6. Westfälischer Tag für Denkmalpflege

Denkmalpflege und Stadtentwicklung

Denkmalpflege und Stadtentwicklung: LWL-Experten blicken auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Städte in Westfalen-Lippe

Das Spannungsfeld "Denkmalpflege und Stadtentwicklung" stand im Mittelpunkt des 6. Westfälischen Tages für Denkmalpflege, den die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen am Donnerstag und Freitag (8. und 9. Mai) im Daniel-Pöppelmann-Haus in Herford veranstaltete. Teilnehmer aus den Bereichen Politik, Denkmalpflege, Stadtplanung, Kultur und Architektur kamen zur Abendveranstaltung am Donnerstag und zur Fachtagung am Freitag, um mehr über die Geschichte und die Baudenkmäler der Städte Westfalen-Lippes zu erfahren.

"Die Städte Westfalen-Lippes stehen derzeit vor großen Herausforderungen", erläuterte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. "Auch die Denkmalpflege ist ein Baustein der Stadtentwicklung, und wir möchten mit dem 6. Westfälischen Tag für Denkmalpflege einen Beitrag dazu leisten, den Dialog zwischen Denkmalpflegern und Stadtplanern zu fördern."

Bürgermeister Bruno Wollbrink freute sich, dass die LWL-Denkmalpflege mit dem Tagungsthema nach Herford gekommen ist: "Denkmalpflege und Stadtentwicklung sind wichtige Themen für unsere Stadt", betonte Wollbrink. "Wir wollen Herford zukunftsfähig gestalten und unsere Denkmäler sind dabei ein wichtiger Bestandteil. Gut gepflegte historische Bauten, die die Geschichte unserer über 1200 Jahre alten, ehemaligen Hansestadt erzählen, geben Herford ein Profil und erhöhen die Attraktivität."


Kamen beim 6. Westfälischen Tag für Denkmalpflege in Herford zusammen: Bürgermeister Bruno Wollbrink (v.l.), Dr. Fred Kaspar, Stiftung Kleines Bürgerhaus, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Sonja Langkafel, Städtisches Museum, Prof. Klaus Selle, RWTH Aachen, und Dr. Markus Harzenetter, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, mit dem Modell der Villa Schönfeld. Foto: LWL/Nieland

Dass Denkmalpflege und Stadtentwicklung sowohl im Rückblick als auch aktuell eng miteinander verbunden sind, zeigte auch LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Markus Harzenetter auf: "Als Denkmalpfleger blicken wir auf vergangene Stadtentwicklungsprozesse zurück und schützen deren baulichen Ergebnisse als Zeugnisse der Zeit- und Stadtgeschichte. Gleichzeitig sind die historischen Bauten natürlich auch Elemente, die in aktuelle Stadtentwicklungsprogramme miteinbezogen werden sollten. Wir wünschen uns hier einen frühzeitigen Austausch mit den verantwortlichen Planern."

Den Auftakt der zweitägigen Veranstaltung bildete das Abendprogramm am Donnerstag mit dem Vortrag von Prof. Dr. Klaus Selle vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen mit dem Thema "Stadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe - Was kann das für die Denkmalpflege heißen?"


Preis "scheinbar unscheinbar"
Anschließend verlieh die Stiftung "Kleines Bürgerhaus", eine Treuhandstiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ihren Preis "scheinbar unscheinbar" an das "Dezentrale Stadtmuseum Warendorf". Mit dem Preis will die Stiftung "Kleines Bürgerhaus" auf die Bedeutung von nur "scheinbar unscheinbaren" Wohnhäusern wie Mietshäuser, Kotten und Speicher aufmerksam machen, die anders als Kirchen, Schlösser, Burgen und Villen oftmals wenig Aufmerksamkeit erfahren. Diese Kleinbauten machen einen wesentlichen Teil des historischen Baubestandes aus. Trotz Denkmalschutz sind diese Bauten allerdings bis heute von Abriss, Verfall und undokumentiertem Verschwinden bedroht.

