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Freizeitpark und Haus Pröbsting, Borken-Hoxfeld
 

Westlich der Stadt Borken, im Stadtteil Hoxfeld, liegen der Freizeitpark und das Haus Pröbsting. Hier verbinden sich Geschichte und Gegenwart zu einem interessanten Ausflugsgebiet mit vielfältigen Erholungsangeboten. Von Naturbeobachtung und Entspannung über Wassersport und Spiel bis zur literarischen und kunstgeschichtlichen Spurensuche. Besonders reizvoll sind die Seen im Freizeitpark, die Gräften um die historische Anlage und der alte Baumbestand. Das Herrenhaus wird derzeit als Tagesklinik genutzt. Innenhof und Garteninsel sind trotzdem öffentlich zugänglich.

Externe ID: T-P363L301-20080618-0001
Erfassungsdatum: 18.06.2008
Kategorie: Siedlung
Datenherkunft: Redaktion


Übergeordnetes Objekt: Untergeordnete Objekte:






2006: Freizeitpark am Haus Pröbsting

Zugehöriges Objekt

Freizeitpark und Haus Pröbsting, Borken-Hoxfeld (Kulturlandschaft)

 

Eigentümer und Zugänglichkeit
Stadt Borken; der Freizeitpark ist öffentlich zugänglich. Das Herrenhaus wird privat genutzt. Innenhof und die Garteninsel sind jederzeit frei zugänglich.

Naturräumliche Situation und Lage
Westfälisches Tiefland - Westmünsterland; 5 km westlich von Borken im Ortsteil Hoxfeld.

Allgemeine Angaben zur Geschichte
Der Name Pröbsting leitet sich von Propst ab, denn das Haus war ursprünglich ein Propsteigut des Stiftes Vreden. Haus Pröbsting wird bereits 1221 urkundlich erwähnt, der damalige Bewohner und Propst war ein Ritter, wahrscheinlich ein Angehöriger des Geschlechts derer von Gemen, die 1280 als Verwalter des Gutes genannt werden. 1345 erhält Goswin von Gemen die Erlaubnis, das Haus zu befestigen, nachdem er dem Bischof gegenüber eine machtpolitische Niederlage hinnehmen musste. Teile dieses ersten mittelalterlichen Steinbaus sind noch im Süden des heutigen Herrenhauses zu erkennen, es ist damit der älteste nachweisbare profane Ziegelbau im Münsterland. Das damalige Gebäude hatte je einen kleinen und einen großen Saal auf zwei Stockwerken und war unterkellert. Das bis zu zwei Meter starke Mauerwerk ist noch heute erhalten. Im 15./16. Jahrhundert verdoppeln die Herren von Gemen die Gräften zum besseren Schutz der Anlage, sie müssen aller Wahrscheinlichkeit nach bereits im 14. Jahrhundert in den Besitz von Haus Pröbsting gelangt sein. Das Herrenhaus lag damals auf einer eigenen Insel, getrennt von der Vorburg mit ihrem Torbau. Nördlich der Burginseln befand sich eine Mühle an der Bocholter Aa, die auch für die Regulierung des Wasserstandes in den Gräften genutzt wurde. Über die Gärten zu dieser Zeit ist nichts bekannt, es wird aber vermutlich Nutzgärten für die Bewohner der Burg gegeben haben.
Um 1550 wird Adolf von Wilich (Wylich) neuer Besitzer des Gutes. Seine Nachkommen erweitern das Herrenhaus bis nahezu auf die heutigen Ausmaße. Gegen 1708 wird die Vorburg erweitert und das Haus bekommt einen kleinen Glockenturm. Anlass hierzu war vermutlich die Ehe des Dietrich von Wilich mit Ermgard von Tengnagel, die auch durch Wappensteine dokumentiert ist. Doch schon 1714 wird der Schwiegersohn der von Wilich, Georg Bernhard von Keppel, Besitzer des Hauses und der Ländereien. Ihm folgt Mitte des 18. Jahrhunderts ein Herr von Morrien zu Horstmar und diesem Anfang des 19. Jahrhunderts der königliche Landrat Karl Georg von Basse, jeweils durch Heirat der Töchter. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Sagen, die Haus Pröbsting betreffen. Angeblich wurde damals ein Fluch ausgesprochen, der noch bis in das 20. Jahrhundert gewirkt haben soll. Erst mit dem Einsturz eines Teils des Haupthauses 1974 soll der Fluch gebannt gewesen sein. Andere Geschichten ranken sich um geisterhafte Personen auf Pröbsting.

