Denkmal des Monats September 2019


Ein Renaissance-Brunnen im Herzen von Herford

Eine besondere Zierde auf dem Neuen Markt in Herford ist der Brunnen mit seinem aufwändig gestalteten Sandsteingehäuse und seiner Bekrönung in Form eines Bannerträgers mit Stadtwappen.

Das Brunnengehäuse aus dem Jahr 1599 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: 1839 wurde es von der Stadt Herford verkauft und abgebaut, es befand sich bis 1964 in Privatbesitz. Nach dem Rückkauf durch die Stadt wurde der Brunnen wieder auf dem Neuen Markt errichtet.

Der Brunnen auf dem Neuen Markt in Herford. Foto: Robert Wennemer 2019

Der Brunnen ruht auf einer runden Stufenanlage aus der Zeit des Wiederaufbaus durch die Stadt und besteht aus dem unteren Ring des Brunnenbeckens, vier Hermenpfeilern und einer offenen Kuppel mit geschwungenen Rippen. Der Brunnen ist aus Naturwerksteinen aufgebaut. An den Steinelementen sind fein gearbeitete Verzierungen wie Profilierungen, Kugeln, Beschlagwerk, florale Motive und Masken zu sehen. Die Hermenpfeiler sind bereits Kopien der bauzeitlichen Pfeiler. Die originalen Pfeiler sind im Stadtmuseum Herford eingelagert, da sie bereits stark verwittert waren. Auch an anderen Teilen des Brunnens finden sich bereits ausgetauschte Steine. Als Ersatzgestein wurde Obernkirchener Sandstein verwendet. Die ursprünglichen Teile sind aus Teutoburger Sandstein hergestellt (Varietät: Velmerstot und/oder Gravenhorst).


Brunnensegment vor der Restaurierung 2018. Foto: Robert Wennemer

Der Brunnen wurde 1964 – im Zuge des Rückkaufs durch die Stadt – in einer Steinwerkstatt umfangreich behandelt. Die damals erfolgten Festigungs- und Imprägnierungsmaßnahmen führten zu einer starken Überfestigung des Materials, was zur Folge hatte, dass im Laufe der Jahrzehnte gravierende Schäden auftraten: Die Oberfläche war vergraut und stark verdichtet, sodass hier ausgeprägte Schalen- und Rissbildungen des Sandsteins zu beobachten waren. Die verdichteten Bereiche führten zu einem Feuchtigkeitsstau im dahinter liegenden Material, wo es zur Aufkonzentration von Schadstoffen und Salzen kam. Aufgrund der Salzkristallisation wurden die darüber befindlichen verdichteten Bereiche abgesprengt, das darunter liegende Material war stark zermürbt und sandend. Von der ehemals reichen Verzierung des Brunnenbeckens sind viele Oberflächen bereits verloren.


Schon 1996 wurde eine umfangreiche Restaurierung des Brunnens ausgeführt. Durch die Überfestigung des Steins in den 1960er-Jahren sind jedoch kürzere Wartungs- und Pflegeintervalle nötig als an vergleichbaren Objekten, sodass jüngst eine erneute Restaurierung des Brunnens stattgefunden hat.


Ziel dieser letzten Restaurierung war es, den weiteren Erhalt der Originalsubstanz zu ermöglichen. Für die Bearbeitung aller Steinteile wurde der Brunnen abgebaut und in eine Restaurierungswerkstatt gebracht. Dort wurde das Objekt gereinigt, Risse und Hohlstellen wurden verfüllt, die Regenableitung durch Anböschungen verbessert, sandende Bereiche zurückhaltend gefestigt. Anschließend wurde der Brunnen auf dem Neuen Markt wieder aufgebaut. Da die ehemalige Brunnenabdeckung aus Kupfer zu Staunässe im Brunnenbecken geführt hatte, wurde sie entfernt und durch ein Edelstahlgitter im Inneren ersetzt.

Der Brunnen wird auch nach dieser Restaurierung ein Objekt bleiben, das kontinuierliche Wartung und Pflege erfordert. Hierbei wird in einem kurzen Intervall der Zustand des Brunnens überprüft und dokumentiert werden. Durch dieses Vorgehen können Schäden früh erkannt und oft unmittelbar durch kleinere Maßnahmen behoben werden. Teure Folgemaßnahmen und weiterer Substanzverlust werden hierdurch – soweit möglich – vermieden.

Franziska Tretow