Sorgfältig restaurierter Sandsteinplattenbelag vor dem Badehaus. Das anschließende Schwimmbecken ist heute als Sumpfbeet erhalten. Foto: LWL/Siekmann

Parkanlage

der Villa Hecking in Neuenkirchen im Kreis Steinfurt

Die Villa Hecking wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts als repräsentatives Wohnhaus der Familie des Textilfabrikanten Alphons Hecking gebaut. Über die bauzeitliche Gestaltung des Gartens ist nur bekannt, dass seine nördliche Hälfte mit Eichen und Rotbuchen bepflanzt war. In den 1940er-Jahren wurde der südliche Teil des Gartens von einem Gemüsegarten und einer Obstwiese mit einem Bienenhaus eingenommen. Ein Waschhaus und ein sechseckiger Gartenpavillon in der Nähe des Wohnhauses vervollständigten die bauliche Ausstattung des von einer Mauer umschlossenen Grundstücks.

Anfang der 1950er-Jahre wurde der Garten nach Plänen des Gartenarchitekten Roland Weber (1909 – 1997) aus Düsseldorf neu gestaltet. Roland Weber, der zu den führenden Gartenarchitekten der 1950er- und 1960er-Jahre in Deutschland zählte, versetzte das Waschhaus mit angrenzender Bleiche an die Nordseite der Villa und platzierte ein nierenförmiges Schwimmbecken mit einem zugehörigen reetgedeckten Badehäuschen in der südwestlichen Ecke des Gartens. Den Platz am Badehaus befestigte er mit polygonalen Sandsteinplatten. Zwischen der Villa und dem Schwimmbecken erstreckt sich eine ausgedehnte, ebene Rasenfläche mit einzelnen älteren Apfelbäumen, die nach Norden in den lichten Eichen-Buchenbestand übergeht. Ein schmaler, von einem Pflanzbeet begleiteter Rundweg entlang der Rasenfläche und durch das Wäldchen verbindet die Villa mit dem Schwimmbecken. Eine schlichte, auf das Wesentliche reduzierte Gestaltung, gibt Raum für Stauden und Gehölze. In sonniger Lage pflanzte Weber starkfarbigen Rittersporn, Phlox, Iris, Päonien, Malven, Helenium, Astern, durchsetzt mit Zwiebelpflanzen, die im Frühjahr mit der Randbepflanzung aus Polsterstauden zusammenklingen. An den baum- und gehölzbeschatteten Stellen der Rabatten vor der Grenzmauer am Wege zum Badehaus stehen Astilben, Aconitum, Cimicifuga, Akelei und Ähnliches. Als immergrüne Gehölze, die den Gartenraum optisch gliedern, verwendete Weber freiwachsende Rhododendren, Ilex, Eibe und Buchsbaum. In dem 1952 erschienenen Buch  „Der Wohngarten“ des Architekten Guido Harbers wird der von Roland Weber gestaltete Park der Villa Hecking beispielhaft hervorgehoben.

Roland Weber machte ab 1927 eine Gärtnerlehre und studierte ab 1931 an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem, unter anderem bei dem einflussreichen Staudengärtner Karl Foerster. 1936 gründete er sein eigenes Büro in Köln, nach dem Zweiten Weltkrieg zog er mit seinem Büro nach Düsseldorf. Im Mittelpunkt aller gartenkünstlerischen Bemühungen der 1950er-Jahre stand der Hausgarten. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts Hausgärten immer eine ausgeprägt repräsentative und formale Note besaßen und in den 1920er- und 1930er-Jahren der Nutzgartenaspekt im Vordergrund stand, ging es in den 1950er-Jahren um den Wohngarten und seinen Freizeitwert. Die Hausgärten wurden als in den Freiraum erweiterte Wohnung verstanden. Als Landschaftsarchitekt war Roland Weber ein typischer Vertreter der Tendenzen seiner Zeit und brachte es zu internationalem Rang, wenngleich die Mehrzahl der von ihm geschaffenen öffentlichen und privaten Gartenanlagen im Rheinland lag. 


