Onlineportal „neues-bauen-im-westen.de“

Das Portal der Architektenkammer NRW wurde im Rahmen des Landesverbundes „bauhaus100 im westen“ mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und in Kooperation mit den Landschaftsverbänden Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) realisiert.

35 der hier vorgestellten Objekte wurden von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen ausgewählt und kuratiert. Sie zeigen die verschiedenen Facetten des Neuen Bauens in Westfalen-Lippe und laden damit zu einem differenzierten Blick auf die Bautätigkeiten in den Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen ein. Denn die Auswertung dieser Objekte ergab Erkenntnisse zur Impulsgebung des Bauhauses im Westen des Deutschen Reiches.

www.neues-bauen-im-westen.de


Neue Erkenntnisse

Die Auswertung der Objekte ergab Erkenntnisse, welche Impulse das Bauhaus im Westen des Deutschen Reiches ausgelöst hat.

Architekten im Westen
Das Bauhaus war nur eine unter zahlreichen Ausbildungsstätten in Deutschland. Ein Studium der Architektur z.B. in Düsseldorf oder Essen war aus westfälischer Sicht im wahrsten Sinne des Wortes nahe- bzw. näherliegend. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich in Westfalen nur vergleichsweise wenige direkte Verweise auf das Bauhaus finden. Auch in Westfalen tätige Architekten strebten aber eine moderne Formgebung an – und interessierten sich für das, was außerhalb der Region und natürlich auch was in Weimar oder Dessau geschah.

Stilistische Impulse
Modern war allerdings aus damaliger Sicht durchaus nicht nur das „Neue Bauen“ im Sinne von Sachlichkeit und Funktionalität. Stattdessen ist die Zeit von einer so wohl nie zuvor dagewesenen stilistischen Bandbreite gekennzeichnet. Zahlreich sind individuelle Kombinationen von Formen verschiedener moderner Stile (z.B. Expressionismus, Art deco, Neuer Sachlichkeit oder Neuem Bauen). Stilreine Vertreter des Neuen Bauens finden sich dagegen vergleichsweise selten, können aber jetzt u.a. im Onlineportal betrachtet werden. Sie lassen sich zumeist aus der Vita der Bauherrschaft oder der tätigen Architekten heraus und häufig auch auf externe Einflüsse zurückführen.

Spuren und Neuentdeckungen
Erschwert wird die Suche nach Spuren des Neuen Bauens dadurch, dass deren Architektur bei den Zeitgenossen auf große Ablehnung stieß und deshalb häufig gar nicht erst zur Genehmigung gelangte oder schon bald einer Umgestaltung unterzogen wurde. Viele der schlicht modernen Bauten der 1920er- und 30er-Jahre, an denen eine politisch motivierte Gestaltkorrektur in Zeiten der NS-Diktatur vorübergegangen war, wurden dann in den 1960er- und 70er-Jahren mit einer neuen Fassadenverkleidung oder auch nur neuen Fensterelementen versehen und damit meist bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Heute werden diese „Bausünden“ wieder entfernt, so dass wir uns auf die Neuentdeckung des Neuen Bauens freuen können.


Beispiele

Fotos: LWL/Dipl. Foto-Designerin Greta Schüttemeyer, Münster