Treffen der westfälischen DNK-Denkmalpreisträger

am 18. Mai 2016 in Petershagen-Frille (Kreis Minden Lübbecke)

Zu ihrem neunten Jahrestreffen kamen am Mittwoch (18.5.) auf dem Mühlenbauhof in Petershagen-Frille (Kreis Minden-Lübbecke) die westfälisch-lippischen Preisträger des „Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz“ (DNK) zusammen. Auf Initiative des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) treffen sich seit 2008 die vom DNK ausgezeichneten ehrenamtlichen Denkmalpfleger einmal im Jahr in Westfalen zum Erfahrungsaustausch.

„Die rund 40 restaurierten Wind-, Wasser- und Rossmühlen im Mühlenkreis Minden-Lübbecke zeigen eindrucksvoll, wie bedeutend Baudenkmäler für das Bild und die Identität einer Region sein können. Sie sind damit auch ein Beleg dafür, dass ein Engagement im Bereich der Denkmalpflege nicht ausschließlich ökonomische Werte schafft bzw. zu erhalten hilft“, sagte LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens. Er betonte, dass die Bereitstellung von Fördermitteln trotz der in erster Linie ideellen Ausrichtung ehrenamtlichen Handelns dennoch eine wesentliche Grundlage für dessen Erfolg darstellt: „Denkmalpflege ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Pflege und Erhaltung wertvollen Kulturgutes durch ehrenamtlich tätige Bürger, die sich in Stiftungen, Fördervereinen oder einfach als Privatpersonen für den Erhalt unseres historischen Kulturgutes engagieren, ist hierzu ein wesentlicher und besonders wertvoller Beitrag. Aber bürgerschaftliches Engagement ist auf staatliche Unterstützung angewiesen", so Mertens. Er kritisierte deshalb erneut, dass das Land Nordrhein-Westfalen 2014 die direkte Denkmalförderung weitgehend durch Darlehnsprogramme ersetzt hatte.

„Die Arbeit unserer vielen Ehrenamtlichen im Mühlenverein ist vorbildlich, denn der Erhalt und die Pflege unserer Mühlen geht einher mit der Vermittlung ihrer Geschichte“, lobte Dr. Ralf Niermann, Landrat und 1. Vorsitzender des Mühlenvereins. „Durch das facettenreiche Veranstaltungsangebot werden die Zeitzeugen unserer Mühlengeschichte zu lebendigen Orten. Dieses ganzheitliche Nutzungs- und Pflegekonzept hilft, dass sich auch unsere jüngere Generation frühzeitig mit den historischen Spuren ihres Lebensumfeldes auseinandersetzt “, ergänzte Petershagens Bürgermeister Dieter Blume. Für sein Engagement wurde der Verein 2011 mit dem Deutschen Denkmalpreis - der Silbernen Halbkugel - offiziell ausgezeichnet.

Vereinsgeschäftsführer Friedrich Rohlfing sagte: „Wir sind stolz darauf, in diesem Jahr die Gastgeber zu sein und dem Netzwerk der Preisträger die historische Kulturlandschaft des Mühlenkreises vorstellen zu dürfen. Wir werben damit auch für die touristischen Potenziale Ost-Westfalen-Lippes.“ In der Präsentation stellte Friedrich Rohlfing eindrucksvoll die geographische Lage der Westfälischen Mühlenstraße und die aktive Denkmalpflege der Mühlenerhaltung durch den Mühlenbauhof dar. Die Teilnehmer trafen sich zunächst im LWL-Industriemuseum der Glashütte Gernheim in Petershagen, um sich über den aktuellen Stand ihrer Projekte auszutauschen. Im Anschluss erhielten sie eine Führung durch den Mühlenbauhof und besuchten die Wassermühle in Petershagen-Döhren sowie die Windmühle in Petershagen-Heimsen.

„Der Zusammenschluss der westfälischen DNK-Preisträger ist in Deutschland einmalig. Er macht deutlich, dass die Erhaltung der Denkmäler ein gesellschaftliches Anliegen ist und in Westfalen zu vorbildlichem Engagement motiviert. Wir sind froh, mit unseren Jahrestreffen einen wichtigen Beitrag zur Kultur der Anerkennung leisten zu können", so LWL-Denkmalpflegerin Dr. Barbara Pankoke, die für die Netzwerktreffen verantwortlich ist. „Damit möchten wir unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen und für das ehrenamtliche Engagement in der Denkmalpflege werben."


Die Westfälischen DNK-Preisträger und LWL-Experten der Denkmalpflege trafen sich in Minden-Lübbecke. Foto: LWL/Schwalm

Hintergrund: „DNK-Preis“
Die „Silberne Halbkugel" und der „Karl-Friedrich-Schinkel-Ring" gelten als höchste deutsche Auszeichnungen für besondere ehrenamtliche Verdienste im Denkmalschutz. Die Preise werden vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz in Bonn (DNK) vergeben. Das 1973 gegründete DNK ist in Deutschland das übergreifende Forum für Denkmalschutz und Denkmalpflege. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Bau- und Bodendenkmale als wichtiges Kulturerbe für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Hintergrund: „Der Mühlenverein im Kreis Minden-Lübbecke e. V. “ „Deutschlands größtes Freilichtmuseum liegt in Minden-Lübbecke“, so werden die Mitglieder des Mühlenvereins zitiert. Im Kreis Minden-Lübbecke haben ungewöhnlich viele Mühlen das sogenannte "Mühlensterben" ab ca. 1920 überlebt, drohten aber dennoch zu verfallen. 1973 entwickelten der damalige Kreisheimatpfleger und der amtierende Oberkreisdirektor einen Plan. Gemeinsam gelang es den beiden späteren „Mühlenvätern" Fördermittelgeber, Politik und Verwaltung auf kommunaler sowie auf Landesebene, Mühlenbesitzer, Kulturgemeinschaften und Heimatvereine für das große Projekt Mühlenrettung zu gewinnen. In Gang gesetzt wurde ein einzigartiges Mühlenerhaltungsprogramm, mit dem bis heute ca. 40 Wind-, Wasser und Rossmühlen im gesamten Kreisgebiet restauriert wurden und unterhalten werden. Als Denkmale zeigen sie die Entwicklung des Mühlenwesens von ca. 1650 bis 1950. Der Mühlenverein im Kreis Minden-Lübbecke e.V. ist verantwortlich für die Instandhaltung und Vermittlung der Mühlen und hat für dieses Engagement im Jahr 2011 den Deutschen Preis für Denkmalpflege (Silberne Halbkugel) erhalten.


Fotos: LWL/Schwalm