Stark zugewachsener Steingarten vor der Überarbeitung im Jahr 2011 Foto: LWL/Siekmann

Schlosspark Schötmar

in Bad Salzuflen

Wiedererweckte Blütenpracht der 1950er-Jahre im Schlosspark Schötmar

Der Steingarten südlich des Schlosses Schötmar ist das Denkmal des Monats Mai 2013. Dieser Teil des seit 1986 unter Denkmalschutz stehenden Schlossparks war ursprünglich der Küchengarten des Schlosses, der in den 1950er-Jahren nach einem Entwurf des Bielefelder Gartenarchitekten Wolf als Steingarten neu gestaltet worden ist.

Der Gedanke, Steingärten anzulegen, kam im 18. Jahrhundert über England aus Japan zu uns. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Pflanzenwelt der Alpen förderten zum Ende des 19. Jahrhunderts das Wissen über diese spezielle Gartenform und machten Steingartenpflanzen populär.  Besonders in den 1950er-Jahren waren Steingärten und Trockenmauern ein beliebtes Gestaltungsmotiv in der Freiraumplanung.

Die Geschichte des Schlosses und des Schlossparks von Schötmar reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Das Schloss wurde ab 1729 als Herrenhaus des Rittergutes Schötmar errichtet. 1831 gelangte die Anlage für fast 120 Jahre in den Besitz der Familie von Stietencron. Ursprünglich befand sich vor dem Schloss ein regelmäßig angelegtes Gartengeviert mit sich rechtwinklig kreuzenden Wegen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erweiterten Johann und Catharina von Stietencron den Park bis auf die heutige Größe und gestalteten ihn, der zeitgenössischen landschaftlichen Gartenmode folgend, mit großzügigen Rasenflächen, Solitärbäumen, Baumgruppen und Alleen, die noch heute das Bild  des Parks bestimmen.

1949 erwarb die Stadt Bad Salzuflen die Schlossanlage von der Familie Stietencron und gestaltete den Schlosspark ab 1950 in einen Bürgerpark um. Das Wegenetz wurde leicht verändert und vereinfacht, blieb aber  im Wesentlichen erhalten. Eine komplett neue Gestaltung ergab sich nach Entwürfen des Bielefelder Gartenarchitekten Wolf auf dem Areal des ehemaligen Küchen- und Obstgartens südlich des Schlosses.

Partie des Steingartens im Frühjahr 2013 nach der Überarbeitung und Neube-pflanzung Foto: Stadt Bad Salzuflen (Reinhild Dauwe)

Auf diesem südwestlich exponierten Hanggelände entstand ein orthogonal gegliederter, nahezu quadratischer Rosengarten mit rosenberankter Pergola und leicht abgesenkter Rasenfläche, in deren Mitte eine Skulptur aufgestellt wurde. Der Rosengarten ist, wenn auch verändert, bis heute erhalten und lädt mit seinen Sitzbänken zum Aufenthalt ein. Direkt an den Rosengarten schließt sich der Steingarten an, dessen niedrige, geschwungen verlaufende Natursteintrockenmauern sich terrassenartig  gestuft die Böschung entlang ziehen. Der Steingarten ist durch schmale Treppenwege gegliedert und erschlossen. Die ihm vorgelagerte sanft modellierte Rasenfläche lässt die Stauden und Sträucher des Steingartens effektvoll zur Geltung kommen.

Im Lauf der Jahrzehnte groß gewachsene Bäume und Sträucher beschatteten den Steingarten und ließen diesen mit seiner speziellen, sonnenliebenden Vegetation nicht mehr gedeihen. Auch wurden die Trockenmauern durch starkes Wurzelwachstum sich ausbreitender Gehölze in Mitleidenschaft gezogen.

Das Grünflächenamt der Stadt Bad Salzuflen veranlasste eine Überarbeitung des Steingartens mit dem Ziel, den Charakter des Steingartens stärker herauszuarbeiten. Durch Auflichten von Gehölzen wurden wieder sonnige  bis halbschattige  Bedingungen geschaffen. Zwerggehölze wurden zurückgeschnitten, bestehende Pflanzungen  aufgenommen und gelagert. Überwachsene Steine wurden wieder herausgearbeitet, der Boden gelockert und aufbereitet. Sorgsam achtete man darauf, die überlieferte Gestaltung der Trockenmauern nicht zu verändern und die überkommenen Pflanzungen zu erhalten und zu ergänzen.

Heute ist der Steingarten wieder schön anzusehen und in der Kombination von kargem Stein und üppig blühenden Pflanzen von besonderem Reiz. Die seit den 1950er-Jahren den Schlosspark Schötmar bereichernde Parkgestaltung und Blütenpracht der Stauden und Sträucher des Steingartens bilden wieder einen der Höhepunkte des Schlossparks.

Dipl.-Ing. Uwe Siekmann