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Schloss Schötmar, Bad Salzuflen
 

Der schwedische und kurhessische Staatsminister August Moritz Abel Plato von Donop ließ das Schloss ab 1729 als Herrenhaus des Rittergutes Schötmar erbauen. Nach wechselnden Besitzern wurde die Anlage 1831 Sitz der Familie von Stietencron. Johann von Stietencron, genannt Iwan, ein Studienfreund des Reichskanzlers Bismarck, war Präsident der lippischen Ritterschaft und Mitglied des lippischen Landtages. Ab 1909 wurde das Gebäude durch mehrere Um- und Anbauten erweitert. Der große Wintergarten am östlichen Seitenflügel und der 1913 angebaute, von vier Säulen getragene Balkon an der südlichen Auffahrt des Hauses sind Zeugnisse dieser Zeit. Eine Zufahrt führte ursprünglich von der Nordseite des Parks durch eine Lindenallee zum nördlichen Eingang des Gebäudes. 1949 gingen Schloss und Park in das Eigentum der Stadt über. Das Schloss wird heute als Musikschule der Stadt Bad Salzuflen genutzt.

Externe ID: T-P363N403-20080211-0002
Erfassungsdatum: 11.02.2008
Kategorie: Staats- und Herrschaftswesen
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt: Untergeordnete Objekte:






1999: Schlosspark Schötmar

Zugehöriges Objekt

Schlosspark Schötmar, Bad Salzuflen (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit:

Stadt Bad Salzuflen, 32108 Bad Salzuflen; der Park ist öffentlich zugänglich.

Naturräumliche Situation, Lage und Größe:

Weserbergland/Lipper Land, am südlichen Stadtrand der Altstadt von Schötmar; Größe etwa 5,5 Hektar.

Allgemeine Angaben zur Geschichte:

Der schwedische und kurhessische Staatsminister August Moritz Abel Plato von Donop ließ das Schloss ab 1729 als Herrenhaus des Rittergutes Schötmar erbauen.

Die Nachkommen des Erbauers mussten wegen zu großer Schulden das Schloss gegen Ende des 18. Jahrhunderts verkaufen. Nach wechselnden Besitzern wurde die Anlage 1831 Sitz der Familie von Stietencron. Johann von Stietencron, genannt Iwan, ein Studienfreund des Reichskanzlers Bismarck, war Präsident der lippischen Ritterschaft und Mitglied des lippischen Landtages.

Ab 1909 wurde das Gebäude durch mehrere Um- und Anbauten erweitert. Der große Wintergarten am östlichen Seitenflügel und der 1913 angebaute, von vier Säulen getragene Balkon an der südlichen Auffahrt des Hauses sind Zeugnisse dieser Zeit. Eine Zufahrt führte ursprünglich von der Nordseite des Parks durch eine Lindenallee zum nördlichen Eingang des Gebäudes.

1949 gingen Schloss und Park in das Eigentum der Stadt über. Das Schloss wird heute als Musikschule der Stadt Bad Salzuflen genutzt.

Gebäude und Ausstattung:

Ab 1729 wurde das spätbarocke Schloss erbaut. Sehenswert sind die reich ausgestatteten Innenräume des Rokokos mit einem stilvollen Festsaal. Die repräsentative Südfront des Hauses war ursprünglich von einer 2 m­­ hohen Mauer umgeben. Sie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch ein kunstvolles Tor mit einer Einfriedung aus Eisengittern ersetzt. Nachdem das Schloss und der Park 1949 in städtisches Eigentum übergingen, entfernte man die Einfriedung und damit die Trennung des Gebäudes vom Straßenraum. Gegenwärtig ­ führt die Schloßstraße direkt an der Südwestecke des Hauses vorbei.

Art der Grünanlage:

Historischer Schlosspark mit umgestalteten Bereichen.

Entstehungs- / Entwicklungsgeschichte:

Die Entstehungszeit des Schlossparks lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Ein historischer Lageplan von 1775 zeigt nördlich des Hauses einen regelmäßig gestalteten Blumen- und Lustgarten. Zeitgenössische Schriftquellen erwähnen außerdem mehrere Alleen sowie einen Küchen- und Obstgarten. Noch aus der Entstehungszeit des Parks stammen vermutlich die mächtigen alten Bäume auf der großen Wiese. Beachtenswert sind besonders ein Spitzahorn und eine Esskastanie. Beide Bäume haben einen beträchtlichen Stammumfang von jeweils 4,50 ­m.

Die zweite Entwicklungsphase des Parks war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Johann von Stietencron ließ 1867, nach Streitigkeiten mit der evangelischen Kirchengemeinde Schötmar, im Park eine eigene Familienkapelle mit Mausoleum errichten. Wohl zur gleichen Zeit wurde die zum Mausoleum führende Eichenallee gepflanzt. Zusammen mit seiner Frau Catharina, genannt Cathinka, erweiterte er den Park fast bis auf die heutige Größe. Ebenso zeigte ihr Sohn Iwan Friedrich eine besondere Vorliebe für den Park und ließ wie seine Eltern seltene Bäume anpflanzen. Zahlreiche seltene, oftmals vor mehr als 100 Jahren gepflanzte Laubbäume und Koniferen, bestimmen seitdem das Bild des Landschaftsparks. Iwan Friedrich stellte den Schlosspark auch den Schötmarer Bürgern für gelegentliche Feste zur Verfügung. Nach dem Tod von Cathinka im Jahre 1910, sie überlebte ihren Gatten um 37 Jahre, vermachte sie dem Schlossgärtner als Ausdruck ihrer hohen Wertschätzung seiner Leistungen einen größeren Geldbetrag.

