Denkmal des Monats


Burg Altena

und die Burgtore

Burg Altena – hoch über der Stadt Altena im Lennetal im Märkischen Sauerland gelegen – beherbergt heute Museen, eine bedeutende Kunstsammlung, ein Restaurant und eine Jugendherberge. Hier wurde im Neuen Palas 1912 die weltweit erste Jugendherberge eingerichtet, die heute Teil des Museumsrundganges ist. Den Besucher beeindruckt die langgestreckte Burganlage mit ihren hohen wehrhaften Mauern und Gebäuden in massivem Bruchstein als mittelalterlicher Wohn- und Wehrbau auf einem Bergsporn.

Burg Altena, Ansicht von Westen, rechts die erste Toranlage mit dem Friedrichstor 2017. Foto: LWL/Votteler.

Der Eindruck einer mittelalterlichen Burg täuscht jedoch. Gebaut wurde die Burg tatsächlich im 12. Jahrhundert, verlor aber schon bald als Wohnsitz der Grafen von der Mark an Bedeutung und wurde verschiedentlich weiter genutzt. Zweimal brannte die Burg teilweise ab, zuletzt 1696, und verfiel dann zusehends. Die ersten Pläne zum Ausbau der Ruine stammen aus den 1830er-Jahren. Das Projekt des Wiederaufbaus wurde 1906 zum 300-jährigen Jubiläum der Zugehörigkeit der Grafschaft Mark zu Brandenburg-Preußen wiederaufgegriffen. Bis 1916 entstand mit der Neuschöpfung durch Georg Frentzen ein Gesamtkunstwerk, das heute von nationaler Bedeutung ist. Die bis dahin noch erhaltenen historischen Mauern und Gebäudeteile wurden in den Neuaufbau integriert. Viele einzelne Bauelemente mussten bestandsgerecht erneuert werden, andere dagegen sind romantische Neuinterpretationen. Es wurden auch viele Bauteile wie z. B. Türblätter als Spolien wiederverwendet sowie zusammengetragene Kunstgegenstände zur Ausgestaltung der Räumlichkeiten verwendet.


Vorzustand eines Torflügels mit Korrosionsschäden an den Zierbändern und dem Drehzapfen. Foto: Mühlenhof Restaurierungen GmbH, Lichtenau, 2016.

Als Denkmal des Monats Dezember sollen in diesem Jahr die Burgtoranlagen vorgestellt und ausgezeichnet werden, passend zur jahreszeitlichen Stimmung – die Tor macht weit! –, denn die insgesamt acht hölzernen Torflügel in den vier Toranlagen auf Burg Altena wurden in den Jahren 2016 bis 2018 vorbildlich konserviert, restauriert und wieder funktionstüchtig gemacht.
Zur Sicherung hatten Burgen meist mehrere Tore. Auf Burg Altena sind es vier Toranlagen, die zumeist in Torhäusern integriert sind. Das erste Tor mit einer aufwändigen Einfassung aus hellem Kalkstein ist das sogenannte Friedrichstor. In der Regel stehen in der heutigen Nutzung alle Torflügel offen mit einer Ausnahme: Tor 3 wird täglich verschlossen und bildet zusammen mit dem Kommandantenhaus den Abschluss des museal genutzten Bereiches, zu dem der Zwinger und der gesamte Obere Burghof mit dem Neuen und Alten Palas, dem Kapellengebäude und den beiden Türmen (Bergfried und Pulverturm) gehören.


Detailaufnahme des rechten Torflügels von Tor 2 in der Werkstatt. Zwischenzustand nach Ergänzung der korrodierten Eisenbänder sowie dem Schutzanstrich mit Bleimennige und Leinölanstrich auf den Holzflächen. Foto: Restaurierungsatelier „Die Schmiede“ GmbH, Duisburg, 2017.

Die Torflügel aus Eichenholz sind mit Zierbändern und Ziernägeln aus Eisen beschlagen. Der Schadensumfang, insbesondere in den unteren Bereichen, mit starken Korrosionsschäden an den Eisenbändern und zerstörter Holzsubstanz machte umfangreiche Restaurierungsarbeiten erforderlich. Dazu mussten alle Torflügel ausgebaut und in die Werkstatt gebracht werden. Auch die Korrosion an den Drehzapfen und Mulden im Bodenbereich war so weit fortgeschritten, dass die Tore zum Teil nicht mehr bewegt werden konnten. Verantwortlich für das Schadensbild ist der massive Einsatz von Streusalz im Winter auf den Torwegen mit seinem glatten Kopfsteinpflaster. Für dieses Problem sollte langfristig noch eine substanzschonendere Lösung für die Burgtore gefunden werden.


Innenseite von Tor 2 nach Fertigstellung der Restaurierung 2016. Foto: Restaurierungsatelier „Die Schmiede“ GmbH, Duisburg, 2017.

Die Arbeiten an den acht Torflügeln wurden durch zwei Fachbetriebe mit Diplom-Restauratoren und Restauratoren im Handwerk aus den jeweiligen Gewerken Tischlerei, Schmiede- und Steinmetzhandwerk durchgeführt. Dazu wurden das zerstörte Holz und Schmiedeeisen entfernt und in passendem artgleichem Material ergänzt. Abschließend wurden die Eisenteile gegen Korrosion mit Bleimennige geschützt und alle Oberflächen mit Leinölfarben nach Befund gestrichen.
Die Vorbereitung und Begleitung der Maßnahmen erfolgte durch den Restaurator der Museen der Burg Altena, Holger Lüders, der regelmäßig denkmalpflegerische Zielsetzungen für Bauteile und Ausstattungen entwickelt, die Reparatur- und Restaurierungsmaßnahmen unterzogen werden sollen. Zuvor entwickelte Bearbeitungsrichtlinien dienten als Grundlage für die Ausschreibung zusammen mit einer gründlichen Bestandserfassung einschließlich der Kartierung der Materialien und Schäden.


Gesamtansicht von Tor 3, Außenseite nach Fertigstellung der Restaurierung. Foto: Restaurierungsatelier „Die Schmiede“ GmbH, Duisburg, 2017.

Das betrifft auch weitere Eingangstüren zu den Burggebäuden. Dabei finden nicht nur Pflegemaßnahmen und Reparaturen in den überlieferten Techniken und Materialien statt. Es können z. B. auch unsachgemäße Eingriffe behoben, fehlende Beschlagteile ergänzt und die Farbanstriche in den ursprünglichen und durch Restauratoren nachgewiesenen Farbtönen neu gefasst werden, um so das authentische Erscheinungsbild der einzelnen Bauteile wiederaufleben zu lassen und die denkmalgeschützte Burganlage in ihrer Gesamtwirkung zu ergänzen.
Zu dieser vorbildlichen Vorgehensweise gehört auch, dass die Bauabteilung des Märkischen Kreises als Eigentümerin der Burg Altena seit vielen Jahren kontinuierlich substanzerhaltende Instandhaltungsmaßnahmen durchführt. Besonders sei erwähnt, dass seit einigen Jahren die Dachflächen aller Gebäude und Türme mit dem regionaltypischen Naturschiefer aus dem Sauerland neu eingedeckt werden.

Danae Votteler