Der Konventsbau des Franziskanerklosters

in Borken-Gemen

In der ehemaligen Burgfreiheit Gemen hat sich - in unmittelbarer Nähe des Herrensitzes - die spätbarocke Klosteranlage eines Franzikanerkonvents aus dem frühen 18. Jahrhundert erhalten. Es handelt sich um eine dreiflüglige Anlage, bestehend aus zwei Klosterflügeln (Süd- und Ostflügel) und einer monumentalen Saalkirche, die den Westflügel der Anlage bildet. Kirche und Kloster entstanden in der Zeit von 1705 bis 1756 und sind bis heute fast unverändert überliefert.

Die Bauten bezeugen bis heute auf anschauliche Weise das Fortwirken der Gegenreformation im 18. Jahrhundert und dokumentieren zugleich die Bedeutung des Franziskanerordens für die Rekatholisierung Westfalens. Komplett erhaltene Franziskanerklöster sind durch Kriegszerstörungen und/oder spätere Überformungen selten überliefert, so dass Kloster und Kirche wissenschaftliche, hier religionsgeschichtliche und volkskundliche Bedeutung für Westfalen besitzen. Darüber hinaus ist die Klosteranlage auf Grund ihrer zentralen Lage in der Burgfreiheit Gemen unmittelbar am alten Hauptzugang der großen Burganlage von städtebaulicher Bedeutung für die Ortschaft Gemen.

Über Jahre hinweg befanden sich Kloster und Kirche in einer Art‚ Dornröschenschlaf‘, was den großen Umfang der überlieferten Originalsubstanz erklärt. Im Jahr 2004 beabsichtigte die Kirchengemeinde, die leer stehenden Räume im Obergeschoss einer Nutzung zuzuführen. Parallel zu diesen Bemühungen musste die Planung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten für die Büronutzung erarbeitet werden. Dafür waren bauhistorische Untersuchungen eine Voraussetzung, die von unserer amtsinternen Bauforschung übernommen wurden. Weitere Untersuchungen wie Farb- und Putzbefunde wurden vom Amt an eine selbständige Restauratorin vergeben. Diese Untersuchungen zeigten, dass die originale Bausubstanz größtenteils erhalten ist, was zusätzlich zur neuen Nutzung eine Planung mit weitgehender Rücksichtnahme auf die historische Überlieferung erforderlich machte.


Glück für das Gebäude und seine Eigentümer war, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 2007 für den Etat des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) einen zusätzlichen Fond als Kulturinvestitionsprogramm beschlossen hatte. Dieser Fond konnte über mehrere Jahre verteilt eingesetzt werden. Um Fristen für den Mittelabruf einzuhalten, haben alle Beteiligten mit hohem Arbeitseinsatz Planung und Ausführung immer wieder den neu gewonnenen Erkenntnissen und äußeren Veränderungen wie Architekten, Bearbeiter- und Nutzerwechsel  angepasst.

Bisher konnten die Tragwerksanierung des Daches, die Instandsetzung der Deckenbalken im Obergeschoss und die Außeninstandsetzung des Gebäudes mit gutem Erfolg umgesetzt werden. Dachkonstruktion und Obergeschoss-Balkenlage wurden dabei im Bestand restauriert. Die restauratorische Konzeptfindung wurde in enger Abstimmung mit dem Architekten, einem Restaurator im Zimmermannshandwerk und dem Denkmalamt entwickelt und qualitätssichernd ausgeschrieben und nachhaltig ausgeführt.

Die Instandsetzung der Fassaden erfolgte nach Angaben des amtsinternen Restaurators. Die schadhaften Sandsteinflächen sind mit geringem Druck gewaschen und gebürstet worden. Danach erfolgte ein Vornässen mit Kalksinterwasser. Schadhafte Ausbruchkanten sind durch Anböschung repariert worden und haben eine mineralische Verschleißschicht aus Kalkschlämme erhalten. Nur nicht intakte Fugen wurden ohne Aufweiten der Schnittfuge und Verschlämmen erneuert. Dabei wurde ein auf den Stein angepasster Mörtel, d.h. Fugenmörtel weicher als der Stein, mehrlagig eingebracht. Exemplarisch wurden Originalfugen im Innenhof als Primärquelle erhalten.

Eine weitere Umsetzung der Planung wird künftig vermutlich nutzungsneutral erfolgen müssen, weil gegebenenfalls ein Eigentumswechsel bevorsteht und eine neue Nutzung nicht zeitnah umgesetzt werden kann.

Dipl.- Ing. Gabriele Podschadli