Bielefeld, Bünder Str. 25b: Das Gartenhaus im Nordpark vor der Sanierung im Jahr 2009. Foto: Stadt Bielefeld

Gartenhaus

im Nordpark in Bielefeld

Die Geschichte des „Schinkel-Pavillons“ und dessen Prominenz im Bielefeld der 50er Jahre.

Im Jahr 2011 wurde in Bielefeld der „Schinkel-Pavillon“ im Nordpark, der als Park-Café genutzt wird, mit Mitteln des Konjunkturpaketes II  umfassend restauriert und um einen modernen Anbau erweitert. Dies wurde nötig, da sich der bisherige reine Sommerbetrieb in beengten räumlichen Verhältnissen nicht mehr lohnte. Das Baudenkmal wurde als eines der schönsten Bauwerke Bielefelds in der Presse gewürdigt und das Sanierungs- und Anbauvorhaben ausführlich vorgestellt.

Bekannt ist, dass der Pavillon 1954/55 aus dem ehemaligen Villengarten der Familie Osthoff an der Detmolder Straße in den Nordpark versetzt wurde. Weniger bekannt sind jedoch die näheren Umstände und Gründe, die dazu geführt haben, dass das Gebäude mit hohem Aufwand seinen Standort wechselte. Die Entscheidung für diesen ungewöhnlichen Umzug wurde im Sommer 1953 gefällt, also genau vor 60 Jahren.

Das „Osthoff´sche Gartenhaus“ wird als Bau des Klassizismus einem Schüler des preußischen Baumeisters Karl-Friedrich Schinkel zugeschrieben. Um die Geschichte des ehemaligen Teehauses zu erzählen, darf man den zugehörigen Garten nicht außer Acht lassen. Das Gebäude wurde ca. 1830 im Park einer großformatigen Villa an der Detmolder Straße 38 errichtet. Bielefelds höhere Gesellschaft war in diesem Garten zu Gast, und schätzte vermutlich die Zusammenkünfte in dem edlen Gartenhaus. Die Anlage war bis in die frühen 1950er Jahre geprägt durch exotische Baumriesen, kostbare Ziersträucher aus aller Welt und fremde Koniferen. Nach dem Krieg sehr zugewachsen war das Gartenhaus vielen Bürgern völlig unbekannt; die zugehörige Villa wurde im Krieg teilweise zerstört. Im November 1952 wurde die Bielefelder Öffentlichkeit durch einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Stammt der Pavillon von Schinkel?“ auf das unversehrte Gartenhaus aufmerksam gemacht. Das „architektonische Schmuckkästchen“ wurde als weitgehend original erhaltener Bau im reinen klassizistischen Stil Schinkels beschrieben. Der Autor hob das kostbare Material des örtlichen Sandsteins hervor und lud mit einer Wegbeschreibung zum Besuch ein. Bis dahin hatte die Stadt Bielefeld das Vorkaufsrecht für den Besitz des 9000m2 großen Grundstücks, welches dann aber vom Verband der Textilindustrie Westfalen gekauft wurde. Daraufhin wurde das Gelände in mehrere Parzellen unterteilt, deren Grenzen das Teehaus mehrfach durchschnitten. Ein Abriss des Gebäudes wurde entweder beabsichtigt oder unwissentlich in Kauf genommen.


Bielefeld, Bünder Str. 25b: Das Gartenhaus nach der Sanierung des Jahres 2011. Foto: Stadt Bielefeld

