Denkmal-Bereisung

LWL-Direktor Dr. Kirsch besuchte Denkmäler in Westfalen-Lippe um sich vor Ort ein Bild der Situation der Denkmalpflege zu machen

„Meine Reise zu verschiedenen Denkmälern in Westfalen-Lippe hat meine Sorge um die Zukunft von unseren wichtigen Kulturgütern verstärkt.  Bei allen Terminen wurde mir, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Unteren Denkmalbehörden sowie von den LWL-Experten für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, der Eindruck bestätigt, dass die im Denkmalschutzgesetz verankerten Forderungen ohne Fördermittel sehr schwer zu vermitteln sind“, resümierte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch seine Denkmaltour.

"Nach den vielen Diskussionen des vergangenen Jahres zu der aktuellen Förderpolitik des Landes wollte ich mir vor Ort ein Bild von der Situation machen. Als LWL-Direktor und als Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes liegen mir die Denkmäler unserer Heimat am Herzen", ergänzte Dr. Kirsch weiter.

Stellvertretend für viele weitere wichtige Denkmäler hat er vier Objekte besucht. Im Fokus der Bereisung standen Denkmäler, die mit Hilfe von Fördermitteln vorbildlich saniert wurden und deren Bestand für die Denkmallandschaft in Westfalen-Lippe dadurch gesichert werden konnte. Aber auch Denkmäler, deren Zukunft aufgrund fehlender Finanzmittel ungesichert ist.

Dr. Kirsch appellierte an die Landesregierung: „ Sorgen sie für genug Fördermittel für die Denkmalpflege und stellen sie sich so ihrer Verantwortung, wie sie das Denkmalschutzgesetz vorsieht, damit wichtige kulturelle Zeitzeugen für die Menschen in Westfalen-Lippe erhalten bleiben können!“

Anhand der konkret gezeigten Beispiele wurden die Argumente für Direktfördermittel am Objekt nachvollziehbar gemacht. Er rief alle Verantwortungsträger dazu auf  den Blick darauf zu richten, dass die Wirkungsweise von Fördermitteln sehr vielschichtig  sei und das diese Teile einer größeren Wirkungskette seien. Folgende Kernargumente wurden dabei herausgearbeitet:


Fördermittel:

  • dienen als Anschubfinanzierung.
  • stellen einen wichtigen Teil einer Mischkalkulation dar.
  • sind notwendige Komplementärmittel.
  • unterstützen die Volkswirtschaft in Westfalen-Lippe.
  • sind nötig, um nachhaltige Nutzungskonzepte zu entwickeln (Machbarkeitsstudien).                         
  • sind nötig, um schrittweise Sanierungskonzepte zu entwickeln (Schadensanalyse  und Umsetzungsschritte).
  • sind nötig, um denkmalpflegerischen Mehraufwand zu unterstützen.
  • initiieren und unterstützen freiwilliges bürgerschaftliches Engagement.
  • unterstützen das lokale Handwerk und damit
  • die  Bewahrung spezialisierten Wissens im „Denkmalhandwerk“.
  • helfen Denkmäler, als wichtige Basis für den Tourismus in Westfalen-Lippe, zu erhalten.
  • helfen das regionale  Kulturgut zu erforschen und zu bewahren.
  • helfen, die Identität Westfalen-Lippes zu schützen.
  • schaffen die Voraussetzung dafür, die im Denkmalschutzgesetz vorgeschriebenen Verpflichtungen umzusetzen.

Auf Wunsch erhalten Sie einen Ausdruck der Pressereaktionen zur Denkmalbereisung von Herrn Dr. Kirsch. Senden Sie in diesem Fall eine Mail an heike.schwalm@lwl.org






Hintergrund Fördermittelpolitik
Die Landesregierung möchte sich weitestgehend aus der Förderung von denkmalpflegerischen Maßnahmen in Form von direkten Zuschüssen zurückziehen:

1992 wurden noch umgerechnet 35,4 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

2012 waren es nur noch ca. 14 Mio. Euro, wobei die Sonderförderungen für den Kölner Dom und die Wuppertaler Schwebebahn hier mit umfasst sind. Bereinigt wurden nur ca. 11,4 Mio. Euro bereitgestellt. Dies bedeutet einen Rückgang um rund 60 Prozent, obwohl die Zahl der eingetragenen Denkmäler erheblich gestiegen ist.

2013 erfolgte eine weitere Kürzung im Haushalt um 2 Mio. Euro; im Herbst wurden erstmals auch Mittel in Form von Krediten zur Verfügung gestellt.

2014 soll erneut eine drastische Kürzung der Zuschuss-Förderung erfolgen, so dass wohl nur etwa 4 Mio. Euro zur Verfügung stehen; gleichzeitig sollen 60 Mio. Euro an Darlehen bereitgestellt werden, die allerdings nicht nur für Maßnahmen an Baudenkmälern sondern auch für "sonstige erhaltenswerte Bausubstanz" eingesetzt werden können.