Denkmal des Monats Februar 2020


Das Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk in Herdecke

Der Erhalt des Pumpspeicherkraftwerks Koepchenwerk stand zeitweise auf Messers Schneide, nachdem 2015 von der RWE AG der Abbruch beantragt wurde. Durch außergewöhnliches Engagement der Öffentlichkeit konnte der Abbruch dieses herausragenden Zeugnisses eines Kraftwerkbaus abgewendet und das Pumpspeicherkraftwerk in die Obhut der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur übergeben werden. Nachdem in den vergangenen Jahren eine denkmalgerechte Sicherung des Objektes durchgeführt wurde, soll das Koepchenwerk zukünftig für Besucher im Rahmen von Führungen und Veranstaltungen zugänglich gemacht werden.
Die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen hat das Kraftwerk als Beispiel für eine vorbildliche Rettung durch starkes öffentliches Engagement zum Denkmal des Monats Februar gewählt.

Ansicht Koepchenwerk vor der Sanierung 2017. Foto: Werner Hannappel / Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Bei dem unmittelbar am Hengsteysee gelegenen Koepchenwerk handelt es sich um eines der ersten großmaßstäblichen Pumpspeicherkraftwerke Europas. Das Bauwerk wurde in den Jahren 1927 bis 1930 durch die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG (RWE) Essen nach der Planung ihres damaligen technischen Direktors Dr.-Ing. Arthur Koepchen errichtet. Das Pumpspeicherkraftwerk galt seinerzeit als technische Pionierleistung und war mit einer Leistung von 132 Megawatt das größte Pumpspeicherkraftwerk Europas.
Konzipiert war das Kraftwerk für die Stromerzeugung bei kurzzeitigen Verbrauchsspitzen durch die Industrie. Während Schwachlastzeiten wurde die überschüssige Energie dazu verwendet, Wasser aus dem Hengsteysee (Unterbecken) in ein 160 m höher gelegenes Oberbecken zu pumpen. In Zeiten starker Netzbelastung wiederum wurde das Wasser aus dem Speicherbecken über Druckleitungen seewärts abgelassen. Der Wassereinlauf in die Druckrohrleitungen erfolgte im sogenannten Schieberhaus, auf dessen Dach selbstbewusst die drei Buchstaben „RWE“ prangen.


Innenansicht Maschinenhalle 2019. Foto: LWL/Reck

Im Maschinenhaus am See wurden durch den Wasserdruck vier Maschinensätze in Gang gesetzt, die jeweils aus einer Einheit von Turbine, Motor-Generator, Kupplung und Pumpe bestehen und heute noch bauzeitlich erhalten sind.
Die nach einem Störfall im Jahre 1980 notwendige Modernisierung des Koepchenwerks galt damals als nicht rentabel. In den 1990er-Jahren wurde daher in unmittelbarer Nachbarschaft ein modernes Pumpspeicherkraftwerk gebaut. Gegen die Abrissplanungen der RWE AG für das historische Kraftwerk formierte sich aber glücklicherweise in der Bevölkerung sogleich größerer Widerstand. In Zusammenarbeit mit der Herdecker Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster entstand das Konzept einer Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e. V., unter dessen Dach alle Interessen gebündelt wurden. Den Vorsitz übernahm Regina Schrader, die als Großnichte von Arthur Koepchen ein besonders persönliches Interesse am Koepchenwerk hat.


Die Wende im drohenden Abbruchverfahren brachte schließlich die Zusage der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, das Koepchenwerk ab 2016 in das Stiftungseigentum zu übernehmen. Gemäß den Stiftungsregularien wurden die prognostizierten Abbruchkosten von der RWE zugestiftet und standen für die erforderliche Instandsetzung des Denkmals zur Verfügung.
Zunächst wurden reine Sicherungsarbeiten sowohl am Schieber- als auch am Maschinenhaus durchgeführt. Hierzu zählten vor allem die Instandsetzung der Dächer und die behutsame Reparatur der Putzfassade des Maschinenhauses. Darüber hinaus wurden die 40 großformatigen Stahlsprossenfenster entglast, repariert, handentrostet und neu beschichtet.
Die sechs Meter hohen Buchstaben „RWE“ auf dem Schieberhaus waren so stark verwittert, dass sie nicht mehr instandgesetzt werden konnten. Sie wurden in der stiftungseigenen Werkstatt in sensibler Feinarbeit nach historischem Vorbild rekonstruiert. Die Wiedermontage der Buchstaben, die in den 1980er-Jahren zuletzt geleuchtet hatten, wurde von der Öffentlichkeit wegen ihrer identitätsstiftenden Bedeutung mit besonders großem Interesse verfolgt. In einer Abendveranstaltung 2018 gingen die mit LED beleuchteten Buchstaben als nächtliche Lichtlandmarke wieder in Betrieb.


Aufgrund der Lage unmittelbar am Hengsteysee besitzt das Koepchenwerk ein großes Umnutzungspotential und soll zukünftig in die örtlichen Freizeit- und Tourismusangebote eingebunden werden. Angestrebt wird darüber hinaus die Illumination des gesamten Objektes nach historischem Vorbild. Auch im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung 2027 in Herdecke, Witten, Wetter und Hattingen soll das Koepchenwerk eine zentrale Rolle spielen. Dann könnte auch die historische Standseilbahn zwischen den Druckrohrleitungen, die heute noch erhalten ist, wieder in Betrieb gehen. Neue Fahrrad- und Wanderwege oben am Speicherbecken sind ebenso vorstellbar wie eine Fährverbindung vom Hagener Ufer hinüber zum Denkmal.

 

Claudia Reck