Die baulichen Veränderungen am Schloss bewirkten auch weitere Umgestaltungsmaßnahmen im Park. Bis 1913 erfolgte die Hauptzufahrt zum Herrenhaus aus nördlicher Richtung durch einen schnurgeraden Weg, der mit einer Lindenallee gesäumt war. Der Weg und die Allee sind heute ebenso wie ein gemauerter Freisitz mit darunterliegendem Eiskeller nicht mehr vorhanden. Ebenfalls nicht mehr erhalten hat sich ein großes Wasserbecken, das ursprünglich als Freibad genutzt werden sollte. 1933 ließ der damalige Schlossherr in Höhe des Mausoleums nahe an der Parkmauer eine Solequelle erbohren, um das Quellwasser direkt in das Becken zu leiten. Heute ist diese Stelle in der Parkmauer mit einem ovalen Durchblick gekennzeichnet.

Beim Erwerb des Schlossgeländes im Jahre 1949 verpflichtete sich die Stadt, den Park als öffentliche Anlage zu pflegen und das Mausoleum mit dem kleinen Friedhof der Familie von Stietencron in einem würdigen Zustand zu erhalten. Nach Ansicht des damaligen Stadtrates sollte der Schlosspark den Einwohnern als "Volkspark" zur Ruhe und Entspannung dienen. Das Schlossgebäude musste als "Beigabe" mit übernommen werden. Gleich im Frühjahr 1950 begann man mit der Umgestaltung der Anlage als Bürgerpark. Ein intensiv gestalteter Bereich entstand südlich vom Schloss. Als botanischer Schaugarten sind ein artenreicher Staudengarten und ein Heidegarten mit zahlreichen Moorbeetpflanzen angelegt worden. Unmittelbar am Schloss werden die Themengärten durch einen Rosengarten vervollständigt, dessen geometrische Beete mit regelmäßig geschnitten Buchsbaumhecken umgrenzt sind.

Heutiger Zustand / Nutzung:

Die ab 1950 geschaffene Struktur bestimmt noch heute das Bild des Parks. Vom Marktplatz aus wurde ein neuer dekorativer Haupteingang geschaffen. Im nördlichen Parkbereich wurde der inzwischen verwilderte Baumbestand ausgelichtet, großzügige neue Rasenflächen angelegt und die Randbereiche mit Gehölzen und Stauden bepflanzt. Der südwestliche Parkteil im Bereich des Mausoleums hat heute eher den Charakter eines kleinen Wäldchens. Aus dem einstmals herrschaftlichen Lustgarten ist heute eine innerstädtische Parkanlage geworden, die auch für öffentliche Veranstaltungen und Konzerte genutzt wird. In Teilbereichen steht die Nutzungsintensität für solche Veranstaltungen im Konflikt mit der Erhaltung der Parksubstanz.

Quellenangaben

  • Königlich Preußische Landesaufnahme 1:25000 - Neuaufnahme (1910): Blatt 3918, Bad Salzuflen (Salzuflen). Herausgegeben 1910, Berlin. Neuherausgegeben Geobasis NRW, Köln.

Literaturangaben

  • Maoro, Ernst (1986): Schloss Stietencron in Bad Salzuflen. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Seite 15 - 18, Seite 15 - 18.
  • Bufe, Thomas (2000): Gartenreise - Ein Führer durch Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe. Münster, Seite 108 - 111.
  • Harms, Harry (1980): Gehölze in den Parkanlagen von Lippe - Schlosspark Schötmar. In: Lippische Mitteilungen für Geschichte und Landeskunde, Band 49, Detmold, Seite 199 - 214.
  • Wallbaum, Kurt (1988): Rittergut und Schloss Schötmar 1664 - 1985. Eín Beitrag zur Ortsgeschichte in Wort und Bild. Lippische Heimatbücher : Geschichtliche Reihe, Detmold.
  • Matzner, Florian / Schulze, Ulrich (1995): Barock in Westfalen - Ein Reiseführer. 1. Auflage, Münster, Seite 46.
  • Bufe, Thomas / Neuling, Walter et al. (2002): Garten-Landschaft OstWestfalenLippe. Dokumentation bedeutender Park- und Gartenanlagen im Regierungsbezirk Detmold. Beiträge zur Landschafts- und Baukultur in Westfalen-Lippe. Band 3.2: Kreis Lippe. Zugleich CD-ROM, Münster.
Externe ID: LWL-GUP00161
Erfassungsdatum: 01.01.2000
Kategorie: Schlosspark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Literaturauswertung
  • Auswertung historischer Karten
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: Keine Angabe
Historischer Zeitraum: ab 1729 - 1775
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10032283





1999: Schlosspark Schötmar
1998: Schlosspark Schötmar
1999: Schlosspark Schötmar
1910: Bad Salzuflen