Denkmal des Monats August 2019


Das Wohnhaus im Windmühlenfeld 6

In Rödinghausen-Schwenningdorf

Das Wohnhaus und das ehemalige Viehhaus im Windmühlenfeld 6 wurden 2018 in die Denkmalliste der Gemeinde Rödinghausen (Kreis Herford) eingetragen. Noch im gleichen Jahr hat die Eigentümerfamilie mit Maßnahmen zur Instandsetzung und erneuten Nutzung des Wohnhauses begonnen. Sie ist energisch und begeistert ans Werk gegangen und hat im Laufe der Arbeiten immer mehr Freude an ihrem Baudenkmal gefunden. Bereits nach kurzer Zeit wurden die Eigentümer zu großen Kennern für die historische Konstruktion und Baugeschichte des Hauses.

Das Wohnhaus Windmühlenfeld 6 (Ansicht der Ostseite) nach der Instandsetzung im Juli 2019. Foto: Lars Jacobs, Bünde.

Tatsächlich sind die beiden weithin sichtbaren Gebäude wichtige Zeugnisse für die Mühlengeschichte im Kreis Herford. Von der Bedeutung und Funktion des bis Ende der 1950er-Jahren laufenden Mühlenbetriebes zeugen der erhaltenswerte, massiv gemauerte Stumpf der Mühle selbst und die freie Lage der Gebäudegruppe am Ortsrand südlich der ehemaligen Kreis-Chaussee. Im Nebenerwerb hatte der Müller noch Landwirtschaft betrieben. Wohn- und Viehhaus machen für uns heute anschaulich ablesbar, wie die damaligen Lebensverhältnisse des Müllers organisiert waren.

Das Wohnhaus des Müllers ist aus Fachwerk errichtet und wurde später verputzt. Das Deelentor wurde zum Hauseingang umgebaut. Die Innenaufteilung des Wohnhauses ermöglichte es, Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach zu vereinen. Dafür gab es neben der Diele auch Ställe für das Vieh und darüber Lagerräume. Im Dachgeschoss lagen Kammern zum Wohnen und Schlafen. Wohl noch vor 1900 sind die Ställe und die Diele als Wohnräume eingerichtet worden.


Wohnhaus (Ansicht der Ostseite), Zustand im Januar 2018 vor der Instandsetzung. Foto: LWL-DLBW/ Gropp.

In jüngerer Zeit vorgenommene Baumaßnahmen haben der historischen Bausubstanz zwar einige Veränderungen hinzugefügt, erlaubten aber auch, das Baudenkmal nach dem Ende des Müllereibetriebes weiter zu nutzen. Bei den Vorbereitungen der jetzt vorgenommenen Instandsetzung zeigte sich, dass diese Maßnahmen teilweise nicht denkmalgerecht und auch bautechnisch problematisch waren. So musste an zwei Außenwänden ein großflächig aufgebrachtes Wärmedämmverbundsystem aus Styropor entfernt werden. Die dadurch teilweise geschädigte Fachwerkkonstruktion wurde repariert und wo nötig mit passenden Hölzern ergänzt. An der Ostseite wurde hinter dem neuzeitlichen Hauseingang das historische Deelentorgestell mit Schnitzereien wieder freigelegt und restauriert.

Wohnhaus (Ostseite), aufgedecktes Deelentorgestell mit Ergänzungen, Zustand Januar 2019. Foto: Lars Jacobs, Bünde.

Die energetische Verbesserung des Hauses wird nun durch eine diffusionsoffene Innendämmung der Fachwerkwände aus Holzfaserdämmplatten erreicht, die in Lehm eingebettet und mit Lehm verputzt sind. Auch zwei kleinere, nicht denkmalwerte Anbauten sind entfernt worden. Schließlich wurde noch die gesamte Gebäudetechnik für die Heizungs-, Sanitär- und Elektroinstallationen erneuert. Die in jüngster Zeit aufgebrachten Betondachsteine sollen durch naturrote Tondachziegel ersetzt werden.


Alles zusammengenommen lassen die jetzt ausgeführten Arbeiten erwarten, dass das für die Ortsgeschichte von Rödinghausen bedeutende Wohnhaus in seiner denkmalwürdigen Erscheinung wieder klar und deutlich erkennbar ist und nun eine weit in die nächste Generation reichende Erhaltungsperspektive hat. Zusammen mit den Nebengebäuden belegt es einen der vielen Mühlenstandorte in der Region und lässt erkennen, wie Arbeiten, Wohnen und Leben früher bewerkstelligt wurden.
Die gesamte Anlage ist ein heute noch nachvollziehbarer historischer Ort für eine Windmühle. Die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen hat das Engagement der Eigentümer mit einem Zuschuss aus Denkmalmitteln unterstützt.

Oliver Karnau