Südöstliches Chorfenster mit der Kreuzigung Christi nach der Restaurierung. 2013. Foto: LWL/Nieland

Glasfenster

der katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Bottrop

Der Bottroper Stadtteil Feldhausen hat nicht nur beliebte Freizeitparks zu bieten, sondern auch hochkarätige Denkmäler, im Falle von Schloss Beck sogar beides in einer Anlage. Zwar weniger bekannt, aber nicht minder bedeutend als das von Johann Conrad Schlaun erbaute Barockschloss sind die figürlichen Glasfenster des späten Mittelalters in der katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt. Aus Anlass ihrer gerade beendeten Konservierung werden sie hier als Denkmal des Monats März vorgestellt.

Der Chor der schlichten, nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1950/51 neu errichteten Backsteinkirche bewahrt noch Reste des ursprünglichen Kapellenbaus der Zeit um 1473. Zu dieser spätgotischen Kapelle gehören auch die heute in den beiden östlichen Chorfenstern angebrachten Farbverglasungen. Sie sind um 1485 vermutlich in einer Kölner Glasmalereiwerkstatt entstanden. Stifter waren die Herren von Droste zu Beck, die auf dem nahen Adelssitz Schloss Beck ansässig waren und ihre Grablege in der Kapelle hatten. Das nordöstliche Fenster zeigt unter reichen spätgotischen Baldachinen die Gottesmutter Maria mit dem Jesusknaben im Strahlenkranz und den Evangelisten Johannes. Im südöstlichen Fenster ist die Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes dargestellt.

Hl. Johannes Evangelist, Detail aus dem nordöstlichen Chorfenster. 2013. Foto: LWL/Nieland

Die mittelalterlichen Gläser wurden bereits 1973 umfassend restauriert und erhielten damals auch eine Schutzverglasung. Das bedeutete, dass sie aus ihrer exponierten Position als Fensterverschluss herausgenommen und innen mit Abstand vor eine durchgehende Neuverglasung gesetzt wurden. Diese wurde hinter den alten Scheiben, die nur einen Teil der gesamten Fensterhöhe ausfüllen, mit Fensterglas ohne Bleinetz ausgeführt, darunter und darüber aber als angepasst gestaltete Rautenverglasung. Die Schutzverglasung verhindert mutwillige Beschädigungen von außen und schottet die kostbaren Glasmalereien vom Außenklima ab. Kondensfeuchte schlägt sich nun an der Schutzverglasung nieder und schädigt nicht mehr die bemalte, feuchtigkeitsanfällige Innenseite der hinterlüfteten originalen Scheiben. Bei der jüngsten Maßnahme wurde die Schutzverglasung lediglich überholt und modifiziert, etwa durch den Einbau von Verbundsicherheitsglas hinter den Originalen.   

Da sich die Schutzvorkehrungen bewährt haben, waren bei der jüngsten Konservierung der alten Scheiben nur wenige Arbeitsschritte notwendig. Die leicht verschmutzte Oberfläche wurde trocken gereinigt. Einige offene Sprünge, die sich durch jetzt behobene Spannungen der messinggerahmten Glasfelder ergeben hatten, mussten neu verklebt werden. Bei den Köpfen von Maria und dem Jesusknaben und der rechten Hand Marias im Nordostfenster entfernte man die 1955 ohne Verklebung zur Absicherung von Sprüngen beidseitig aufgebrachten Stützgläser (Doublierung). Grund war die festgestellte leichte Zunahme der Oberflächenkorrosion im Mikroklima zwischen den Gläsern. Den Aufenthalt der Fenster in der Werkstatt der ausführenden Glasmalerei Oidtmann in Linnich nutzte das Freiburger Forschungszentrum für mittelalterliche Glasmalerei (CVMA Deutschland) zur eingehenden Bestandsaufnahme und fotografischen Dokumentation der Scheiben.  

Die beiden spätgotischen Fenster sind nun wieder in ihrer ganzen Farbenpracht in der katholischen Kirche in Bottrop-Feldhausen zu bewundern. Im Kreise der nicht allzu zahlreich überkommenen Beispiele mittelalterlicher Glasmalerei in Westfalen bestechen sie durch weitgehend gute und unverfälschte Erhaltung und hohe künstlerische Qualität.

Dr. Dirk Strohmann