Denkmal des Monats


Schmiede und Stellmacherei von Schloss Schweckhausen

in Willebadessen-Schweckhausen, Mühlenweg 2

Im ländlich gelegenen Schweckhausen am Rand des Eggegebirges wurden um 1785 eine Schmiede und eine Stellmacherei als Nebengebäude des dortigen Wasserschlosses errichtet. Das Wasserschloss mitsamt seiner Gräfte, den Parkanlagen sowie den Wirtschafts- und Nebengebäuden bildet den Mittelpunkt von Schweckhausen und ist für das Ortsbild von prägender Bedeutung.

Schmiede und Stellmacherei wurden nach jahrelangem Verfall im Sommer 2016 vor dem Einsturz gerettet und umfangreich saniert. Sie sollen zukünftig von der Dorfgemeinschaft betreut und genutzt werden. Die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen hat die beiden interessanten Gebäude als Denkmal des Monats August ausgewählt wegen ihrer gelungenen Rettung in der sprichwörtlichen letzten Minute.


Schloss Schweckhausen. Foto: Fotodesign Henze, Willebadessen 2017.

Das Wasserschloss Schweckhausen fand bereits im 14. Jahrhundert urkundliche Erwähnung. Der heutige Baubestand der hufeisenförmigen Anlage entstammt unterschiedlichen Zeiten, wobei die ältesten Gebäude wohl 1581 errichtet wurden. Nach mehreren Eigentümerwechseln ging das Schloss im Jahre 1847 an die in Dülmen ansässige Familie des Herzogs von Croy über, die es zuletzt an einen Reiterhof verpachtet hatte. Seit 2015 ist die Gesamtanlage im Besitz der Dolphin Foundation for Science and Culture mit Sitz in Malta.


Schmiede und Stellmacherei befinden sich südlich des Wasserschlosses, am Kreuzungspunkt der Hauptstraße mit der Allee nach Schönthal, deren Einmündung sie symmetrisch flankieren.

Stellmacherei, Straßenansicht nach der Sanierung. Foto: Fotodesign Henze, Willebadessen 2017.

Die eingeschossigen, pavillonartigen Bauten sind als Fachwerkbauten aus Eichenholz errichtet und besitzen ein umlaufendes Sockelmauerwerk aus scholligem Bruchstein. Die Gefache waren ursprünglich mit plattigen Bruchsteinen in Kalkmörtel ausgemauert und beidseitig verputzt sowie mit einem Kalkanstrich versehen.
Die straßenseitige, dem Schloss zugewandte Fassade ist bei beiden Gebäuden als offene, überdachte Vorlaube ausgebildet. Das ziegelgedeckte Walmdach wird an dieser Seite von vier Holzstützen getragen, die mit ihren Kopfbändern drei offene Bögen bilden.
Die Gebäude dienten der Reparatur und Instandhaltung von Fahrzeugen des Gutsbetriebes sowie der Beschlagung der Zugpferde. Mit der Umstellung des Wirtschaftsbetriebes auf Traktoren um 1960 verloren sie ihre Nutzung.


Schmiede. Ortsbürgermeister Heinz-Jürgen Schmidt mit ehrenamtlichen Helfern. Foto: Fotodesign Henze, Willebadessen 2017.

Aufgrund des Eigentümerwechsels konnten die Gebäude im Februar 2016 nach jahrelangem Leerstand erstmals von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen besichtigt und durch die historische Bauforschung untersucht werden. Es stellte sich heraus, dass sich eine nahezu vollständige Schmiede- und Stellmachereiausstattung in den Gebäuden erhalten hatte.
In der Schmiede befinden sich neben dem gemauerten Schmiedeofen noch eine Werkbank und eine handbetriebene Drechselmaschine. Ein Blasebalg für die Sauerstoffzufuhr wurde während der Sanierungsarbeiten auf dem Dachboden des Gebäudes entdeckt. In der Stellmacherei sind u. a. eine Bandsäge, ein Schleifbock, eine Hobelmaschine sowie mehrere Hobelbänke erhalten. Einzelne Maschinen wurden über einen Elektromotor und Transmissionen angetrieben, andere wiederum besaßen einen Eigenantrieb.


Stellmacherei, Rückseite vor der Sanierung. Foto: LWL/Reck.

Bereits bei Eintragung 1992 in die Denkmalliste befanden sich beide Gebäude in einem schlechten baulichen Erhaltungszustand. Der Zustand der Gebäude verschlechterte sich von Jahr zu Jahr, bis sie in den letzten Jahren als einsturzgefährdet eingestuft werden mussten.
Das Blatt wendete sich mit Verkauf von Schloss Schweckhausen und seiner Nebengebäude an die Dolphin Foundation for Science and Culture, die eine Umnutzung des Schlosses für die Zwecke ihrer Stiftung plante und sich sofort der beiden gefährdeten Gebäude annahm.

Schmiede. Sanierte Originaltür mit erhaltenen Gebrauchsspuren. Foto: Fotodesign Henze, Willebadessen 2017.

Zunächst wurde das Eichenfachwerk in zimmermannsmäßiger Bearbeitung repariert und die Gefache saniert, wobei historische Ausmauerungen erhalten blieben und neuzeitliche Füllungen durch Lehmziegel ersetzt wurden. Alle Gefache erhielten einen Unterputz aus Lehm sowie einen anschließenden Kalkoberputz. Der Bruchsteinsockel wurde unter Verwendung des gleichen Steinmaterials saniert und mit Kalkmörtel verfugt. Auch der Dachstuhl wurde repariert und mit den vorhandenen Hohlziegeln wieder neu eingedeckt. Leider konnten nur wenige der stark geschädigten Fenster repariert werden, alle anderen wurden in gleichen Abmessungen und mit Einfachverglasung erneuert. Die beiden bauzeitlichen Türen konnten aufgearbeitet werden, wobei Gebrauchsspuren ausdrücklich erhalten blieben. Im Inneren der Gebäude wurde der vorhandene Fussboden aus festgestampftem Lehm in gleicher Weise erneuert.


Gesamtansicht der beiden Gebäude 2016. Foto: LWL/Reck.

Bei der Sanierung von Schmiede und Stellmacherei in Schweckhausen handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine Rettung in letzter Minute. Glücklich über die Sanierung der beiden Gebäude sind jedoch nicht nur Eigentümer und Denkmalbehörden, sondern vor allem auch die Anwohner von Schweckhausen, die dem Verfall in den letzten Jahren tatenlos zusehen mussten. Sie brachten sich mit viel ehrenamtlichem Engagement in die Sanierungsarbeiten ein. Zunächst bei Räum- und Helfertätigkeiten eingebunden, nahmen die ehrenamtlichen Helfer zum Schluss sogar die Instandsetzung der maschinellen Ausstattung in Angriff. Die Schmiede ist mittlerweile zu Schauzwecken wieder nutzbar. In der Stellmacherei soll ein kleines Museum eingerichtet werden.

Claudia Reck