Mächtige alte Bäume prägen den ehemaligen Friedhof. Foto: LWL

Der Hörsterfriedhof

Ein Ort für Geschichte und Geschichten

Die kleine Grünanlage, die sich unweit der Promenade hinter Verwaltungsbauten an der Piusallee in Münster verbirgt, ist ein ehemaliger Friedhof, der von den Kirchengemeinden St. Lamberti, St. Martini und St. Servatii genutzt wurde. Von 1808 bis 1887 wurde auf diesem außerhalb der Stadtbefestigung angelegten Friedhof beerdigt. Er wurde angelegt, weil die innerstädtischen Begräbnisplätze auf den Kirchhöfen wegen Platzmangels und aus hygienischen Gründen aufgegeben werden mussten. Unter der Regierung des französischen Vasallenstaates Großherzogtum Berg, die von 1808 bis 1813 dauerte, wurde die Schaffung neuer Friedhöfe vor den Toren der Stadt Münster durchgesetzt. Neben dem Hörsterfriedhof entstanden der Friedhof vor dem Neutor (Überwasserfriedhof) und der Friedhof vor dem Aegidiitor, der heute überbaut ist.

Ursprünglich war der Hörsterfriedhof eingefriedet und wurde von Nord nach Süd durch einen langen Mittelweg und von West nach Ost durch einen kurzen Querweg in vier Grabfelder gegliedert.  Als im Jahre 1887 der Zentralfriedhof in Münster fertiggestellt war, wurde auf dem Hörsterfriedhof nicht  mehr bestattet. Wildwuchs machte sich breit und der allmähliche Verfall des Friedhofs  setzte ein. 1926 wurde der Friedhof von der Stadt Münster als Grünfläche gestaltet. Die Gräberfelder wurden abgeräumt, an ihrer Stelle Rasenflächen angelegt und schattenspendende Bäume gepflanzt. Die Wege bekamen einen kurvigen Verlauf und in den Randbereichen des Friedhofs, vereinzelt auch auf den Rasenflächen,  blieben Grabsteine stehen und erinnern an die ursprüngliche Nutzung der kleinen Grünanlage.

Im Süden des ehemaligen Friedhofs befinden sich die meisten der erhaltenen Grabdenkmäler, die zumeist in neugotischem Stil gestaltet wurden. In diesem Bereich befindet sich auch das alte sandsteinerne Friedhofskreuz. Es stand am Ende der vom Bohlweg nach Süden verlaufenden  Mittelachse.  In der südwestlichen Ecke des ehemaligen Friedhofs befindet sich auch die gut erhaltene Grabstätte der Familie Hüffer, auf der auch der frühere Oberbürgermeister Johann Hermann Hüffer seine letzte Ruhe gefunden hat.


Umgestürzter Grabstein, von Rhododendron überwachsen. Foto: LWL

Neben den erhaltenen Grabsteinen fällt besonders der prächtige und alte Baumbestand des  ehemaligen Friedhofs auf: Vor allem Große Winterlinden, Robinien, eine Pyramideneiche, ein  Feldahorn, Eschen und  Rotbuchen sowie Eiben, Fichten und Rhododendren prägen  den Park.  Nachdem in jüngerer Zeit einige Bäume durch Stürme entwurzelt wurden, hat man Gehölze wie Mammutbaum, Esskastanie und Amberbaum nachgepflanzt. Am Ostrand des Parks fallen viele mehrstämmige und verschlungen gewachsene Hainbuchen auf. Bei ihnen handelt es sich wohl um die Reste der Hainbuchenhecke, die den Friedhof ursprünglich umgab. Weil die Hecke nicht mehr geschnitten wurde, sind die Hainbuchen zu großen Bäumen herangewachsen.

Aber nicht nur Überreste alter Hecken und alte Grabsteine erinnern an den ehemaligen Friedhof. Seit 2005 steht eine Stele aus Sandstein mit dem Bildnis Clemens Maria Franz Freiherr von Bönninghausens (1785-1864) als Reminiszenz an der Stelle seines im Zweiten Weltkrieg zerstörten Grabes. Von Bönninghausen war einst Landrat des Kreises Coesfeld und lange Jahre Direktor des Botanischen Gartens in Münster. Vor allem aber ist er bekannt als Wegbereiter der Homöopathie. Auch Annette von Droste-Hülshoff zählte zu seinen Patienten.

Eine Besonderheit des kleinen Parks ist eine Installation des Künstlers Guiseppe Penone. Die wie ein am Boden liegender Ast täuschend echt gestaltete Bronzeskulptur erweist sich bei näherem Hinsehen als ein Brunnen: Aus dem Ast ragt der Abdruck eines Unterarms, dem Wasser entströmt. Penone schuf sein Kunstwerk „Progetto Pozzo di Münster“ (Brunnenprojekt für Münster) anlässlich der Skulptur Projekte 1987. Gerade auf dem ehemaligen Friedhof regt diese Skulptur dazu an, sich mit dem Werden und Vergehen in der Natur zu beschäftigen.

Auch in jüngerer Zeit spielen Tote auf dem Hörsterfriedhof ein wichtige Rolle – wenn auch nur belletristisch in Form eines „Münsterkrimis“ einer bekannten Autorin.

Die kleine denkmalgeschützte Grünanlage erfreut sich großer Beliebtheit, Hunde werden ausgeführt, Boule wird auf den Wegen gespielt und die alten Bäume müssen schon mal für „Slacklining“ herhalten.  Mit der Unterschutzstellung als Gartendenkmal hat die Denkmalpflege entscheidend mit dazu beigetragen, dass der ehemalige Friedhof als Dokument der Stadtgeschichte und als Stadteilpark erhalten geblieben ist.

Uwe Siekmann