Denkmal des Monats


Die Wassermühle Graffeln

steht seit 500 Jahren

Unterhalb der Wewelsburg bei Büren, Kr. Paderborn, hat sich im malerischen Tal der Alme ein ungewöhnliches Mühlengebäude erhalten. Es wurde vor genau 500 Jahren errichtet, wobei sich in seiner Entstehung verschiedene Ereignisse der Landesgeschichte spiegeln: Nachdem infolge der Pest um 1370 ganze Landstriche entvölkert worden waren, verfielen die meisten Dörfer und auch das Kloster Böddeken wurde aufgegeben. Erst ab 1408 besiedelten es Kreuzherren wieder. Die Klosterbrüder beschäftigten sich in den folgenden Jahrzehnten mit dem Aufbau einer effektiven Landwirtschaft, wobei sie auf den Ländereien des verlassenen Ortes Graffeln unterhalb der Wewelsburg ab 1434 einen eigenen Wirtschaftshof gründeten und dort auch eine große Mühlenanlage errichten.

Wassermühle Graffeln, Haus Graffeln 1, Büren-Wewelsburg, 2017. Foto: LWL/Kaspar.

Hierzu waren umfangreiche Erdarbeiten auszuführen, um das notwendige Wasser durch einen über einen Kilometer langen Mühlenkanal aus der wasserreichen Alme zu den Rädern zu leiten. Dieser Kanal ist bis heute erhalten.

1515 kam es zu wirtschaftlichen Konflikten mit den Herren von Brenken, die daraufhin den gesamten Wirtschaftshof nicht nur plünderten, sondern auch zerstörten. Schon im folgenden Jahr wurde durch das Kloster mit dem Neubau der Mühlenanlage begonnen. Wie in Westfalen ehemals üblich, wurde eine Doppelmühle gebaut, womit zwei Mühlen unterschiedlicher Funktion in getrennten Gebäuden bezeichnet werden. Hierfür wurden beidseitig des Stauwehrs Gebäude für eine Mahl- und eine Ölmühle errichtet. Die Klosterchronik berichtet für das Jahr 1517 „buwen wy dit jar ... eyn malmollen van steynen“ („bauen wir dies Jahr … eine Mahlmühle aus Steinen“).


Gebäudeensemble mit der Wassermühle rechts im Bild, 2017. Foto: LWL/Kaspar.

Der damals errichtete Steinbau der Mahlmühle ist bis heute erhalten geblieben, wobei auch mit einer dendrochronologischen Datierung im Zuge einer bauhistorischen Untersuchung durch die Bauforschung des LWL nachgewiesen werden konnte, dass die in dem hohen Dach verzimmerten, kräftigen Eichenbalken im Frühjahr 1517 gefällt worden waren. Da bekannt ist, dass man Eiche stets frisch verzimmerte, bestätigt sich damit die Nachricht, dass man das Gebäude in diesem Jahr gebaut hat. Das Gebäude dürfte zu den ältesten noch erhaltenen Wassermühlen des Landes Westfalen gehören.

Dank seiner soliden Ausführung steht das Gebäude auch nach 500 Jahren noch bemerkenswert gut da. Die gesamte Dachkonstruktion ist ohne Schäden und Veränderungen erhalten geblieben. Das Mühlengebäude ist ein mehrgeschossiger Bau mit steinernen Umfassungswänden, der neben der Mühle auch die Wohnung des Müllers sowie im Obergeschoss und im Dachwerk Lagerböden für Getreide aufnahm. Das bemerkenswert alte Gebäude folgt in seiner ungewöhnlichen Gestalt noch ganz mittelalterlichen Bautraditionen, denn es zeigt in seinem steilen Satteldach heute nur noch sehr selten erhaltene Halbwalme.


Im Zuge der Auflösung von Kloster Böddeken 1803 wurde das Vorwerk Graffeln zu einer staatlichen Domäne. Die beiden Mühlen und die übrigen Wirtschaftsgebäude wurden zunächst zusammen mit den Ländereien und einer großen Schafhaltung an Unternehmer verpachtet und um 1860 dann an den Freiherren von Brenken zu Erpernburg verkauft, dem Nachfahren derjenigen, die 1515 die Anlage zerstört hatten. Seitdem haben die Besitzer bis heute die gesamte Anlage gepflegt, die seit 1911 durch ein kleines Herrenhaus erweitert worden ist, das „Haus Graffeln“. Nachdem die Mühlen stillgelegt wurden, hat man in der alten Kornmühle eine Tischlerei eingerichtet, so dass sie weiterhin genutzt und unterhalten werden kann.

Fred Kaspar