Die Gärten wurden unter den von Wilich und den von Basse jeweils stark verändert. Um 1700 belegt ein Gemälde, dass es ausgedehnte formale Gärten gab. Südlich der Burg sind auf zwei Inseln Parterres gezeigt, ein einfacheres kleines im Westen und östlich davon ein größeres mit Mittelrondell und Gartenhäuschen. Von diesem Garten ist heute nicht mehr viel zu erkennen, nur die Form des Parkplatzes im Süden zeichnet die historischen Linien der Parterres nach. Hinter dem Gartenhäuschen im Osten schloss ein Bosquet an. Die Anlage schien nicht auf die Mittelachse des Herrenhauses ausgerichtet zu sein, was vermuten lässt, dass es sich um eine Überplanung und gegebenenfalls Erweiterung alter Garteninseln handelte. Unter von Basse erfolgte eine Umgestaltung zum Landschaftspark, dem Stil der Zeit entsprechend. Aus dieser Zeit sind einige Einzelbäume erhalten und die geschlängelte Wegeführung lässt sich stellenweise noch erkennen. Bei beiden Anlagen ist nicht bekannt, wer die Gestalter waren. Es liegen auch keine Pläne vor, die genauere Beschreibungen der beiden großen Gartenanlagen zuließen.

Mitte der 1870er Jahre bezieht Baron Stach von Golzheim, der Enkel des Landrats von Basse, nach langen Erbauseinandersetzungen Haus Pröbsting. Aus dieser Zeit stammt die Geschichte von einer weißen Dame, die um Mitternacht mit ihrem Sonnenschirm umherwandert. 1879 wird seine Tochter, die spätere Dichterin Ilse von Stach geboren, die in ihrem Roman "Haus Elferding" das Leben auf Pröbsting beschreibt. Aufgrund der Ausgleichszahlungen an andere Erben ist der Baron jedoch gezwungen, erst einige Teile des Besitzes zu veräußern und 1895 schließlich das Herrenhaus mit den restlichen Ländereien an den Grafen von Landsberg-Velen zu verkaufen. Das Haus wird danach vom gräflichen Verwalter Heymer bewohnt. Ilse von Stach kommt allerdings nahezu jährlich zu Besuch. Im Garten werden Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Nadelbäume gepflanzt, wie es für die Zeit typisch ist. Zudem sind Anfang des 20. Jahrhunderts ein Krautgarten (Gemüsegarten) und ein Sandgarten beschrieben. In letzterem gediehen Blumen und Obst.

1930 gehen das Haus und Teile der Ländereien an die Barmherzigen Brüder von Montabaur, die im Herrenhaus eine Pflegeanstalt für Epileptiker einrichten. Das Haus und die Vorburg werden im Zuge dessen baulich verändert, und auch eine größere Kapelle wird errichtet. Im Dritten Reich werden die Brüder enteignet, und 1942 erhält der Landwirt Schulze zur Verth das Gut.

1963 kauft der Kreis Borken das Haus mit dem Ziel es als Gemeinschaftseinrichtung im Zentrum einer Freizeitanlage zu nutzen. Erste Instandhaltungsmaßnahmen werden am Gebäude durchgeführt, die Mittel reichen jedoch nicht aus und nach jahrelangem Leerstand und einer Grundwasserabsenkung im Zuge der Aa-Regulierung bricht 1974 ein Teil des Haupthauses zusammen. Nach weiterem Verfall der Anlage kauft 1986 der Unternehmer Herbert Hillebrand das Haus und lässt es in Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden restaurieren. Zunächst zieht die Europäische Umweltakademie ein. Doch erst 1998, nach nochmaligem Umbau, wird hier die Schlossklinik Pröbsting eröffnet.

