Denkmal des Monats


Der denkmalgeschützte Stadtkern von Tecklenburg

am Südhang des Teutoburger Waldes

Tecklenburg ist einer der wenigen Orte im Münsterland, die ihre historische Bebauung mit dem Stadtgrundriss erhalten konnten. Die Bebauung des Stadtkerns wird maßgeblich durch zahlreiche Fachwerkhäuser des 16. und 17. Jahrhunderts bestimmt.

Ortsansicht von Tecklenburg. Foto: LWL-DLBW/Nieland 2008.

Von 1562 bis 1566 wurde die Stadtpfarrkirche errichtet. Diese prägt mit ihrem wuchtigen barocken Westturm ebenso wie die Burganlage und der Wierturm die Stadtsilhouette von Süden. Der Wierturm geht auf eine Idee des „Verschönerungsvereins“ im Jahre 1884 zurück, dieser wollte das Burggelände mit dem Turmbau akzentuieren. Burgruine, Wierturm und der Stadtkern von Tecklenburg sind im Gelände weithin sichtbar.
Das Gesamtensemble bildet eine einzigartige Situation am Südhang des Teutoburger Waldes.


Historische Ansicht von Tecklenburg mit Burgruine um 1803. Kolorierter Stich von Strack.

Durch die Denkmalbereichssatzung „Historischer Stadtkern Tecklenburg“ sind das Gesamtensemble sowie auch die Sichtachsen auf den Stadtkern und seine Silhouette geschützt. Damit sollen das durch die besondere topographische Situation geprägte Erscheinungsbild des Stadtkerns und dessen Einbettung in die Topografie der Landschaft in ihrem Bestand gesichert werden.

Die seit Ende des 19. Jahrhunderts geführte Diskussion um die Errichtung eines Hotels am Südhang unterhalb der Burgruine Tecklenburgs wird durch den geplanten Neubau eines Tagungshotels wieder aktuell. Bereits 1882 gab es die Absicht, ein „Luft-Cur-Hotel“ auf dem südlichen Schlossberg zu errichten. Zunächst wurde jedoch 1901 aufgrund des zunehmenden Fremdenverkehrs der Grundstein für das Hotel „Kurhaus Burggraf“ am Standort der heutigen Kreisverwaltung gelegt.

 


Tecklenburg, Ansicht von Süden mit Wierturm, Hotel Burggraf von 1962 und Stadtkirche. Foto: LWL-DLBW/Reuter 2014.

Bereits 1960 war das ehemalige Hotel „Kurhaus Burggraf“ mit seiner geringen Anzahl von Gästezimmern dem Ansturm der Feriengäste nicht mehr gewachsen. Darum sollte am gleichen Standort ein größeres Hotel errichtet werden. Doch dieser stand aufgrund der Planungen für das neue Kreishaus nicht mehr zur Verfügung, sodass ab 1962 der neue „Burggraf“ unmittelbar unterhalb der Ruine der Burganlage gebaut wurde. Damit kam es bereits damals zu einer ersten optischen Störung der historischen Sichtbeziehung der Anlage von der Königstraße aus.

Das 1964 eröffnete Hotel wurde bereits im Jahre 2001 nach nur 37 Betriebsjahren wieder geschlossen. Seitdem gab es zahlreiche Planungen und Bemühungen, das Hotel Burggraf zu reaktivieren. Sie alle zeigen, dass die Revitalisierung des ehemaligen Hotels aufgrund des sensiblen Standortes innerhalb der geschützten Sichtbeziehung im Zusammenhang mit der Stadtansicht von Süden eine besondere städtebauliche und hochbauliche Herausforderung darstellt.


Entwurf Blocher & Blocher Architekten, Stuttgart. Foto: blocher partners.

Dieser Herausforderung stellte sich die Stadt mit der Durchführung eines Wettbewerbs im Jahre 2015. Der Entwurf des 1. Preisträgers zeigt, wie ein großes Raumprogramm sensibel in den Berghang unterhalb der historischen Altstadt und im Rahmen der Sichtbeziehung eingefügt werden kann.

Aus Sicht der Denkmalpflege bestehen keine Bedenken gegen diese Planung, auch wenn festzuhalten ist, dass selbst der Siegerentwurf für das neue Hotel hinsichtlich der Störung des Erscheinungsbildes des Denkmalbereichs „Historischer Stadtkern Tecklenburg“ an der Grenze des fachlich Vertretbaren angelangt ist.

Jürgen Reuter