Denkmal des Monats


Die Wewelsburg

Instandsetzung der Fassade des Südwestturmes

Die Wewelsburg erhebt sich auf einem nach Norden vorspringenden Bergsporn über dem Fluss Alme. Sie ist auf zwei Seiten vom Dorf Wewelsburg umgeben; dieses gehört als Ortsteil zur Stadt Büren bei Paderborn.

Die Wewelsburg mit eingerüstetem Südwestturm im März 2018. Foto: LWL/Seifen

1589 übernahm der Paderborner Bischof Dietrich IV. von Fürstenberg die ruinöse Wewelsburg und ließ sich hier in den Jahren 1603 bis 1609 einen neuen bischöflichen Wohn- und Verwaltungssitz von hoher baukünstlerischer Qualität errichten. Die Ecken der Dreiflügelanlage im Stil der Weserrenaissance werden von Rundtürmen besetzt. Vermutlich aufgrund der exponierten Lage sowie aufgrund der Übernahme der Grundstrukturen zweier Vorgängerbauten erfolgte die Ausführung der Wewelsburg über einem dreieckigen Grundriss, der in dieser Art einzigartig in Deutschland ist.

Nach schweren Schäden im Dreißigjährigen Krieg wurden die Gebäude in den Jahren 1650 bis 1660 wiederhergestellt. Im 18. und 19. Jahrhundert verfiel die Burg allmählich, und ein Brand im Jahr 1815 hinterließ den Nordturm als Ruine. 1924 kaufte der Kreis Büren die Burg und nutzte die Baulichkeiten als Herberge und Heimatmuseum mit Veranstaltungssaal. Ab 1934 mietete Heinrich Himmler im Auftrag der NSDAP die Gebäude für hundert Jahre an. Die Wewelsburg sollte von nun an als zentrale SS-Versammlungs- und Ideologiestätte dienen. Hierfür wurde die Burg saniert und im Inneren erheblich umgebaut. 1943 wurden die Arbeiten unvollendet eingestellt, am 31. März 1945 gab Himmler den Befehl zur Sprengung der Anlage, was unter anderem zu schweren Brandschäden führte. Nach dem Krieg sanierte der Kreis Büren die Gebäude mit Veränderungen im Inneren und nutzte sie erneut als Jugendherberge und Heimatmuseum. Der Nordturm blieb bis in die 1970er-Jahre eine Ruine. Seit 1975 ist die Burganlage im Besitz des Kreises Paderborn. Neben der Jugendherberge ist dort auch das Kreismuseum Wewelsburg untergebracht. Die Burganlage der Wewelsburg besitzt durch ihre wechselhaft geprägte Geschichte bis in die heutige Zeit einen hohen historischen, burgenkundlichen sowie baugeschichtlichen Zeugnis- und Symbolwert.


Im Jahr 2015 teilte der Kreis Paderborn der LWL-Denkmalpflege die Notwendigkeit einer umfassenden Fassadensanierung mit. Die verschiedenen Naturstein-Fassaden des Burggebäudes zeigten Schäden mit großen Varianten im Schädigungsgrad.

Das Bild der Fassaden des gesamten Burggebäudes ist bis heute durch die weitgehende Entfernung des Außenputzes in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft geprägt. Unter Heinrich Himmler diente diese Maßnahme zur Hervorhebung eines vermeintlich authentischen, mehr wehrhaften Charakters der Burganlage. Aus heutiger Sicht kommt der Steinsichtigkeit der Burg deshalb ein Zeugniswert für den Umgang mit der Anlage in der Zeit des Nationalsozialismus zu. Das denkmalpflegerische Ziel der Erhaltung dieses Zeugniswertes stand daher bei den Vorplanungen zur Fassadensanierung im Vordergrund.


Die Südtürme im Jahr 2009. Foto: LWL/Bildarchiv

Die stark bewitterten Südtürme hatten nach Augenschein die größten Schäden am Mauerwerk aus regional anstehendem Kalkstein aufzuweisen. Am Südwestturm wurden nach Gerüststellung bereichsweise sehr tiefgreifende Schäden in der Substanz der Mauersteine vorgefunden. Bei näherer Betrachtung wurden aber auch Reste eines älteren Verputzes gefunden, der sich nach Untersuchung durch Steinrestauratoren als bauzeitlicher Putz aus dem frühen 17. Jahrhundert erwies. Die historischen Fenstergewände aus Sandstein zeigen eingearbeitete Anputzkanten und weisen ebenfalls darauf hin, dass das Bauwerk ursprünglich verputzt war.

Der auf den Mauerwerksoberflächen gefundene historische Putz, der einlagig aufgeworfen und mit einer Kelle geglättet als sogenannter Rappputz aufgetragen worden war, war ebenso wie die aufliegende helle Kalktünche vollflächig und craqueléartig gerissen und aufgrund partieller Untergrundablösungen gefährdet. Diese Befunde geben Aufschluss über das ursprüngliche Erscheinungsbild der Burg, die demnach verputzt und weiß getüncht gewesen war. Die Entfernung des Putzes in der Zeit des Nationalsozialismus wurde im Bereich der beiden Südtürme offensichtlich nur teilweise umgesetzt.



Auf den historischen Putzflächen in den oberen Fassadenbereichen des Südwestturmes liegen bereichsweise fleckige, dunkle Anstrichreste auf. Diese stellen Reste eines Tarnanstriches dar, welcher von den Nationalsozialisten gegen Ende des Krieges aufgetragen wurde, um die Burg vor Fliegerangriffen zu schützen.

Nicht zuletzt aufgrund der erheblichen Schadenssituation an den Fassaden des Südwestturmes wurde entschieden, von der Steinsichtigkeit bei den Fassaden der beiden Südtürme abzuweichen und einen aufgeworfenen, einlagigen Kalkputz – wo erforderlich mit Unterputz – als Schutz gegen Bewitterung aufzubringen.

Dieser Putz ermöglicht die Bewahrung der ursprünglichen Putzreste und die Erhaltung der vorhandenen Mauerwerkssubstanz. Der bauzeitliche Putz mit der Kalktünche und auch die Reste des Tarnanstriches konnten in einem exemplarischen Bereich sichtbar belassen werden.


Der Südwestturm nach der Sanierung im Oktober 2018. Foto: LWL/Breloh

Der ausgeführte Putz schafft einen optisch rauen Charakter im Erscheinungsbild, der dem Bild der Turmfassaden vor der Restaurierung  nahekommt. So ergibt sich im Zusammenhang mit den anschließenden, unverputzt bleibenden Fassadenflächen ein gelungenes Gesamtbild. In einem zweiten Bauabschnitt wird der Südostturm nach gleichem denkmalpflegerischen Konzept behandelt werden.

Die fachlich begründete Instandsetzungsmethode für die Südtürme entfernt sich technisch und optisch von dem ursprünglichen Ziel der steinsichtigen Sanierung der Fassaden, dennoch ist das Ergebnis des ersten Sanierungsabschnittes aus denkmalpflegerischer Sicht auch in der optischen Gesamtwirkung von Türmen und angrenzendem Gebäudebereich mehr als überzeugend.

Birgit Breloh