Die Stiftung "Kleines Bürgerhaus" in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn und Telgte hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese architektonischen Zeugen der Alltagskultur unserer Vorfahren in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, sie zu erforschen, zu bewahren und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Im Zentrum stehen dabei neben den Gebäuden selbst auch die Wohn- und Lebensformen, die sie repräsentieren", so Dr. Fred Kaspar von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur und Vorstandsvorsitzender der Stiftung "Kleines Bürgerhaus". Seit 2010 vergibt die Stiftung alle zwei Jahre den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis "scheinbar unscheinbar". Prämiert werden herausragende Leistungen in der Erforschung, Dokumentation oder Präsentation des Bautyps "Kleines Bürgerhaus" in Westfalen-Lippe, die beispielhaft die Bau- und Lebensformen rund um diesen Bautyp vermitteln.

Das "Dezentrale Stadtmuseum Warendorf" ist eine bürgerschaftliche Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, historische Wohn- und Wirtschaftsbauten an Ort und Stelle zu erhalten und im Inneren erlebbar zu machen. Getragen wird diese Institution insbesondere von den Mitgliedern der Altstadtfreude und des Heimatvereins Warendorf, unterstützt von Stadtverwaltung, Sparkasse Münsterland-Ost und Privatpersonen. Inzwischen können verteilt über die Altstadt von Warendorf sowohl ein großes Bürgerhaus mit einzigartigen Panoramen von 1825 im Gartensaal, als auch kleine und kleinste Häuser in abgelegenen Gassen besichtigt werden. Hier können Besucher in die Lebens-, Wohn- und Arbeitswelt von Arbeitern, Handwerkern, Bürgern und Kaufleuten vergangener Zeiten eintauchen.


Vorträge zur Stadtentwicklung
Die Vorträge des 6. Westfälischen Tages für Denkmalpflege, die LWL-Denkmalpfleger am Freitag hielten, zeigten auf, wie sich die Städte Westfalen-Lippes in der Vergangenheit entwickelt haben. Dabei wurden sowohl die ältesten Bauten als auch die großen Veränderungen und Neuordnungen im 19. Jahrhundert und seit den 1960er Jahren von den Denkmalpflegern betrachtet. Ein Schwerpunkt lag hierbei auf der Stadt Herford. "Herford bietet sich für unser Tagungsthema besonders an", erläuterte Harzenetter. "Mit ihren historischen Wachstumsphasen, Zerstörungen und Neuordnungen kann man hier exemplarisch sehen, wie sich die Städte im Laufe der Zeit verändert haben und welche gesellschaftlichen Entwicklungen und Konzepte dahinter standen", so der LWL-Chefdenkmalpfleger weiter.

Ein eigener Vortrag widmete sich dem Tagungsort Daniel-Pöppelmann-Haus. Der Baukomplex, der sich aus einer Villa aus der Zeit der Industrialisierung und einem Erweiterungsbau aus den 1970er Jahren zusammensetzt, spiegelt exemplarisch das Bauen zu unterschiedlichen Zeiten in der Stadt Herford.

Am Nachmittag führten Exkursionen die Tagungsteilnehmer an unterschiedliche Orte in der Stadt Herford. Hier stand u.a. die Herforder Wallanlage als Spiegel der Stadtentwicklung und das Rathaus mit der Markthalle auf dem Programm.


Fotodokumentation

Verkehrte Welt in Herford – was die „Unordnung der Denkmäler“ Herfords über die Stadtgeschichte erzählt

Exkursion von Dr. Fred Kaspar

Fotos: LWL/Schwalm


Rathaus und Markthalle - Besuch zum 100. Geburtstag

Exkursion von Dr. Barbara Pankoke

Fotos: LWL/Nieland


Die Herforder Wallanlage – Ein Spiegel der Stadtentwicklung

Exkursion von Bettina Lange, Untere Denkmalbehörde der Stadt Herford

Fotos: LWL/Kirchhoff