Eisengitter des Heiligenhäuschens, Foto: N. Sonntag, Architekturbüro Sonntag + Partner, Siegen

Eisengittertor im Heiligenhäuschen

des Hl. Ignatius von Loyola in der Wallfahrtsstätte Eremitage, Wilnsdorf-Niederdielfen

Immer wieder trifft man auf abschließbare Eisengitter bei Bildstöcken oder offenen Kapellen. Den Gläubigen erlauben sie einen Blick auf die Andachtsobjekte und bieten gleichzeitig Schutz vor Raub und Vandalismus. Ihre einfachen Konstruktionen sind oft  pragmatisch, eine schmückende Gestaltung eher selten. In seiner Art herausragend ist daher das schmiedeeiserne, doppelflügelige Eisengittertor (Maße ca. 1,75 m x 1, 50 m) im Heiligenhäuschen des Hl. Ignatius von Loyola in der Marienwallfahrtsstätte Eremitage, Wilnsdorf-Niederdielfen, das der LWL zum Denkmal des Monats kürt.


Heiligenhäuschen des Hl. Ignatius von Loyola, Foto: N. Sonntag, Architekturbüro Sonntag + Partner, Siegen

Die Geschichte des Heiligenhäuschens und seines Gitters ist wegen der spärlichen Quellenlage mit einigen Fragezeichen behaftet. Obwohl das Häuschen schon im Jahr 1679 als eine von sieben Stationen eines Prozessionsweges errichtet wurde, wird das Gitter explizit erst einige Jahrzehnte später im Zusammenhang mit den Übergriffen und Störungen der katholischen Prozessionen erwähnt. Konkreten Anlass für seine Anfertigung mag der Raub der Figur „Heiland am Ölberg“ aus der Wallfahrtsstätte in der Nacht vor Karfreitag im Jahr 1751 gegeben haben, welche nach ihrer Auffindung im Stationshäuschen eingemauert und zudem durch ein starkes Eisengitter geschützt wurde. Die Wut der Gemeinde über den Raub der Figur und die Angst vor neuem Vandalismus erklärt vielleicht die überraschende Massivität des Gitters, das den gesamten Öffnungsbogen des Heiligenhäuschens einnimmt. Die Rahmenkonstruktion beider Flügel besteht aus untereinander vernieteten Flacheisen mit zusätzlichen Querbändern, welche die Flügel der Höhe nach in je drei Felder unterteilen. Die notwendige diagonale Versteifung gewährleisten zwei mit Rundstäben in Durchsteckarbeit ausgeführte Diagonalgitter unten. Die oberen Felder füllen bei senkrechter Anordnung durchgehende Flacheisenstäbe mit einer sparsamen, balusterartigen Gestaltung mit kleinen Kreuzen in der Mitte und pyramidenförmigen Spitzen oben. Alle Nietungen sind als sechsblättrig getriebene Blumenrosetten gestaltet. Zusammen mit den filigranen, von den Flacheisenstäben abgespaltenen Schnörkeln stehen die Rosetten im spannungsreichen Kontrast zu der massiven Rahmenkonstruktion.

Einzigartig ist bei diesem Eisengittertor das unverkennbare Bestreben des unbekannten Schmiedemeisters, ein solides und zugleich ästhetisch ansprechendes Gitter herzustellen. In Westfalen sind keine weiteren Tore ähnlicher Machart aus dem 18. Jahrhundert bekannt. Als Vergleichsbeispiele kämen nur – wenngleich deutlich kleinere – verzierte Vergitterungen an Bildstöcken in Betracht, die ihrerseits eher eine Ausnahme darstellen: So beispielsweise der etwa zeitgleich entstandene Bildstock der Pfarrei St. Joseph in Beermanweg 3, Lippstadt – Bad Waldliesborn (1739), dessen diagonal arrangierte Flacheisen ebenfalls durch Rosettennieten zusammengehalten werden. Oder der Bildstock der Hl. Agatha, Kirchplatz 1, Balve (1698), mit einem ansonsten schmucklosen Gitter, das eine diagonale und bogenförmige Anordnung der Flacheisen effektvoll miteinander kombiniert.


Detail am linken Flügel des Eisengitters, Foto: N. Sonntag, Architekturbüro Sonntag + Partner, Siegen

Bei einer Begutachtung der Ausstattung der Wahlfahrtsstätte anlässlich der geplanten Restaurierung fiel der schlechte Erhaltungszustand des Eisengitters auf. Besorgniserregend war vor Allem die massive Schichtkorrosion zwischen den Einfassungen des Diagonalgitters in bodennahen Bereichen. Mit einer Schichtdicke von stellenweise mehreren Zentimetern drückten die Korrosionsprodukte die Querbänder zwischen den Vernietungen auseinander und verformten diese wellenförmig. Durch die mechanische Beanspruchung waren zwei der unteren Nieten des rechten Flügels bereits abgesprengt. Weil auch einige Bänder an ihren unteren Enden durch Korrosion einen deutlichen Substanzverlust erlitten haben, war die Stabilität der Konstruktion gerade im unteren Bereich akut gefährdet.

Mit der lange fälligen Konservierung soll nun ein in der Denkmalpflege erfahrener Metallrestaurator betraut werden. Das in Absprache mit Stephan Brunnert, Metallrestaurator des LWL-Museumsamtes und Susanne Conrad, Metallrestauratorin des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland, entwickelte Konzept sieht eine zurückhaltende Konservierung des Eisengitters vor, welche die bereits eingetretenen Materialveränderungen respektiert. Das Ziel ist das Unterbinden bzw. Minimieren weiterer Korrosionsprozesse am Metallträger und der Erhalt der Funktionstüchtigkeit des Gittertores. Geplant ist eine schonende Abnahme aller lockeren Korrosionsprodukte im Strahlungsverfahren. Partielle Ergänzungen sind nur an für die Stabilität erforderlichen Stellen vorgesehen, wobei auf ästhetische Ergänzungen bzw. die Rückformung von deformierten Bändern völlig verzichtet wird. Auf eine konsolidierende Imprägnierung verbliebener Rostherde wird schließlich der Auftrag eines mehrschichtigen Korrosionsschutzes auf Polyurethanbasis folgen. Für diese denkmalgerechte, umfangreiche Konservierung ist die Finanzierung noch nicht vollends geklärt und Spenden sind willkommen.

Helena Dick

Diplomrestauratorin