DNK-Preisträger auf Schloss Horst

8. Treffen der Preisträger aus Westfalen am 21. Mai 2015

Mit seiner Netzwerkarbeit möchte der LWL seine Anerkennung und Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement im Bereich der Denkmalpflege zum Ausdruck bringen.

Das diesjährige Treffen fand am 21. Mai in Gelsenkirchen statt und hat insbesondere das Engagement des Fördervereins Schloss Horst gewürdigt. Die Preisträger des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK) in Westfalen-Lippe haben sich vor einigen Jahren auf Initiative der LWL-Denkmalpflege für Westfalen-Lippe zu einem Netzwerk zusammengeschlossen.

"Das Land Nordrhein-Westfalen muss seine Fördermittelpolitik unbedingt überdenken, um Vereine und Stiftungen bei ihrer freiwilligen Arbeit zu unterstützen. Gerade in dieser Hinsicht haben die seit 2013 bestehenden Darlehensangebote des Landes im Bereich der Denkmalpflege komplett versagt." So bewertete Dr. Holger Mertens, kommissarischer Leiter der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, die aktuelle Denkmalpflegepolitik anlässlich des diesjährigen Treffens. "Unsere Denkmäler sind auf das Verantwortungsbewusstsein unserer Gesellschaft angewiesen. Nur durch den Einsatz vieler Engagierter können heute Denkmäler erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", so Mertens weiter. Die Kritik am aktuellen Fördersystem wurde von Beate Düster von der Unteren Denkmalbehörde Gelsenkirchen mit konkreten Beispielen aus der Praxis untermauert. Mit ihrem Vortrag "Denkmäler in Not" zeigte sie Denkmäler, die nur durch Fördermittel und durch ehrenamtliches Engagement gerettet werden konnten.

Die Westfälischen DNK-Preisträger und LWL-Experten der Denkmalpflege trafen sich im Schloss Horst in Gelsenkirchen. Foto: LWL/Schwalm

"Dem großen bürgerschaftlichen Engagement unseres Fördervereins verdanken wir, dass das überregional bedeutende Renaissance Schloss mit seinen museumspädagogischen Angeboten heute ein attraktiver öffentlicher Kultur- und Begegnungsort geworden ist", lobte Bürgermeister  Werner Wöll. "Ohne den Förderverein wäre dieses bedeutende Kulturzeugnis weiter verfallen." Der schlechte bauliche Zustand des ab 1556 erbauten Schlosses und die letzte Nutzung als Diskothek veranlassten 1985 Horster Bürger, sich zusammenzuschließen, um das Denkmal zu retten. Diese Initiative wurde 1993 mit dem Deutschen Denkmalpreis - der Silbernen Halbkugel - offiziell gewürdigt.

Der Fördervereinsvorsitzenden Wolf R. Hoffmann sagte: "Wir sind stolz darauf, in diesem Jahr die Gastgeber zu sein und dem Netzwerk der Preisträger auch unsere Ausstellung 'Eine Renaissance-Baustelle erwacht zu neuem Leben‘ zu präsentieren. Wir möchten den Impuls setzen, die kulturelle Bildungsarbeit noch stärker im Ehrenamt zu verankern, um die Werte unserer Denkmäler zu vermitteln." Der Leiter der DNK-Geschäftsstelle, Dr. Oliver Karnau, fügte hinzu: "Wir bewahren unser baukulturelles Erbe nicht nur für uns, sondern auch für nachfolgende Generationen. Der Zusammenschluss der westfälischen DNK-Preisträger ist in Deutschland einmalig. Er macht deutlich, dass die Erhaltung der Denkmalobjekte ein gesellschaftliches Anliegen ist und in Westfalen zu vorbildlichem Engagement motiviert."

"Wir sind froh, mit unseren Jahrestreffen einen wichtigen Beitrag zur Kultur der Anerkennung leisten zu können", so LWL-Denkmalpflegerin Dr. Barbara Pankoke, die für die Netzwerktreffen verantwortlich ist. "Damit möchten wir unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen und für das ehrenamtliche Engagement in der Denkmalpflege werben."

Fotos: LWL/Schwalm


Hintergrund: DNK-Preis
Die "Silberne Halbkugel" und der "Karl-Friedrich-Schinkel-Ring" gelten als höchste deutsche Auszeichnungen für besondere ehrenamtliche Verdienste im Denkmalschutz. Die Preise werden vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) vergeben. Das 1973 gegründete DNK ist in Deutschland das übergreifende Forum für Denkmalschutz und Denkmalpflege. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Bau- und Bodendenkmale als wichtiges Kulturerbe für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Hintergrund Schloss Horst
Das Renaissance Schloss Horst erhebt sich an der Stelle einer 1554 durch Brand schwer beschädigten mittelalterlichen Burg im Besitz des Ministerialadelsgeschlechtes von der Horst, das von der Burg Horst auf den Ruhrhöhen im heutigen Stadtgebiet Essen stammte.

Wegen seines damals neuartigen architektonischen Konzepts, der Großzügigkeit seiner regelmäßigen quadratischen Anlage mit mächtigen Ecktürmen sowie der qualitätvollen Bauskulptur und Ornamentik im Stil der Renaissance gilt Schloss Horst trotz enormer Bausubstanzverluste durch Verfall und Abbruch im 19. Jahrhundert heute als wichtigster Renaissancebau des Ruhrgebietes. Darüber hinaus ist es eines der ältesten und bedeutendsten Bauten Westfalens dieses Stils. Seine Bauzier wurde von den Niederlanden beeinflusst und spiegelt eine dekorative Variante des niederländischen Manierismus.