Denkmal des Monats


Ein Kaleidoskop der Jahrhunderte

Der Burgmannshof Gransau

Im Arnsberger Stadtteil Neheim konzentriert sich im Burgmannshof Gransau die Stadtgeschichte vom Mittelalter bis in die Moderne. Neue Untersuchungsergebnisse belegen, dass das Fachwerkgebäude älter und vielfältiger ist, als bisher angenommen.

Der Burgmannshof Gransau ist ein imposantes Beispiel Neheimer Geschichte.

Spuren früherer Bauten

Der Blick vom Ruhrtal hoch zum Burgmannshof Gransau zeigt heute noch die strategisch geschickte Anlage oberhalb der Stadtmauer zur Verteidigung der Burg Neheim, die bis in das 13. Jahrhundert nachweisbar ist. Bauliche Reste von Vorgängerbauten lassen sich im heutigen Keller der Gransau nachweisen: So ergab die dendrochronologische Untersuchung (Baumringdatierung) eines Türstocks im Keller eine Datierung um 1518. Schwieriger ist es, das Entstehungsdatum der Natursteinmauern im Hang zu ermitteln. Vieles spricht dafür, dass hier tatsächlich Reste der Neheimer Stadtmauer erhalten sind. Die mittelalterliche Anlage wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) nicht wiederaufgebaut und im 19. Jahrhundert fast vollständig abgerissen.


Detail des wiederentdeckten Schmuckgiebels von 1650.

Holzproben beweisen: Älter als gedacht

In der Neheimer Ortsliteratur wurde bisher davon ausgegangen, dass der Kernbau der heutigen Gransau anstelle eines durch den Stadtbrand von 1673 zerstörten Baus errichtet wurde. Jetzt liefern Holzproben andere Daten. Die Hölzer des südwestlichen Bauteils stammen bereits aus der Zeit um 1650. Spektakulär ist auch der Nachweis eines Schmuckgiebels dieser Zeit, der sich im Dachwerk erhalten hat. Er stammt aus der Phase, als der Burgmannshof im Besitz der Familie von Falkenberg war.


Umgestaltung durch neue Eigentümer

Dass neue Eigentümer als erstes ein Haus umgestalten, ist heute nicht anders als im Jahr 1745. Damals wurde die Gransau an die Familie Meininghaus verkauft. Sie ließ den Kernbau um 1748 nach Norden erweitern, wie eine Analyse der Bauhölzer zeigt. Auch im Inneren wurde er den zeitgemäßen Bedürfnissen angepasst, wie ein Kamin mit der Jahreszahl 1749 belegt. Allerdings ging der Besitz bereits 1763 an die verwandte Familie Friedrich Georg Cosack über, die bis heute Eigentümerin der Gesamtanlage ist.


Vom Burgmannen zum Industriellen

Im südwestlichen Hang unterhalb der Gransau legte Theodor Cosack ab 1833 die metallverarbeitende Fabrik Tappe & Cosack an. Sie expandierte schnell, so dass eine Reihe von Gebäuden unterhalb des Hanges entstand. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Burgmannshofes wurden in die Nutzung integriert. Über die Größe des Cosackschen Hausstandes gibt bis heute eine sehr große Räucherkammer Auskunft, die im 19. Jahrhundert im nordwestlichen Dachwerk eingebaut wurde.


Das repräsentative Tor gibt den Blick auf die historische Bebauung der Burgstraße frei.

Schöner Wohnen um 1900

Um 1910 beantragte Adolf Cosack den Neubau einer Villa nordöstlich des Burgmannshofes. Damit wollte er den zeitgenössischen Anforderungen an Repräsentation und Wohnkomfort nachkommen. 1907 hatte der Unternehmer die Fabrik an die Lange Wende umgesiedelt und einen Großteil der Industrieanlagen abreißen lassen. Das Grundstück wurde mit einer Umfassungsmauer und einem herrschaftlichen schmiedeeisernen Tor zur Burgstraße abgegrenzt. In Ergänzung zum gepflasterten Vorplatz mit dem ehemaligen Wirtschaftsgarten wurde auf der Hangseite ein einzigartiger terrassierter Garten angelegt, der Relikte der Industrieanlage integriert.


Mehr Schein als Sein

Die Fachwerkfassade an der Hofseite, die heute als Charakteristikum der Gransau empfunden wird, entstand als Blendfachwerk erst nach 1945. Sie verdeckt das darunter vorhandene Fachwerk von 1650 und die ursprünglich zur Fassade hin sichtbaren über 370 Jahre alten Balkenköpfe.


Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Nach Wasserschäden und einem Eigentümerwechsel innerhalb der Familie kann jetzt mithilfe der neuen Erkenntnisse die Restaurierung geplant werden. Das ist auch dem denkmalaffinen Eigentümer zu verdanken, der die Gransau aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt hat.

Eva Dietrich

 


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