Denkmal des Monats Oktober 2019


Der Denkmalpflegeplan Alt-Arnsberg

Hoch über der Ruhr thront die Altstadt von Arnsberg. Von drei Seiten geschützt durch den Fluss, der hier eine enge Schleife beschreibt, und auf einem lang gestreckten Bergsporn gelegen, erschließt sich auf den ersten Blick die günstige Lage für eine mittelalterliche Befestigung.

Alt-Arnsberg, Befestigung am Schlossberg. Foto: LWL-DLBW/Schrader 2019

Auf engem Raum lässt sich hier die Entwicklung der Stadt Arnsberg von einer mittelalterlichen Burg und Stadt hin zu einem Zentrum der preußischen Verwaltung an den baulichen Strukturen eindrücklich ablesen. Das Nebeneinander von Bauwerken des Mittelalters und klassizistischer Stadterweiterung, in der sich die neue Rolle Arnsbergs als Kreisstadt und Sitz des Regierungspräsidenten unter preußischer Herrschaft ab 1816 manifestiert, ist in Westfalen-Lippe einzigartig. Die Bewahrung solcher sichtbaren stadtgeschichtlichen Zusammenhänge verlangt nach fachübergreifenden und umfassenden denkmalpflegerischen Instrumenten.


Alt-Arnsberg, klassizistische Stadterweiterung. Foto: LWL-DLBW/Schrader 2019

Das Denkmalschutzgesetz NRW kennt diverse Instrumente zur Erfassung und zum Schutz des gebauten Erbes, eines davon ist die Verpflichtung der Gemeinden zur Aufstellung von Denkmalpflegeplänen für das gesamte Gemeindegebiet. Durch seinen ganzheitlichen Ansatz mit Analyse- und Maßnahmenteil soll der Denkmalpflegeplan ein umfassendes Informationswerk zur lokalen Siedlungsgeschichte für all jene sein, die sich mit der Gestaltung und Entwicklung des Raums innerhalb der Grenzen einer Gemeinde befassen. Die Untersuchung eines einzelnen Stadtteils wie Alt-Arnsberg kann somit als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer flächendeckenden Betrachtung gewertet werden.


Ausschnitt aus dem Denkmalpflegeplan von Alt-Arnsberg 2018, Analysekarte zum Fassadenmaterial. Quelle: Stadt Arnsberg, Untere Denkmalbehörde, in Kooperation mit Strauß|Fischer Historische Bauwerke GbR

Der 2018 erstellte Denkmalpflegeplan für Alt-Arnsberg besteht aus einer Dokumentation, Analyse und einem Maßnahmen- und Handlungskonzept. Die Analyse beginnt mit der Darstellung historischer Karten und Ansichten aus den vergangenen Jahrhunderten, die einen Eindruck des einstmaligen Erscheinungsbildes wiedergeben. Der Denkmalpflegeplan fasst anschaulich in Bild und Text aufbereitet die Ergebnisse von Recherchen zusammen, die normalerweise durch Denkmalpfleger, Historiker und Heimatforscher geleistet werden.

Es findet sich darin die Kartierung sämtlicher eingetragener Bau- und Bodendenkmäler, eine Analyse der historischen Kulturlandschaft und des Stadtraums für die Teilbereiche und Quartiere im Untersuchungsraum sowie die Erfassung der Gebäude u. a. nach Baualter, Fassadenmaterial, Dachformen, Dacheindeckungen und Nutzungsformen. Nicht nur die als Baudenkmäler eingetragenen Objekte werden erfasst, sondern auch die sonstige erhaltenswerte Bausubstanz, die ihren Beitrag zum Ortsbild und dessen Geschichtlichkeit leistet. Ebenso gibt der Denkmalpflegeplan die Darstellungen und Festsetzungen bereits bestehender formeller Planungen, wie z. B. städtischer Satzungen, wieder.


Alt-Arnsberg – 1816 wird die westfälische Stadt preußischer Verwaltungssitz. Foto: LWL-DLBW/Schrader 2019

Für die tägliche Arbeit aller an der Gestaltung der gebauten Umwelt Beteiligten ist das im Denkmalpflegeplan enthaltene Maßnahmen- und Handlungskonzept entscheidend. Eine umfassende Untersuchung und Bewertung der Siedlungsgeschichte des Gemeindegebietes muss die Grundlage bilden für die Ziele, die bei der behutsamen Weiterentwicklung der Stadt angestrebt werden sollen. So wird beispielsweise möglicher Renovierungsbedarf für jedes Gebäude herausgestellt. Aus dem Denkmalpflegeplan lassen sich u. a. auch konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Fassaden, Dächern, Fenstern, Werbeanlagen entnehmen, die zu einer Erhaltung und einer positiven Entwicklung des Ortsbildes führen.


Ein richtig angewandter Denkmalpflegeplan dient der denkmalgerechten Bewahrung und Weiterentwicklung des kulturellen Erbes einer Kommune. Dadurch können auftretende Reibungsverluste bei der Abstimmung zwischen den Akteuren der Stadtplanung und bei Bauprojekten deutlich reduziert und somit alle Beteiligten entlastet werden. Ganz nebenbei ist ein gut illustrierter Denkmalpflegeplan ein Genuss für alle Bürgerinnen und Bürger, die sich mit der Geschichte ihrer Heimat befassen möchten.

Der Denkmalpflegeplan Alt-Arnsberg wird von der Stadt Arnsberg zum Download bereitgestellt.

Florian Schrader