Im Jahr 1953 setzte sich der damalige Landeskonservator Dr. Rensing für den Erhalt des Gebäudes an Ort und Stelle ein und äußerte, dass er mit Rücksicht auf den hohen künstlerischen Wert des Gebäudes gegen einen Abbruch Einspruch erheben werde. Allerdings wurde auch klar, dass die Stadt nicht in der Lage sein würde, die notwendigen Kosten zur Erhaltung des Gebäudes in der gewünschten Form aufzubringen. Aus Sicht der Stadt sei es nur in seiner ursprünglichen Nutzung und nicht ohne eine zugehörige Gartenfläche von mindestens 600m2 als Baudenkmal zu erhalten. Namhafte Bielefelder Bürger setzten sich für den Erhalt des Gebäudes ein und wandten sich auch an die örtliche Presse. Der Landeskonservator schaltete den Regierungspräsidenten in Detmold ein, welcher versuchte, eine Änderung des Bebauungsplanes, der ohne Rücksicht auf das klassizistische Gartenhaus oder die botanischen Besonderheiten entstanden war, zu erwirken. Dennoch wurden im Juli 1953 die ersten Bäume im Park gefällt. Ungeachtet aller Bemühungen zum Erhalt des Teehauses wurden im August 1953 Tatsachen geschaffen und die erste bereits im Kataster eingetragene Parzelle des Geländes, die das Gartenhaus durchschnitt, verkauft.

Im September 1953 wurde im Rahmen einer Ratssitzung eine Lösung zum Erhalt des Gebäudes durch sein Versetzen in den Nordpark vorgestellt. Die Stadt habe dort ohnehin die Errichtung einer Milchstube geplant und könne die hierfür eingeplanten Kosten für die Umsetzung des Teehauses verwenden. Das Haus könne dort in einer Umgebung, die seinem Wesen gerecht würde, der Erholung und Erbauung der Bürger dienen. Diese Lösung missfiel zwar vielen Denkmalfreunden, wurde aber als einzige Rettungsmöglichkeit akzeptiert. Da die ursprüngliche Umgebung des Gartenhauses schon deutlich zerstört war, stimmte auch der Landeskonservator der Translozierung zu und stellte hierfür eine Beihilfe in Aussicht.

Schon im Juni 1954 waren die wesentlichen Arbeiten des Wiederaufbaus abgeschlossen.

Das rechteckige Haus ist ein streng achsial symmetrisch gegliederter eingeschossiger Putzbau, der ein flaches Walmdach auf einem auskragenden Kranzgesims trägt. An der dem Park zugewandten Schauseite befindet sich ein freistehender Portikus mit Flachgiebel, Triglyphenfries und vier dorischen Säulen. Die Werksteinelemente aus Osning-Sandstein wie Gesimse, Triglyphenfries, Säulen, Pilasterkapitelle und -basen, Gewände und Sohlbänke und auch die Stufen am Portikus entstammen aus der Bauzeit und wurden Stück für Stück vom alten Standort in den Nordpark versetzt. Gleiches gilt für die Fenster, Fensterläden, Außentüren und die Fußbodenplatten im Portikus. Die ursprünglich in Naturstein erstellten Außenwände wurden 1954 aus neuzeitlichem Kalksandstein errichtet, die Innenwände waren ursprünglich als Fachwerkkonstruktion ausgeführt und wurden in Kalksandstein ersetzt.

Im Jahr 2009 zeigten die Fassaden unübersehbare Schäden. Von einem Restaurator wurde ein Sanierungskonzept entwickelt, das dann im Zuge der Instandsetzung im Jahr 2011 umgesetzt wurde. Beim neuen Farbkonzept für die Außenfassade entschied man sich für eine Ausführung, die einerseits die Erstfassung nach dem Wiederaufbau von 1955 aufnimmt und andererseits auch die aufgefundenen Spuren aus der früheren Zeit berücksichtigt: Die Sandsteinelemente blieben nach dem Wiederaufbau 1954 steinsichtig, die Riefen in den Triglyphen wurden mit einem rot gefassten Kalkmörtel mit Ziegelsplittzusatz gefüllt. Entsprechend der im Klassizismus beliebten monochrom hellen Fassungen in Steinfarbe und auch in Anlehnung an die wenigen gefundenen Farbspuren aus der Zeit vor 1954 wurden alle verputzten Fassadenteile in einem hellen Grau-Beige gestrichen. Im Gesamtergebnis wirkt diese Fassung sehr ruhig und harmonisch: der Pavillon strahlt, von großen Bäumen umrahmt, hell in den grünen Park hinein.

Vom Teehaus über die Milchstube zum Park-Café setzt die Nutzung des „Schinkel-Pavillons“ die Tradition als Stätte der Begegnung und Kommunikation im schönen Nordpark fort.

Dipl.-Ing. Birgit Breloh