Von der Förderschule in den Beruf

Durch ein gut funktionierendes Netzwerk werden Träume wahr

Wenn der Weg für junge Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf nicht automatisch in die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen führt und sich auch noch andere Perspektiven, wie eine betriebliche Ausbildung, Beschäftigung oder weitere Möglichkeiten schulischer und beruflicher Vorbereitungen ergeben können, werden die Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes im Bereich Übergang Schule – Beruf aktiv.

So auch bei Janik Linnemannstöns, dessen Leidenschaft Autos sind und dessen Traum es seit jeher war, in diesem Bereich arbeiten zu können. Ein Traum, den sich Janik nun erfüllen konnte. Bis zum Sommer vergangenen Jahres besuchte Janik mit einer Autismus-Spektrums-Störung und einer Entwicklungsverzögerung eine Gütersloher Förderschule. Sein Weg schien vorgezeichnet. Sollte sich doch zunächst für weitere drei Jahre ein Förderschulbesuch für junge Menschen mit entsprechenden Förderbedarfen anschließen. Doch für Janik war klar, dass sein Weg ein anderer sein kann. Trotz aller Vorbehalte, denen sich Janik stellen musste, und die eine betriebliche Ausbildung in Frage stellten, verfolgte er zielstrebig seinen Traum, der durch den starken Rückhalt seiner Familie in greifbare Nähe rückte.

So wandte sich Janiks Mutter, Katrin Jördel, ein dreiviertel Jahr vor Schulentlassung ihres Sohnes an Dirk Lange-Mensing vom Integrationsfachdienst Bielefeld / Gütersloh. Selbst auf den Rollstuhl und die Hilfe anderer angewiesen, lautete ihr kämpferisches Credo „Geht nicht - gibt’s nicht! Wenn Inklusion, dann richtig!

Schnell wurde klar, es kann gehen: mit Hilfe von STAR - kurz für: Schule trifft Arbeitswelt, dem landesweiten Projekt des NRW-Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales NRW (MAIS) und der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR). Eng eingebunden sind bei der Umsetzung von STAR die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und das Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW.

STAR unterstützt Schülerinnen und Schüler von Förderschulen und Schulen im Gemeinsamen Lernen bei der Vorbereitung auf das Berufsleben. Das Projekt will den jungen Menschen gemeinsam mit Arbeitgebern den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen. Dabei ist STAR ein modularisiertes System in Form einzelner Standardelemente aus  Potenzialanalysen, Berufsfelderkundungen, Praktika, dem Training arbeitsrelevanter sozialer Kompetenzen oder der abschließenden Übergangsbegleitung der inklusive Baustein des NRW-weiten Schul- und Berufs-Übergangssystems „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Mit der Umsetzung vor Ort sind die regionalen Integrationsfachdienste (IFD) betraut – darunter auch der IFD Bielefeld-Gütersloh.

Zurück zu Janik: Unterstützung bekam er durch den IFD. Dieser stellte Kontakte zu weiteren Kooperationspartnern, wie Sabrina Wietbüscher von der Agentur für Arbeit und Martin Koch, dem stellvertretenden Schulleiter vom Kerschensteiner Berufskolleg her. Hierüber wurde ein Kontakt zum Gütersloher Autohaus Mense geknüpft, dem sich ein vom IFD begleitetes Langzeitpraktikum anschloss. Nach dem Auswertungsgespräch mit dem Ausbildungsleiter Paul Rempel war klar: Janik hat auf ganzer Linie überzeugt und kann sich für eine Ausbildung als Fahrzeugpfleger empfehlen.

Mittlerweile hat er das erste Ausbildungsjahr hinter sich gebracht und besucht das Kerschensteiner Berufskolleg in Bielefeld, das u.a. eine Fachklasse für den Ausbildungsberuf Fahrzeugpflege und auch Stütz- und Förderunterricht anbietet. „Janik hat Spaß an der Arbeit, ist eine Bereicherung für das Team und arbeitet super mit“, sagt Paul Rempel vom Autohaus Mense. Das Autohaus, das derzeit 39 Auszubildende und insgesamt 250 Mitarbeiter beschäftigt, hat bereits Erfahrungen mit Arbeitnehmern mit Handicap. Überdies habe Janik nach Beendigung seiner Lehrzeit gute Chancen vom Betrieb übernommen zu werden.

Es gibt immer einen Weg, seinen Träumen einen Schritt näher zu kommen und diese wahr werden zu lassen….

Text von Dirk Lange-Mensing, IFD Bielefeld/Gütersloh