Beschreibung
Unabhängig vom Haus beginnt 1975 die Entwicklungsplanung für den 280 Hektar großen Freizeitpark durch das niederländische Adviesbüro Arnhem B.V. im Auftrag von Stadt und Kreis Borken. Vorrangiges Ziel der Planung ist der Erhalt des Herrenhauses. Zusätzlich sollen ruhige Erholung, Wassersport an einem neuen See sowie Camping oder Ferienhausnutzung ermöglicht werden. Noch im gleichen Jahr beginnen die ersten Maßnahmen zum Ausbau des Parks. In drei Jahren Bauzeit entsteht ein zehn Hektar großer Stausee, der sich neben seiner Funktion als Rückhaltebecken auch zum Segelsport, Rudern und Surfen anbietet. Am Nordufer und auf einer der Inseln werden Naturschutzmaßnahmen durchgeführt. Westlich wurden ein drei Hektar großer Grundwassersee zum Baden und der angrenzende Campingplatz gebaut. Beide Seen haben Liegewiesen an ihren Ufern und Pflanzflächen, zum Teil mit Rosen und blühenden Sträuchern. Ein Wanderwege-Netz von 11 Kilometern Länge führt um die Seen und durch den Pröbstinger Busch, einen angrenzenden Wald. Eine Besonderheit in diesem Waldstück ist das Vorkommen der Mispel, eines heimischen Obstbaumes aus früheren Zeiten. 1979 wurde die Freizeitanlage feierlich eröffnet und gleich rege genutzt. Nur zwei Jahre später erfolgt die Einweihung des neuen Freizeithauses im äußersten Westen, mit Bewirtschaftung, Mehrzweckraum und Kaminzimmer. Ergänzt wird das Angebot durch eine Minigolf-Anlage, einen Spielplatz und weitere Einrichtungen sowie Sportplätze, Tennishalle, einem Bootsverleih mit Kiosk und ein Reitsportzentrum weiter östlich.



Literaturangaben

  • o. A. (1988): Der Kreis hat ein neues Juwel - Über 400 Gäste bei der feierlichen Einweihung von Haus Pröbsting. In: Borkener Zeitung, Borken.
  • Ulfkotte, Josef (1989): Haus Pröbsting als Heil- und Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder von Montabaur (1939 - 1942). In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1989, Borken, Seite 264 ff.
  • Keizers, Magda (1983): Meine Erinnerungen an Haus Pröbsting. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1983, Borken, Seite 236 ff.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Westfalen (Hrsg.) (2007): Gartenreiches Westmünsterland. Gärten und Parks in den Kreisen Borken und Coesfeld. Steinfurt, Seite 66 - 71.
  • Adviesbureau Arnhem B.V. (1975): Kreis Borken - Erholungsgebiet "Pröbsting", Teil 1: Landschaftliche und infrastrukturelle Inventarisation, Nachfrageberechnung, Ausarbeitung von drei Modelle, Kostenschätzungen und Kosten-Nutzen-Analysen. Arnhem, unveröffentlicht.
  • Bierhaus, August (1994): Haus Pröbsting - Eine bisher unbekannte Ansicht aus der Zeit um 1700. Ahaus.
  • Bogerd, Jan A. (1984): Haus Pröbsting - Seine Werte und ein Plan zu ihrer Wiederherstellung. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1984, Borken, Seite 131 ff.
  • Schmiing, Josef (1981): Erholungsanlage Pröbsting um ein Freizeithaus bereichert. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1981, Borken, Seite 33 ff.
  • Richters, Alois (1988): Die Restaurierung des Hauses Pröbsting. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1988, Borken, Seite 95 ff.
  • Rickert, Hans (1979): Eröffnung der Erholungsanlage Pröbsting. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1979, Borken, Seite 47 ff.
  • Kopp, Arnold (1977): Erholungsmaßnahme Pröbsting. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1977, Borken, Seite 54 ff.
  • Dehio, Georg (1969): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Teil Westfalen. Darmstadt, Neuaufl.
  • Altemeier, Werner (1986): Über das Vorkommen von Mespilus germanica L. im Pröbstingbusch bei Borken. In: Unsere Heimat - Jahrbuch des Kreises Borken, 1986, Borken, Seite 66 ff.
Externe ID: LWL-GUP00450
Erfassungsdatum: 18.10.2007
Kategorie: Volkspark, Stadtpark
Erfassungsmaßstab: keine Beschränkung
Erfassungsmethode:
  • Geländebegehung/-kartierung
Touristische Bedeutung: mittel - ist einen Abstecher wert
Naturnähe: verändert/beeinflusst
Historischer Zeitraum: ab 1700
Datenherkunft: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Seiten-URL: https://www.lwl.org/geodatenkultur/objekt/10031400





2006: Freizeitpark Pröbstinger See
2005:
2005: Freizeitpark Pröbsting See
2006: Freizeitpark Pröbstinger See
2005: Freizeitpark Pröbstinger See
2005: Freizeitpark Pröbstinger See
2005: Freizeitpark Pröbstinger See
2005: Bocholt