlossbefestigung. Die Mitte des Schlossplatzes wurde freigelassen und an den Rand der größeren Rasenfläche ein barocker Muschelbrunnen aus dem Terrassengarten in Friedrichtsthal aufgestellt. Durch die Verwendung von verschiedenen Zwiebel- und Knollenpflanzen, Stauden, Rosen, Sträuchern und Bäumen erhielt die Anlage eine vielfältige und artenreiche Bepflanzung, zumal auch die bisherige "Esplanade" durch eine dreireihige Pflanzung aus 39 Tulpenbäumen ersetzt wurde. Einige der damals auf dem Schlossplatz angepflanzten Bäume sind noch heute vorhanden.

In der 2. Hälfte des Jahrhunderts erhielt der Schlossplatz mit der Beseitigung der bis dahin offenen Platzmitte seine bis heute prägende Grundstruktur. Seit dieser Zeit bestimmen große abgerundete Rasenflächen mit Baumgruppen, Gehölzen und Zierbeeten die Anlage. Diese als "Pleasureground" bezeichnete Gestaltung ist häufig an adeligen Wohnsitzen des 19. Jahrhunderts zu finden. Kurioserweise wurden die 1833 gepflanzten Tulpenbäume der "Esplanade" schon 50 Jahre später wiederum durch Kastanien ersetzt. Eine damals wichtige Sichtachse, die vom Haupteingang an der Langen Straße bis zum Schloss reichte, ist in der nachfolgenden Zeit zugewachsen.

Zum Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt der Schlossplatz weitere pflanzliche und architektonische Ausstattungselemente. 1901 entstand der große Springbrunnen vor dem Schloss. Zur besseren Trinkwasserversorgung schenkte Graf Ernst zur Lippe-Biesterfeld der Stadt die Berlebecker Quellen. Als Gegenleistung legte die Verwaltung das Wasserbecken mit der Fontäne an. Dem Schmuckbedürfnis der Jahrhundertwende entsprach die Gestaltung der Flächen vor dem Schloss mit aufwendig bepflanzten Teppichbeeten, Einfassungen aus Rosengirlanden und aufgestellten Kübelpflanzen wie Orangen und Palmen. Vor dem ältesten Gebäudeteil des Schlosses, dem mittelalterlichen Rundturm, legte man auf einer kleinen Rasenfläche eine Schmuckbeetpflanzung in Form der Lippischen Rose an. Aber nicht nur das direkte Schlossumfeld wurde verschönert. Hinter dem barocken Gitter des stadtseitigen Haupteingangs stellte man als zusätzlichen Schmuck bepflanzte Kübel mit Lorbeerbäumen auf. Ein 1902 gedruckter Stadtführer hebt den Schlossplatz als größte Zierde der Stadt hervor.

Nach der Jahrhundertwende begann man auch mit dem Aufstellen von Denkmälern auf dem Schlossplatz. Zwischen dem Muschelbrunnen und der "Esplanade" wurde ein Denkmal für die 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg gefallenen lippischen Soldaten errichtet. Spenden von lippischen Bürgern finanzierten im Jahre 1907 das gegenüber vom Roten Tor aufgestellte Denkmal des Grafregenten Ernst zur Lippe-Biesterfeld. Die Büste des Komponisten Johannes Brahms - er wirkte zeitweilig als Hofmusikdirektor in Detmold - ist erst in den späten 1950er Jahren gegenüber des barocken Tores placiert worden.

Der 2. Weltkrieg brachte eine deutliche Zäsur in der Entwicklungsgeschichte des Schlossplatzes. Das Erscheinungsbild wandelte sich auffallend. Die bis dahin zahlreich aufgestellten exotischen Kübelpflanzen waren im Winter erfroren und die aufwendige Wechselbepflanzung der Teppichbeete unterblieb. In den 1950er Jahren wurde die Zufahrt gegenüber vom Landestheater erheblich verändert. Nach der Entfernung des Roten Tores gestaltete man diesen Bereich neu. Ohne Rücksicht auf das seit fast 200 Jahren gewachsene Erscheinungsbild des Schlossplatzes, wurde in den 1960er Jahren die dreireihige Kastanienallee der "Esplanade" fast vollständig beseitigt. Selbst die öffentliche Meinung hält zu dieser Zeit eine grundlegende gärtnerische Neugestaltung des Platzes für wünschenswert. Die geringe Wertschätzung für historische Grünanlagen findet in den 1970er Jahren mit dem Ausbau des Wegesystems seinen Ausdruck. Bis auf kleine Restbestände an der Schlossauffahrt ist das alte Bruchsteinpflaster entfernt und durch unpassende sechseckige Betonformsteine ersetzt worden. Zudem veränderten falsche Neuanpflanzungen von Bäumen und Sträuchern das historische Bild der Anlage.

Heutiger Zustand / Nutzung:
Die Wallgärten werden ausschließlich von den Bewohnern des Schlosses und ihren Gästen genutzt. Aus dem historischen Schlossplatz ist heute eine stark frequentierte Grünanlage geworden. Ein 1993 erstelltes Parkpflegekonzept erläutert präzise die erforderlichen Maßnahmen zur attraktiveren Gestaltung und besseren Nutzung der Anlage. Der historische Schlossplatz verdient als Gartendenkmal eine weitaus größere Aufmerksamkeit als bisher.

Weitere Abbildungen:
Westfalia Picta, Band X, Seite 218 - 230

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1912): Blatt 4019, Detmold. Kartierung 1910, Herausgegeben 1912, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.
  • Ehrig, Christhard (1993): Denkmalpflegerische Parkentwicklungsplanung und Parkpflegewerk Schlossplatz Detmold. Bielefeld.

Literaturangaben

  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
  • Schopf, Regine von (1988): Barockgärten in Westfalen. Worms.
  • Schmitt, Michael / Schuchert, Patrick (2007): Lippe. In: Westfalia Picta, Band 10, Münster.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 124 - 130.
  • Lippe, Traute Prinzessin zur (1987): Parkanlagen in Detmold gestern und heute. I. Der Lustgarten. In: Heimatland Lippe 7/1987, Detmold, Seite 218 - 221.
  • Lippe, Traute Prinzessin zur (1987): Parkanlagen in Detmold gestern und heute. II. Der Schlossplatz. In: Heimatland Lippe 8/1987, Detmold, Seite 247 - 253.
  • Harms, Harry (1980): Gehölze in den Parkanlagen von Lippe - Schlossgarten Detmold. In: Lippische mitteilungen für Geschichte und Landeskunde Band 49/1980, Detmold, Seite 257 - 261.
Externe ID: LWL-GUP00173
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Geländebegehung/-kartierung
  • Archivauswertung
  • mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
  • Auswertung historischer Karten
  • Auswertung historischer Fotos
Touristische Bedeutung: hoch - ist einen Umweg wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1800 - 1833
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10033392


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2008: Schlossplatz Detmold
2008: Schlossplatz Detmold
2002: Schlossplatz Detmold
2000: Schlossplatz Detmold
1998: Schlossplatz Detmold
1910: Detmold
1902: Schloss und Schlossplatz Detmold
Detmold, Schlosspaltz