Obst- und Gemüsegarten mit Klostergebäude im Hintergrund, Februar 2014, Foto: LWL/Siekmann

Garten des Kapuzinerklosters in Werne

Das Kapuzinerkloster wurde ab 1671 außerhalb der Stadt direkt im Anschluss an die Stadtmauer errichtet.

Der Klostergarten ist ein religiöses Denkmal. Er bildet in der Abgrenzung durch die umgebende hohe Mauer zusammen mit dem Kloster und dem eingeschlossenen Kreuzgang eine tiefe symbolische Einheit. Seit über 340 Jahren ist er ein Ort des spirituellen Lebens, in dem Gebet, Einkehr, geistige Tätigkeit und Handarbeit gepflegt werden.

Von alters her dienten Klostergärten der Selbstversorgung der Mönche. Einfach gestaltet, von rechteckigem Grundriss und mit orthogonalem Wegenetz ausgestattet, gehörten Gemüse- und Kräuterbeete  sowie Obstgehölze zur Anlage eines Klosters dazu. Die enge spirituelle Beziehung zum Garten und zum Gärtnern bildete eine der Grundlagen des christlichen Klosterlebens.

Die Kapuziner zählen zu den Franziskaner-Minoriten, die bereits seit dem 13. Jahrhundert in Westfalen eine bedeutende Rolle spielten. Nach dem Vorbild des heiligen Franz von Assisi setzten sie sich vor allem für Arme, Notleidende, Obdachlose und Kranke ein. In Werne kümmerten sie sich im 17. und 18. Jahrhundert auch um die Pestkranken. Das Pesthäuschen, in dem die Patres wohnten, die die Pestkranken pflegten, kündet noch heute davon.

Im Unterschied zu vielen anderen Klöstern Westfalen-Lippes überstand das Werner Kapuzinerkloster die Folgen der Säkularisation und des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert nahezu unbeschadet, die Gebäude wurden als Schule und nach dem Zweiten Weltkrieg als Bildungsstätte für Studenten des Ordens  genutzt. Über die Zeit hinweg blieb auch der Garten als Fläche weitgehend erhalten und wurde als Nutzgarten bewirtschaftet.


Fleißige „Klostergärtner“ bei der Arbeit im März 2012, Foto: LWL/Siekmann

Über die bauzeitliche Anlage des Werner Klostergartens liegen keine Angaben vor. Seine heutige Gestaltung und Bepflanzung stammt wohl aus dem späten 19. Jahrhundert,  doch ist anzunehmen, dass damals der Klostergarten nicht grundsätzlich neu angelegt, sondern unter Wahrung älterer Gestaltungen instand gesetzt worden ist.  Ein Mittelweg und zwei orthogonal verlaufende Querwege gliedern den Gemüsegarten mit seinen unterschiedlich großen Beeten, wie er sich hinter dem Klostergebäude erstreckt. Im Kreuzungspunkt des Mittelweges mit dem hinteren Querweg befindet sich ein Rondell, in dessen Mitte ein Kruzifix steht. Das Rondell und die umgebenden Beete sind mit niedrigen Buchsbaumhecken eingefasst. Ein Obstgarten südwestlich des Gemüsegartens vervollständigt die Anlage, denn Obstbäume waren immer schon wichtige Lieferanten für den klösterlichen Speiseplan. Noch heute sind an der südexponierten Klostermauer die Befestigungshaken für ein Lattengerüst erkennbar, das dem Anbinden von Weinranken oder Spalierobst diente.

Besonders auffallend sind vier parallel zur Traufseite des Klostergebäudes wachsende hohe Buchsbäume, die wohl um 1900 gepflanzt und in rundkegeliger Form geschnitten werden sowie eine Reihe alter, regelmäßig beschnittener Hainbuchen entlang der südlichen Klostermauer.  Als weitere markante Gehölze prägen eine Magnolie, eine Weide, zwei Eiben und mehrere Rotbuchen den Garten.

Dass in den letzten Jahrzehnten vermehrt Ziergehölze wie Hortensien und Rosen in die Beete gepflanzt wurden , sich der Anteil an Rasenfläche vergrößerte und sich  in manchen Gartenbereichen Wildwuchs breit machte, tut der Schönheit  und dem Zeugniswert des Werner Klostergartens, der in seiner Schlichtheit und funktionalen Aufteilung über Jahrhunderte hinweg in traditioneller Weise genutzt wurde, keinen Abbruch.

Weil die beschwerliche Arbeit im Klostergarten den vorwiegend im höheren Alter stehenden Kapuzinern nicht mehr so leicht von der Hand geht,  fanden sich im „Freundeskreis Klostergarten Werne“ Interessierte zusammen, die die  Brüder bei der Gartenarbeit tatkräftig unterstützen. Ihr Bestreben ist es, den Klostergarten als Kulturdenkmal zu erhalten und zu pflegen. Wichtigste denkmalpflegerische Ziele sind die Bewahrung der vorherrschenden Ordnung des Nutzgartens und die Pflege der alten Obst- und Ziergehölze.

In ehrenamtlicher Arbeit wurden von den Gartenfreunden die Gemüsebeete von Unkraut befreit, die Obstbäume, die alten Hainbuchen, die Buchsbaumkegel und die Beeteinfassungen fachgerecht geschnitten und ergänzt. Neben Gemüse und Obst werden auch Ziersträucher und Sommerblumen gepflanzt, die für die Ausschmückung der Kirche verwendet werden.  

Wer so fleißig ist, braucht natürlich auch ein Plätzchen zum Ausruhen, und so entstand ein kleiner überdachter Sitzplatz hinter dem Geräteschuppen. Dort können auch Besucher Platz nehmen und sich an der Blütenpracht des Klostergartens erfreuen. Wer bei der Pflege des Klostergartens mithelfen möchte, möge sich beim Freundeskreis melden -  Arbeit gibt es immer und helfende Hände sind herzlich willkommen.

Uwe Siekmann