Straßenfassade der ehem. Molkerei nach der Umnutzung, Foto: LWL/Pankoke

Umnutzung der ehemaligen „Mindener Molkerei E.G.“

zu einem Modegeschäft

 

Zum Denkmal des Monats August hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die ehemalige Mindener Molkerei an der Immanuelstraße gewählt.  Nach jahrelangem Leerstand begannen 2013 endlich die Sanierungsarbeiten, die bis zum Frühjahr 2014 andauerten. Das Oberbekleidungsgeschäft Dittrich mit gehobener Mode für Damen und Herren hatte zuvor bereits in einem Baudenkmal  am Markt drei Jahrzehnte bestanden.

Die „Mindener Molkerei E.G.“ wurde 1888 von den Gutsbesitzern der Umgebung von Minden, u.a. dem Besitzer von Gut Haddenhausen - heute zu Minden gehörend -  gegründet, um ihre Milch wirtschaftlicher vermarkten zu können.  Im gleichen Jahr wurde das Gebäude der Molkerei-Genossenschaft nach Plänen des namhaften Mindener Architekten Oskar Ziegler (1820-1905)  durch das Bauunternehmen Schmidt & Langen errichtet.


Straßenfassade der ehem. Molkerei vor der Umnutzung, Foto: D. Bommel, Stadt Minden

Das Neo-Renaissance- Gebäude  fügt sich sehr gut in die benachbarte Villenbebauung  ein. Fast zeitgleich wurde beispielsweise das Wohn- und Geschäftshaus Immanuelstraße 7  für den Rendanten der Sparkasse ebenfalls  nach Zieglers Plänen erbaut. Die nordwestliche Ecke des  Hauptbaukörpers ist durch einen vorspringenden Bauteil mit eigenem Satteldach betont. Hier befindet sich der ehemalige Haupteingang mit dem großen  rechteckigen Schaufenster des  Milchgeschäftes.  Der Giebel ist mit einem hölzernen Sprengwerk geschmückt.  Östlich grenzen die ehemaligen Büro- und Verwaltungsräume (Kontore) im Erdgeschoss an, in der rückwärtigen Halle fand die Milchverarbeitung (Milchannahme, Butterraum, etc.) statt. An diesen Trakt baute man später mehrfach an (Maschinen- und Kesselhaus, etc.). Im Obergeschoss befanden sich Wohnräume, im Kellergeschoss wurden  die Molkereiprodukte gekühlt und das für die Herstellung notwendige Zubehör gespült.

Die architektonischen Qualitäten des zweigeschossigen Putzgebäudes der Molkerei  waren  freilich durch die Folgenutzungen als Möbelhaus, Teppichgeschäft, Ballett-  und Fitness-Studio im Laufe der Jahrzehnte immer mehr innen wie außen verdeckt worden. Mit Liebe zum Detail wurde Vieles wieder freigelegt - wie zum Beispiel die preußische Kappendecke und die gusseisernen Säulen in der Milchhalle im Erdgeschoss.   


Innenraum der ehem. Molkerei nach der Umnutzung, Foto: LWL/Pankoke

Mit wenigen hochwertigen Materialien und schlichten geschmackvollen Einbauten wurde die große Halle als Verkaufsfläche auf zwei Ebenen im Erdgeschoss gestaltet. Im Bereich der ehemaligen Wohnräume im Obergeschoss entstanden Büros für die Geschäftsführung und Besprechungsräume. Der Außenbau erhielt wieder einen einheitlichen hellen Anstrich. Im Bereich der Laderampe für die Milchanlieferung an der Westseite befindet sich heute der barrierefreie  Haupteingang des Textilhauses, während der Ladeneingang des ehemaligen Milchgeschäftes verschlossen wurde. Die für die Nutzung als  Modegeschäft unabdingbaren Schaufensteröffnungen  entstanden, indem man  die rundbogigen Fenster im Erdgeschoss an der Immanuelstraße bis auf den Boden herunter führte.  Zur  angenehmen Überbrückung von Wartezeit, lädt eine Kaffee- und Wein-Bar im rückwärtigen Bereich die jeweilige Begleitung der Kundschaft  ein. Auch eine gemeinsame Stärkung nach möglichst erfolgreich getätigtem Einkauf ist hier möglich.  Abschließend sei noch die gut gestaltete Werbeanlage aus Edelstahl-Einzelbuchstaben erwähnt, die ganz zurückhaltend die Begrenzungsmauer des unmittelbar benachbarten Parkplatzes ziert und  dem Baudenkmal mit seinem ursprünglichen Schriftzug „Mindener Molkerei E.G.“ nicht die Show stiehlt.

Dr. Barbara Pankoke