Denkmal des Monats


Das Dörr- und Backhaus

auf dem Gelände des ehemaligen Meierhofes in Nordborchen

Einer der ehemals bedeutendsten Bauernhöfe in Nordborchen, Kreis Paderborn,  ist der alte Meierhof. Dieser liegt in der Ortschaft zwischen zwei Adelssitzen, bezeichnet als „Oberhaus“ und „Unterhaus“, die das historische Zentrum des Ortes bildeten. Von den älteren Hofgebäuden des Meierhofes sind nur zwei Bauwerke erhalten geblieben: Ein Kornspeicher des späten 16. Jahrhunderts, welcher von der Straße nicht einsehbar ist, und das sogenannte Dörr- und Backhaus aus dem Jahr 1830, das bescheiden hinter einer bruchsteinernen Grundstücksmauer mitten im Ortskern von Nordborchen steht. Dieses Gebäude wird von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur als Denkmal des Monats Februar 2016 vorgestellt.


Das Notdach im Jahr 2012, Foto: LWL/Breloh

Bis vor wenigen Jahren war das kleine Dörrhaus durch einen Garageneinbau und einen sehr eng davor stehenden Nachbarbau zum unscheinbaren Schuppen verkommen. Es handelt sich hier um einen eingeschossigen Fachwerkbau mit pfannengedecktem Satteldach.

Initiiert durch den damaligen Ortsvorsteher Harald Kuhnigk wurde der LWL im Jahr 2011 von der Unteren Denkmalbehörde Borchen auf das Objekt angesprochen. Es war ohne Nutzung, sein Dach hatte mehrere Löcher und im Inneren war ein Deckenbalken gebrochen und durch die Einwirkung von Feuchtigkeit  zersetzt. Glücklicherweise interessierte sich Herr Kuhnigk für die Ortsgeschichte und deshalb auch für das Gebäude und kam mit den in der Schweiz lebenden Eigentümern in Kontakt. Es entstand die Idee, das Gebäude für das im Jahr 2015 bevorstehende 1000-jährige Jubiläum von Nordborchen herzurichten. Herr Kuhnigk initiierte für diese Feier die Gründung eines Vereins zur Pflege der Heimatgeschichte. Herr Lengyel als Vertreter der Erbengemeinschaft der Hofanlage kam zu gemeinsamen Ortsterminen aus der Schweiz angereist. Für ihn, dem die kulturhistorische Bedeutung des Baudenkmals durchaus bewusst war, schien das defekte Dach als unrettbar und das kleine Gebäude an sich zweifelhaft als Investition.

 


Haustür. Foto: Harald Kuhnigk

Durch die Finanzierung eines Notdaches durch den LWL konnte erreicht werden, dass die Eigentümer für den Erhalt des Gebäudes vermehrt motiviert wurden. Alle im Prozess Beteiligten waren schließlich davon überzeugt, dass durch eine Investition in dieses Gebäude eine Wertsteigerung in vielfacher Hinsicht zu erreichen ist. Im Jahr 2013 begannen die Instandsetzungsarbeiten, welche durch Landesmittel gefördert werden konnten. Die benachbarte Remise wurde zurückgebaut und der neuzeitliche Garageneinbau entfernt.

Das Gebäude wurde so instand gesetzt, dass wenig neue Elemente hinzukamen.

Die Holzkonstruktion wurde durch eine Fachfirma in traditioneller Zimmermannstechnik substanzschonend repariert. Hierbei konnte die Dachkonstruktion komplett erhalten werden. Die Giebelverbretterung musste erneuert werden, da die vorhandenen Bretter stark geschädigt waren. Dabei wurden die vorgefundenen Lochausschnitte, die von einer Nutzung des Dachraums als Taubenschlag zeugten, übernommen. Die alten Hohlpfannen wurden zur Sanierung des Dachstuhls abgedeckt und anschließend wieder auf Strohdocken verlegt. Über den Sparren wurde eine Unterspannbahn eingebracht, welche das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert. Die vorhandenen Sparrenhölzer sind krumm und zeigen mehrfach Waldkanten. Die Gefache des Gebäudes sind mit den ortstypischen Bruchsteinen ausgefacht und wurden nur dort aus- und wieder eingebaut, wo dies unbedingt notwendig war.


Innenraum EG. Foto Harald Kuhnigk

An der Fachwerkkonstruktion ist abzulesen, dass das kleine Gebäude ursprünglich fünf dem Hof zugewandte Eingangstüren besaß. Die mittige Haupteingangstür ist mit Inschrift, Datierung und zweigeteilter Holzklappentür erhalten geblieben. Die anderen vier Öffnungen wurden wieder freigelegt und zur Belichtung des Innenraums großflächig verglast und mit Holzklappen versehen.

Im Inneren befindet sich ein historischer Dörrofen, der in Teilen original erhalten werden konnte. Der Dörrofen diente der Trocknung und Haltbarmachung von Steinobst, welches auf diese Art und Weise auch in den Wintermonaten  die Nahrung bereicherte. Der Ofen wurde von unten mit Holz befeuert, um dann die aufsteigende warme und rauchige Luft durch eine große Kammer mit hölzernen Dörrstiegen, auf denen das Obst lag, zu führen. Originale Dörrstiegen sind noch an Ort und Stelle vorhanden. Der Dörrofen wurde zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg für kurze Zeit betrieben.


Innenraum mit Dörrofen. Foto: LWL/ Breloh

Der Steinfußboden aus groß- und mittelformatigen Bruchsteinplatten konnte geborgen und neu verlegt werden. Weiterhin wurden im Inneren Bruchsteinfundamente der nicht mehr erhaltenen ursprünglichen Innenaufteilung mit drei Raumabtrennungen und quer liegendem Mittelgang gefunden. Diese zeichnen sich heute durch eine Einfärbung der Fugen im Fußboden ab. Ebenfalls belegt ist der ehemalige Zugang zum Dachboden, der durch eine der Türen von außen über eine innenliegende Treppe am Giebel erfolgte. An gleicher Stelle wurde eine neue Holztreppe eingebaut.

Dank der Sanierung präsentiert sich das Gebäude heute in einem sehr guten Zustand. Unter Einbeziehung des Dörrofens wurde im Erdgeschoss ein Raum geschaffen, welcher als Versammlungs- oder Ausstellungsort für Vereinstätigkeiten und andere Veranstaltungen genutzt werden soll. Eine Teeküche soll in dem zurückgebauten Teil des Dörrofens eingebaut werden. Das Dach ist ohne weitere Belichtungsöffnungen so ausgerüstet, dass dort in Zukunft eine Übernachtungsmöglichkeit für den Sommer geschaffen werden kann. Sanitäre Anlagen wurden im Außenbereich errichtet.

Das Ergebnis ist wertvoll und hoch zu loben, da hier ein zwar kleines, für Nordborchen aber wichtiges Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit in die Zukunft getragen wird.

Birgit Breloh