Aussenansicht der Villa, Foto: LWL/Hedwig Nieland

Die Villa Schönfeld

in Herford

Auf einem ehemaligen Rondell der historischen Stadtbefestigung, westlich umflossen vom Stadtgraben, erhebt sich in hervorgehobener Lage die ehemalige Villa Schönfeld. Sie wurde in den vergangenen Jahren vorbildlich saniert und wird nach einigen Jahren des Leerstandes wieder als stadtgeschichtliches Museum genutzt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat die Museumsvilla zum Denkmal des Monats Juli gekürt.

Die Villa wurde 1874 als erste Unternehmer-Villa in Herford errichtet. Bauherren waren die Eheleute Heinrich Friedrich und Emilie Franziska Schönfeld. Die Familie Schönfeld betrieb im 19. Jahrhundert eine Spinnerei auf dem Gelände der früheren  Fürstabtei. 1857 besaß das Unternehmen eine der ersten Dampfmaschinen in der Stadt. Die Spinnerei wurde in den Folgejahren mit nahezu 200 Arbeitern das größte Unternehmen in der Stadt. Die Schönfelds waren im 19. Jahrhundert die bedeutendste Unternehmerfamilie in Herford.

Nachdem die Familie noch lange auf dem ehemaligen Abteigelände bei ihrem Unternehmen gewohnt hatte, veranlasste das Bedürfnis nach angenehmen Wohnverhältnissen die Planung eines komfortablen, repräsentativen Wohnhauses. Dazu wählte man einen großzügigen Bauplatz abseits der engen Innenstadt im damals unbebauten Grünbereich am Stadtrand.

Die Planung und Gestaltung der Villa orientierte sich insbesondere an den Villenbauten, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Dresden entstanden waren. Vorbildhaft war eine Formensprache, die sich an der italienischen Renaissance orientierte. Das Gebäude weist einen kompakten zweigeschossigen Baukörper mit einem zusätzlichen Halbgeschoss auf. Alle vier Fassaden sind streng symmetrisch gegliedert und zeigen rechteckige und rundbogige Fenster. Die kräftigen Eckquaderungen unterstreichen die monumentale Wirkung des Gebäudes.


Gartenansicht von ca. 1880, Aufnahme: Städtisches Museum Herford

Seit 1940 dient die ehemalige Villa als Museum für Stadtgeschichte. 1962 wurden umfangreiche Baumaßnahmen und Umbauten mit der Absicht ausgeführt, das Gebäude dem Zeitgeschmack entsprechend an die Bedürfnisse eines musealen Ausstellungsbetriebes anzupassen. Dabei wurden der Grundriss verändert, typischer Fassadenschmuck entfernt und historische Wandfassungen einheitlich weiß überstrichen.  Damals hatte man die Villa noch nicht als ein wichtiges Zeugnis der Herforder Bau- und Stadtgeschichte erkannt.

Erst seit der Eintragung der Villa Schönfeld 1982 in die Denkmalliste der Stadt Herford wurde man sich der historischen Bedeutung der Villa bewusst. Im Jahre 2004 nahm die Stadt eine Grundsicherung des Baudenkmals vor, indem die Fassaden und das Dach instandgesetzt wurden. Da die Stadt sich allerdings finanziell zu einer weitergehenden Sanierung des Inneren nicht imstande sah, konnte die stadtgeschichtliche Ausstellung nicht mehr gezeigt werden und wurde in den Magazinen eingelagert.  Dem Gebäude drohte ein jahrelanger Leerstand. Erst eine großzügige Spende der Herforder Familie Streuber an die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“ und die Gründung der „Grace-und-Fritz-Streuber-Stiftung“ gaben den Anstoß für die denkmalgerechte Innensanierung, die in den Jahren 2012 und 2013 ausgeführt wurde. Der LWL-Denkmalpflege war es dabei ein wichtiges Anliegen, ein denkmalpflegerisches Konzept zusammen mit dem Stadtmuseum Herford zu entwickeln. Eine wichtige Zielsetzung für das zukünftige Stadtmuseum war insofern, das Museumsgebäude selbst als erstes Exponat zu verstehen und insofern die Villennutzung wieder anschaulich zu machen.

Im Zuge der Sanierung wurde das bauzeitliche Grundrisskonzept wieder herausgearbeitet. Das wurde dadurch erreicht, dass vermauerte Türen wieder geöffnet wurden. Die historischen Türen wurden aufgearbeitet und nachgebaute Türen wieder eingesetzt. Soweit es möglich war, wurden im Erdgeschoss wieder die alten Raumfassungen hergestellt und restauratorische Befunde zur Erklärung der Baugeschichte freigelassen. Im Eingangsbereich konnte der anspruchsvolle Mosaikfußboden nur in einem Teilbereich wieder freigelegt werden. In der Halle wurde der Tafelparkett-Fußboden vollständig wiederhergestellt.

Im vergangenen Jahr wurde das Erdgeschoss als erster Teil des stadtgeschichtlichen Museums wieder für Besucher freigegeben. Die sanierte Villa Schönfeld veranschaulicht heute wieder zusammen mit originalen Exponaten und historischen Fotos das Leben und Wohnen einer großbürgerlichen Familie im Herford der Zeit um 1900. Bei dem Sanierungsprojekt ist es gelungen, denkmalpflegerische und museale Zielvorstellungen in Einklang zu bringen.

Dipl.-Ing. Hartmut Ochsmann