Staudenbeet am Waldrand. Foto: LWL/Siekmann

Zentrales Element von Roland Webers Hausgärten war eine großzügige, von Bäumen, Sträuchern und Stauden gerahmte Rasenfläche. Sie vermittelt Einfachheit, Ruhe und Weite, wodurch Geist und Auge Entspannung finden, durch den „leeren Raum“ gleichzeitig aber auch unaufdringlich angeregt werden. Seine Gestaltungen sind landschaftlich geprägt und von harmonischen Proportionen, bei der Auswahl der Pflanzen bevorzugte er solche mit Blüten in klaren, ungebrochenen Farben, leuchtendes Rosen-Rot, Weiß, Rittersporn-Blau, Gelb, zartes Rosa und Grün in allen Schattierungen. Wege, Plätze und Wasserbecken ließ Weber aus Natursteinen und in organischen Formen herstellen, so auch das Wasserbecken und den Platz vor dem Badehaus der Villa Hecking.

Seit 1990 nutzt die Gemeinde Neuenkirchen die Villa als Begegnungszentrum und den Park als Veranstaltungsort. Zu diesem Zweck wurde die ehemalige Bleiche mit Spielgeräten ausgestattet, die Terrasse am Haus behindertengerecht umgestaltet, ein befestigter Veranstaltungsplatz eingerichtet und die Wegepflasterung teilweise erneuert. Das Schwimmbecken wurde zu einem Sumpfbeet umgewandelt. Im Laufe der Jahre hatte sich der lichte alte Baumbestand durch zu groß gewordene immergrüne Gehölze wie Ilex und Rhododendren, durch Ahorn- und Hainbuchensämlinge zu einem Dickicht gewandelt, das keine Blickbeziehungen zwischen den verschiedenen Gartenteilen mehr zuließ. Sträucher und Staudenrabatten waren überaltert und lückenhaft. Zudem war der mit polygonalen Sandsteinplatten belegte Platz am Badehaus schadhaft und nicht mehr gefahrlos zu begehen.

2013 konnte dank der Unterstützung aus Mitteln der LEADER-Region Steinfurter Land e.V. die Gemeinde Neuenkirchen unter fachlicher Beratung durch ein Landschaftsarchitekturbüro mit der Instandsetzung und fachgerechten Pflege des denkmalgeschützten Gartens beginnen. Die zu groß gewordenen Eiben wurden zurückgeschnitten, der Waldbereich ausgelichtet und geeignete Bereiche mit blühenden Wildstauden und Farnen angereichert. An einzelnen Bäumen und Baumstümpfen wurden Kletterhortensien und Kletterrosen gepflanzt.

In die Beete um das ehemalige Badehaus, am Waldrand und entlang der Wege wurden robuste Stauden in großen Gruppen und in rhythmischer Wiederholung gesetzt, wodurch die Attraktivität in Sinne Roland Webers ursprünglicher Konzeption wiedergewonnen wurde und zugleich die Pflege vereinfacht und gering gehalten werden kann. Der schadhafte Sandsteinplattenbelag am Badehaus wurde sorgsam restauriert.

Im Ergebnis ist es gelungen, durch Pflege- und Bepflanzungsmaßnahmen ein Gartendenkmal der 1950er-Jahre anschaulich zu überliefern, das zugleich den heutigen Nutzungsanforderungen als öffentlicher Park und kultureller Veranstaltungsort in hohem Maße gerecht wird.

Dass der Park der Villa Hecking der bislang einzige von Roland Weber gestaltete Privatgarten in Westfalen-Lippe ist, der unter Denkmalschutz steht, unterstreicht die hohe gartenkünstlerische Bedeutung, die dem Park für das gartenkulturelle Erbe in Westfalen-Lippe zukommt.

Uwe Siekmann